Es ist immer Herausforderung und Risiko zugleich, wenn ein vermeintlicher Aspirant gegen einen Platzhirsch antritt. Was "World of WarCraft" für MMOGs ist, stellt "Diablo" im Bereich des Hack-n-Slay dar: Spiele, an denen sich die Konkurrenz messen lassen muss. Im Fall von Torchlight 2 ist das aber überhaupt kein Problem, denn Entwickler Runic Games hat ein Werk erschaffen, das den Vergleich nicht zu scheuen braucht.

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Die zweite "große" Genre-Veröffentlichung des Jahres ist eigentlich eine kleine - das Runic-Team ist gegenüber Blizzard lächerlich übersichtlich aufgestellt.

Die Diablo-Macher wenden die Manpower vor allem für ein viel höheres Produktionsniveau auf und bieten etwa mit erstklassigen Zwischensequenzen tolle Schauwerte. In spielerischer Hinsicht muss sich Torchlight 2 aber überhaupt nicht verstecken - im Gegenteil.

Von Beginn an punktet das extrem zugängliche Spiel mit motivierender Loot-Verteilung. Schon sehr früh wird der actionreiche Einsatz gegen die Heerscharen des "Archlord" - des Oberbösewichtes - mit zahllosen Beutestücken belohnt. Es hagelt förmlich Rüstungsteile, Waffen und Gold.

Das ''Billig''-Klick-Massaker kann es definitiv mit dem großen Konkurrenten Diablo 3 aufnehmen.Fazit lesen

Im Unterschied zu Diablo 3 geht es hier aber gleich ans Eingemachte - das heißt, auch legendäre Items und Set-Gegenstände gehören wie selbstverständlich zur Ausschüttung dazu. Bereits beim Abschluss des ersten Aktes kann jeder über ein komplettes Set toller Rüstungen verfügen. Ein Auktionshaus, in dem sich der Hersteller auf Kosten der Spieler am Sammeltrieb bereichern will, gibt es hier einfach nicht.

Torchlight 2 - Der kleine Bruder von Diablo wird erwachsen

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Torchlight 2 brennt oft ein wahres Effektfeuerwerk ab.
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Effekt- und Itemflut

Zuweilen wird es der Beute fast zu viel - wenn da nicht der treue tierische Begleiter wäre, der mir auf Schritt und Tritt folgt. Mein Pet greift nicht nur aktiv in das Kampfgeschehen ein, es schleppt auch einen Teil des Raubgutes. Damit entlastet es nicht nur meinen durchaus Platz bietenden Rucksack - ich kann das Wesen von jedem Ort der Fantasy-Welt Vilderan sogar zurück in die Stadt schicken, wo es den Krempel automatisch verhökert und mit den Einnahmen zu mir zurückkehrt.

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Das possierliche Tierchen lässt sich mit eigenen Gegenständen und magischen Sprüchen aufrüsten und mutiert nach der Fütterung mit Fischen (und anderen Leckerbissen) zur reißenden Bestie, die dann besonders viel Schaden austeilt.

Packshot zu Torchlight 2Torchlight 2Erschienen für Xbox 360 und PC kaufen: ab 21,95€

Im Vergleich zum Vorgänger hat sich Torchlight 2 vor allem in Details weiterentwickelt. Anstatt nur eine große Stadt und etliche Dungeons zu öffnen, tummelt ihr euch nun auch in kleineren Hubs und ausgedehnten Oberwelten. Sowohl Höhlen als auch die unterschiedlichen Landschaften hat Runic sehr atmosphärisch gestaltet. Optisch können sie zwar nicht mit der Hochglanzoptik des Konkurrenten mithalten.

Torchlight 2 - Der kleine Bruder von Diablo wird erwachsen

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Wer sein Pet füttert, verwandelt es mitunter in eine reißende Bestie.
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Doch egal, ob ich mich in Winterumgebungen, in der Wüste oder in sumpfigen Waldgebieten aufhalte: Mit überzeugenden Kleinigkeiten wird hier mithilfe des leicht antiken Retro-Stils ein lebendiges Umfeld mit Charme geschaffen, das eine schöne Anziehungskraft ausstrahlt.

Torchlight 2 ist auch weniger linear als D3, weil man die Aufgaben nicht so direkt hintereinander abspult und eine größere Entscheidungsfreiheit über absolvierte Quests die eigenen Wege nicht derart vorbestimmt. Sprich: Die Reihenfolge der Missionen ist nicht vorgegeben. Das schützt allerdings nicht vor einfallslosen Quests der Marke: "Gehe in den Dungeon und erledige etwas für mich" (aka töte den Boss), von denen es mehr als genug gibt. Insgesamt sind Runic Games sicher nicht die großen Geschichtenerzähler - die Handlung um den bösen "Archlord" ist leider recht uninspiriert und zusammenhanglos gestaltet und wird eher lustlos heruntergespult.

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Neu sind natürlich auch die vier Klassen: Magier, Berserker, Ingenieur und Outlander. Jede bringt ihre Eigenheiten in den Spielablauf ein und besitzt mächtige Skills, aufgeteilt auf drei Talentbäume. Die Unterschiede sind groß genug, dass sich ein erneutes Durchspielen mit einer anderen Charakterklasse durchaus lohnt. Ein wenig unverständlich ist jedoch die Entscheidung, ein Zurücksetzen der Fertigkeiten nur für die letzten drei Anpassungen zu erlauben.

Wenn Runic das nicht selbst ändert, macht das aber vielleicht ein engagierter Spieler - denn Modding ist ausdrücklich erlaubt und erwünscht. Wir dürfen daher gespannt sein, mit welchen Ideen Torchlight-Fans in den nächsten Wochen antanzen werden. Aber auch den Entwicklern selbst hat es nicht an interessanten Einfällen gemangelt. Allein die Effektvielfalt steigert sich in vielen Momenten zu einem berauschenden, manchmal auch blendenden Gewitter, das die Sinne betört (oder lähmt).

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Nette Einfälle wie dieser bereichern den Spielablauf: Ich muss immer im Lichtkegel bleiben, während ich durch den Dungeon laufe und kämpfe.
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Teilweise geht in dem bunten Chaos zwar ein wenig die Übersicht flöten, aber dafür ist auf dem Bildschirm mächtig was los. Auch die Gegnerschar überzeugt mit einer Vielfalt, an der sich der große Konkurrent einiges abschauen könnte. Gerade im späteren Spielverlauf muss ich mich immer wieder - einen höheren Schwierigkeitsgrad als "normal" vorausgesetzt - auf neue Feindesaktionen einstellen, die mich wegstoßen, anziehen, mit Gift spucken oder mit Schwertern attackieren, mit denen sie eben noch an die Wand genagelt waren.

In einem Dungeon muss ich ständig im Licht eines Fokusstrahls bleiben, um keinen Schaden zu nehmen, und dabei gleichzeitig die angreifenden Monsterhorden bekämpfen und Loot einsammeln. Nebenbei entstehen zumindest Teile des Kerkers um mich herum neu, Plattformen wachsen aus dem Nichts vor mir in die Höhe – cool. Bei den Bossmonstern hätte ich mir dagegen etwas mehr taktische Herausforderung gewünscht. Viel mehr als wild Draufkloppen muss ich mit meinem Berserker eigentlich kaum.

Dafür werde ich aber für das Erforschen der Spielwelt belohnt. Wer sich genau umschaut, stolpert über geheime Räume und zusätzliche "Geisterwelten", in denen sich noch etliche weitere Gegenstände verbergen. Auch versteckte Fallen und eine Reihe von Minirätseln lockern das zur Monotonie neigende "Klick-Klick"-Spielgeschehen immer wieder auf. Wie auch bei den Bossen wäre hier noch Luft nach oben.

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Wer sich durch den Online-Zwang von D3 gegängelt fühlt, dürfte bei Torchlight 2 jubeln: Das Hack-n-Slay kann nicht nur als Singleplayer-Spiel unabhängig vom Internet gezockt werden. Bei kooperativen Online-Matches für bis zu sechs Spieler könnt ihr den Kreis der Teilnehmer genauso auf eure Freunde beschränken wie bei alternativen LAN-Sessions im eigenen Netzwerk.

Das Gute beim Einzelspiel: Ihr setzt nach jeder Spielunterbrechung genau dort ein, wo ihr aufgehört habt. Das Spiel merkt sich eure exakte Position und die bereits abgegrasten Random-Dungeons. Ihr müsst einmal aufgedeckte Karten also kein zweites Mal "beackern". Zeit geschunden wird in den 20 bis 30 Stunden Spielzeit, verteilt auf vier Kapitel, also definitiv nicht.

Übrigens: Publisher Daedelic wird das bisher nur als englisches Download-Spiel erhältliche Klick-Massaker Ende Oktober auch als Retail-Fassung in deutscher Sprache anbieten. Der Preis soll bei ähnlich günstigen ca. 20 Euro liegen, die auch für die digitale Version fällig werden.