Diablo 3 hier, Diablo 3 dort. Bleibt da eigentlich noch Platz für die Konkurrenz? Gibt es überhaupt noch jemanden, der es wagt, gegen den Blizzard-Titanen anzutreten? Und ob! Der vorwitzige Herausforderer heißt Torchlight 2. Und der hat gar nicht so schlechte Karten!

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Mehr, ich will meeeehr!

Man merkt es von den ersten Mausklicks an: Das Werk der Entwickler Runic Games nimmt sich lange nicht so ernst wie das Produkt des Rivalen. Torchlight 2 ist bunter, lässiger, aber irgendwie auch lebendiger. Das beginnt noch nicht unbedingt bei der Charakter-Auswahl - auch wenn hier bereits das ein oder andere Schmunzeln über eure Lippen gehen dürfte.

Die vier Klassen bedienen zwar die üblichen Klischees, trotzdem unterscheiden sie sich dezent von ihren herkömmlichen Genre-Kollegen. Nehmen wir etwa den Berserker, der die Nahkampfklasse repräsentiert, aber doch irgendwie nicht zum typischen schwertschwingenden Grobian zählt. Denn eigentlich kann man dem Recken so ziemlich alles in die Hand drücken, was wehtun kann - und das macht ihn in dieser Disziplin sehr flexibel.

Aber egal, ob ihr euch nun für den Berserker, den Engineer (eine Art schwerer Tank mit vielen Spielzeugen), den "Embermage" (Zauberer) oder den Fernkämpfer ("Outlander") entscheidet - Torchlight zieht euch mit seiner zugänglichen Spielmechanik schnell in seinen Itemjagd-Wahn hinein.

Wenn das fertige Spiel den tollen Vorabeindruck bestätigt, muss sich Diablo 3 warm anziehen ...Ausblick lesen

Wenn Diablo 3 einen Tsunami ausgelöst hat, dann hagelt es hier wohl buchstäblich Gegenstände. Teils erkenne ich beim Öffnen einer Truhe oder nach dem Abmetzeln eines Boss-Gegners kaum noch etwas auf dem Bildschirm - ohne Scheiß!

Torchlight 2 - Das bessere Diablo 3?

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Teilweise ergießt sich ein wahres Effektfeuerwerk über den Bildschirm!
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Das Gute: ich habe das Gefühl, hier viel schneller mit tollen Schmuckstücken, Rüstungen und Waffen für meine Mühen belohnt zu werden als in Diablo 3. Bis Level 20 habe ich nicht viele, aber einige legendäre Gegenstände und sogar Set-Items gefunden. Ja, Letztere kann man übrigens bei ausgesuchten Händlern kaufen - so ihr sie denn in der "Prärie" ausfindig macht. Auf diese Weise stellt sich schnell ein wirklich befriedigendes Spielgefühl ein, das zum Weitermachen motiviert.

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Von den eher lieblos und langweilig präsentierten Quests könnt ihr solchen Ansporn aber nicht erwarten. Was die Präsentation der belanglosen Handlung betrifft hinkt Runic dem Konkurrenten um einiges hinterher.

Das gilt aber eigentlich nur für diesen Punkt und die grandiosen Zwischensequenzen von Diablo 3. Die Gestaltung der Welt ist dagegen sicherlich Geschmackssache. Während in Diablo 3 dunkle Töne und blutige Splattereinlagen dominieren, geht Torchlight das Ganze lebhafter und farbenfroher an.

Auffallend ist vor allem, dass Runic seine Helden zwar durchaus auch gewalttätig zu Werke gehen lässt, aber irgendwie schimmert immer ein bisschen das neckische Blinzeln hindurch - wenn man bei der Effektorgie überhaupt noch etwas erkennt, denn hier übertreibt es Torchlight 2 fast ein wenig. Vor lauter Kampfeffekten und Zaubern sind die zig Monster teilweise kaum noch auszumachen.

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Items ohne Ende - teils wird der gesamte Bildschirm überflutet!
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Aber das schadet dem ultraflüssigen Spielablauf nicht im geringsten. Hier hacken, dort slayen und die vielen glänzenden Teile aufheben. Schön. Dazu werde ich sogar noch von einem permanenten Pet begleitet, das gleich mehrere nützliche Funktionen in sich vereint. Zum einen teilt es ein wenig Schaden aus und bindet so zeitweise das eine oder andere Unwesen an sich. Dabei lässt es sich nicht nur mit einigen Items ausrüsten, sondern auch mit gefundenen Sprüchen ausstatten.

Cooler ist jedoch die Möglichkeit, es Gegenstände schleppen zu lassen, die es sogar auf Befehl beim Händler verhökert. Der Begleiter ist zudem in der Lage, eine bescheidene Einkaufsliste abzuarbeiten und beispielsweise Heiltränke anzuschleppen. Auf diese Weise erspart man sich etliche Wege zurück in die Städte, die wegen der Item-Flut und der geringeren Selbstheilrate sonst durchaus öfter notwendig wäre. Tode kommen übrigens recht teuer, ihr dürft aber auswählen, ob ihr am letzten Kontrollpunkt einsteigt oder in die Ortschaft zurückkehrt.

Spieltiefe? Ist vorhanden!

Der Spielablauf von Torchlight bietet den jetzigen Eindrücken zufolge aber auch etwas mehr Spieltiefe als der große Konkurrent. Anstatt immer nur auf die Maustasten zu kloppen, darf ich gelegentlich auch mein Oberstübchen anstrengen. Ab und zu stolpere ich nämlich über kleinere Schalterrätsel, die den sonst zu Monotonie neigenden Spielmechanismus aufbrechen.

Zudem sind in den ausufernden Arealen immer wieder auch Geheimräume versteckt und Truhen untergebracht, deren Schlüssel ich mir erst ermetzeln muss. Mit dieser simplen Methode belohnt Torchlight 2 gleichzeitig Entdeckernaturen für ausgedehnte Streifzüge durch die Wildnis, die insgesamt lebendiger wirkt als in Diablo 3: Wettereffekte und Tag/Nachtwechsel inklusive.

Mehr Spieltiefe bietet Torchlight den ersten Stunden nach zu urteilen auch wegen eines umfangreicheren Skillsystems, das drei Fertigkeitsbäume mit jeweils über einem Dutzend Talenten enthält. Und was ich fast übersehen hätte (weil Diablo 3 die einfach automatisch verteilt): Ich darf nach jedem Levelaufstieg Attributspunkte frei verteilen und nehme damit direkt Einfluss auf die Ausrichtung meines Helden. Rollenspieler dürften das begrüßen.

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Hier dürft ihr auch mal richtig nah ranzoomen und euren Helden bewundern - cool!
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Was gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch zu sagen? Torchlight 2 wird - anders als Diablo 3 - auch offline spielbar sein. Neben Online-Partien für bis zu sechs Spieler könnt ihr euch also bald auch ohne Internetverbindung in Schlachten gegen gefräßige Spinnen und ähnliche Mobs stürzen. Dass Runic seiner Spielergemeinde weitaus aufgeschlossener gegenübersteht als Blizzard zeigt auch die Tatsache, dass es sogar Mod-Unterstützung geben soll.

Auf der Negativseite muss ich aber teils recht lange Ladezeiten nennen und auch die Existenz von Identifizierungs- und Portalscrolls ruft nicht eben Jubelschreie hervor. Andererseits seid ihr hier nicht auf eine starre Kameraansicht beschränkt - im Gegensatz zu Diablo 3 erfreut ihr euch über eine zoombare Perspektive und könnt so näher an das Schlachtgeschehen heranrücken.