Letzte Woche konnte ich die Suche nach dem idealen Spielerjob zu einem (aus meiner Sicht) zufrieden stellenden Ergebnis bringen. Leider schließt sich das nächste Problem an: Woher nimmt man die passende Frau? Beziehungsweise: Was zum Geier ist die passende Frau? Dass sie gut verdient und ihren zockenden Mann aushält - in jedem Wortsinn -, kann kaum ausreichen.

Nur hat diese Spezies Mensch einen derartig breiten Featureumfang, dass die meisten von uns Männer heillos überfordert sind. Den besten Gamer-PC zusammenbasteln? Kein Thema! Die »recommended specifications« des weiblichen Geschlechts dagegen … ?

Schnelle Antworten zum Thema Traumfrau gibt es viele. »Schön, sexhungrig, reich, tolerant und steht auf Computerspieler«, lautet etwa eine und stammt regelmäßig von Zeitgenossen, für die »Realität« etwas ist, das anderen Menschen zustößt. Also genau dem Menschenschlag, der zehn Jahre nach der Pubertät seine Ansprüche an eine Partnerin notgedrungen auf »Einen Personalausweis, der sie als weiblich ausweist« zurückschraubt. Bei anderen wird der Blick glasig und sie denken an eine alte Liebe zurück (in meinem Fall lautet ihr Name bezeichnenderweise »Amiga«).

Titten, Schnitten und Kanonen - Titten, Schnitten und Kanonen – Die perfekte Frau (für Spieler)

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Innere Werte? Intelligenz? Braucht doch keiner!
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Ob daher eine repräsentative Umfrage unter meinen männlichen Zockerbekannten zur Problemlösung Verwertbares beitragen würde, darf zu Recht bezweifelt werden. Dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt, ist nun wahrlich ein Allgemeinplatz (woher kämen sonst die kleinen Orks?). Aber auch bei den inneren Werten scheiden sich die Geister. So bekundete doch tatsächlich ein Freund von mir, er wolle keinesfalls eine Frau, die intelligenter sei als er. Ich verkniff mir die Bemerkung, dass er den potentiellen Bewerberinnenkreis gefährlich begrenze und wunderte mich im Stillen.

Ähnliches scheint für selbstbewusste, schlagfertige, erfolgreiche Frauen zu gelten. Was beim einen Enthusiasmus bewirkt, lässt dem anderen geschockt den Playboy aus der Hand gleiten. Der von mir daraufhin durchgeführte Instantpoll mit einer weiblichen Vergleichsgruppe von Eins brachte ebenfalls mehr Erschreckendes denn Nützliches zutage.

Meine Freundin fiel zur durchs Wohnzimmer gerufenen Frage »Was schätzen Männer an einer Frau?« spontan ein: »Schönheit, Zurückhaltung, Kochkunst«, um dann nach einer langen Pause »Freundlichkeit« anzufügen. Ich vermeinte ein leises, Meilen entferntes Stöhnen zu vernehmen. Es dürfte Alice Schwarzers Todesseufzer gewesen sein. Die verzweifelt per MSN-Messenger auf eine Freundin ausgedehnte Umfrage ergab kein schmeichelhafteres Bild: Nach ihren Angaben hätten Männer am liebsten Frauen, die uns außer für Sex vollständig in Frieden ließen - das etwas andere Verständnis von Plug and Play.

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Echte Zocker geben sich nicht mit einer Frau zufrieden.
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Das überzeichnete Männerbild meiner beiden Stereotypistinnen fand ich durchaus überraschend. Es fällt direkt schwer zu sagen, was mich mehr an der Menschheit zweifeln lässt: Was Männer tatsächlich denken oder was Frauen denken, was Männer denken. Wo doch in Wahrheit alles anders ist. Wo schon ein Blick auf unsere virtuellen Traumfrauen zeigt, dass wir eigentlich… nun ja. Was zeigt es genau?

Der übliche Vorwurf lautet: hautenge Bekleidung und mehr Möpse als in einer chinesischen Tiefkühltruhe. Auch im Übrigen sei unsere Darstellung der und Vorstellung von der Damenwelt simpel und schematisch. Auf der einen Seite die »hilflose Prinzessin«, mit obskuren Namen wie »Zelda« oder »Peach«, die in ihrem Leben nichts zuwege bringen, außer sich von übellaunigen Halunken entführen zu lassen. Immer nur wartend auf den tapferen Retter - selbst wenn er nur eine Ausbildung als Klempner vorzuweisen hat oder grüne Zipfelmützen bevorzugt.

Auf der anderen Seite die »toughe Amazone«, der die Männer zu Füßen liegen (zumeist, weil sie ihnen mit der Eisenhacke auf dem Ohr steht). Die hammerfäustige Walküre, eine so hervorragende Kämpferin, dass ihr 10 cm Kettenzeugstreifen um die Hüfte als Rüstung völlig genügen. Realistischere Portraitierungen existierten angeblich nicht. Klar, da sieht man es wieder: so sind se, die Männer.

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Schlagfertige Frauen sind in der Realität wenig beliebt, in Spielen dafür umso mehr.
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Die Kritik geht aus zwei Gründen fehl. Zum einen: Es gibt sie, die »anderen« Frauen. Jeder einzelne weibliche Charakter, den ich bei einem Offline- oder Onlinerollenspiel erzeuge, ist den Männern uneingeschränkt ebenbürtig. Von der bizarren Ausnahme der reinen Männerveranstaltung »Gothic« abgesehen, gilt Gleiches für die durchschnittliche NPC-Population. Von Cyrodiil bis Azeroth ist Gleichberechtigung eine Selbstverständlichkeit.

Zwar würde ich Mrs. Pacman nicht unbedingt als den größten Erfolg der Emanzipation feiern wollen. Aber Gestalten wie Elaine Marley aus »Monkey Island« oder Annah aus »Planescape: Torment« zeigen ihren Gegenparts mit Witz und Cleverness deutlich die Grenzen auf. Zugegeben, dabei schauen sie zudem verdammt gut aus (wiederum mit der Ausnahme von Mrs. Pacman). Aber wer tut das nicht? Denn liegt die ausnahmslose Attraktivität weiblicher Heldinnen und Heldenbekanntschaften wirklich am Sexismus der Männer? Oder nicht vielleicht doch eher in der Tatsache begründet, dass Phantasiewelten die Idealisierung gerade innewohnt? Das Abscheuliche ist abscheulicher, das Wundervolle wundervoller.

Üblicherweise ist der strahlende Held doch genau das: jung, muskulös und verdammt gut aussehend. Die Zahl buckliger Furunkelfratzen, die Königreiche retten, Kriege entscheiden oder Galaxien befreien, ist dagegen eher überschaubar. Wer spielt schon Quasimodo, wenn er Adonis zur Auswahl hat. Kein Mädel hängt Brad Pitts Visage für ein Christopher-Walken-Poster ab. Entsprechend kann man uns Männern kaum verdenken, Kate Archers Hintern dem von Angela Merkel vorzuziehen. Wer sich Träumereien hingibt, will sich nun mal verbessern. Hässlich ist die Realität von ganz allein. Selbst wenn Otto Reutter es so nicht meinte, gilt auch hier: »Phantasie ist jederzeit schöner als die Wirklichkeit«.

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Wenn der Spieler die Kontrolle hat, stehen die Frauen schon mal Kopf - nackt!
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Nur sagt das Ganze wenig über die »perfekte Frau« aus. Denn optische Reize, die bei einer möglichst großen Zahl Adressaten Begeisterung wecken, sind eben nur das: Statistik in visueller Form. Garantiert ist es geschickter eine Fiktion wie Nariko in »Heavenly Sword« zu casten als die Rolle mit Brigitte Zypries zu besetzen. Was allerdings nicht den Gegenschluss zulässt, es existierte niemand, den schon mal Gedanken an unsere Justizministerin nachts wach gehalten hätten.

Denn die eine perfekte Frau gibt es für uns Männer ebenso wenig wie den perfekten Mann für die Frauen. Ein guter Anfang wäre, wenn sie uns akzeptierte, wie wir sind. Wenn sie uns nicht unter Vorurteilen begrübe. Wir würden uns im Zweifel revanchieren, indem wir diese Vorurteile nicht lebten. Zum Beweis google ich jetzt nach Nacktphotos von Monika Harms - sicher ist sicher.