Na endlich! Nach einem missglückten Fehlstart soll mit Rainbow Six: Siege jetzt definitiv ein neuer Ableger der legendären Tom-Clancy-Taktik-Reihe erscheinen. Hat ja auch lange genug gedauert. Um dem Ruf der Saga auch gerecht zu werden, setzten die Entwickler diesmal vor allem auf eines: hemmungslosen Durchbruch. Wer die Kerls der Spezialeinheit im Haus hat, kann sich wahrlich jedes noch so gute Abrissunternehmen sparen. Wände, Böden, Fenster, Türen: nichts soll hier vor strategischer Zerstörung sicher sein. Doch soll Siege noch mehr tun.

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Aber halt. War da nicht eigentlich ein anderes Rainbow Six in Entwicklung? Genau, Rainbow 6: Patriots! Das sollte sich um den Kampf gegen eine amerikanisch-fundamentalistische Terror-Gruppe drehen, die in bester Selbstjustizmanier vermeintliche Feinde der USA exekutiert. Moral und Entscheidungen sollten eine große Rolle spielen – doch das ist alles Geschichte. Wie Alexandre Remy, Verantwortlicher für die Rainbow-Six-Serie sagt, sei das Patriots-Projekt einige Monate nach der Enthüllung im Jahre 2011 eingestellt worden.

Ob's an der Kritik und Skepsis von Spielern und Journalisten lag? Nö, natürlich nicht. Das alles sei eine klar strategische Entscheidung gewesen, die vor allem mit den Next-Gen-Konsolen zu tun gehabt hätte. Aber wie auch immer: gute Wahl. Denn danach, vor erst 18 Monaten, begann bei einem gänzlich neu arrangierten Team die Arbeit an Siege. Und das trägt nicht nur einen neuen Namen, sondern verfolgt auch einen gänzlich anderen Ansatz. Zumindest was Gameplay, Taktik und spielerische Freiheit angeht.

Tom Clancy’s Rainbow Six Siege - Ich hasse diese jammernden Geiseln schon jetzt!

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Die Geiseln in Siege sollen nicht stumm und doof sein, sondern um Hilfe rufen, jammern und so ihren Standort verraten. Wird die Geisel verletzt, muss ihr hoch geholfen werden. Ich hasse sie jetzt schon!
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Über Handlung, Kampagne und einen geplanten Koop-Modus mögen die Entwickler noch nicht sprechen. Dafür aber umso mehr über den Mehrspieler-Part. Der steckt – derzeit – bis zu zehn Spieler in die Rolle von Terroristen und den Einsatztruppen der Spezialeinheit Rainbow Six. Asynchroner Kampf ist da das Zauberwort – also die Verschiedenheit der Mittel und die unterschiedlichen Voraussetzungen der Teams.

So starten die Terror-Paten samt Geisel etwa in einem Haus und bekommen Zeit und Chance, dieses zu einer Festung auszubauen. Vor Fenstern können sie Stacheldraht spannen, Türen werden vernagelt, Metallrahmen machen Wände undurchdringlich und Minen können unvorsichtige Eindringlinge in Stücke reißen. Im Gegenzug dürfen die Spezialeinheiten vor dem eigentlichen Start der Runde mit Mini-Drohnen ins Haus eindringen, aus Froschperspektive das Tun der Gangster observieren.

Packshot zu Tom Clancy’s Rainbow Six SiegeTom Clancy’s Rainbow Six SiegeErschienen für PC, PS4 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Die Kamera eines Helikopter hingegen erlaubt den Blick in höhere Stockwerke und ein Lageplan des Areals und Gebäudes, die Absprache über Taktik und Vorgehen im Team. Ebenso darf das Sonderkommando aus einer Liste seinen Startpunkt wählen: Dach, Garten oder Straße etwa. „Es ist das Aufeinandertreffen von unterschiedliche Denk- und Handlungsweisen", erklärt Creative Director Xavier Marquis die Idee.

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Stacheldraht vor Fenstern und Türen kann die Polizisten fies verletzen. Netze und Bretter hingegen sorgen dafür, dass Türen nicht mehr geöffnet werden können.
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Ab durch die Mitte!

Und tatsächlich: sobald ein Match startet, zeigt sich, dass Rainbow Six: Siege eine gänzlich andere Dynamik entfaltet als etwa ein Counter-Strike oder Call of Duty. Behutsam und in Ruhe kann der Sturm ins Gebäude ausgeführt werden. Muss er auch. Denn wer stirbt, ist tot – Wiedereinstieg ins Match? Gibt’s nicht. Auch führt ein gezielter Kopfschuss sofort zum Ableben. „Es soll spannend sein", meint Marquis. „Wenn du einen Fehler machst, sollst du das spüren." Eben ganz wie in den Anfangszeiten der Serie.

Deshalb ist es schon eine wichtige Entscheidung, ob die Rainbow-Spieler gemeinsam durch ein Fenster in ein Haus eindringen oder von mehreren Seiten gleichzeitig. Ebenso, ob sie nach dem Einbruch sofort Zunder geben, oder still und leise vorgehen. „Es wird Matches geben, in denen die Terroristen abgeschossen werden, ohne dass je ein Polizist entdeckt wird", sagt Marquis. Allerdings kommt es wohl häufiger anders. Die Eindringlinge werden ausfindig gemacht, die Situation eskaliert und es entbrennt ein filmreifes Feuergefecht. Jeweils muss ein Team alle gegnerischen Kämpfer ausschalten. Und das geht hier tatsächlich nur mit Teamwork...

… und blanker Zerstörung. Gegenseitig müssen sich die Spieler via Sprachchat auf dem Laufenden halten. Festhalten, wo ein Gegner steckt, welche Taktik nötig ist. Haben sich etwa die Terroristen mit der Geisel verschanzt, muss das Team eben durch die Wand oder Decke. So wird etwa eine Sprengmatte in der Etage über den Geiselnehmern gezündet und mit einer Granate die verrammelte Sperrholztür aufgesprengt, woraufhin die Polizisten einfallen. Wo in anderen Shootern gerne über mögliche Taktik geredet wird, ist sie hier unabdingbar und auch sichtbar. Schon, da so gut wie alles in Siege zerrissen und zerstört werden kann. Sprengfallen können mehrere Meter Wand zerbersten lassen. Gewehrkugeln schlagen kleine Löcher und Schrotflinten dicke Risse in Wände.

So könnte echte Next-Gen-Taktik-Action aussehen. Was hier entsteht, hat riesiges Potential und könnte eine viel zu lang brachliegende Serie wiederbeleben.Ausblick lesen

Sieht alles auch grafisch ziemlich gut aus. Etliche Funken fliegen, Splitter sausen durch die Luft und Staub nimmt kurz die Sicht. Auch sonst mag die Optik schon gefallen. So sind auf den Uniformen der Kameraden Stofftextur und Nähte sichtbar. Oberflächen wirken plastisch und zum Anfassen. Dahinter steht die einst für Assassin's Creed 3 entwickle Anvil-Next-Engine, die allerdings um die eigens entwickelte Realblast-Destruction-Engine erweitert wurde, die die ganze Kaputtmacherei erst möglich macht.

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Was die Waffen angeht, ist konventionelles in Sicht: MP5, G36K, Glock, USP und Co. werden sich wohl im Ausrüstungsmenü wiederfinden.
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Der Weg der Zerstörung

Wie die Entwickler betonen, sei das bisher Gezeigte nur ein sehr kleiner Ausschnitt dessen, was Rainbow Six: Siege werden soll. So einiges komme noch dazu und könne sich ändern. So könnten Abseits von Schild, Drohne und Sprengladungen noch weitere Ausrüstungsgegenstände und Gadgets hinzukommen. Etwa Mini-Kameras oder Bewegungssensoren? „Wer weiß", sagt Marquis da nur.

Sowieso wollen sich die Entwickler von Ubisoft Montreal derzeit möglichst nicht auf einzelne Aussagen festnageln lassen. Etwa welche weiteren Szenarien und Kulissen neben dem Vorstadthäuschen eingeplant sind und was für Modi abseits der Geiselbefreiung dazu kommen werden: das sei einfach alles noch nicht spruchreif. Nur, dass man sich an Real-Life-Situationen orientieren wolle, wird verraten. Und dass das derzeitige Match-System, das in einem Durchlauf je dreimal auf die Terror- und Polizistenseite verbannt, schon echt gut funktioniere, wird festgestellt. „Das ist eine sehr frühe Version", betont Marquis. Jedoch habe man schon zeigen wollen, woran man arbeitet und was die Fans erwarten wird. Auch da man darauf ziemlich stolz sei.

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Sowohl auf Terror- als auch Rainbow-Six-Seite soll es verschiedene Klassen geben. Welche, das steht noch nicht endgültig fest. Jedoch lässt sich schon ein Heavy mit Schild
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Ja, diese ersten Eindrücke zu Rainbow Six Siege gefallen und beeindrucken, sind aber tatsächlich nur ein Querschnitt dessen, was werden soll. Kampagne? Hintergrundgeschichte? Steuerung? Vielfalt? Alles noch offen. Eine echte Einschätzung abzugeben, dazu ist's zu früh. Dennoch mag der Grundgedanke einfach begeistern, wieder richtig Taktik, Strategie und kräftig Action in die Rainbow-Six-Serie zu pumpen.

Ein Spiel daraus zu machen, das Teamwork nicht nur erlaubt und möglich macht, sondern fordert und zum Weg der Sieger erhebt. Und vor allem: dass die Resultate guten Teamworks und cleverer Strategie sichtlich zur Schau gestellt werden. Denn geht ein Plan glatt, lauft alles super, lässt sich das anhand chirurgischer Zerstörung der Spielwelt nachvollziehen. Geht hingegen alles schief, tja, dann liegt das Level ob chaotischer Baller- und Sprengerei in Schutt und Asche.