Es muss ein herber Schlag gewesen, als im Sommer 2008 plötzlich die Lichter in den Büros der Flagship Studios ausgingen. Damals hatte man sich an „Hellgate: London“ verhoben – ein Ergebnis unüberlegter Misskalkulation. Doch während das infernalische Großprojekt wenigstens auf asiatischen Servern weiterlebt, erging es einem anderen Titel weit weniger gut: Mythos, einst als Netzwerktest geplant und dann zum Beinahe-Vollpreis-Titel erwachsen, wurde mitten in der Entwicklung eingestampft.

Travis Baldree, Max Schaefer, Erich Schaefer und Peter Hu standen damals vor den Trümmern ihrer Existenz und einem Spiel, dass im mehrmonatigen Betatest bereits große Popularität erlangte (siehe auch: unser Mythos-Betabericht). Der Programmcode war futsch, die Firma pleite. Doch statt aufzugeben formte man ein neues Team: Runic Games macht seither das, was es am Besten kann – wie „Torchlight“ jetzt eindrucksvoll beweist.

Update: Und das gibt es neuerdings auch in deutscher Sprache. Da diese Version inhaltsgleich mit der Download-Variante ist, die man vergangenen Winter bei Steam kaufen konnte, haben wir auf einen Nachtest verzichtet. Ein paar Worte zu den neuen Features haben wir im Fazit angehängt.

Gewinnspiel: Wer bisher noch nicht in den Genuss des famosen Hack'n Slays gekommen ist, sollte sich beeilen - wir verlosen bis zum 19. April insgesamt drei Torchlight-Boxed-Versionen. Schreibt dafür einfach eine Mail samt Namen und Adresse an Gief.

Torchlight - Entwicklertagebuch #2Ein weiteres Video

Ist das etwa Tristram?

Beinahe trauen wir unseren Ohren nicht, als wir das kleine Örtchen Torchlight zum ersten Mal betreten. Ein paar sanfte Zupfer an den Saiten einer Gitarre, ein tiefer Flötenklang, unheilschwangere Streicherpassagen – wenn wir es nicht besser wüssten, könnte man glatt annehmen, wir stünden mitten im legendären Tristram und durchstöbern den umfangreichen Warenkatalog von Griswald, dem Schmied.

Torchlight - Jetzt auch als deutsche Box: Das neue Spiel der Mythos-Macher

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 28/341/34
Angesichts dieser Bilder fragt man sich, warum es immer noch so viele hässliche Action-RPGs gibt. Es geht ja scheinbar auch mit kleinem Budget...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Allerdings ist hier weder ein gewisser Diablo der Oberschurke, noch würde uns ein Typ namens Deckard Cain zum „Herumstehen und Zuhören“ animieren. „Torchlight“ erscheint über zehn Jahre nach dem Genrevorreiter von Blizzard, macht aber keinen Hehl aus der offensichtlichen Inspiration. Im ersten Dungeon etwa haben wir gleich das nächste musikalische Deja Vu. Und dieses charakteristische „Ploppen“ beim Aufheben der Gegenstände haben wir auch schon mal irgendwo gehört…

Packshot zu TorchlightTorchlightErschienen für PC und Xbox 360

Wer zu diesem Zeitpunkt die wütende Faust gen Himmel strecken möchte, um fürchterliche Flüche auf Eric und Max Schaefer auszusprechen, tut den beiden Herren womöglich Unrecht. Schließlich waren die Beiden einst bei Blizzard angestellt – und hoben in dieser Funktion den genialen Hack’nSlay-Urvater aus der Taufe. Dass man seither in den immergleichen Gefilden fischt, zeugt zwar nicht gerade von besonders viel Kreativität, ist aber kaum verwerflich.

Torchlight - Jetzt auch als deutsche Box: Das neue Spiel der Mythos-Macher

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 28/341/34
In der Zwergenstadt warten mechanische Zwergenkreaturen auf die Spieler.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

„Torchlight“ bedient sich frecherweise aber selbst heute noch beim einstigen Arbeitgeber. Der Cel-Shading-Look des direkten Vorgängers „Mythos“ wurde gestrichen und durch einen zwar immer noch bunten, aber klareren Stil ersetzt. Und der erinnert wiederum frappierend an „Diablo 3“. Tatsächlich könnten gerade die ersten Stunden, wenn wir uns durch spärlich beleuchtete Tempelruinen kämpfen, so auch direkt aus dem „Diablo 3“-Trailer stammen.

Formelhaft losgemetzelt

Es ist nur konsequent, dass das Spielprinzip da ebenfalls auf – sagen wir es positiv – „bewährten“ Pfaden wandelt. „Torchlight“ wirkt bisweilen wie eine Formelsammlung des Hack’n-Slay-Genres, bei der wirklich jegliche Standards bedient werden. So drückt man uns z.B. drei verschiedene Charaktere in die Hand, die in ihrer Klassenvariation dem typischen Abziehbild entsprechen.

Torchlight - Jetzt auch als deutsche Box: Das neue Spiel der Mythos-Macher

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 28/341/34
Mit einer Portion Fisch verwandelt sich euer Begleiter in die unterschiedlichsten Monstertypen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Will heißen: Der Destroyer springt am liebsten mitten ins Geschehen, der Vanquisher macht’s hingegen lieber aus der Ferne und magiebegabte Alchemists zaubern sich die Finger wund. Deren beeindruckende Skillpalette wählt man aus drei Fähigkeitenbäumen, dazwischen steigern wir Attribute, verzaubern Gegenstände, bekämpfen riesige Bossgegner, sammeln Gegenstände in verschiedensten Wertstufen – also wirklich, mehr „Diablo“ geht eigentlich kaum.

Diablo, anno 2009: Torchlight zitiert zwar lediglich den großen Genrevorreiter - macht es aber zumindest sehr geschickt.Fazit lesen

Überraschend ist, dass „Runic Games“ trotz Minimalbudgets dabei eine erstaunlich hohe Qualität erreicht: Technisch und gestalterisch ist „Torchlight“ absolut sauber, erreicht dabei mühelos selbst aktuelle Vollpreiskonkurrenten. Vor allem die eingängige Bedienung verdient ein Lob – hier erkennt man die Vergangenheit der ehemaligen Blizzard-Mitarbeiter noch am ehesten.

Torchlight - Jetzt auch als deutsche Box: Das neue Spiel der Mythos-Macher

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 28/341/34
Hier im Bild: die Vanquisher-Dame, die bevorzugt mit Pistolen zu Felde zieht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Für eine Story hat das Geld dann aber scheinbar doch nicht gereicht. Inmitten von Itemstapeleien, sockelbaren Juwelen und Bosskämpfen schmeißt euch „Torchlight“ immer mal wieder kleinste Textbrocken vor die Füße, die man im allgemeinen Dauergeklicke nicht selten sogar überspringt oder wegdrückt. Mehr als zwei bis drei Sätze sprechen die NPCs dabei ohnehin nie.

Ein Herz für Tiere

Im direkten Vergleich mit Mythos fallen aber ein paar Ungereimtheiten auf. Etwa die Tatsache, dass längst etablierte Genrestandards, die in dem eingestellten Action-RPG großen Anklang fanden, in „Torchlight“ nicht zu finden sind. So gibt es z.B. weder eine Auto-Pickup-Funktion, mit der alle Gegenstände auf dem Boden aufgesammelt werden, das Crafting-System wurde ebenfalls gestrichen.

Torchlight - Jetzt auch als deutsche Box: Das neue Spiel der Mythos-Macher

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 28/341/34
Da freut sich das Sammlerherz: Die Items findet man in den verschiedensten Wertigkeiten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Besonders schmerzlich vermissen wir allerdings die Achievements, die das Sammelsuchtprinzip in „Mythos“ ins schier Unermessliche trieben. Dafür feiern einige Komfortfunktionen hier erst ihre Premiere. In den Städten warten etwa hilfsbereite NPCs, die gegen ein kleines Taschengeld Juwelen aus Sockeln entfernen und auch sonst sehr nützliche Dienste anbieten. Auch dass sämtliche Gegenstände im Inventar nur einen Slot belegen und so nervige Aufräumaktionen unterbunden werden, ist nicht nur neu, sondern auch toll.

Die beste Idee der Gebrüder Schaefer ist jedoch eher… nun ja, flauschiger Natur: In „Torchlight“ folgt euch nämlich ein treues Haustier (je nach Wahl entweder ein Hund oder Luchs) in die Schlacht. Das kampfstarke Tierchen teilt dabei gar nicht mal schlecht aus, zieht Gegner auf sich, lässt sich mit Gegenständen ausstatten und darf (skurrilerweise) sogar zwei Zaubersprüche sprechen.

Torchlight - Jetzt auch als deutsche Box: Das neue Spiel der Mythos-Macher

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 28/341/34
Dicke Bossgegner und Champions trifft ihr nahezu alle fünf Meter - dicker Loot ist meist die direkte Folge.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Verwenden darf er generell sämtliche Spells, die auch unser Charakter verwenden kann. Wir haben unseren Hund „Typ“ etwa zum Feuerball-spuckenden Superkläffer ausgebildet, der sich seine eigene Zombieprivatarmee herbeizaubern kann. Ein weiterer genialer Nebeneffekt: Füttern wir unser Schoßhündchen mit speziellen Fischen, die wir an bestimmten Stellen angeln können, verwandelt sich das Tierchen temporär in ein Monster – mit all dessen Fähigkeiten und Vorzügen.

Ob Hund oder Luchs – das Haustier ist dank seiner variablen Einsatzmöglichkeiten selbst in hohen Regionen ein wertvoller Begleiter. Auch wenn die Wegfindungs-KI selten richtig funktioniert. Der schönste Nebeneffekt ist jedoch, dass wir unbrauchbare Gegenstände, unserem Begleiter aufbürden können und ihn jederzeit zum Verkauf in die Stadt schicken. Nach wenigen Minuten steht das drollige Viech wieder munter kläffend vor uns – mit einem ordentlichen Batzen Gold im Maul. Bei aller kreativen Flaute – aber diese Idee ist wirklich toll.