Wer glaubt, dass eine Honigstulle und Salamibeilage genauso wenig zusammenpassen wie Cyberspace und nordische Heldensagen, wird mit der Hintergrundgeschichte von Too Human möglicherweise leichte Probleme haben.

Das kanadische Entwicklerstudio Silicon Knights fährt mit diesem Xbox 360-Exklusivtitel gleich schwere Geschütze auf und will eine womöglich dreiteilige Serie kreieren, die nicht nur eine höchst abstruse Storymixtur mit nordischen Gottheiten, kybernetisch aufgemotzten Charakteren und Cyberspace-Abenteuern bietet. Der Held Baldur trägt außerdem einen Namen, der von Rollenspielern mit Meilensteinen des RPG-Genres verbunden wird.

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Too Human besitzt zwar eine ganze Reihe von RPG-Elementen, setzt aber in erster Linie auf jede Menge Action. Bevor man sich in die Schlacht mit diversen Maschinenwesen stürzt, steht die Wahl der Charakterklasse bevor. Auf den ersten Blick scheint es kaum Unterschiede zwischen Nahkämpfern wie Berserker und Verteidiger oder Fernkämpfer und Heiler zu geben. Erst im weiteren Spielverlauf machen sich differenziertere spielerische Unterschiede bemerkbar, die jedoch nicht grundlegender Natur sind.

Too Human - Cyberspace trifft Sagenwelt: Kann Held Baldur seinem großen Namensvetter zur Ehre gereichen?

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Was die sexy Hel wohl im Schilde führt?
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Auffallend sind zunächst zwei Dinge: zum einen ausufernde Zwischensequenzen, die den Spielablauf immer wieder unterbrechen, den Tiefgang aber leider vermissen lassen. Zudem wirken sie mit eher hölzernen Charakteren und schwacher Storyentwicklung für den Spielablauf bremsend. Zum anderen steht da das sehr unzugängliche Spielsystem.

Steuerung: gewöhnungsbedürftig

Wer die gängige Action-Steuerung gewohnt ist, muss sich bei Too Human grundsätzlich umstellen. Zwar steuert ihr die Spielfigur wie gewohnt mit dem linken Analogstick des Pads, jedoch dient der rechte Stick nicht für die Kameraausrichtung und Korrektur der Perspektive. Vielmehr aktiviert ihr damit die Komboattacken und verschiedenen Angriffsschläge - was sehr, sehr gewöhnungsbedürftig ist und auch nach längerer Spielzeit kaum flüssig von der Hand gehen will.

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Nur nicht die Übersicht verlieren!
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Immer wieder ertappt man sich bei dem Versuch, mit dem rechten Stick die Blickrichtung der Spielfigur ausrichten zu wollen, da man ständig das Gefühl hat, in die falsche Richtung zu gucken. Stattdessen wird dann aber die Waffe gezogen. Ihr habt theoretisch die Wahl, das Spielgeschehen aus der Ego- oder Third-Person-Ansicht mit mehreren Entfernungsstufen zu genießen. In der Praxis funktioniert das aber höchstens leidlich und lässt so häufig Frust aufkommen.

Wenn die Gameplay-Stolpersteine beseitigt werden, kann Too Human sein Potenzial entfalten.Ausblick lesen

Daher fällt es enorm schwer, während der Kämpfe den Überblick zu behalten. Oft greifen euch die Widersacher aus allen Richtungen an und ihr versucht euch mit wildem Gefuchtel eurer Haut zu erwehren. Die mit unterschiedlichen Ausrichtungen des rechten Sticks aktivierbaren Kombos scheinen eher zufällig dem eigenen Willen zu gehorchen.

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Steht der jetzt vor mir oder hinter mir?
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Erst nach einigen Stunden hat man so langsam den Dreh raus und begreift, wie das Ganze ungefähr gedacht zu sein scheint. Feinde werden nämlich häufig in die Luft geschleudert und erst dann sind sie so richtig für eure Sprungangriffe anfällig. Größere Gegner wie Trolle kann man außerdem mit einer Art Quicktime-Event zu Leibe rücken und ihnen bei entsprechendem Geschick sogar mit einem Schlag den Garaus machen.

Baldur, Held ohne Schulabschluss

Leider fehlt anfangs ein Tutorial, das euch all die unbekannten Features erklären würde. Baldur wird einfach in die ersten Kämpfe wie ins kalte Wasser geworfen, aus dem ihr selbst irgendwie heraus kommen müsst. Wie geht man mit den Schuss- und Hiebwaffen um? Welche Auswirkungen haben die verschiedenen Rüstungsoptionen und Fertigkeitsbäume?

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Die Trolle sind gefährlich, lassen sich mit etwas Geschick aber schnell besiegen.
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So richtig erklärt wird im Spiel leider weder die Möglichkeit, die vielen Gegenstände mit magischen Runen und anderem Schnickschnack aufzurüsten, noch wie man wertvolle Items gleich selbst herstellt. Positiv fällt dagegen auf, dass man sich um das Sammeln der vielen Gegenstände nicht auch noch selber kümmern muss. Euer Held hebt alles eigenständig auf und versilbert unbenötigten Kram auf Wunsch gleich automatisch. Ellenlange Sortier-Sessions im Inventar entfallen auf diese Weise und ihr beschäftigt euch nur mit den wirklich brauchbaren Ausrüstungsteilen.

Wie es bei Action-Rollenspielen üblich ist, stirbt man des Öfteren den einen oder anderen virtuellen Tod. Gerade Nahkämpfer werden sich bei Too Human die Haare raufen, denn eine Heilfunktion gibt es nicht. Ihr müsst vielmehr auf euer Glück vertrauen, dass die erschlagenen Widersacher Objekte hinterlassen, die euch mit frischer Energie versorgen. Andernfalls neigt sich der Lebensbalken einfach sehr schnell dem Ende zu und ihr werdet von einer Walküre nach Walhalla eskortiert.

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Fortgeschleuderte Widersacher eleminiert man mit Sprung-Kombos.
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Dummerweise lässt sich dieser etwa 30-sekündige Wiederbelebungsprozess zumindest in der Preview-Version nicht wegklicken, und so sitzt ihr diese Zeit tatenlos herum und wartet darauf, wieder ins Geschehen eingreifen zu können. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn zu oft werdet ihr mehr oder weniger blindlings in die häufig chaotischen Schlachten geschmissen, wo euch sofort wieder die Raketen auf den Kopf fallen...

Basis der Götter: der Koop-Modus

Aufgelockert werden diese Actionsequenzen immer wieder mit einem Ausflug in die mysteriöse Welt der Nornen, die ihr durch Brunnen-Portale betretet. Dort findet ihr nicht nur weitere Ausrüstungsgegenstände und andere Boni, auch Rätsel und verschlossene Tore in der Cyberwelt könnt ihr dort lösen, respektive verschlossene Portale öffnen. Vor große Probleme stellt das aber keinen, die Handlungen sind repetitiv und sehr einfach zu durchschauen.

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Gewagte Mischung: Sagenwelt trifft Cyberspace.
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Zwischen den einzelnen Missionen haltet ihr euch zudem in der Basis der Götter auf, wo ihr teilweise unnötige Latscherei auf euch nehmen müsst, um Läden oder andere storyrelevante Charaktere zu erreichen - nur um auch dort wieder teilweise ausufernde Zwischensequenzen über euch ergehen zu lassen. Auf diese Weise vergeht schon mal locker über eine halbe Stunde, ohne dass Too Human endlich wieder in die Gänge kommen würde. Der Spielablauf wirkt in diesen Momenten sehr zäh und arg überkonstruiert.

Interessant könnte der Koop-Modus werden, den wir leider nicht testen konnten. Dieser wurde zwar von ursprünglich vier Spielern auf zwei zusammengestrichen. Doch gerade Nahkämpfer könnten davon profitieren, wenn sie beispielsweise mit einer Heilerklasse gemeinsam auf Monsterjagd gehen und dadurch nicht allein auf Heil-Objekte angewiesen sind.

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Die Cutscenes wirken bisweilen hölzern.
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Optisch macht Too Human bisher einen eher zwiespältigen Eindruck. Gerade die groß angepriesenen Cutszenen fallen trotz detaillierter Charaktere eher hölzern und grobmotorisch aus und auch das Leveldesign schwankt stark zwischen 08/15, episch/prachtvoll und einfallslos. Stilsicher ist das jedenfalls nicht und spiegelt erst recht nicht die fast zehnjährige Entwicklungszeit wider.