Mit Tomb Raider: Legend und zuletzt Underworld hatte der Entwickler Chrystal Dynamics versucht, Lara noch einmal ganz oben mitmischen zu lassen. Bei dem Versuch ist es geblieben, und Chrystal Dynamics ließ Lara in dem kleinen Koop-Spiel Guardian of Light erst einmal kürzer treten. Doch am 5. März nächsten Jahres will es das Studio noch einmal wissen. Die Geschichte von Lara Croft, der bekanntesten Archäologin der Welt, wird wieder auf Anfang gesetzt und trägt Reboot-typisch schlicht den Namen "Tomb Raider".

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Ein neuer Anfang

Die Geschichte von Tomb Raider dreht sich um die noch junge Lara, Spross der berühmten Croft-Familie und angehende Archäologin, die sich einer Expedition zur Erforschung uralter japanischer Artefakte angeschlossen hat. Doch das Forschungsschiff gerät irgendwo vor der Küste Japans in einen Sturm und verunglückt.

Die Anfangssequenz zeigt, wie Lara es schafft, sich ans Ufer einer unbekannten Insel zu retten. Doch damit endet ihre Glückssträhne auch schon, da sie hinterrücks von einem Unbekannten niedergeschlagen wird. Sie erwacht gefesselt in einer Höhle, kopfüber von der Decke baumelnd. Wer hat sie dorthin verschleppt und warum?

Tomb Raider - Lara Croft Begins

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Nicht gerade der beste Ort, um ein Abenteuer zu beginnen.
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Diese Fragen müssen warten, denn die Situation ist alles andere als beruhigend. Neben Lara hängen noch weitere Bündel von der Decke, überall stehen Kerzen, hängen Fackeln und liegen Totenschädel. Dass sich Frau Croft in keinem Urlaubsparadies befindet, ist schon einmal klar.

Ihr gelingt schließlich, sich zu befreien, indem sie wie ein Pendel hin und her schwingt. Sie erreicht eine Fackel, die ihre Fesseln entflammt und Lara kracht daraufhin äußerst unsanft zu Boden. Den ersten deftigen Autsch-Moment gibt es, als sich Lara beim Aufprall eine rostige Metallstange in die Seite gräbt.

Packshot zu Tomb RaiderTomb RaiderErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Unter Schmerzen windend, packt sie das Ding und zieht es wieder heraus. Für eine Verschnaufpause lässt sie sich keine Zeit. Sie schnappt sich eine Fackel und begibt sich auf die Suche nach einem Ausgang und den anderen Überlebenden ihrer Forschungstruppe.

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Wiedergeburt

Der Anfang von Tomb Raider erinnert schon stark an eine Geburt. Die ängstliche, verletzliche Lara wurde aus ihrem sicheren Leben gerissen und muss sich nun durch die Finsternis einer Höhle wagen, durch bedrückend enge Spalten quetschen und schlussendlich um ihr Leben laufen, immer aufs Licht zu, als die Höhle unter Getöse einstürzt.

Sie bündelt ihre Kräfte, wächst über sich hinaus und zwängt sich durch ein enges Loch ans grelle Tageslicht. Zugegeben, eine Geburt der etwas anderen Art, und doch markiert dieser Moment den Wendepunkt, an dem Lara von ihrem alten Ich loslassen und die taffe Powerfrau werden muss, um sich in dieser neuen, höchst lebensfeindlichen Welt behaupten zu können.

Schon bald trefft ihr auf weitere Überlebende des Unglücks, aber auch auf neue Gefahren wie Wölfe und feindselige Inselbewohner. Das eigentliche Abenteuer hat für Lara gerade erst begonnen.

Und was ist mit den Gefühlen?

Spieler, die im Vorfeld von der groß besungenen Ankündigung beunruhigt waren, dass das "Mitleiden" mit Lara in einen gefühlsduseligen Trip der Weinerlichkeit ausarten würde, können zumindest vorerst schonmal beruhigt aufatmen.

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Keine Zeit für Sentimentalität, wenn es ums Überleben geht.
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Lara wird zwar durch das Schiffsunglück im wahrsten Sinne des Wortes ins kalte Wasser geworfen und muss von der ersten Minute an einen harten Überlebenskampf führen, dabei verliert sich das Spiel aber nicht in den teils lächerlichen Überspitzungen einer billigen Soap, in denen schon Sturzbäche aus Tränen über verschüttete Milch vergossen werden.

Ich meine damit besonders die Momente im Spiel, in denen Lara ein Reh tötet um überhaupt etwas zu essen zu haben und aus Notwehr ihren ersten Menschen umbringt, als sie in die Fänge von Piraten gerät. Sie gehört von Anfang nicht zu der weinerlichen Sorte, weshalb ihr diese Momente zwar nahegehen, aber nicht zu nahe.

Die Waffen einer Croft

Denn Lara kann es sich auch nicht leisten, Schwäche zu zeigen. Kaum ist sie zu Beginn aus der ersten Todesfalle entkommen, muss sie sich ihren Weg an den Steilklippen der Insel entlang bahnen, um auf der Suche nach den anderen Überlebenden in das Landesinnere zu gelangen.

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Der Herr wird seinen Bogen nicht mehr brauchen, wir hingegen schon.
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Auf ihrem Weg findet sie die Überreste eines weniger glückhaften Zeitgenossen. Seine Leiche hängt kopfüber von einem Baum und trägt noch einen behelfmäßg zusammengebauten Bogen bei sich, eure erste Waffe. Munition, wie etwa Pfeile, findet ihr in der ganzen Welt verteilt herumliegen.

Damit ihr diese nicht überseht, kann per Tastendruck Laras Überlebensinstinkt aktiviert werden. Dadurch wird die Spielwelt für kurze Zeit schwarz-weiß und wichtige Objekte werden durch ein goldenes Leuchten hervorgehoben. Dazu gehören auch andere Sammelgegenstände und Objekte, mit denen ihr interargieren könnt, wie zum Beispiel Hebel und Schalter.

Im Laufe des Spiels erhält Lara auch die Fähigkeit, bestimmte Felswände mit einem Eisgerät, einer Art Hacke, zu erklimmen. Laras sechster Sinn kann also auch dafür genutzt werden, diese Stellen in der Welt ausfindig zu machen.

Die Hacke findet man schon bald nach dem Bogen. Allerdings handelt es sich bei dieser anfangs um kaum mehr als einem morschen Stock mit einer Klinge daran – so gut wie unbrauchbar. An diesem Punkt führt das Spiel eines seiner großen Features ein: das Upgradesystem.

Pimp my bow

In der ganzen Welt liegen Schrottkisten verteilt, deren Inhalt euch als eine Art Währung dient, womit ihr für alle Waffen Verbesserungen erwerben könnt. So lässt sich nicht nur der ausgeteilte Schaden steigern, sondern auch Faktoren wie Schussfrequenz, Genauigkeit oder das Munitionslimit.

Diese Änderungen könnt ihr aber nicht beliebig mitten im Spiel durchführen, sondern müsst eines der zahlreichen Lagerfeuer aufsuchen, die wie in Dark Souls als Checkpoint dienen und über die ganze Welt verteilt sind.

Im Laufe des Spiels erhaltet ihr die Möglichkeit, zwischen entzündeten Lagerfeuern schnell hin und her zu reisen, um bereits besuchte Gebiete in der offenen Welt noch einmal für Geheimnisse abzusuchen und bisher unpassierbare Wege durch neue Fertigkeiten zu erschließen. An den Lagerfeuern könnt ihr neben dem Erwerb von Ausrüstungsupgrades auch durch Levelaufstiege verdiente Skillpunkte in besondere Fähigkeiten investieren.

Das Levelsystem

Tomb Raider besitzt eine gehörige Portion an Rollenspielelementen. So erhaltet ihr durch das Lösen von Rätseln, Finden von Schätzen und Erledigen von Feinden Erfahrungspunkte, die Lara im Level aufsteigen lassen. Für jeden neuen Level gibt es als Belohnung jeweils einen Skillpunkt, den ihr in einen von drei Fähigkeitsbäumen stecken könnt.

Der erste Baum dreht sich ums Überleben. Er bietet euch nützliche Fertigkeiten, die euch mehr Objekte finden lassen und es euch zum Beispiel erlauben, verwendete Pfeile von den Leichen eurer Feinde zurückzugewinnen.

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Euren Waffen könnt ihr Upgrades verpassen.
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Die zwei anderen Bäume verbessern Laras Können im Fern- und Nahkampf. Während euch die Tomb-Raider-Spiele der alten Schule den Fernkampf praktisch aufgezwungen haben, orientiert sich das neue Tomb Raider an den gängigen Genrestandards und erlaubt es Lara auch mal kräftig zuzuschlagen, wenn ihr die Gegner zu sehr auf die Pelle rücken. Zudem können noch besondere Nachkampfattacken freigeschaltet werden, mit denen ihr die Gegner zum Beispiel kurz betäuben könnt.

Der Nahkampf kann zwar in seiner Grundform nicht von Anfang an genutzt werden und muss erst freigeschaltet werden, was sich etwas unnatürlich anfühlt, bietet dafür aber eine sehr effiziente Möglichkeit euren Gegenspielern auch dann noch Herr zu werden, wenn die Munition mal knapp werden sollte.

Die Kämpfe

Die Entwickler haben mit ihrem Wunsch, Tomb Raider zu modernisieren, auch vor der Spielmechanik der Kämpfe nicht haltgemacht. Das klassische Rumhüpfen und Schießen der Vorgänger gibt es nicht mehr. Stattdessen findet nun auch in Tomb Raider ein Deckungssystem Einzug, wie es bereits seit Jahren in Spielen wie Gears of War oder Uncharted üblich ist.

Per Tastendruck huscht Lara hinter eine sichere Deckung, um nicht vorschnell durch wenige Treffer das Zeitliche zu segnen. Wenn ein Gegner angeschossen wird, kann es passieren, dass er ins Straucheln gerät. Dies verrät euch das Spiel durch ein Symbol über dem Gegner, woraufhin ihr die Möglichkeit habt, aus eurer Deckung hervorzustürmen und im Nahkampf den Gnadenstoß zu servieren.

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Splinter Croft: jetzt bloß nicht erwischen lassen!
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Besonders zu Beginn des Spiels wird aber sehr auf Verstohlenheit Wert gelegt. Lara kann sich an ahnungslose Gegner anschleichen und diese mit einem lautlosen Angriff hinterrücks ausschalten oder auch umgehen, wenn es die Situation erlaubt. Gegner können nämlich auch abgelenkt werden, indem man einen Pfeil knapp an einer Wache vorbeischießt. Wenn diese dann nachsehen will, wo das ominöse Geräusch des aufschlagenden Pfeils herkam, schleicht Lara auf Zehenspitzen vorbei.

Die Welt

Tomb Raider bietet eine halb-offene Welt, in der ihr euch, bis auf den Anfang, relativ frei bewegen könnt. Und das ist auch wichtig, da überall Geheimnisse darauf warten, gefunden zu werden. Wer die Augen offen hält, kann geheime Gräber und Höhlen finden, in denen Schätze auf einen mutigen und cleveren Abenteurer warten. Denn um diese zu bergen ist mitunter das Lösen einiger Rätsel vonnöten.

Es wird dem Spieler aber nicht möglich sein, jedes Gebiet gleich vom Start weg zur Gänze zu erkunden, da viele Geheimnisse zunächst noch unerreichbar für Lara sind. So bleibt euch oftmals nichts anderes übrig, als weiterzuziehen und dann zurückzukommen, wenn ihr über die nötige Fertigkeit verfügt, wie zum Beispiel die vorhin beschriebene Fähigkeit eine Felswand mit einer Hacke zu erklimmen.

Da ihr euch auf einer unbekannten Insel vor der Küste Japans befindet, trefft ihr regelmäßig auf Überreste japanischer Bauten der Antike, als auch der jüngeren Vergangenheit. So lautete die letzte Aufgabe der zweistündigen Spielesession, einen Notruf von einer nahegelegenen, halb verfallenen Funkanlage auszusenden.

Heikle Themen: DLC und QTE

Eine weitere Modernisierung, über welche einige Spieler jedoch weniger erfreut sein dürften, ist die Einbindung von DLCs, wie bereits der im Hauptmenü prankende Schriftzug verrät. Die Entwickler versprechen jedoch, dass sich die Erweiterungen nicht anfühlen werden, als wäre nachträglich ein Teil des fertigen Spiels herausgeschnitten worden, um den Kunden noch einmal extra zur Kasse zu bitten.

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In geskripteten Ereignissen müsst ihr schnell die richtigen Tasten drücken.
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Weitere Informationen über die DLC-Pläne zu Tomb Raider sind noch dürftig. Bekannt ist jedoch schon, dass es einen Epilog geben soll, der zunächst exklusiv für die Xbox 360 erscheinen soll und später auch für die anderen Plattformen erhältlich sein wird.

Fraglich ist auch, wie viel Freude die zahlreichen Quick-Time-Events bis zum Ende liefern werden, denn damit geizt Tomb Raider wirklich nicht. Immer wieder müsst ihr unter Zeitdruck auf Tasten hämmern, um noch schnell den Abgrund hochzukraxeln oder euch einen Gegner vom Leib zu halten, der sich in einer Zwischensequenz auf Lara gestürzt hat.