Kurz vor Erscheinen des nächsten WWE-Titels versucht Hersteller Midway auf den Prügelzug aufzuspringen und hat mit "TNA Impact" die erste Versoftung der gleichnamigen Wrestlingliga auf den Markt gebracht. Der Name steht übrigens für "Total Nonstop Action", was sowohl die Liga als auch das Spiel vom üblichen Namenseinerlei der Showkampfligen abheben soll.

Mit einem gegenüber dem Platzhirschen von THQ deutlich anderen Steuerungskonzept und einem hohen Maß an Einsteigerfreundlichkeit möchte man gerne den Kollegen der WWE-Schlägeridylle das Wasser abgraben. Oder zumindest ein wenig davon umleiten. Ob das gelungen ist, bringt unser Test ans Licht.

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Frischer Wind im Showkampf

Neulinge haben es nicht leicht. Davon wissen auch die Macher um die noch junge Profi-Wrestlingliga TNA ein Lied zu singen. Nach dem Ende von WCW und ECW, den beiden einzigen ernsthaften Konkurrenzligen zu Vince McMahons WWE, zeichnete sich eine gewisse Stagnation am Markt der gigantomanischen Showkampf-Veranstaltungen ab. Während die WWE sowohl sportlich als auch inhaltlich - die inszenierten Drehbuch-Fehden wurden immer langweiliger - immer mehr in die Belanglosigkeit abzurutschen drohte, zog vor sechs Jahren in Form von Wrestling-Legende Jeff Jarrett neue Hoffnung am Himmel auf. Der einstige Superstar gründete die TNA und versammelte sogleich allerlei frühere WCW- und ECW-Größen um sich. Das brachte frischen Wind ins Genre.

TNA Impact! - Tiefschlag für Smackdown?

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Am Wochenende war der Swinger-Club für Herren wieder gut besucht.
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Mittlerweile ist die TNA - zumindest in den USA - weitgehend etabliert. Neben Fernsehshows gibt es natürlich große Live-Acts und viel spannendes Drumherum. So war es nur eine Frage der Zeit, bis die Schlägertruppe auch den Weg auf die heimischen Konsolen fand. Schließlich haben es die Macher der WWE-Smackdown-Reihe ja lange genug vorgemacht. Das jährlich erscheinende Update der erfolgreichen Reihe gilt nicht umsonst als Referenz der Show-Kloppereien.

Bösartige Naturen mögen freilich unterstellen, dass man es bei Yuke's seit Jahren versteht, aus Exkrementen Geld zu machen und Jahr für Jahr das gleiche Spiel in neuem Gewande veröffentliche. Aber von einer solchen Meinung ist der Autor dieser Zeilen als bekennender Wrestling-Fan meilenweit entfernt.

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Im Sechseck springen

Herausragendstes Merkmal der TNA-Liga dürfte wohl der sechseckige Ring sein, in dem sich die Action - zumindest meistens - abspielt. Je nach gewähltem Modus finden hier reguläre Matches statt, oder man prügelt sich durch eines der zahlreichen Specials wie Four-Way-Dances oder Falls-count-anywhere. Die Action geht dabei locker von der Hand. Ein Button ist fürs Schlagen zuständig, einer fürs Treten, Greifen oder Werfen. Auch in der Defensive genügt ein heftiges Buttongedrücke, um einen Angriff abzuwehren. Das ist für Einsteiger ein echter Vorteil, denn dank der wirklich einfachen Steuerung können auch blutige Laien gegen erfahrene Wrestling-Zocker einen Stich machen.

Prügeln ohne Nebenwirkungen - doch leider nur mit schaumgebremster Freude. Zumindest Anfänger werden Spaß daran haben.Fazit lesen

Doch leider sieht die Sache für Smackdown-Veteranen ein wenig anders aus. Denn wo bei den WWE-Titeln komplexe Moves und lustige Kombos möglich sind, erschöpfen sich die Möglichkeiten beim vorliegenden Titel in mehr oder weniger stupidem Tastendrücken. Das gilt auch für Finisher, die hier leider nur allzu oft relativ wirkungslos bleiben, so dass ein gezielter Pinfall eher ein Zufallstreffer ist.

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Wieder im Kommen: der eingesprungene Intim-Spreiztritt für Herren.
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Dafür machen die sinnfreien Vermöbeleien zu viert vor der Glotze einigermaßen Spaß. Schade nur, dass man in seiner Figurenauswahl sehr eingeschränkt ist. Lediglich 25 Wrestler stehen insgesamt zur Verfügung. Und das auch nur, wenn man sie zuvor im Storymodus freigespielt hat. Unverständlich dagegen der Online-Part, denn dabei dürfen lediglich zwei Kombattanten in den Ring steigen. Warum hier keine Battle Royale oder andere massentaugliche Auseinandersetzungen mit 30 oder mehr Spielern möglich sind, ist unverständlich und führt zu Punktabzug.

Einzelspieler sollten in jedem Falle den Storymodus durchzocken. Den durchläuft man allerdings nur mit einem Fantasie-Schläger, den man sich zuvor im etwas dürftig ausgefallenen Editor zusammenbastelt. Auch hier geht der Sieg nach Punkten deshalb ganz klar an den Smackdown-Herausforderer, der an Vielfältigkeit kaum zu überbieten ist.

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Karl Lagerfelds neues Unterwäschemodell (re.) zeichnete sich vor allem durch eine gute Ellenbogentechnik aus.
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Hat man sich seinen Helden gebastelt, durchläuft man eine relativ abstruse Story, in der man sich buchstäblich vom Brawler zum Heel oder Hook von Weltklasse durchschlägt. Das Abenteuer beginnt irgendwo in Mexiko. Statt einer vorgefertigten Hintergrundgeschichte findet man sich in der Rolle eines von bösen Mächten seiner Erinnerung beraubten Kämpfers wieder, der sich auf seinem Weg zu Ruhm und Erfolg gegen diverse namenlose Mitbewerber durchsetzen muss. Auf dem Höhepunkt landet die Spielfigur in den USA und tritt schließlich in der TNA auch gegen die realen Showkämpfer der Liga an.

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Haben durch die Landtagswahl in Bayern den Boden unter den Füßen verloren: Huber (li.) und Beckstein.
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Ab dann fängt es auch an, wirklich Spaß zu machen, denn es ist durchaus reizvoll, gegen Ex-WCW-Legenden wie Kevin Nash anzutreten. Zumindest, wenn man sich auf das Handling der Matches einlässt und nicht schon vorher mangels Abwechslung verödet, siehe oben. Leider lässt die Gegner KI ein wenig zu wünschen übrig. Mangelndes taktisches Verhalten wird stattdessen durch einen rapide steigenden Schwierigkeitsgrad ersetzt. Immerhin sorgt dieser Umstand dafür, dass man einige Matches mehrfach zocken muss, um weiterzukommen. Auf diese Weise lässt sich der leider sehr kurze Einzelspieler-Modus künstlich in die Länge ziehen.

Bildgewaltige Kloppereien

Technisch gibt es an der TNA-Hauerei wenig auszusetzen. Die Moves der Wrestler sind sehr gut animiert und sehen dank Unreal-Engine 3 auch entsprechend aus. Die Gesichter der ausnahmslos männlichen Berufsschläger wirken lebendig, erinnern aber zumindest bei den Fantasie-Sportlern an Malcolm und Co. aus der genialen UT-Reihe. Die realen Wrestler kommen dafür samt und sonders sehr detailliert daher und zeigen die Fähigkeiten der Grafikengine.

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Leidet an hartem Stuhl: Booker T (rechts am Boden).
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Akustisch gibt's reichlich auf die Ohren. Es wird geschrien, gejubelt und gepöbelt, dass es nur so eine Freude ist. Die Kommentare der Ringsprecher hingegen nerven ziemlich schnell, da sie sich relativ häufig wiederholen. Abhilfe schaffen die Optionen. Musikalisch verlassen sich die Macher auf die gewohnten, aber passenden Heavy-Riffs einschlägig vorbelasteter Bands.

Genre-Einsteiger und Fans, die über den Tellerrand der Smackdown-Reihe hinausschauen wollen, können bei "TNA Impact" einen Blick riskieren. Leidenschaftliche Taktiker und Kombo-User sollten dagegen Vorsicht walten lassen. Sie könnten womöglich den Glauben in die Versoftung der amerikanischen Showkampf-Operas verlieren. Und das will nun wirklich niemand.