Die E3 ist so wie die meisten Spiele, die in Los Angeles auf meist absurd großen Fernsehern laufen. Und ich liebe diese WTF-Momente von „Battlefield 4“: Wie DICE den Flugzeugträger USS Titan auseinanderreißen lässt, wir auf diesem sinkenden Koloss kämpfen und letztlich erleben, wie er in einem tosenden Sturm untergeht, das ist cooler als Hollywood.

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Nur leider sind diese Shooter auch ziemlich vorhersehbar. Selbst im Multiplayer-Modus spielt sich ein „Battlefield 4“ im Grunde wie sein Vorgänger. Und auch wenn das Einstürzen eines Wolkenkratzers im ersten Moment einen „Wow, ist das hier echt noch Multiplayer?“-Gedanken auslöst, gibt's diesen Wow-Moment meist nur einmal. Man gewöhnt sich daran, die Coolness verfliegt.

Insbesondere DICE hat das Problem, eine extrem kritische Community zu haben, die Fehler nur schwerlich verzeiht. Entsprechend zaghaft gehen die Schweden große Änderungen an, denn die gehen gerne mal in die Hose. Liebes AC130-Gunship, du darfst dich gerne angesprochen fühlen.

Ganz anders Respawn-Entertainment, die den Multiplayer-Markt mit neuen, frischen, extravaganten und verdammt riskanten Ideen bereichern wollen. „Titanfall“ schnappt sich die besten Ideen aus zahlreichen Spielen, wirft sie in den Mixer und kreiert daraus ein Erlebnis, das es in der Form noch nie gab. Als Infanterist springe ich zu Beginn aus einem futuristischen Transporter, laufe kurz, entdecke dann das Jetpack am Rücken und schwebe damit aufs nächste Dach. Die Jetpack-Energie ist begrenzt, aber ich kann damit Sprünge vollführen, wie man sie sonst nur aus „Prince of Persia“ oder „Mirror’s Edge“ kennt.

Titanfall - Call of Bio Mech Edge

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Wo in „Battlefield 4“ Panzer herumstehen, warten hier Mechs sehnsüchtig auf Piloten.
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Ich springe im ersten Anlauf auf ein großes Werbeschild zu, will daran entlangspurten und per Doppelsprung auf das gegenüberliegende Dach gelangen. Klappt beim ersten Anlauf nicht, weil die Jet-Energie nicht ausreicht.

Man braucht schlicht zu viel Power, um überhaupt das Schild zu erreichen, ergo nehme ich im zweiten Versuch einfach mehr Anlauf, springe ohne Jetpack-Energie an das Schild, nutze diese speziellen Anti-Gravitationsstiefel meines Soldaten, um daran entlangzulaufen, drücke dann noch mal die Sprungtaste, lande so in der Luft und aktiviere dort erst den Jetpack-Booster, um die letzten Meter zu schaffen. „Easy to learn, hard to master“, Respawn will ganz offensichtlich bewusst einen Titel für Spieler erschaffen, die ein bisschen gelangweilt sind vom üblichen „Anvisieren-Boom-Kopfschuss“-System eines „Call of Duty“.

Natürlich sind diese akrobatischen Stunts nicht zwingend erforderlich, aber sie erleichtern einem Fußsoldat das Leben doch ungemein. Schließlich stehen im 8-gegen-8-Multiplayer-Modus nicht nur Sturmgewehre und Raketenwerfer zur Wahl, sondern auch einige Titan-Mechs in der Gegend herum. Wer nun bei Robotern an die wankenden Kühlschränke aus „MechWarrior“ oder - noch schlimmer - „Steel Batallion“ denkt, muss sich gehörig umstellen.

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Es gibt keine reine Singleplayer-Kampagne, stattdessen wird die Geschichte in den Multiplayer-Koop-Modus mit Intros und dynamischen Events integriert.
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Denn diese Stahlkameraden sind richtig flott unterwegs, können in einen Sprintmodus schalten und sogar eine Art „Dash-Jump“ aufladen. Aktiviert ihr den, könnt ihr euch blitzschnell mit einem Sprung in Deckung bringen und beispielsweise hinter einer Hauswand Schutz vor Raketenbeschuss suchen. Stark auch, wie Mensch und Maschine verbunden werden. Wählt ihr den Titan an, öffnet der seine Pranke, umschließt euren Körper und zieht euch ins Cockpit rein. Ihr seht euch dann kurz von hinten in seiner Kommandozentrale, dann wechselt die Perspektive in die Ego-Ansicht.

Akrobatische Roboter-Action

Jetzt könnt ihr zwar sprinten, springen und ordentlich Projektile durch die Gegend feuern, seht aber wenig von eurer Umgebung. Im Grunde funktioniert das System also sehr ähnlich wie in „Battlefield 4“: Panzerfahrer haben ordentlich Feuerkraft unter der Haube, sehen angreifende Infanterie aber oft sehr spät, müssen von eigenen Bodentruppen geschützt werden.

Mein Spiel der E3 2013. Sieht super aus, spielt sich frisch und probiert frech Neues aus.Ausblick lesen

Neben verschiedenen Infanterie-Klassen gibt’s auch unterschiedliche Titan-Typen. Gegen Infanterie bietet sich die Gatling an, die in etwa die gleiche Schussgeschwindigkeit hat wie die Miniguns der UH-1Y-Venom oder der Viper aus „Battlefield 4“. Alternativ veranstaltet ihr per Flammenwerfer eine Barbecue-Party – das Ding ist hervorragend geeignet, um Gegner im Sprung zu grillen. Gegen feindliche Mechs hingegen sollten es schon ausgewachsene ATGM-Raketensysteme sein, die entweder einen Schwarm von Miniraketen abfeuern, oder ausgewachsene Wummer.

Spannenderweise steuert sich das mehr wie in einem Shooter als in einem Mech-Spiel. Die Arme der Titans sind sehr beweglich, schnelle Reaktionen also kein Problem. Zudem feuert ihr jeweils mit den rechten und linken Schultertasten die unterschiedlichen Waffen in den beiden Händen ab. So lassen sich über den „Titan Vortex Blocker“ feindliche Raketen in der Luft „einfrieren“ und dann mit besten Grüßen wieder zurück zum Absender schicken. Die andere Hand ballert so lange weiter.

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Mensch gegen Maschine, kann das funktionieren? Ja, wenn die Infanteristen dank Jetpack so flink durch die Level flitzen wie Faith in „Mirror’s Edge“.
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Story und taktische Note: Titan-Drop in T-2 Minuten

Im Multiplayer-Modus krachen die beiden Fraktionen Interstellar Mining Corporation (INC) und die Rebellengruppe MCOR aufeinander. Die Geschichte ist noch eher vage: Anscheinend will die INC einen anderen Planen ausbeuten und dafür sollen die hiesigen Siedler weichen. Die haben sich jedoch unter größten Anstrengungen und Verlusten erst eine neue Heimat geschaffen und sind bereit, diese bis aufs Blut zu verteidigen.

Klingt nach 08/15-Schablone für Sci-Fi-Action, Respawns Chef Zampella hingegen spricht von einer „gesellschaftskritischen Geschichte im Stil von District 9“. Hui, dafür brauchen sie aber einen verdammt guten Autor. Da wir die Geschichte aber ohnehin noch nicht beurteilen können, sprechen wir lieber weiter über taktische Elemente.

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Keine Sorge, das ist nur Kanonenfutter. Damit auch Einsteiger schnell Erfolge feiern und im Rang aufsteigen, werden halbvolle Server mit Bots aufgefüllt.
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Der Modus auf der E3 war klassisches Conquest, nur dass in „Titanfall“ eben alles etwas größer ist. Wo man in „Battlefield 4“ lediglich eine Flagge hält, muss man hier ein Command-Center einnehmen. Ist das unter unserer Fuchtel, beginnen die Geschütze, auf die über ihnen fliegenden Raumschiffe zu feuern. Die soll man laut Game-Director Fukuda sogar vom Himmel blasen können. Welche Boni das bringt, verrät er jedoch nicht.

Wir wissen nur, dass es zwei Minuten dauert, bis ihr einen neuen Titan anfordern könnt, wenn euch eurer unter dem Hintern weggeschossen wird. Und das sieht mal verdammt cool aus, denn die Stahlbüchsen werden direkt von einem befreundeten Raumschiff abgeworfen, landen als eine Art Ei auf dem Boden und die Mechs sprengen sich dann raus wie Michael Bays Transformers.