Weshalb spielen wir Games? Weil es Spaß macht natürlich! Und weil wir darin Dinge tun können, von denen wir im normalen Leben nur träumen. Einmal Jet-Fighterpilot sein, Batman, Action-Held oder eben Skater-Legende. Wer zu hüftsteif ist, um sich selbst auf ein Skateboard zu stellen, ohne sich dabei die Gräten zu brechen, fummelt sich seine Halfpipe-Stunts einfach per Controller zusammen.

Doch gerade die Tony-Hawk-Games stagnieren bereits seit langer Zeit. Von Innovation war in den letzten Jahren, trotz mittlerweile mehr als zehn Episoden, kaum noch etwas zu sehen. Und damit waren zugleich auch Spaß und Attraktivität verflogen. Mit Tony Hawk: Ride und dazugehörigem kabellosen Skateboard-Controller wollen die Entwickler der Skater-Serie nun einen belebenden Kickstart verpassen.

Tony Hawk: Ride - New School Trailer

Das volle Brett

Spiele mit bewegungssensitiven Sensoren sind spätestens seit der Einführung von Nintendos Wii en vogue. Immer mehr Anbieter drängen mit eigenen Lösungen auf den Markt. Kein Konsolero muss heutzutage ohne Balanceboards, Plastikgitarren und ähnlichen Schnickschnack auskommen. Vor dem Bildschirm wird gerockt, geyogat, getanzt, gesungen, geballert oder geboxt. Mit vollem Körpereinsatz und häufig schweißtreibender als viele Sportmuffel es gewohnt sind. Warnungen vor möglichen Verletzungen sind in der virtuellen Variante mitunter sogar angebrachter als im wahren Leben.

Tony Hawk: Ride - Skaten wie in Wirklichkeit?

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Der neue Skateboard-Controller ist das Herzstück von Tony Hawk: Ride.
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Dieses umfangreiche Unterhaltungs-Repertoire wird ab Ende November 2009 durch Tony Hawk: Ride erweitert, das für alle drei Konsolen auf den Markt kommt. Statt den sportlichen Avatar via schnödem Gamepad über den Hindernisparcours auf dem Bildschirm zu lotsen, steigen Skater-Fans nun auf eine Plastiknachbildung des Boards.

Der kabellose Skateboard-Controller gehört zum Lieferumfang von Tony Hawk: Ride, das im Paket deutlich über 100 Euro kosten wird. Ohne den bewegungssensitiven Plastiktreter ist die Skater-Simulation nicht spielbar. Vergleichbare Spiele blieben bisher meist unter der dreistelligen Euro-Schallmauer. Ähnlich dem Balanceboard nutzt die Technik beim Skateboard-Controller Beschleunigungsmesser und Bewegungssensoren, was eine Steuerung über Bewegungen und Gesten auf dem Spielgerät ermöglicht.

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Spektakuläre Sprünge wie diese werden mit einem leichten Ankippeln des Bretts erreicht.
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Das Brett machte auf der Gamescom einen insgesamt sehr solide verarbeiteten Eindruck und wiegt mehr, als es zunächst den Anschein hat. Es wirkt wertig, kommt indes natürlich ohne Rollen daher. Zum einen wäre die Verletzungsgefahr für Skateranfänger zu hoch und zum anderen soll es das richtige Sportgerät nicht ersetzen. "Jeder kann damit skaten", so lautet zumindest der Werbespruch des Publishers.

Fraglich: Reicht eine innovative Skater-Steuerung für die Wiederbelebung der Tony-Hawk-Serie?Ausblick lesen

Also habe ich den Selbstversuch gewagt und mich auf das Board gestellt, das übrigens auch auf Linksfüßler einstellbar ist. Zunächst ist es ziemlich ungewohnt, die Spielfigur mit einer simplen Gewichtsverlagerung der Füße über die Hindernisstrecke zu steuern. Ein Abgang vom Brett hat hier aber lange nicht so gravierende Konsequenzen, schließlich verändert es seine Position im Verhältnis zur eigenen Fußstellung nicht oder nur minimal.

Bloß nichts überstürzen

Das eher gemächliche Spieltempo ist bei diesen ersten ungewohnten Schritten hilfreich: Hier sorgt ein Fußschaben für lockeres Schwungholen, ein Schlenker nach links sorgt für einen Flip, eine Neigung nach rechts fabriziert einen Turn. Beim Anheben des Brettes durch simple Gewichtsverlagerung nach hinten legt der visualisierte Skater einen lockeren Manual auf den Asphalt.

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Solche Tricks initiiert ihr mit einer kleinen Bewegung, Skill ist dafür nicht notwendig.
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Kleinere Bewegungsvariationen und Veränderungen des Neigungswinkels setzt Tony Hawk: Ride beispielsweise in Grabs oder andere Skater-typische Tricks um, die z.B. höhere Punktewertungen einbringen. Größere Verrenkungen muss dafür jedoch niemand veranstalten, der Aktionsradius erscheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch recht gering. Ein 900-Move á la Tony Hawk wird letztendlich mit dem Board-Controller nicht viel mehr sein als die Initiierung eines vorprogrammierten Bewegungsablaufs.

Was auf dem Bildschirm durchaus spektakulär in Szene gesetzt ist, sieht in natura viel undramatischer aus. Von Freestyle war auf der Messevorführung jedenfalls noch nichts zu sehen. Da passt es ins Bild, wenn die Entwickler während der Präsentation von einem Gaming-Ansatz sprechen, der vor allem familienfreundlich und "casual" sein soll.

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Flips und Grabs sind zwar auf dem Bildschirm halsbrecherisch, ihr selbst bewegt euch dabei jedoch nur minimal.
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Leider wird immer nur eines der bis ca. 136 Kilogramm belastbaren Boards verwendbar sein. Mehrspielerpartien bzw. Duell-Modi sind lediglich mit nacheinander fahrenden Spielern möglich. Ob die soziale Komponente, die Activision mit der Verwendung des Board-Controllers anpreist, später durch Klopperei ums Spielbrett verkörpert wird? Immerhin dürfen bis zu acht Spieler off- und online an den Sessions teilnehmen und nicht jeder hat die Geduld darauf zu warten, bis er an der Reihe ist. Ein Partygame, das größtenteils aus Warten und Zugucken besteht, erscheint zumindest mir nicht sonderlich attraktiv.

Allzu viele Worte verlor der emsige PR-Mann dagegen nicht über die unterschiedlichen Spielmodi. Lediglich ein "es wird viele Modi geben, für Anfänger und Profis, darunter Road Trip, den Story-Modus, und einen Quickplay-Modus" war ihm auf Nachfrage zu entlocken. Als Kulisse für das insgesamt eher anspruchslos wirkende Geschehen dient übrigens erneut eine Mischung aus comichaft überstilisierten Charakteren auf der einen Seite und eher realistisch anmutender Szenerie auf der anderen. Die Umgebung wirkt zwar recht schick, bisher haben wir jedoch nur einen winzigen Teil der aus sechs Regionen bestehenden Spielwelt gesehen.