Und sie wiederholt sich doch. Ihr wisst schon, Geschichte. Genau hier und jetzt, wenn ihr eure Entscheidung trefft und Square Enix die Vergangenheit diesen Freitag wieder auf Null stellt. Zurück auf Anfang, hat doch vorher schon alles so gut geklappt, machen wir einfach noch mal, schnelles Geld, gute Sache. Die Frage ist: Wollen wir das alles überhaupt noch mal?

Tomb Raider: Definitive Edition - Tomb Raider: Definitive Edition - Next-Gen World TrailerEin weiteres Video

Nach etwa sieben Jahren und gefühlt zehnmal so vielen Spielen, deren Existenzberechtigung eine Frage der persönlichen Haltung ist, könnte man vieles über HD-Collections schreiben – das wenigste davon wäre Schlechtes, wenn es nach mir ginge. Vielleicht weil ich mich ein wenig zu sehr auf das „Du musst es ja nicht kaufen“-Totschlagargument verlasse, garantiert weil ich einige der schönsten Stunden der letzten Generation mit Spielen der vorletzten verbrachte.

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Eine Box voller aufgehübschter Erinnerungen oder die Gelegenheit, den ganz eigenen „Stapel der Schande“ für irgendwas zwischen 20 bis 40 Euro abzuarbeiten, ist nicht unbedingt ein schlechter Deal und einer, den ich in den letzten Jahren oft dankend in Anspruch genommen habe. „Shadow of the Colossus“ in PS2-Matsch zum Neupreis war keine Alternative, die knackige PS3-Version mitsamt „ICO“ für die Hälfte hingegen schon. Ihr könnt mit Sicherheit ähnliche Geschichten erzählen.

Und jährlich grüßt die Neuauflage

Wenn es nach Square Enix (und demnächst sicherlich auch einigen anderen Publishern) geht, könnt ihr dieses wohlige Gefühl jetzt auch mit einem DualShock 4 oder Xbox-One-Controller in den Pranken erleben. HD-Remake 2.0 sozusagen. Eine gleichermaßen technisch wie finanziell naheliegende Idee, wenn auch nicht in den Augen aller Spieler da draußen.

Tomb Raider: Definitive Edition - Laras neue Kleider

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Der auffälligsten und aufwendigsten Änderung seht ihr permanent auf den knackigen Hintern: Lara wurde komplett überarbeitet und sieht ihrer Darstellerin, der Schauspielerin Camilla Luddington, nun bedeutend ähnlicher.
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Entscheidet selbst, was ihr davon haltet. Das hier soll kein Für und Wider dieser Praxis werden, keine mahnender Zeigefinger. Eher ein kleines Rütteln; vergleicht es mit einem leichten Klapps auf den Hinterkopf und überlegt, ob die vorrangig grafischen Überarbeitungen den knackigen Preis für euch rechtfertigen. Im Fall von Tomb Raider: Definite Edition sind sie jedenfalls größer, als ich bislang dachte – und der Rest stimmt sowieso.

Hello again

„Nur mal kurz anspielen“ war der Plan am Samstagmorgen. Mit dem Okay der Freundin nur mal zwei, maximal drei Stunden reinschnuppern. Gucken, was sich - ein Jahr, 60 Euro, eine Generation später - so alles getan hat. Technisch gefühlt eher nicht so viel; sah doch auf der PS3 schon gut aus.

Packshot zu Tomb Raider: Definitive EditionTomb Raider: Definitive EditionErschienen für Xbox One und PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Aus den zweieinhalb Stunden wurden sechs, aus dem „Na gut, mach doch“ ein aufgeregtes Atmen und gelegentliche Kommentare der Couchnachbarin („Die hat danach garantiert 'ne Blasenentzündung, so lang wie die immer in nassen Klamotten rumrennt!“), aus dem An- ein Durchspielen. Die inhaltlichen Kratzer der vergangenen elf Monate haben letztlich kaum Spuren hinterlassen, die Laras Abenteuer zu einem weniger spielenswerten gemacht hätten. Gemessen in Shadern, Polygonen und Pixeln war das vergangene Jahr allerdings ungleich bedeutsamer.

Tomb Raider: Definitive Edition - Laras neue Kleider

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Inhaltlich hat sich nix getan. War auch nicht unbedingt nötig.
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Der Blick durch den Vorhang der Erinnerungen ist ein tückischer, weil ein bis zur Unkenntlichkeit weichgezeichneter. Zumeist lässt er nur noch vage Schemen und ein paar Gedankenfetzen erkennen, zwischen denen konkrete Details kaum noch Platz finden. Hättet ihr mich vor zwei Wochen nach der optischen Qualität Tomb Raiders auf PS3 und Xbox 360 gefragt, ich hätte vermutlich mit Vokabeln wie „beeindruckend“, „angemessen“ oder gar „knackig“ um mich geworfen. Kann ja mal passieren.

Entsprechend klein (beinahe ernüchternd) fiel die erste Überraschung beim Wiedersehen aus, umso größer war sie wenig später im unmittelbaren Direktvergleich beider Sony-Konsolen. Für PC-Spieler wird’s zugegebenermaßen nicht viel mehr als ein kleines Déjà-vu (bis auf das stark überarbeitete Charaktermodell Laras kennen sie diese Pracht weitestgehend seit letztem Februar), alle anderen bekommen endlich eine erste spielbare Rechtfertigung für den teuren neuen Kasten neben dem Fernseher.

Keine neue, aber eine knackigere und insgesamt bessere Lara: Definitiv die beste Tomb-Raider-Edition.Fazit lesen

Ob inhaltliche Stagnation, Multiplayer-DLCs und Next-Gen-Glanz den Preis eines Neuspiels rechtfertigen und inwiefern diese Veröffentlichungsstrategie unterstützenswert ist, muss jeder selbst entscheiden. Viel bessere Spiele werdet ihr derzeit aber weder auf Sonys noch Microsofts Kiste finden.