Tony Hawk ist einer dieser positiv Verrückten, die für ihren Traum alles tun:
er brach sich den Ellbogen, drei Rippen und wurde fünfmal ohnmächtig in ein Krankenhaus eingeliefert, bis er es schaffte, 1999 den ersten 900 durchzuziehen. Ein Stunt, der auch heute noch zu den besten und gefährlichsten Skateboard-Tricks der Welt zählt. Ein Stunt, der ihn zur Legende machte. Heute ist Tony zigfacher Multi-Millionär, doch er hat seine Wurzeln nicht vergessen: selbst in einer kleinen, schmutzigen (in München kann man sonst vom Boden essen) Half-Pipe irgendwo im Kirschgarten steigt er bei 40 Grad aufs Board und fährt im Rahmen seiner Birdhouse-Tour mit seinen Fans. Völlig ohne Eintrittsgelder, Sponsoren- oder Bandenwerbung. Ein Mal in der gleichen Pipe wie Tony fahren und mit ihm abklatschen? Der Weißwurst-Äquator macht alles möglich.

Tony Hawk - Tony Hawk & Friends: gamona trifft den Skater-Papst

Wir sind mit dem Skate-Papst aufs Board gestiegen und haben mit ihm über das Skaten im Weißen Haus, auf Pyramiden und in der virtuellen Welt in „Tony Hawk Pro Skater 5“ gesprochen. Oh, und über das Potential von Hoverboards, die vielleicht mal die Skateboards von morgen werden könnten.

Interesse an unseren Gameplay-Impressionen zu „Pro Skater 5“?
Hier findet ihr unsere Vorschau zu Tony Hawk's Pro Skater 5!

Tony Hawk's Pro Skater 5 - "Skaten auf den Pyramiden wäre cool"

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Lange nicht mehr gesehen, aber locker drauf wie immer: Tony Hawk im Münchner Skateshop Boneless.
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Es gibt kaum einen Ort, an dem du noch nicht geskatet bist. Du hast sogar via Snapchat live einen Manual im Weißen Haus gezogen, vor den Treppen die ins Oval Office führen. Wie kam es dazu eigentlich?

Tony Hawk: Präsident Obama hat mich und einige Sportler zum Vatertags-Dinner ins Weiße Haus eingeladen. Ergo habe ich mir einen Smoking angezogen und das Skateboard eingepackt. Obama verspätete sich leicht, da blieb noch Zeit für einen Manual im Weißen Haus. Ich hatte eine kleine Wette mit meinem Sohn Riley laufen, ob ich mich das trauen würde. Dort fahren ständig Gepäckwagen hin und her, ich wusste also, dass die Rollen den Fußboden nicht beschädigen würden.

Wilde Geschichte, im Weißen Haus wimmelt es ja nur so vor Kameras und Secret Service…

Tony Hawk: Yep, deswegen habe ich auch vorher gefragt. Aber das dürft ihr Riley nicht verraten (er grinst). Wir haben eine Grillparty im Rosengarten des Weißen Hauses veranstaltet, dort hat mich Präsident Obama dann auch um den ein oder anderen Trick gebeten. Selbst wollte er übrigens nicht aufs Board oder durfte nicht, so genau weiß man das bei Präsidenten ja nie. Als nächstes würde ich ganz gerne die Pyramiden runterskaten. Das ist ziemlich tricky, muss wohl das Board dafür umbauen. Habe schon drei beim letzten Ägypten-Urlaub zerbrochen, na ja, passiert.

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Null Allüren: Wo Hollywoodstars eine ganze Entourage an Assistenten und Wasser-reichern mitbringen, braucht Tony auch bei 40 Grad nur sein Board und eine GoPro.
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Oder das Hoverboard nehmen. Du entwickelst ja gerade mit Hendo Hover das erste Magnetschwebe-Board der Welt, richtig?

Tony Hawk: Absolut, ja. Wir hatten ja diesen Prank auf Youtube, der einige Leute ziemlich enttäuscht hat. Das hier ist jetzt der „Real Deal“, auch wenn das Hendo-Hoverboard noch nicht ganz die Fähigkeiten hat, die man sich vielleicht vorstellen würde. Es funktioniert wie eine Magnetschwebe-Bahn. Dafür muss allerdings ein magnetisches Feld ein anderes erzeugen, wofür wiederum ein Material benötigt wird, das stark leitet – Kupfer zum Beispiel. Hendo hat dafür den ersten Hoverboard-Skatepark der Welt im Silicon Valley gebaut, dort lassen sich auch erste Tricks ziehen, das funktioniert also. Nur das freie Gleiten irgendwo in der Stadt ist leider noch nicht drin und mit rund 10.000 US-Dollar Anschaffungspreis ist es nicht das günstige Spielzeug (er lacht).

Könnte das Hoverboard irgendwann mal das Skateboard 2.0 werden?

Tony Hawk: Sag niemals nie, allerdings gibt es vorher noch viel Ingenieursarbeit zu leisten. Aktuell schwebt das Hoverboard nur rund 2,5 Zentimeter über dem Boden und entwickelt für eine Pipe nicht genug Geschwindigkeit, um beispielsweise einen 360 hinzulegen. Das Höchste der Gefühle ist aktuell ein 10-80, also ein Anfängertrick.

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Pro Skater 5 verspricht, ein richtig gutes THPS zu werden, nur die Technik ist ein bisschen angestaubt. Lest unser Preview!
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Wie hast du eigentlich dein erstes Skateboard bekommen? Es gibt da diese Geschichte über dich, Tetris und Wutanfälle. Stimmt die?

Tony Hawk: Ich war ein schwieriges Kind, wohl auch, weil ich einen IQ von 144 hatte. In der Schule war mir immer langweilig, es gab irgendwie keine Herausforderung und ich war etwas zu „ambitioniert“, um es mal so zu formulieren. Ich muss wohl den Nachbarsjungen ziemlich angeschrien haben, als er gegen mich gewonnen hatte. Mein Bruder hat mir dann, als ich neun war, sein altes zerkratztes Skateboard geschenkt, so fing alles an. Erst bei uns in der Einfahrt in unserem Haus in San Diego, dann im Oasis Skatepark. Aber die Liebe zu Videogames blieb eigentlich immer. Interessanterweise war ich kein Sportspiel-Fan, sondern früher eher an Shootern interessiert – „Halo“, „Medal of Honor“, „Call of Duty“. Ich hatte auch immer eine Konsole mit im Gepäck, einfach zum Entspannen und Abschalten.

Wie sieht dein aktuelles Haus aus: eher Xbox oder Playstation?

Tony Hawk: Wir sind eine ziemlich große Familie, weil meine Frau auch Kinder in die Ehe eingebracht hat. Und mit dem Gaming ist es ja wie mit Fernsehen, es ist immer schwer, einen guten Kompromiss für alle zu finden. Insofern haben wir glaube ich vier Xbox Ones und vier Playstation 4s zu Hause stehen, plus natürlich einen Haufen alter Konsolen. Riley tourt mittlerweile viel, er ist ja auch seit einigen Jahren Profi. Aber ich glaube „Call of Duty“, „Halo“ und „Destiny“ sind so die Renner bei uns zu Hause. Und natürlich „Tony Hawk Pro Skater 5“, das läuft auf meinen Debugs meistens.

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Coole Idee: weil Marty McFly in Zurück in die Zukunft am 21. Oktober 2015 in der Zukunft ankommt, soll dann auch der erste Hoverboard-Skatepark der Welt nahe San Francisco eröffnen. Bild: Hendo
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Wie läuft eigentlich die Zusammenarbeit mit Entwickler Robomodo? Fliegst du regelmäßig nach Chicago oder macht ihr eure Meetings per Skype?

Tony Hawk: Activision hat sein Headquarter in L.A., insofern treffen wir uns eher in Kalifornien. Aber PS4 und Xbox One machen die Arbeit sehr viel leichter, weil ich mir täglich neue Updates ziehen und einfach den neuesten Code spielen kann. In der Regel schreibe ich dann eine lange Mail mit Feedback, ansonsten telefonieren wir. Ich bin bei „Pro Skater 5“ deutlich stärker involviert als bei anderen Spielen vorher, es ist sozusagen mein Hauptjob aktuell, neben meiner Firma.

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Officer Dick kehrt wohl zurück. Activision soll mal nicht so geizen und auch Spider-Man aufs Board holen, dafür haben sie eh die Lizenz.
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Erinnerst du dich noch an die Anfänge von „Pro Skater“? Wie war das so damals, 1999?

Tony Hawk: Wild und verrückt. Mein Leben war eine Achterbahn. Ich habe als Jugendlicher, so mit 17, mehr verdient als meine Lehrer, dann sind mir etliche Sponsoren weggebrochen, das Boarden geriet irgendwie aus dem Fokus der Öffentlichkeit. Aber ich hatte wohl immer schon ganz gute Ideen, als es mal nicht so lief, habe ich beispielsweise Werbung an meinen Lieblings-Burgerladen verkauft. Der hatte zwar kein Marketingbudget, aber ich konnte dort dann immer kostenlos essen (er grinst). Die Dinge haben sich damals ziemlich überschlagen: genauso schnell wie Skateboarden totgeschrieben wurde, war es plötzlich wieder total hip, wir haben eine erste Teenager-Klamotten-Marke auf den Markt gebracht, 1999 kam dann der Deal mit Activision. Wie eine Fügung des Schicksals war das Launchjahr des ersten „Tony Hawk Pro Skater“-Games auch das Jahr, wo ich den 900 auf den X-Games geschafft habe. Ich glaube, das war der zündende Moment in meiner Karriere - ab jetzt war nichts mehr unmöglich.

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Tony und seine Crew in München: Lizzie Armanto, Shawn Hale, Kevin Staab, Mike Davis, Clive Dixon, David Loy, Ben Raybourn, Clint Walker und Aaron Homoki.
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Warum ist 2015 das richtige Jahr, um mit Pro Skater 5 das Jubiläumsspiel zu bringen?

Tony Hawk: Ich denke, es ist die Mischung aus nostalgischen Gefühlen, Fanservice und schlicht jeder Menge neuer Multiplayer-Ideen, die – so hoffe ich – euch alle umhauen werden. Wir haben Mehrspieler-Modi für bis zu 20 Spieler, wo ihr jederzeit einfach rejoinen könnt – das ist ein bisschen wie ein Skatepark, der nie schließt. Und vor allem könnt ihr endlich wieder eure eigenen Skateparks mit einem wirklich massiven Leveleditor bauen: wir geben euch fast alle Elemente an die Hand, die auch die Entwickler selbst benutzen. Ihr könnt über riesige Feuer springen, die eure Boards entzünden und mehr Speed bringen oder sie über Stromleitungen elektrisieren und so eure ganz eigenen Kombo-Challenges kreieren. Durch Twitter weiß ich, dass sehr, sehr viele Fans sich den guten alten Torture Park aus „Pro Skater 3“ zurückwünschen, den könnt ihr jetzt selbst bauen und mit Freunden teilen.

Wobei das Teilen nur auf Xbox One und Playstation 4 funktioniert. Warum dann trotzdem die Entscheidung, auf PS3 und Xbox 360 zu erscheinen, obwohl diese Versionen kastriert sind?

Tony Hawk: Das ist sicherlich auch eine wirtschaftliche Entscheidung, aber in erster Linie wollen wir natürlich allen Fans die Möglichkeit geben, „THPS 5“ zu spielen. Denke, es wäre ziemlich daneben, wenn wir das Spiel PS3- und 360-Spielern vorenthalten würden. Es ist eine Serie, die nicht nur von Hardcore-Gamern gezockt wird, insofern wird nicht jeder „THPS“-Fan bereits den Sprung auf PS4 oder One gemacht haben.

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Die Hitze machte dem Birdman zwar sichtlich zu schaffen, aber auch mit 47 gehört Tony noch nicht zum alten Eisen.
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Noch eine Frage zum Thema Musik. Gefühlt hat das Skateboarden erst die Karrieren von Linkin Park, Papa Roach und vielen anderen Punk-Bands befeuert. Dürfen wir mit einem Comeback von Klassiker-Songs der letzten vier „THPS“-Spiele rechnen?

Tony Hawk: Weniger, um ehrlich zu sein. Gerade auch, weil sich ja einige Bands in Richtungen entwickelt haben, die heute weniger zur Skatekultur passen. Ich kann aktuell noch nicht zu viel verraten, aber beispielsweise „Black Sap Scriptures“ von Plague Vendor ist dabei. Also schön punkig, es sind Songs, die Riley und andere Profis beim Skaten hören.

Die letzte Frage ist wohl mehr eine Bitte. Wolverine, Death Maul und Spider-Man gehen doch klar als Spezialcharaktere?

Tony Hawk: Haha, wir werden sehen. Ich meine da etwas von einem speziellen Polizisten gehört zu haben. Stay tuned, am 02. Oktober 2015 wissen wir mehr.