Wenn ich so auf meine Fußballmanager-Historie zurückblicke, muss ich erschrocken feststellen, dass ich seit dem ersten Anstoß so ziemlich jeden Manager gespielt habe – sogar die in den letzten Jahren immer beliebteren Browser-Manager, die sich meistens am Free-to-play-System orientieren. Nach EAs Einstellung der Fussball-Manager-Reihe ist die Auswahl an deutschsprachigen Offline-Managern überschaubarer denn je geworden. Aber es gibt da eine neue Alternative, die so neu gar nicht wirklich ist.

Denn seit nun 2009 schon entwickelt ein gewisser Dirk Knoop in Personalunion seinen eigenen Manager – mit dem passenden und handlichen Namen „Dirks kostenloser Fussballmanager“ - und bot diesen zum kostenlosen Download – inklusive monatlicher Patches. Wer ihn bei der Entwicklung finanziell unterstützen wollte, konnte für zehn bis fünfzehn Euro Special Editions erwerben, die einige zusätzliche Features enthielten, aber keine spielentscheidenden Zusatzfeatures boten, sodass sich der Fan der kostenlosen Version benachteiligt gefühlt hat.

Torchance 2015: Aus Download wird Retail

Mittlerweile wurde „Dirks kostenloser Fussballmanager“ - kurz: KoFuMa – stolze elf Millionen mal heruntergeladen und hatte sich über die Jahre vom Geheimtipp zu einer wirklichen Alternative für Fußballmanager entwickelt. Nicht zuletzt aufgrund des Erfolges hat sich Dirk einen Publisher ins Boot geholt und aus dem eigentlichen Hobbyprojekt einen vollwertigen Manager entwickelt, der nun auch in den Regalen der großen Elektronikketten erhältlich ist: Torchance 2015.

Ursprünglich als kleines Einmannprojekt gestartet, hat Torchance inzwischen eine beachtliche Fangemeinschaft und erscheint sogar als Boxversion im Handel.

Doch genug zur Vorgeschichte, wofür steht Torchance 2015 eigentlich? Wie schon sein geistiger Vorgänger KoFuMa zeichnet den Manager vor allem entschlacktes Mikromanagement aus. Während man sich bei EAs Fußballmanager sogar noch um die wöchentliche Trainingsfokussierung des 46. C-Jugendspieler kümmern konnte und eine Hinrunde schon mal etliche Stunden oder Tage in Anspruch nehmen konnte, kann man bei Torchance locker eine ganze Saison in unter anderthalb Stunden herunterreißen.

Man darf dem Entwickler deshalb aber nicht nachsagen, nicht umfangreich zu sein, denn inhaltlich ist dem Spieler alles geboten, was einen Manager ausmacht. Acht Ligen in 190 Ländern, Stadion(-umfeld)-Ausbau, Transfermarkt, Jugendförderung, Merchandising, Sponsoring, Trainingslager und taktische Einstellungsmöglichkeiten dürfen vom Spieler gemanagt werden und lassen sich zum Teil automatisieren oder für Detailfetischisten jeden einzelnen Tag manuell angepassen.

Packshot zu Torchance 2015Torchance 2015Erschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Hinzu kommt ein umfangreicher Editor mit dem sich ganze Vereine nach Gusto erstellen lassen. Da der Manager über keine echten Lizenzen verfügt, muss dieser finanzielle Mehraufwand auch nicht an die Spieler weitergegeben werden, was sich auch im Preis bemerkbar macht. Dafür gibt es auf einschlägigen Seiten bereits aus KoFuMa-Zeiten Patches, die Originalvereine und Spieler weltweit nachträglich ins Spiel implementieren.

Optisch ist Torchance 2015 mit seinen Menüs und Hintergründen hübsch, aber minimalistisch gehalten. Auch das Livespiel mit seinen gefühlt drei vorgerenderten Torchancen ist keine Konkurrenz zu den Großen aus dem Hause EA oder Sega. Damit will man sich aber auch gar nicht messen. Auch einen Textmodus wird man (noch) nicht finden, die Livespiele klären den Spieler über Torchancen, Tore, Karten und Verletzungen auf – alle weiteren Infos zum aktuellen Spielverlauf behält das Spiel für sich. Und trotzdem bietet das Spiel einen nachvollziehbareren roten Faden hinsichtlich der Ergebnisse auf Saisonsicht als die letzten Teile der Reihe aus dem Hause EA.

Torchance 2015: Auch ohne Cheats zum Erfolg

Auch in Punkto Spielerattribute hüllt sich der Manager leider in Schweigen. Ihr habt zwar jederzeit Einsicht in die Fitness- und Konditionswerte sowie den Erfahrungsfortschritt, der sich auf die Gesamtstärke der Spieler auswirkt. Einzelne Spielerwerte wie Passspiel, Torschuss oder Torwartreflexe wird man hier aber vergebens suchen. Und trotzdem ziehen sich die Entwicklungen der Spieler nachvollziehbar durch die Jahre und beweisen eine gewisse Kontinuität in der Entwicklung, die auch noch von einem Talentsystem beeinflusst wird. Es ist paradox: Hatte man bei anderen Managern Einblick in auch kleinste Werte, hielten sich deren Auswirkungen auf den Spieler trotzdem in Grenzen. In Torchance habt ihr diese Werte nicht – könnt aber trotzdem meistens nachvollziehen, warum die Spieler über die Spiele und Saisons besser oder schlechter werden.

Detaillierter geht es dann schon im Bereich des Sponsorings oder dem Merchandising zu. Will ich einen Sponsor, der mir das meiste Geld für den Spielantritt zahlt oder bin ich mir mit meiner Mannschaft so sicher, dass ich den Sponsor mit der höchsten Prämie für einen Sieg ins Boot hole? Bin ich davon überzeugt, die Meisterschaft zu holen oder will ich lieber Zusatzprämien für einen Nichtabstieg? Das lässt sich nur zu Saisonbeginn einstellen, also sollte man hier mit der Einschätzung des eigenen Kaders ehrlich sein.

Auch das Einkaufen an Merchandising – vom klassischen Trikot bis hin zum Kugelschreiber – will wohlüberlegt sein. Kaufe ich 100.000 Trikots oder 10.000? Wie hoch soll der Verkaufspreis sein? Denn nichts ist schlimmer, als am Ende der Saison auf seinen Artikeln sitzenzubleiben oder bereits nach drei Monaten alles ausverkauft zu haben, anstatt noch weiter Umsatz zu generieren. Natürlich hängt der Erfolg auch vom sportlichen Abschneiden eures Vereins ab – je erfolgreicher, desto besser für euer Konto. Auch die Eintrittspreise und der Stadionumbau und -neubau sollten wohlüberlegt sein, denn billig ist das nicht, weshalb es auch schnell mal den Untergang des Vereins durch horrende Kosten und fehlende Zuschauereinnahmen bedeuten kann.

Obwohl ihr hier z.T. weniger Informationen als in anderen Managern erhaltet, sind die Ergebnisse dennoch stets nachvollziehbar und nah an der Realität.

Das Spiel hat im Umfang hinsichtlich des Mikromanagements und der Spielerattribute seine Grenzen, was es aber nicht weniger anspruchsvoll und nachvollziehbar macht. Dem gegenüber steht ein wirklich schnörkelloses, schnelles Gameplay mit dem typischen „Ach komm, ein Spiel geht noch“-Gefühl. Und das schafft Torchance 2015 wie einer der Großen.

Schön auch, dass die Community sehr aktiv, der Draht zum Entwickler ein sehr direkter ist und Verbesserungsvorschläge Gehör und in kommenden Patches Beachtung finden. Fans der Fußballmanager, die sich aufgrund der englischen Sprache nicht mit dem Manager aus dem Hause Sega anfreunden können, haben mit Torchance eine (auch preislich) schlankere Alternative aus deutschem Hause, die mich bereits seit 2010 als Fan hinter sich hat und hoffentlich stetig weiter wächst.