Autor: Christopher Link

Er ist klein, hat zwei Flaschenböden auf der Nase und hält nie seine große Fresse - dürfen wir vorstellen: Mr. Tony Tough! Während Adventure-Fans mit dem skurrilen Detektiv im ersten Teil in der Gegenwart rätseln mussten, verschlägt es die Spieler im Nachfolger in Tonys Vergangenheit, besser gesagt seine jungen Jahre. Wie uns der kleine, aufmüpfige Bursche gefallen hat, erfahrt ihr im Review.

Tony Tough 2 - Trailer 2Ein weiteres Video

Tony, die Kröte und das Krankenhaus...
Viele Schulkinder kennen das: Es ist mitten in der Woche, und man gönnt sich seinen wohlverdienten Schlaf. Aber denkste! Es gibt da noch einen unliebsamen Feind, den Wecker. Dieses Konstrukt versaut jede Freude aufzustehen - das weiß auch Tony Tough. Wie an jedem anderen Schultag wird er aus dem Schlaf gerissen. Zwar haben wir wieder verschlafen, aber beim Wecker rächen wir uns dennoch - zack, aus dem Fenster damit! So, nun nichts wie ab in die Schule.

Tony Tough 2 - Zwei Flaschenböden auf der Nase und 'ne große Klappe: Tony is back!

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Noch herrscht heile Welt - aber Tonys Sprüche schaffen alles und jeden!
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"Mist, wieder zu spät gekommen!", denken wir uns noch, als sich der Chemielehrer schon grimmig zur Tür dreht und uns ansieht, als würde er uns am liebsten auf den Mond schießen. Da helfen auch keine Ausreden, nicht einmal der recht originelle Einfall, die Verspätung mit einer fiktiven Gastritis zu erklären. Und als ob das noch nicht genug wäre, setzen wir noch ein Experiment mit einer bemerkenswerten Explosion eindrucksvoll in den Sand. So eindrucksvoll, dass uns der mehr als wütende Lehrer zum Nachsitzen verdonnert.

"Verdammt, ich muss hier raus!", sagen wir zu uns, als wir nach regulärem Schulschluss noch immer in der Penne hocken und die Zeit absitzen. "Ha!" - Der Lehrer muss wegen einer dringenden Sache den Raum für ein paar Minuten verlassen. "Das ist meine einzige Chance", pfeift es uns wie ein geölter Blitz in den Kopf. Aber wie kommen wir aus dem Raum heraus? Die Fenster sind verschlossen und außerdem zu hoch für den kleinen Tony, die Flucht durch die Tür ist zu riskant und fürs Verstecken spielen würden wir wohl noch mehr ruhige Stunden nach der Schule kassieren. "Ah eine lebendige Kröte für Experimente!" Ob wir hier wohl rauskommen, wenn es sich um einen Notfall handelt? "Ach", sagen wir zu uns, "was habe ich schon zu verlieren?" Gesagt, getan. Die Kröte verschwindet in Tonys Magen, dieser fällt daraufhin bewusstlos zu Boden. Willkommen in "Tony Tough 2"!

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Ein bisschen Spaß muss sein...
Wie ihr den bisherigen Zeilen sicherlich entnehmen könnt, ist das Sequel zum skurrilen Comic-Adventure garantiert kein Kind von Ernsthaftigkeit. Denn einen so ungewöhnlichen Anfang wie "Tony Tough 2" sieht man in Adventuren dieser Tage nun wirklich nicht. Aber auch das ist lediglich der Auftakt zu einer Reihe von bizarren Ereignissen und jeder Menge, im wahrsten Sinne des Wortes schlüpfriger Sprüche. Wenn schon witzig, dann aber richtig!

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Die jungen Jahre eines Detektivs - inklusive Zeugenbefragungen im Baumhaus.
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Tony steuert sich wie in guten alten Zeiten ganz bequem per Maus, schließlich ist das Spiel ein reinrassiges Point'n'Click-Adventure. Tastaturkrämpfe wie in "Baphomets Fluch 3" gibt es hier zum Glück nicht. Es genügt, mit der linken Maustaste ein Objekt oder eine Person anzuwählen und mit der rechten zu entscheiden, was man machen möchte. Führt nun ein Gespräch, eine Interaktion oder eine detaillierte Betrachtung zum Ziel? Außerdem kann Tony bestimmte Dinge auf sich selbst anwenden, wie zum Beispiel die Kröte von vorhin.

Misserfolge führen nicht selten zu recht witzigen Mono- und Dialogen. Beispiel gefällig? Als uns Tony im Chemieunterricht nach einem fehlgeschlagenen Kombinationsversuch ein bisschen auf die Sprünge helfen will, beschwert sich sein Freund und Banknachbar Seymour darüber, dass Tony schon wieder mit sich selbst spricht. Dieser entgegnet ihm jedoch, dass er dem Spieler lediglich die Steuerung und die Verwaltung des Inventars erklären wollte. "Dem Spieler...?", fragt Seymour und unser Held antwortet: "Ja, dem Spieler, du weißt schon. Der da vor dem Bildschirm", und zeigt dabei genau auf uns. Solche Sprüche und Situationen sind gerade am Anfang äußerst erheiternd und motivieren bestens. Leider kann "Tony Tough 2" den Spagat zwischen cleveren, zweideutigen Bemerkungen und Niveaulosigkeit nicht immer halten. Sprüche wie "Wieso rammst du dir nicht eine Zapfsäule in den Arsch?" oder "Beschissene, gottverdammte Scheiße" wirken gerade bei einer Altersfreigabe ab 12 Jahren äußerst unpassend.

Schluss mit lustig!
Auch die zu anfangs einfachen und gerade noch so nachvollziehbaren Rätsel driften irgendwann ins absolut Lächerliche ab. Zudem schwankt der Schwierigkeitsgrad der Knobeleien immer wieder sehr stark. Befindet sich Tony anfangs noch in einzelnen Räumen, um erst einmal leichte Rätselkost zu servieren, schlägt dies von einer auf die andere Sekunde um. Nun hat man plötzlich eine ganze Kleinstadt, durch die man laufen und in der man sich die nächste Kopfnuss suchen kann. Gerade hier haben wir etwas mehr Hinweise über die ausstehenden Aufgaben vermisst. Eine Hotspotanzeige wünschten wir uns jedoch nicht wirklich, da es auf keinem Screen eine Unmenge an Objekten wie zum Beispiel im "Eulemberg-Experiment" gab. Des Weiteren wird auch Tonys Inventar nicht unnötig zugemüllt, sodass ein Großteil der Rätsel im Endeffekt eine Frage der richtigen Kombination ist.

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Oh, da ist wohl jemand gestorben!
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Sehr gefreut haben wir uns über die fabelhaften Synchronsprecher, die ihre Sache wirklich gut machen. Mit dabei sind bekannte Namen wie Sky du Mont, Ruth Moschner, Herbert Feuerstein oder die deutschen Stimmen von Whoopi Goldberg und Steve Martin. Tony Tough besitzt die gleiche Stimme, die auch schon dem "kleinen Arschloch" zu markigen Sprüchen verhalf - wie passend! Abseits der Synchronisation sieht es recht solide aus: Der Soundtrack hält sich dezent im Hintergrund und Effekte werden spärlich, aber angemessen eingesetzt.

Ganz so gut kommt die optische Seite des Spiels leider nicht weg: Hier fehlen einfach gute Animationen - in letzter Zeit eine generell um sich greifende Unsitte bei Adventures. Außerdem haben wir detailliertere Figuren vermisst. Der knuddelige Comic-Look ist zwar äußerst sympathisch, aber ein bisschen mehr Mühe mit den Charakteren hätte man sich ruhig geben können. Die Locations hingegen sind guter Durchschnitt, obwohl irgendwann die Abwechslung fehlt.