Ja doch, klappt noch. Egal ob der schnelle Wallride, der Ollie raus, der Kickflip, der Grind auf der ersten Rail, unsere Finger wissen was sie zu tun haben. Der Daumen wischt über die Action-Buttons, der Ringfinger streift die Trigger. Das letzte „Pro Skater“ ist verdammt lange her, doch Tony Hawk Pro Skater 5 rüttelt unsere Synapsen auf. Es ist schon erstaunlich, wie wir Menschen Rhythmen und Mechaniken, Kombos und Tricks irgendwo im Hirn ablegen und abrufen können, wenn sie mal wieder gebraucht werden. Es ist, als würde im Oberstübchen den ganzen Tag ein Männchen mit Schlüsseln rumrennen und Gedächtnisakten von vor 16 Jahren durch die Gegend schieben - vermutlich fahrend auf einem Skateboard, denn das geht ja schneller.

Tony Hawk - Tony Hawk & Friends: gamona trifft den Skater-Papst

Seit ein paar Jahrzehnten geht auch Tony Hawk nicht ohne Skateboard aus dem Haus. Der Familienvater und Geschäftsführer diverser Firmen trägt zwar hier und da auch mal einen Anzug, zeigt auf seinem Youtube-Channel „RIDE“ aber auch mit 47 Jahren noch völlig durchgeknallte Tricks. Während unsere Eltern wohl eher im Laufverein sind oder Tennis spielen, springt Herr Hawk auf Festivals noch immer mit dem Board durch brennende Ringe, macht einen 360 über ein paar parkende Polizeiautos und ist auch sonst für jeden Spaß zu haben. Für einen Activision-Foto-Shoot ist er sogar mal über die Berliner Mauer gesprungen, irrer Typ, dieser Tony. Nur die ganz verrückten Stunts machen jetzt seine jüngeren Kollegen, so durch den Löwenkäfig ollien oder aus dem Helikopter in die Pipe springen.

Tony Hawk's Pro Skater 5 - Als würden wir 1996 mit dem Skate-Papst auf die Pipe rollen

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47 und noch kein bisschen müde: Tony Hawk will mit Tony Hawk Pro Skater 5 beweisen, dass die Bretter, die die Welt bedeuten, auch auf NextGen gehören.
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So oder so ist Tony Hawk sicherlich ein Sportler, der mit uns Gamern viel Geld verdient hat, dem wir aber auch viel zu verdanken haben. Tony Hawk Pro Skater war eines dieser ersten Spiele, die unser Hobby in den Mainstream getragen und letztlich ja auch unsere Jugend geprägt haben. Ohne Skater hätte doch niemand Baggy-Pants getragen, viel zu große Caps oder Beanies. In die Zeit ist dann auch die Punk-Rock-Welle reingerutscht, also als Limp Bizkit noch in waren und Linkin Park nicht auf der Pop-Welle gesurft ist.

Hawk möchte hingegen die aktuelle Nostalgie-Welle ein bisschen mitnehmen und mit Tony Hawk Pro Skater 5 wieder zurück zu alten Stärken führen. Damit dabei nichts schiefgeht, ist der Skate-Papst stark in die Entwicklung eingebunden, spielt regelmäßig Prototypen und trifft sich oft mit Entwickler Robomodo. Die haben ja mit Tony Hawk Pro Skater HD nicht zwingend alles richtig gemacht, ein bisschen Babysitten kann da nicht schaden.

Old-School-Spielgefühl trifft Stylecard-Rollenspiel

„Skating ist glaube ich sehr viel Community-basierter als die meisten anderen Sportarten“, erklärt Tony Hawk. „Du erfindest relativ selten Tricks, sondern baust auf dem Fundament eines anderen auf. Der McTwist wird dann zum 900, einer kombiniert einen 360-Flip mit einem Grind, der nächste nutzt als Rail das Geländer einer Treppe. So soll sich auch das Spiel anfühlen.“ Deshalb hat sich sein Team dagegen entschieden, ein neues Steuerungsschema einzuführen, viel mehr soll das alte perfektioniert werden.

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Egal ob Ollie oder Nosebone, die Tricks fühlen sich an wie im guten alten Pro Skater, lassen sich aber deutlich besser timen als früher.
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Das Timing beim Starten eines Grinds lässt sich jetzt leichter und direkter kontrollieren, es gibt weniger Automatismen. Ihr landet nicht irgendwo im ersten Drittel einer Rail, sondern könnt den ganzen Weg mitnehmen. Wilde Spezialtricks bei vollem Kombo-Meter wie den Christ Air, bei dem ihr in der Luft das Board verlasst, die Hände wie Jesus ausbreitet und es dann mit der Hand wieder unter die Füße drückt, ziehen wir per linkem Bumper.

Spielt sich old-schoolig, aber kontrollierter, kippt hier und da ein paar schöne Nostalgie-Momente in seine Skateparks und hat coole Ideen für den Multiplayer.Ausblick lesen

Es sind kleine Neuerungen, aber sie machen das Spiel kontrollierbarer und geben gerade Veteranen der Serie die Möglichkeit, ihr Potential voll auszuspielen. Interessant klingen auch die geplanten Rollenspiel-Elemente, so könnt ihr durch Punkte die Höhe eurer Ollies hochschrauben und das Board tunen.

Neue Tricks schaltet ihr über die sogenannten Style-Cards frei. Dafür müsst ihr einige der Signature-Moves von Skate-Größen wie Nyjah Huston, Tonys Sohn Riley Hawk, Aaron „Jaws“ Homoki, Ishod Wair, Chris Cole, David Gonzalez, Andrew Reynolds und natürlich Tony selbst ziehen. Cool für unsere Leserinnen und alle weiblichen Skateboard-Fans: Mit der Brasilianerin Leticia Bufoni und Kalifornierin Lizzie Armanto sind auch zwei Frauen unter den Stars dabei. Schaltet ihr die jeweilige Style-Card frei, könnt ihr mit dem Board des Promis fahren, seine Klamotten tragen und schaltet vor allem seine/ihre Signature-Moves frei.

Nostalgie-Skateparks und überdrehte Power-Up-Elektro-Action?

Aktuell sind neun Level geplant, zwei davon sorgen für Nostalgie, sind aber keine billige Kopie. Vielmehr werden ikonische Elemente aus Warehouse, School und Hangar in den Mixer geworfen, gut durchgeschüttelt und in neue Skateparks gegossen. So springen wir dann im Warehouse-Szenario über das Heli-Pad aus Hangar oder fühlen uns zurückversetzt in gute, alte School-Zeiten, finden aber ganz neue Rampen, veränderte Layouts und natürlich geheime Räume.

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Mit Punkten schaltet ihr bessere Skill-Level und neue Boards frei, könnt aber auch aus Custom-Designs der Stars wählen und ihnen Tattoos verpassen.
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Was wäre ein „Tony Hawk“-Spiel ohne seine Easter-Eggs, eins davon wird wohl mit einem Fitness-Raum zu tun haben. Wer das Original gespielt hat, weiß vermutlich wovon wir reden und wird das ein oder andere schöne Déjà-vu erleben. Kopien sind nervend, aber wenn sich ein Spiel so selbst referenziert wie es aktuell Steven Trevorrow und Chris Pratt in Jurassic World mit dem Original von Steven Spielberg tun (die wir übrigens gerade getroffen haben), dann weckt das schöne Erinnerungen an coole Abende mit Freunden.

Die anderen sieben Level sind komplett neu, sollen aber laut Producer Dino Verano ebenfalls jeweils geheime Passagen bieten. Das Team sollte außerdem bitte unbedingt darüber nachdenken, Skins wie Darth Maul oder Wolverine wie in Tony Hawk Pro Skater 3 für besonders harte Tricks oder ab einer bestimmten Punktegrenze freizuschalten. Man könnte ja auch Charaktere von Activision-Marken einbauen wie Soap McTavish und Captain Price aus Call of Duty.

Entwickler Robomodo sollte aber lieber nicht zu sehr aufdrehen und auf Infamous machen wollen, denn die Demo weist darauf hin. So grinden wir über Stromleitungen, um einen Speed-Boost zu bekommen und verwandeln Fußbälle in überdimensional großen Toren. Für solche Missionen werden Power-Ups benötigt, die uns mehr Ramm-Kraft geben, widerstandsfähiger machen oder Raketen unters Board schnallen. Sagt uns gerne in den Kommentaren, auf was ihr Lust habt – zu sehr in Richtung Jackass-Underground 2 sollte sich das neue THPS unserer bescheidenen Meinung nach aber lieber nicht entwickeln.