In den letzten Jahren verlief die Entwicklung der Skateboardspiele relativ unspektakulär. Jedes Jahr erwartete uns ein geringfügig verbessertes Tony-Hawk-Spiel mit grunderneuertem Szenario. In diesem Jahr sieht die Welt dank des neuen Konkurrenten „Skate“ etwas anders aus. Während EAs Funsport-Interpretation der Activision-Serie ordentlich Feuer unter den Rollen macht, geht Tony Hawk völlig unbeeindruckt mit abgenutzter Technik auf die Piste. Ob das gut geht, verrät unser Test.

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Neue Stuntkoordination

Lange Zeit begeisterte uns die Tony-Hawk-Serie, doch was vor vielen Jahren schon allein aus technischer Sicht völlig beeindruckend wirkte, haut inzwischen keinen Skater mehr vom Board. Sowohl die Präsentation als auch die Steuerung wurde von Jahr zu Jahr aufpoliert und erweitert. Inzwischen sind die Spuren dieser kontinuierlichen Restauration leider deutlich sichtbar. Vergleicht man die Serie mit dem frischen und innovativen „Skate“, wirkt das Ganze deutlich veraltet.

Tony Hawk's Proving Ground - Duell auf Rädern: Wir verraten, ob Skate von Tony auf die Bretter geschickt wird.

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Back in Action – Tony Hawk zeigt wie’s geht!
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Statt das Bedienkonzept von Grund auf zu überarbeiten und somit auf die Entwicklungen im Genre zu reagieren, halten die Entwickler der Tony Hawk Serie weiterhin an der altbewährten Steuerung fest. Lediglich das bereits aus dem Vorjahr bekannte „Nail the trick“-Feature wurde deutlich ausgebaut. Neuerdings schaltet ihr nicht nur bei Flips in den manuellen Trickmodus, sondern dürft auf die gleiche Weise optional auch Manuals und Grabs individuell gestalten. Per Tastendruck zoomt die Kamera zu eurem Board und ihr vollführt, durch den Einsatz beider Analogsticks, im Zeitlupenmodus spektakuläre Tricks.

Ansonsten spielt sich der Titel jedoch wie gewohnt. Statt Sprünge und Tricks wie bei der Konkurrenz durch intuitive Bewegungsmuster der Analogsticks auszuführen, genügt hier meistens die Betätigung der Fronttasten zum Ausführen verschiedener Skatebewegungen. Dies kommt zwar Einsteigern entgegen, wird echten Fans des Sports dafür vermutlich weniger gut gefallen.

Auch an der Skatephysik wurden keinerlei nennenswerte Veränderungen vorgenommen. Eine erneut sehr tolerante Kollisionsabfrage verlangt nicht annähernd die Präzision eines „Skate“, wodurch sämtliche Aktionen deutlich leichter von der Hand gehen und weniger Geschick erfordern. Wer einmal Tempo aufgenommen hat und abwechselnd auf die Tasten zum Springen und Grinden drückt, wird erstaunt sein, welche Trickkombos hier bereits völlig zufällig bewirkt werden können.

Packshot zu Tony Hawk's Proving GroundTony Hawk's Proving GroundErschienen für DS, PS2, PS3, Wii und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Aggresive Beschleunigung

Bereits in den letzten Jahren stand bei der Funsport-Serie eher der Spaß im Mittelpunkt und weniger die akkurate Simulation des Sports. Dank neuem „Aggro Push“ büßt die Serie erneut sehr viel Ernsthaftigkeit ein. Per Knopfdruck und gutem Timing beschleunigt ihr auf ein nahezu unmenschliches Tempo und steigt mit Hilfe von Rampen in luftige Höhen empor. Auf diese Weise lassen sich selbst entlegene Orte erreichen, die häufig der Schlüssel für das Erfüllen bestimmter Ziele sind.

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Schicke Lichteffekte seht ihr im eher tristen Umfeld selten.
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Auf Wunsch dürft ihr ähnlich wie bei „Skate“ Tricksequenzen als Videoclips aufzeichnen und später nach Belieben nachbearbeiten. Bildschnitte, Videofilter, Hintergrundmusik, Kameraperspektive und vieles mehr lassen sich dabei frei wählen. Schade ist nur, dass ihr die Aufzeichnung eurer Aktionen stets im Vorfeld aktivieren müsst. Wer also im normalen Spielablauf zufällig einen besonders gelungenen Trick fabriziert, kann diesen nicht abspeichern oder gar als Videoclip nachbearbeiten.

Leider wirken die fertigen Clips trotz umfangreicher Gestaltungsmöglichkeiten dennoch nicht so spektakulär wie bei der Konkurrenz. Grund dafür sind in erster Linie die unrealistischen Bewegungsabläufe, die zwangsläufig in unrealistischen Animationen münden. Wenn ein Skateboardfahrer eine Quarterpipe hoch brettert und danach zehn Meter senkrecht in den Himmel steigt, reiben sich selbst Arcadefans ungläubig die Augen. Auch die Spielumgebung kann längst nicht mehr uneingeschränkt begeistern. Viele Objekte wurden recht detailarm modelliert und häufig auftretende Clippingfehler trüben den Gesamteindruck.

Wenig innovativer Aufguss der bewährten Tony-Hawk-Kost. Wem das alljährliche Update zu bieder ist, greift zum erfrischenden Skate!Fazit lesen

Langfristige Karriere

Fans der Serie vermissen im sehr übersichtlichen Hauptmenü den Freeskate-Modus. Stattdessen stehen umfangreiche Onlineoptionen bereit, die für gesellige und unterhaltsame Stunden sorgen. Wer mag, präsentiert online seine Skateclips oder gestaltet mit Freunden eine eigene Skater-Lounge. Kern des Einzelspielermodus ist dagegen erneut ein Karrieremodus, bei dem ihr euren Skater selbst gestalten könnt.

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Per Aggro Push wird das Tempo spürbar erhöht.
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Ähnlich wie bei einem Rollenspiel nimmt euer Skater eine bestimmte Entwicklung, die eurem Skatestil entspricht und die zu einem unterschiedlichen Storyverlauf führt. Besonders interessant ist der Charaktertyp „Bastler“, der sein Umfeld eigenhändig manipuliert, um dann besonders spektakuläre Tricks zu zeigen. So dürft ihr beispielsweise zwei Häuserdächer mit einer Metallstange verbinden, um anschließend einen halsbrecherischen Grind in luftiger Höhe zum Besten zu geben. Mit guten Leistungen schaltet ihr kontinuierlich neue Spielinhalte wie etwa neue Tricks oder Klamotten für euren Brettartisten frei.

Schauplatz des Karrieremodus ist in diesem Jahr eine fiktive Metropole, die eine Mixtur der drei amerikanischen Großstädte Philadelphia, Baltimore und Washington DC darstellt. Insgesamt dürft ihr euch auf einem im Vergleich zum Vorgänger rund 50% größerem Terrain austoben. Aufträge nehmt ihr erneut an, indem ihr zu den zahlreichen Personen Kontakt aufnehmt. Die Entwicklung eures Skaters ist auch in diesem Jahr sehr motivierend, wobei die gestellten Aufgaben abwechslungsreich gestaltet wurden. Die enorme Bewegungsfreiheit sorgt ebenso für Langzeitmotivation, wie die coole Rundumpräsentation mit lizenziertem Soundtrack.