Es gibt große, aufrüttelnde Spiele, die die Industrie einmal komplett umkrempeln, neue Trends lostreten und in den Herzen der geneigten Spielerschaft einen gewaltigen Hunger entfesseln. Mehr wollen wir davon, immer mehr, bis uns irgendwann auffällt, dass es in der Szene vor Klonen nur noch so wimmelt, wir des Ganzen überdrüssig werden und uns dem nächsten Objekt der Begierde widmen.

Eine der größten Lücken in den Spielerherzen hinterließen die Ableger der Diablo-Reihe. Eine Lücke, die wir bald wieder mit Titeln wie Mythos stopfen können, bevor Diablo III uns sämtlicher Freiheit berauben wird.

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Im Zuge des Xbox-Live-House-Events, einer Art Los Wochos auf dem virtuellen Marktplatz von Microsoft, wird nach der HD-Version von Beyond Good & Evil (hier geht es zu unserem Test) nun der erste Teil von Torchlight erneut in unsere Wohnzimmer gespült. Der knackige Geheimtipp hatte mir bereits im Herbst 2009 die Socken ausgezogen, machte er auf kleine aber sehr feine Weise doch alles genauso gut wie die Großen. Die etwas späte Portierung ist nun also eine gute Chance, auf den letzten Drücker noch einmal dicken Loot einzuheimsen, bevor diesen Sommer der Nachfolger Torchlight II über die Monitore flimmert.

Ist das etwa SCHON WIEDER Tristram?

Man könnte auch sagen: Nach über 750.000 verkauften Exemplaren ist es Zeit, die allerletzten Dollar aus der alten Kuh zu melken. Man kann es Entwickler Runic Games bei einer so bewegten Vergangenheit auch kaum verübeln, dass sie jeden Erfolg so lange wie möglich auskosten wollen. Immerhin finden sich hier nicht nur die Blizzard-Veteranen Erich und Max Schaefer, zwei der geistigen Väter von Diablo, sondern auch die Überreste der Flagship Studios, denen Hellgate: London aus den Fingern flutschte und deren Diablo-Klon Mythos mittlerweile von der Koreanern HanBit bearbeitet wird.

Torchlight - Jetzt auch für Konsole: Neu erleuchtet oder abgefackelt?

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Wenn's kracht, dann richtig: Torchlight entfacht auch auf der Konsole schöne Effekte.
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All diese Einflüsse merkte man Torchlight damals an und daran hat sich auch nichts geändert, wie ja zu erwarten war. Es erzählt die Geschichte einer Bergarbeiterstadt namens... äh, „Torchlight“, in deren gewaltigen Minen ein seltenes Erz namens Glutstein abgebaut wird. Mit Glutstein kann man magische Kräfte nutzen, Ausrüstung verzaubern und im Baumarkt Tiernahrung zum reduzierten Preis einkaufen, ganz tolles Zeug also. Viele Abenteurer der anachronistischen Mischmaschwelt (es gibt sowohl Pistolen als auch Schwerter, Plattenrüstungen und Steampunk-Roboter) werden von der mächtigen Substanz angelockt, so auch mein Avatar.

Gleich bei seiner Ankunft wird er jedoch von einer Zauberin namens Syl angeheuert, die ihren Meister sucht, den Alchemisten Alric, der in dem Bergwerk verschwunden ist. Schon bald stößt man auf Alric, der dann auch prompt angreift - wie wir bald erfahren, hat Glutstein einen korrumpierenden Einfluss, und wenn wir nichts unternehmen, dann könnte Torchlight (und der Rest der Welt) in Bälde ein viel größeres Problem haben als einen verräterischen Zauselbart mit Chemiebaukasten und Goldfetisch.

Klicken, bis nix mehr geht

Um diese dünne, aber ausreichende Prämisse bastelte Runic einen wahnsinnig putzigen Diablo-Klon im stilisierten Cartoon-Look. In der klassisch isometrischen Perspektive klicke ich mich als Krieger, Fernkämpferin oder Alchemist (eine Mischung aus klassischem Zauberer und Beschwörer) durch immer noch eine Höhle, sammele nach Qualität farblich codierte Items, lerne neue Fähigkeiten, zermatsche Bosse, also all das gute Zeug, was die Teufelshatz von Blizzard damals so ansprechend machte. Es schadet nicht, dass Torchlight technisch toll umgesetzt ist, nur 20 Euro kostet und gerade mal ein paar hundert MB auf der Festplatte belegt.

Zu dem ansprechenden Stil und der Tatsache, dass es erfrischend süchtig machte, gesellten sich sinnvolle Ideen und Komfortfunktionen. Am auffälligsten war das Haustier, wahlweise ein Wolfshund oder eine Raubkatze, das auf Schritt und Tritt folgte (ich sag ja: Tiernahrung aus dem Baumarkt), fleißig mitkämpfte und sogar ein paar Zauber lernen konnte.

Torchlight - Entwicklertagebuch #2Ein weiteres Video

War das eigene Inventar voll mit unnützen Items, wurden unserem haarigen Freund flugs die paar Zentner Altmetall aufgeladen, dann rannte er auf ein Kommando hin zur Stadt an der Oberfläche, verkaufte dort Zeug (fragt bitte nicht, wie) und kam kurze Zeit später mit Barem zurück. Mit in einem Angelspiel erlangten Fischen konnte ich den kleinen Flohzirkus auch buffen oder sogar in eine andere Kreatur verwandeln.

Packshot zu TorchlightTorchlightErschienen für PC und Xbox 360

Kurzum: Ich hatte einfach richtig viel Spaß mit dem schnuckeligen kleinen Suchtpaket. Der einzige größere Makel war der fehlende Mehrspielermodus, denn Dungeon Crawler werden ja erst dann so richtig lustig, wenn man jahrelange Freunde bei einem handfesten Streit um Loot verliert. Plus: Wie bei den meisten Spielen in dieser Preisklasse war es schnell wieder vorbei. Wie sieht es heute, immerhin anderthalb Jahre nach dem ersten Release, mit diesen Stärken und Schwächen aus?

Nicht lange fackeln - spielen!

Erfreulicherweise hat Torchlight kaum Federn gelassen, ihm sind sogar ein paar zusätzliche Daunen gewachsen. Die inhaltlichen Updates beschränken sich allerdings auf Kleinigkeiten. So gibt es nun ein drittes Pet, mit dem man sich unter Tage vergnügen kann, den Chakawary - eine Art Mischung aus Velociraptor und Aal, die erstmals im Trailer zu Torchlight II auftauchte.

Immer noch liebevoll gemacht und suchtinduzierend, allerdings etwas teuer und immer noch ohne Multiplayer-Modus.Fazit lesen

Spielerisch macht das keinerlei Unterschied, ist aber toll für alle Avatare, die allergisch auf Tierhaare reagieren. Bedauerlicherweise hat das schuppige Gerät, wie auch seine Kollegen seit jeher, ein paar Probleme bei der Wegfindung und rennt daher manchmal mit dem Kopp gegen die nächste Mauer anstatt in einen Batzen Feinde.

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Feuerrot und brandgefährlich: Sterben könnt ihr jederzeit.
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Auf dem PC konnte ich das manchmal etwas ausbessern, indem ich meinen Begleiter manuell zu seinem Ziel geschickt haben, doch erwartungsgemäß hat die Portierung den Cursor durch eine direkte Steuerung des Charakters ersetzt, „mit der Maus zeigen“ ist also nicht. Glücklicherweise ist die Steuerung des Avatars geglückt, sämtliche Tasten des Controllers wurden zu bequemen Hotkeys, die fliegenden Zugriff auf Tränke, Spezialfähigkeiten und Kartenfunktionen erlauben. Die Skills werden auf zwei Sets verteilt, zwischen denen man mit einem Druck des Steuerkreuzes wechseln kann.

Das funktioniert gut, kann in hektischen Situationen aber manchmal der eine Tastendruck sein, der den Unterschied zwischen einem triumphalen Beutezug und dem vorzeitigen Aufenthalt auf dem Friedhof macht. Sollten wir jedoch plündern können, halten wir hierzu einfach die A-Taste gedrückt und alles wandert nacheinander ins Inventar. Blöd nur, dass die Namen der Items, die dauerhaft eingeblendet sind, manchmal die Sicht auf die Action nehmen.

Nur halbwegs gelungen ist das neue Inventarsystem. Im Falle eines Besuchs beim Händler etwa poppen nebeneinander drei Spalten auf, eine für unseren merkantilen Freund, eine für den Charakter und eine für das Tier. Zu den Items werden zunächst nur Minimalinformationen angezeigt, erst beim tatsächlichen Selektieren erhält man die wichtigen Infos und kann z.B. Ausrüstung vergleichen. Darüber hinaus gibt es eigene Knöpfe für das Ausrüsten, Verwenden, Verkaufen, Verschieben, Fallenlassen und das Wechseln des jeweiligen Fensters - das ist alles ziemlich gewöhnungsbedürftig und nicht gerade übersichtlich. Wenn man erst ein paar Mal rumprobieren muss, bevor man ins Questlog kommt oder seinem Begleiter einen neuen Zaubertrick beibringen kann, weiß man die gute alte Maus wieder richtig zu schätzen.

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Auch richtig dicken Brocken müsst ihr euch stellen.
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Ist aber alles kein Beinbruch. Die Wahrheit ist, dass sich Torchlight weder in positiver noch negativer Weise wirklich verändert hat. Es sieht immer noch herzig aus, spielt sich nach kurzer Eingewöhnung toll, hat sammelbare Ausrüstung in rauen Mengen, macht insofern süchtiger als Crack, hat immer noch keinen Mehrspielermodus und ist immer noch viel zu schnell vorbei.

Umso schwerer fällt der Preis ins Gewicht, denn für diesen etwas älteren Budgettitel nun noch mal etwa 14 Euro haben zu wollen, ist leicht unverschämt, gerade wenn man bedenkt, dass Teil 2 (mit Multiplayer) bereits in der Startlöchern steht und diesen Sommer erscheinen soll. Allerdings kostet das Spiel momentan bei Steam ebenfalls 15 Euro, wer diesen klassischen Underdog also vorher unbedingt nachholen will, hat wohl keine andere Wahl. Auf der PS3 wird Torchlight übrigens nicht erscheinen.