Erst vor Kurzem haben wir in einem ausführlichen Preview zum Action-RPG Too Human auf die Schwächen (und Stärken) des von Silicon Knights produzierten Titels aufmerksam gemacht. Insgesamt gefiel uns das Spiel zum damaligen Zeitpunkt nur "befriedigend".

Nun ist also die Vollversion auf den Markt gekommen, und wir sind der spannenden Frage nachgegangen, wie groß der Unterschied zwischen Vollversion und Vorab-Fassung dieses Xbox 360-exklusiven Spiels am Ende geworden ist. Und ob es überhaupt einen gibt…

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Houston Controle, bitte kommen!

Eigentlich liebe ich Schnetzel-Spiele, bei denen ich Hunderte Gegner pro Level vernichte. Aber ich will die volle Kontrolle haben, und ich will ein Spieldesign, das den Spieler nicht frustet, sondern zum Weiterspielen animiert. Ersteres kann Too Human in Hülle und Fülle bieten, Letzteres leider nicht.

Wie sich nämlich sehr schnell herauskristallisiert, gibt es zwischen der Preview- und der Vollversion praktisch kaum Unterschiede. Daher haben es leider alle bereits von uns kritisierten Schwächen ins Spiel geschafft und mausern sich schnell aber sicher zum "pain in the ass", wie es auf, ähm, gut Deutsch heißt.

Too Human - Unser Test verrät, ob Held Baldur seinem großen Namensvetter Ehre macht.

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Too Human wirft euch sogleich ins kalte Wasser.
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Ihr werdet leider bis zum Schopf ins kalte Wasser geworfen, was zum einen die Story (Details dazu findet ihr im Preview) aber auch das Gameplay betrifft. Nachdem die erste Cutszene vorüber ist, geht die Action einfach los. Klar, man kann voraussetzen, dass die Spieler sich das Handbuch durchlesen. Aber viele Funktionen des Kampfsystems werden dort gar nicht oder nur unzureichend erläutert, sodass ein kleines Tutorial mit Sicherheit nicht geschadet hätte.

Auch die ziemlich wirre Story um nordische Götter mit kybernetischen Implantaten und einem mystischen Cyberparalleluniversum wird nur ungenügend eingeführt und kommt erst kurz vor Ende des Spiels so richtig in Fahrt.

Neu ist nicht immer besser

Das alles gilt vor allem angesichts der gewöhnungsbedürftigen Steuerung. Anders als bei ähnlichen Hack n Slay-Titeln aktiviert ihr eure Moves nicht mit den Button-Tasten des Gamepads, sondern mit dem rechten Analogstick. Dieser wird für gewöhnlich für die räumliche Orientierung, also die Ausrichtung der Perspektive, genutzt, worauf ihr bei Too Human (leider, leider) keinen Einfluss habt.

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Kobolde wie diese treten niemals alleine auf, sie sind eine Plage!
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Die Nahkampf-Kombo-Attacken auf die mechanisierten Feinde wie Kobolde, Schwarzalben und Trolle initiiert ihr demnach ausschließlich, indem ihr den Stick in die Richtung eurer Widersacher dreht bzw. haltet. Meist funktioniert das zufriedenstellend bis gut, im Endeffekt erweist es sich aber als zu ungenau.

Teilweise hackt man nämlich einfach ins Leere, obwohl man die korrekte Richtung anvisiert hat. Problematisch sind zudem die Luftattacken - Too Human nennt das "jonglieren". Dabei stoßt ihr die Feinde in die Luft, sollt hinterher springen und sie dann mitten im Flug bearbeiten. Das funktioniert zwar, aber nicht immer so wie geplant. In der Kombination mit der häufig nicht-optimalen Kameraausrichtung ergeben sich als Resultat zu viele Frustmomente.

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Ihr werdet diese hübschen Todesboten hassen lernen - garantiert!
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Gründe, dem Gamepad einen Freiflug durchs Wohnzimmer zu spendieren, gibt es dagegen jedoch reichlich. Da wäre beispielsweise die wunderschön anzusehende Todesanimation, bei der euch eine Walküre abholt und mit eurem Leichnam entschwebt.

Dummerweise stirbt man recht häufig und muss sich diese nicht abzubrechende Sequenz in der Folge immer und immer wieder angucken, wobei jedes Mal etwa eine Minute vergeht, in der man nichts, aber auch gar nichts tun kann. Nicht nur bei diesen Szenen fragt man sich daher oft: "Sagt mal, liebe Entwickler, spielt ihr eure Games eigentlich auch selbst, oder wollt ihr uns absichtlich quälen?"

Nicht alles ist schlecht!

Die Ursache für ziemlich häufige (und auch sinnlose) virtuelle Tode liegt in einer weiteren Designschwäche begründet: Von den fünf zur Auswahl stehenden Klassen verfügt nur der Bio-Ingenieur über die Fähigkeit, sich selbst und andere zu heilen. Alle anderen sind auf das schiere Glück angewiesen und müssen darauf hoffen, dass besiegte Feinde Heilkugeln fallen lassen.

Leider bleibt Too Human spielerisch zu viel schuldig und bestätigt den mauen Preview-Eindruck.Fazit lesen

Dieser Umstand an sich ist schon äußerst unglücklich, wird aber noch potenziert, weil es Damage over Time-Attacken der Feinde gibt. Diese dauern teilweise so lange an, dass man trotz ihrer relativen Harmlosigkeit daran krepiert, weil in der Zwischenzeit keine Heilung verfügbar ist.

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Diese Trolle lassen sich mit einem Quick Time-Event leicht besiegen.
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Es ist sicher nicht alles schlecht an Too Human: Die Optik ist meist nett anzuschauen und auch der Sound ist durchaus gelungen. Alsstörend erweisen sich die mitunter langatmigen Cutszenen, die die arg dünne und hölzern präsentierte Story vorantreiben. Teilweise vergeht leider eine halbe Stunde, bis man - nach ewiger Latscherei in der Heimstadt der Götter - endlich wieder das Schwert oder den Hammer schwingen darf. Soviel Leerlauf muss nun wirklich nicht sein.

Die vier Hauptmissionen bieten jedoch Gegner ohne Ende, und sogar abseits der linear gestalteten Levels findet ihr massig Opfer und Loot. Mehr oder weniger versteckte Geheimmissionen bieten euch nicht nur noch mehr Feinde, sondern auch Bonuswaffen und Rüstungen. Überhaupt werdet ihr von nützlichen Gegenständen aller Art nahezu "zugemüllt" und habt somit die Qual der Wahl. Viele Items lassen sich sogar mithilfe von Runen mit weiteren Stati aufwerten, ja, ihr könnt sogar selbst Rüstungen und Waffen herstellen.

Nimm 2!

Um auch RPG-Herzen zu befriedigen, wurden einige eher oberflächliche Rollenspiel-Elemente eingefügt. So könnt ihr eure Charaktere über einen Skilltree ein wenig an eure Bedürfnisse anpassen und erhaltet auf diese Weise einige spezielle Fertigkeiten, etwa einen arachnoiden Helfer oder Kampfschreie. Viel mehr Spezialisierung dürft ihr jedoch nicht erwarten.

Das macht aber nix, der Fokus von Too Human liegt schließlich auf der Action. Diese wird übrigens nicht ausschließlich im Nahkampf bewältigt. Jede Spielfigur verfügt auch über Distanzwaffen wie Pistolen und Gewehre, mit denen sich einige Feinde besser bekämpfen lassen als mit dem Schwert. Allerdings ist das Aiming häufig zu unpräzise, sodass man zu oft in die Luft ballert.

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Die Action kommt nicht zu kurz, die RPG-Elemente hingegen schon.
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Positiv ist eigentlich auch der Koop-Modus für zwei Spieler einzuordnen, der euch die Möglichkeit gibt, die Metzel-Abenteuer online mit einem weiteren Spieler anzugehen. Doch auch dies ist nur mittelprächtig umgesetzt. Solange beide Spieler den annähernd gleichen Level haben, ist das Spielgeschehen ausgewogen. Sobald jedoch die Level-Diskrepanz zu groß wird, ackert sich der Ranghöhere an viel zu vielen Gegnern ab und der Kleinere steht der Meute recht hilflos gegenüber.

Wie bereits in unserer Vorschau empfohlen, solltet ihr als Nah- oder Fernkämpfer am besten einen Heiler für gemeinsame Abenteuer rekrutieren. Zudem artet das Ganze bei der Masse an Feinden zu oft nur noch in heillosem Chaos aus, das von der überforderten Gameengine (wie übrigens schon in der Einzelspielerkampagne) mit drastischen FPS-Einbrüchen quittiert wird. Kein Wunder, dass aus dem ehemals 4-Spieler-Koop nur noch Platz für zwei Spieler übrig blieb.