Es gibt Spiele, die zeigen erst in einem bestimmten Modus ihre wahre Qualität. Battlefield 3 etwa enttäuschte im Singleplayer-Modus, brilliert aber im Mehrspieler-Wettkampf. Bei Ghost Recon: Future Soldier verhält es sich ähnlich: Der Einzelspieler-Modus taugt fürs Warmspielen, so richtig spannend wird der Third-Person-Shooter aber erst im Koop-Modus mit drei menschlichen Mitspielern.

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(Fast) unsichtbar

Grundsätzlich basiert auch die fünfte Ghost-Recon-Episode auf taktischen Ballereien mit einer kleinen, eingeschworenen Gruppe Elite-Soldaten. Das Vier-Mann-Team agiert in der Regel verdeckt hinter feindlichen Linien und ist bei der Suche nach Nuklear-Terroristen meist auf sich allein gestellt. Aber das ist eigentlich kein Problem, denn die Kameraden sind nicht nur hervorragend ausgebildet, auch ihre Ausrüstung gehört zum bestmöglich Verfügbaren. Mehr noch: mit modernsten Mitteln, die sie zu "Future Soldiern" machen, verschaffen sich die Recken einen entscheidenden Vorteil im Kampf gegen die gemeine Terroristenbrut.

Mithilfe der adaptiven Tarnung werden die Krieger quasi unsichtbar, solange sie sich Feinden nicht zu stark nähern und sich nur langsam fortbewegen. Die Magnetsicht verbessert dagegen den Durchblick bei schlechten Sichtverhältnissen, etwa Sandstürmen, und hilft dabei, Bösewichter zu identifizieren. Ein bedeutender Vorteil entsteht zudem durch den Einsatz von steuerbaren Mini-Drohnen, mit denen die Gegend gefahrlos ausgekundschaftet wird und Gegner markiert werden.

Doch es geht auch weniger subtil, wenn sich mein Team beispielsweise brachiale Feuerunterstützung in Form eines "Warhound" sichert - eine mobile Artillerie-Abschussrampe für Mörsergranaten und Raketen. Durchschlagskräftig ja, unauffällig nein.

Tom Clancy's Ghost Recon Future Soldier

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Überraschend oft kommt es zu offenen Feuergefechten - dabei sollen wir doch eigentlich verdeckt vorgehen.
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Überhaupt geht es streckenweise überraschend actionlastig zur Sache, nachdem ich vor Start der 12 Missionen die optimale Ausrüstung für den Einsatz zusammenstelle bzw. bestätige. Oft laufen die Aufträge nach einem festen Schema ab: Zunächst infiltriere ich mit meinen KI-Kumpels das Operationsgebiet, schalte dort festgelegte Ziele aus, rette Gefangene oder suche nach wichtigen Daten. Dann folgt eine Wendung - aus irgendeinem Grund fliegt die Tarnung auf und mein Squad muss sich den Weg freiballern. So pendelt das Geschehen meist zwischen Schleichepisoden und satten Gefechten hin und her - nur selten habe ich das Gefühl, tatsächlich Einfluss auf die vorgegebenen Abläufe zu haben.

Packshot zu Tom Clancy's Ghost Recon Future SoldierTom Clancy's Ghost Recon Future SoldierErschienen für PC, PS3, Xbox 360 und PC kaufen: ab 7,42€

Verstärkt wird dieser Eindruck durch das häufig sehr eindimensionale Leveldesign - man könnte auch Schlauchlevels sagen. Für einen Taktik-Shooter ist das Maß der Einschränkung schon bemerkenswert, oft gibt es noch nicht einmal Alternativrouten. Abweichungen vom Missionsdesign sind so gut wie nie vorgesehen. Gelegentlich glaube ich sogar, mich in einem Rail-Shooter zu befinden, wenn mir die Ziele fast automatisch vor die Wumme gelotst werden und ich nur noch abdrücken muss.

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Die adaptive Tarnung erleichtert Schleich-Einsätze - ein Persilschein für lockere Abschüsse ist sie jedoch nicht.
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Überhaupt ist Ghost Recon Future Soldier im Einzelspielermodus zu leicht, weil mir die drei KI-Kameraden viel zu viel abnehmen, weil sie viel zu clever agieren und sich quasi perfekt durch die feindlichen Reihen bewegen. Egal, wo ich mich auf meiner Anti-Terror-Weltreise aufhalte, ob in Sambia, Russland, Norwegen oder Pakistan - während ich trotz adaptiver Tarnung bei jedem Schritt auffliegen kann, schleichen sich meine Begleiter problemlos in optimale Abschussstellungen.

Während der Einzelspielermodus dezente Perfektions-Langeweile versprüht, geht im Koop-Modus die Post ab!Fazit lesen

Erspähe ich die Wachen oder Soldaten meiner Widersacher, genügt ein Knopfdruck, um sie für den Abschuss zu markieren. Das funktioniert sogar beim Einsatz der Drohnen - oft mutiere ich zum bloßen Einsatzleiter, der aus dem Hintergrund die "Kills" anordnet. Zeitgleich selbstverständlich, denn das neue Sync-Feature erlaubt bis zu vier gleichzeitige Eliminierungen.

Der Koop-Modus rockt

Wenn ich dann auffliege - was wie beschrieben oft unvermeidbar ist - kommt das sehr gute Deckungssystem zum Einsatz. Mit wenigen Knopfdrücken schütze ich mich vor feindlichem Beschuss oder renne von einer Barriere zur nächsten. Man kennt das System von Gears of War und hier wird es nicht minder perfekt eingesetzt - ja, es wirkt sogar einen Tick dynamischer als beim Original.

Merkwürdig: Meine zuvor ach so vollendeten Kumpels versagen in diesen direkten Konfrontationen ein ums andere Mal und wirken ziemlich überfordert. Ständig rufen sie nach Hilfe, weil es sie erneut erwischt hat und ich muss sie als Ersatz-Sanitäter wieder diensttauglich spritzen.

Die meisten dieser Probleme könnt ihr jedoch umgehen, indem ihr drei menschliche Kumpels zusammen trommelt und mit ihnen via Koop-Modus eine ganz andere Spielerfahrung macht. Easy-Peasy-Abschüsse via Sync-Feature gehören hier fürs Erste der Vergangenheit an. Jedenfalls so lange, bis ihr eure Aktionen verbal dermaßen gut miteinander abstimmt, dass nur Sekundenbruchteile zwischen den einzelnen Kills liegen.

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Die Spielgestaltung orientiert sich an modernen Hollywood-Filmen - teilweise wirkt das ein wenig übertrieben.
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Wer sich mit menschlichen Kameraden auf Schleichmission wagt, geht viel vorsichtiger zu Werke, nutzt auch wirklich jedes technische Gadget zu seinem Vorteil - schließlich will niemand eine perfekte Wertung am Ende der Runde vermasseln. Bis sich so ein Team eingespielt hat, kann das auch zu frustigen Erlebnissen führen, denn meiner Erfahrung nach fliegt man viel häufiger auf, weil eben doch jemandem ein Fehler unterläuft oder ein Zivilist in den Schuss läuft. Und damit oft auch das vorzeitige Missionsende kommt. Stress lass nach! Aber nur wer Ghost Recon: Future Soldier in kooperativer Eintracht zockt, nähert sich wohl dem intendierten Spielerlebnis.

Alle anderen Multiplayer-Modi rücken meiner Meinung nach dagegen klar in den Hintergrund. Ob es sich nun um den "Horde"-mäßigen "Guerilla-Modus" handelt, in dem ihr bis zu 50 Wellen von Feinden zurückschlagen sollt oder den Versus-Modus ("Adversial") mit seiner beinahe klassischen Ausrichtung in zwei Fraktionen und dem Klassensystem (Rifleman, Scout, Engineer) - die Langzeitmotivation wird wohl vor allem der Koop-Modus liefern. Wenn man sich darauf einlässt.