Unter einer Femme fatale versteht der Franzose eine verführerische Frau, die Männer erotisch nicht nur an sich bindet, sondern sie auch von ihren höheren Interessen und Aufgaben ablenkt, ihre Moral untergräbt und sie meist auch ins Unglück stürzt. Nun gut, ganz so biestig ist Lara Croft dann nun doch nicht, will die schicke Archäologin doch eigentlich nur nach Steinen und Artefakten buddeln. Doch im Laufe ihrer Spiel-, Film und Medienkarriere schaltete die adrette Jungfer eben nicht nur böse Mannsbilder (wie z.B. Die Ärzte) im Akkord aus, sondern sorgte in den Mündern post-pubertärer Adventure-Fans und Spielejournalisten für gehörig Speichelstau.

Nach einigen Jahren der spielerischen Flaute und medialen Abstinenz, feierte die tödliche Lady im vergangenen Jahr unter der Schirmherrschaft von Crystal Dynamics dank neuer Technik und flottem Gameplay ein fulminantes Comeback. Anstatt nun im Eiltempo das nächste Sequel nachzureichen, gehen die Entwickler lieber zurück zu den Anfängen und präsentieren mit Tomb Raider: Anniversary ein waschechtes Remake des legendären ersten Teils. Ob der Rückwärtsschritt auch für den qualitativen Anspruch gilt, erfahrt ihr in unserem Preview.

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Zum Geburtstag das Beste
Leicht hatte es Lara am Ende nicht mehr: Mit jedem weiteren Teil verlor die Serie immer mehr an Boden, Laras Dauerpräsenz auf Plakaten, Magazinen und Bettlaken führte zur allmählichen Übersättigung der Fans. Tomb Raider 6: The Angel of Darkness wurde von der Presse letztlich völlig verrissen und von Spielern missachtet. Bei Publisher Eidos zog man die Konsequenzen: Alter Ballast muss raus, frischer Wind kommt rein. Das Ergebnis: Tomb Raider: Legend. Der Mix aus klassischen Elementen, verpackt in moderner Hülle und Kinoflair, überzeugte.

Tomb Raider: Anniversary - Facelifting für Lara: Das Remake wirkt wie eine Verjüngungskur für die Serie!

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Dicke Wummen, große… Augen: Lara erscheint in Anniversary schön wie nie.
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Tomb Raider: Anniversary tut also gut daran, sich eine Scheibe von Legend abzuschneiden, ohne dabei die Werte des Erstlings zu vergessen. Die Story wurde beispielsweise unverändert übernommen: Auf der Suche nach den Bruchstücken des Artefaktes Scion begibt sich Lara in die Höhlen von Peru, durchforstet dunkle Katakomben in Ägypten oder findet sich sogar in der sagenumwobenen Stadt Atlantis wieder. Neben Bären, Wölfen und dicken Dinos macht ihr vor allem der garstige Pierre du Pont zu schaffen. Der schmierige Franzose ist ebenfalls auf der Jagd nach Scion.

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Grafisch opulent und riesengroß präsentieren sich die Levels in der Jubiläums-Ausgabe.
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Zwischen den üblichen Hüpfpassagen wird die Geschichte nun, wie in Tomb Raider: Legend, durch schicke Zwischensequenzen in Ingame-Grafik fortgeführt. Für die deutsche Version konnte man abermals die Synchronstimme von Angelina Jolie verpflichten - das garantiert Kinoatmosphäre. Zurücklehnen und zuschauen könnte aber manchmal tödlich sein: Hin und wieder ist man während der Storyszenen gezwungen, zum richtigen Zeitpunkt eine Taste zu drücken, um etwa Hindernissen auszuweichen oder Gegner nieder zu strecken.

Gigantomanie in dunklen Höhlen
Aus den ohnehin recht üppigen Levels des Ur-Tomb Raider sind im neuen Jahrtausend grafisch opulente Spielwiesen für Hobbyakrobaten geworden, die, aus der Ferne betrachtet, auch schon Mal den gesamten Bildschirm füllen. Riesige Wasserfälle umspülen turmhohe Zahnräder und gigantische Apparaturen. Oft gilt es, Fallen und Mechanismen auszulösen, die Lara bei weitem überragen.

Fans des ersten Teils werden sich in Anniversary jedoch schnell heimisch fühlen, haben die Entwickler doch peinlich genau darauf geachtet, den alten Charme einzufangen. Auch wenn viele Orte stark ausgebaut und verändert wurden, wirkt doch alles irgendwie sehr vertraut. Ob das nun die riesigen Kisten im Croft Manor sind, bestimmte Passagen, die 1:1 übernommen wurden, oder die Ladebildschirme - der "Aha, kenn ich"-Effekt stellt sich erfreulich oft ein.

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Typisches Schalterrätsel - das große Zahnrad bewegt sich erst, wenn wir seinen kleinen Bruder in die Fassung setzen.
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Optisch hat sich im Vergleich zum Vorgänger Legend nur wenig getan. Hübsche Lichtspielereien mit Überstrahleffekt, geschmeidige Animationen, wunderschöne Architektur und ausladende Weitsicht stehen auch dieses Mal auf der Haben-Seite. Allerdings hatte unsere Preview-Version noch mit ein paar Macken zu kämpfen. Die Kollisionsabfrage ist noch nicht optimal, manchmal bleibt Lady Croft an Objekten hängen und die Kamerapostion ist nicht immer vorteilhaft gewählt.

Die Sache hat doch'n Haken
Der Schwierigkeitsgrad ist im Vergleich zu Legend wieder etwas höher. Das liegt zum einen an den zahlreichen Gegnern, die oft blitzschnell aus dem Hinterhalt angreifen und stets im Rudel unterwegs sind, zum anderen sind die Levels wesentlich verschachtelter als noch im Vorgänger. Hinzu kommt, dass gerade die Hüpfpassagen oftmals sekundengenaues Timing und exakte Steuerung erfordern. Das actionorientierte Gameplay aus Tomb Raider: Legend musste ebenfalls weichen - als Reminiszenz an den ersten Teil stehen nun die Rätsel wieder im Vordergrund.

Tomb Raider: Anniversary - Facelifting für Lara: Das Remake wirkt wie eine Verjüngungskur für die Serie!

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Groß, böse und tierisch hungrig - im Angesicht des T-Rex kommt sogar Miss Croft ins Schwitzen.
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Hier helfen auch die netten Gimmicks des Vorgängers: Die Taschenlampe und das Fernglas (samt integrierter Hilfefunktion) fehlen zwar, aber der nützliche Wurfhaken hilft euch erneut über besonders weite Abgründe. Außerdem kann man nun per Wurfhaken über kurze Strecken an Wänden entlanglaufen. Ebenfalls neu im croft'schen Bewegungsrepertoire: Madame kann nun auch auf Pfählen balancieren. Ansonsten schiebt, schwingt und klettert sich die Gute gewohnt galant an Felsvorsprüngen und Steinsäulen vorbei.

Hin und wieder müsst ihr jedoch auch zur Waffe greifen, wobei die Steuerung selbst in Kämpfen erstaunlich eingängig ist: Mit der rechten Maustaste visiert ihr euren Gegner an, um dann per Linksklick aus allen Rohren zu feuern. Mit allerlei akrobatischen Manövern umläuft man Gegner oder springt ihnen per Salto einfach in den Rücken. Die Zeitlupenfunktion aus Tomb Raider: Legend gibt es in der Form übrigens nicht mehr, stattdessen könnt ihr nun kurz zur Seite hechten und einen gezielten Schuss anbringen, um so besonders viel Schaden anzurichten.