Tony Hawk gilt als der Gott des Skatens. Wenn aber das Studio Robomodo eines bewiesen hat: Es gibt keinen Gott. Keinen des Skatens, keinen, der gnädig oder barmherzig ist, der seinen wohlwollenden Schutz über die Gamer ausbreitet, die dermaleinst vom besten aller Funsport-Games vor die Konsole gefesselt wurden. Es gibt keine Erlösung. Es gibt keine Hoffnung. Es gibt kein Tony Hawk's Pro Skater mehr.

Neversoft haben das Gebäude verlassen. Das war nicht der Punkt, ab dem es abwärts ging – den gab es schon vorher. Es geht mit einer von Anfang an starken Formel eben nur noch bedingt weit nach oben. Doch was die Jungs und Mädels aus Los Angeles abgeliefert haben, wurde immer auf eine zwei Weisen aufgenommen: umjubelt oder mit sympathisierender Akzeptanz. Drunter ging es nie.

Jetzt geht es auch nicht mehr drunter. Neversoft gibt es in der alten Form schon längst nicht mehr, und irgendwer, dem dafür im nächsten Leben eitrige Hühneraugen gewünscht seien, hat beschlossen, das Chigagoer Studio Robomodo dranzusetzen. Seitdem gibt es nur noch Murks, dessen bisheriger Tiefpunkt wohl Ride war, obwohl das natürlich streitbar ist. Die Betonung liegt jedoch auf "bisher". Tony Hawk's Pro Skater 5 ist wirklich, man kann es nicht schöner ausdrücken, der letzte Rotz.

Man müsste ein abschreckendes Beispiel für angehende Spieldesigner oder sogar BWL-Studenten draus machen. Eine Traditionsmarke, deren letzter Hauptteil dreizehn Jahre zurücklegt, so herunterzuwirtschaften, ist ein Kunststück, nein, Meisterwerk. Tony Hawk's Pro Skater 4 hat einen Metacritic-Schnitt von fucking 94 und ist nicht einmal das bestbewertete Spiel der Reihe. Teil 5 kommt nicht mal auf 50. Bei uns, wie ihr sehen werdet, kommt es auf keine 3 Punkte. It's that bad.

Ihr werdet mittlerweile schon einiges vom Spiel gehört und gesehen haben und vielleicht ist eure einzige Assoziation: Bugfest, Glitch-Galore, technische Probleme, die das Erlebnis unerträglich machen. Die Wahrheit: Ist alles Quatsch. Also, nicht, dass es nicht wahr wäre. Es gibt chinesische LCD-Imitationen von Nintendo-Handhelds, die einen besseren technischen Standard haben als Tony Hawk 5. Aber das Hauptproblem sind die technischen Mängel nicht. Sie sind es nicht, die das Spiel unerträglich machen. Wäre Tony Hawk 5 in perfektem Zustand, wovon es so weit entfernt ist wie ich von einer Karriere als Unterwäschemodell, wäre es dennoch unfassbarer Schrott.

Brett vorm Kopf – wenn das der echte Versuch war, die Reihe zu erwecken, wird es Zeit, ihr ein Kissen aufs Gesicht zu drücken. Keine Schmerzen mehr. Nur noch Träume.Fazit lesen

Tony Hawk 5 ist... halt, bevor ich fortfahre, muss ich irgendwas ändern. Ich kann das Spiel nicht einfach weiterhin "Tony Hawk 5" nennen, das ist surreal und unverdient und einfach falsch. Wie wollen wir es von nun an nennen? Irgendetwas, was seinen Spaßfaktor repräsentiert. Wie wäre es mit "Krippentod 5"? Oder doch etwas, was seinen technischen Zustand widerspiegelt? "Krebskolonie 5" zum Beispiel. Wir werden sehen, ob etwas hängenbleibt.

Ein Spiel wie Maul- und Klauenseuche

Dieser spirituelle Nachfolger zu Big Rigs: Over the Road Racing jedenfalls macht von der ersten Minute an alles falsch, was falsch gemacht werden kann. Und damit meine ich: Bevor man auch nur ins Spiel kommt. Das Activision-Logo am Anfang hat abgehackten Sound und das von Robomodo ruckelt. Dios mio. „Nässender Ausschlag 5“ läuft schlecht, bevor es überhaupt begonnen hat.

Tony Hawk's Pro Skater 5 - Ein Schritt nach hinten, zwei Schritte zurück

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Nö.
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Man wird nach der üblichen Collage von Skatern, bei der größere Skate-Prominenz erstaunlich abwesend ist, in ein schmuckloses Menü geworfen. Spätestens von hier an ist jeder Schritt einer zu viel. Geht man ins Customizing-Menü, sieht man, wie erbärmlich wenige Skater es gibt. Die beiden traditionellen Joke-Charaktere sind Lil Wayne und Graham aus dem kürzlichen und ziemlich coolen Remake von King's Quest. Kommentar nötig?

Aus irgendeinem Grund kann man sich nicht mehr seinen eigenen Charakter erstellen, sondern nur die vorhandenen anpassen – das aber dafür dann total frei, wer also aus Tony Hawk eine dunkelhäutige Dame oder einen Penner mit einem Verkehrspylonen als Hut machen will, kann das tun. Nur wozu? An der Spielweise ändert das präzise gar nichts. Später werden wir im Laufe der Zeit Skillpunkte sammeln und auf diesem Bildschirm investieren können, damit wir uns durch die Missionen noch besser durchruckeln können. Whoopidoo.

Packshot zu Tony Hawk's Pro Skater 5Tony Hawk's Pro Skater 5Erschienen für PS4, Xbox One, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Gehen wir dann in den Play-Modus entdecken wir, dass es keinen wirklich roten Faden oder derlei gibt. Wir starten auf der ersten der unglaublichen acht vorgefertigten Karten, wo wir im Free-Skate-Modus nach Missionsmarkern suchen können – was aber keinen Sinn ergibt, denn nicht nur können wir an jedem Marker jede beliebige Mission starten, wir können die Missionen auch einfach direkt über unser Menü anwählen. Konsequenterweise verschwinden die Marker auch, wenn man eine Mission erstmals abschließt, unabhängig davon, ob man den Maximalrang erreicht hat. Gebraucht hat man sie ja eh nicht. Für das Erfüllen der Missionen kriegt man Sterne. Hat man in einem Level 15 Sterne gesammelt, schaltet „Cash-Cow-Verarsche 5“ die nächste Karte frei.

Tötet mich.

Das ist leicht gesagt. Die Missionen sind völlig stumpf, allermeistens ohne jeden Spaßfaktor und, das am schlimmsten, wiederholen sich auch noch von Map zu Map. Im Zeitlimit Punkte machen, das Sammeln von Mumpitz, innerhalb einer Kombo dies oder das Erreichen – jaja, alles aus dem Effeff. Ab und zu gibt es sowas wie eine süße Idee, zum Beispiel mit seinen Kickflips Raketen abzufeuern, um Zielscheiben zu treffen, aber das ist alles nichts wert, weil...

Tony Hawk's Pro Skater 5 - Ein Schritt nach hinten, zwei Schritte zurück

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Die Bildqualität ist schrecklich, aber wir wollten euch auf das "Marshmallow" rechts oben hinweisen.
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... nun, weil das eigentliche Skaten verkorkst ist. Ja, falls die Technik mal kurzzeitig mitmacht und nicht ruckelt und einem deshalb nicht ohne eigenes Verschulden die Kombo flötengeht, kann man kurzzeitig Erfolg haben. Den immer selben, weil es zu wenige Skater und zu wenige Movesets gibt, die man nicht anpassen kann. Den immer selben, weil die Maps unkreativ, todlangweilig und viel zu wenige sind. Den immer und immer wieder selben. Und dieses Schema wiederholt man nun, bis einem die Augen bluten. Es gibt immer noch den optionalen Schmarrn, das Sammeln der S-K-A-T-E-Schriftzüge, das Finden der Tapes, so etwas. In den besseren Tony Hawks waren das immer willkommene Anreicherungen einer perfekten Formel. Hier ist es die Streckung der Qual.

Wie gesagt: Das alles passiert, falls die Technik es zulässt und würde vielleicht irgendwie gehen, wenn das Skating nicht so unendlich lahm wäre. Aber davon abgesehen, dass Bugs, Ruckler und zickige Animationen einem öfter als einmal einen Strich durch die Rechnung machen, dass die Parcours nicht clever gebaut sind und dass man zu kleine Movesets hat (frühere Moves wie Dropdowns gibt es offenbar gar nicht mehr, zumindest haben wir sie nicht gefunden), gibt es eine einzige erkennbare Neuerung, und die ist grauenhaft: Drückt man die Grind-Taste, slammt der Skater quasi schlagartig auf den Boden zurück, falls er in der Luft war. Mal ungeachtet dessen, dass das selbst für diese casualige Fun-Reihe schweinisch unrealistisch ist und aussieht wie Stulle, versaut es einem prima die Möglichkeit, das Einsetzen eines Grinds richtig zu timen – einen Augenblick zu früh und Tony bzw. seine Kollegen stampfen wie ein trotziges Kleinkind auf den Asphalt statt die Kombo zu verlängern.

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Wenn ihr jemandem 40 Euro dafür bezahlt, euch aufs Maul zu hauen, tut das immer noch weniger weh als Tony Hawk 5.
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Ich würde gerne von weiteren spannenden Spielmodi in „Tony Hawk 5: Jetzt wird's albern“ berichten, aber es gibt keine. Es gibt einen Leveleditor, und wir alle wissen, wieviel Leveleditoren wert sind in Spielen, die totaler Stuss sind. Dennoch ist er vielleicht noch das beste Feature, denn immerhin gibt es hier allerlei Kram zum Bau und die Areale sind auch recht groß. Macht den Kohl weder fett noch essbar, kann man aber erwähnen.

Und auf der Minusseite gäbe es noch so, so viele Sachen zu sagen, so viele sinnlose, abartige und hässliche Kleinigkeiten. Ich zwing mich aber zur Kürze, für alle schrecklichen Details müsst ihr mal auf der Fazitseite unter „Contra“ nachlesen, aber setzt euch, es wird eine Weile dauern. Lasst es mich an dieser Stelle so zusammenfassen: Nichts, aber auch gar nichts an „Bertram Kowalski 5“ reizt. Es gibt keinen Grund, es zu spielen, dafür aber hunderte, stattdessen Tony Hawk's Pro Skater 4 nochmal zu zocken. Denn kein Delirium, keine Drogen, keine lustige Runde mit Freunden, keine auf Spotify reingeschmissene Bad-Religion-Playlist können dieses Monstrum eines verkorksten Spiels retten. Unterste Schublade und die niedrigste Wertung, die ich in den letzten sechs Jahren vergeben durfte.