Musste es erst zum großen Knall kommen, damit eine neue, große Spielemarke entstehen kann? Nur durch den Rauswurf von Vince Zampella und Jason West bei Activision kam es schließlich zur Gründung des neuen Studios Respawn Entertainment (geiler Name, übrigens!). Und damit zum vielleicht ersten Action-Blockbuster des Jahres: Titanfall. Einen Monat vor der Veröffentlichung des Spiels auf PC und Xbox One (die 360-Fassung folgt etwas später) haben wir uns zwei Stunden lang die Kugeln um die Ohren geballert.

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Respawn ist sich durchaus der Tatsache bewusst, dass sie mit Titanfall eine relativ ungewöhnliche Spielmechanik einführen – wenn man denn aktuelle Mehrspieler-Shooter als Maßstab nimmt. Deshalb haben die amerikanischen Entwickler auch ein etwa 20 Minuten langes - freiwilliges - Tutorial eingebaut, dass die wichtigsten Aspekte des Spiels beleuchtet. Allen voran natürlich, wie die Titanen funktionieren und was es mit ihnen überhaupt auf sich hat.

Zunächst wirken die Metallklötze kaum anders als Mechs, auch wenn Respawn diese Bezeichnung gern vermeiden will. Der Grund: Die Titanen sind beweglicher und schneller, mit einem schnellen "Dash" rauschen sie in verschiedene Richtungen, um sich dem feindlichen Beschuss zu entziehen. Obwohl sie nicht springen können, wirken sie dadurch agil und auch ihr Sprint erlaubt eine ziemlich flotte Fortbewegung. Da es verschiedene Titanen-Loadouts gibt, treten aber nicht alle mit derselben Bewaffnung an.

Titanfall - Kampf der Titanen

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Cooles Design, dicke Optik - auf dem PC gibt Titanfall allerdings noch eine ganze Ecke mehr her als auf Xbox One.
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Da ist viel Masse in Bewegung!

In meiner Demoversion ballerte ich etwa mit 40mm-Geschützen, aufgepflanzten Maschinengewehren oder Raketenwerfern. Zusätzlich besitzt jedes Modell noch eine „Offhand“-Wumme, die selbsttätig nachlädt und verschiedene Extratalente. Während mich eine Fertigkeit kurz vor der Zerstörung des Titanen automatisch aus dem Wrack befördert, verursacht eine andere Fähigkeit eine kleine Nuklearexplosion, die Gegner mit in den Tod reißt. Wie praktisch.

Trotz ihrer Beweglichkeit haben die Titanen eine Schwere an sich, die mich mit machtvoller Behaglichkeit und einem Gefühl von Unzerstörbarkeit auf dem Schlachtfeld erfüllt. Das stimmt natürlich nicht, denn tatsächlich lassen sich die Blechbüchsen leichter knacken, als ich gedacht hätte. Zwar verfügt jedes Modell über einen Vortex-Schild, mit dem ich ankommende Geschosse abfangen und sogar zurückschleudern kann, doch ist es natürlich nur für begrenzte Zeit einsatzfähig.

Packshot zu TitanfallTitanfallErschienen für PC, Xbox One und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Neben anderen Titanen haben es auch die ganz normalen Fußsoldaten, in deren Form man meist startet, auf den eigenen Titanen abgesehen. Für meinen Geschmack wird die Titanenjagd ein wenig zu einfach gemacht, denn jeder Spieler rennt von Beginn an mit einer speziellen Waffe herum, mit der sich die Kolosse recht simpel aus den Latschen blasen lassen. Nicht mit einem Schuss, aber mit maximal drei ist das schon möglich.

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Mechs waren gestern!
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Nicht nur in diesem Punkt ist mir Titanfall ein wenig zu sehr darauf ausgerichtet, den Massenmarkt befriedigen zu wollen. Respawn wollen es allen recht machen, weshalb neben den eigentlichen Spielern (sechs pro Seite) auch eine ganze Reihe von KI-gesteuerten Soldaten über die Schlachtfelder rennen. Vordergründig sollen sie den Anschein einer tatsächlich ablaufenden Schlacht gewährleisten und nebenher gibt es für Abschüsse auch Punkte, die fürs Aufleveln des eigenen Spielkontos benötigt werden. Eigentlich sind diese „Grunts“ aber wohl eher vorhanden, um auch denjenigen billiges Schlachtvieh zu liefern, die sonst nicht mal einen Schulbus treffen würden.

Apropos treffen: Bevor ich mich als Pilot in einen Titanen schwingen kann, renne ich in den meisten Modi als normaler Frontsoldat (oder Assassine) herum und verfolge Ziele, wie man sie auch aus anderen Multiplayer-Spielen kennt. Da nehme ich in „Hardpoint“ etwa Stellungen ein, verteidige sie und gewinne so die Übermacht auf dem Schlachtfeld. In „Attrition“ geht es schlicht darum, alles an der Front umzuballern. Und in „Last Titan Standing“ beginnt jeder Spieler als Titan, wobei es aber keinen Respawn gibt. Am Ende der Runde kann sich das verlierende Team zumindest noch halbwegs ehrenhaft aus dem Gefecht zurückziehen - wenn die Spieler es in ein Evakuierungsschiff schaffen, kassieren sie ein paar Bonuspunkte.

Das Bemerkenswerte an den Soldatenklassen ist jedoch nicht ihre Bewaffnung oder das Aussehen – darin unterscheidet sich Titanfall höchstens marginal von typischen Militär-Ballerspielen. Das Besondere sind die Parcours-Fähigkeiten: Mit „Wallrunning“ sind Positionen erreichbar, die in herkömmlichen Standard-Shootern unzugänglich wären. Dadurch erhält das Spiel eine ungewöhnliche Vertikalität, an die man sich erst gewöhnen muss. Erst nach einigen Runden hatte ich diese von „Jumpkits“ (Mini-Jetpacks) unterstützten Ausflüge und Sprünge über zig Meter verinnerlicht und in mein Kampfrepertoire aufgenommen. Dann machte es aber "Klick" und umso mehr Spaß.

Die Titanen stellen ein sehr belebendes Element in den Gefechten dar: Titanfall scheint ein würdiger Herausforderer für dynamische Ballerduelle zu werden.Ausblick lesen

Das Spieltempo ist dadurch ziemlich hoch und erinnert tatsächlich an Call of Duty, was auch für die Kurzlebigkeit eines virtuellen Soldatenlebens gilt. Sprich: Man kratzt ziemlich schnell ab. Wenn ein (menschlicher) Gegner von hinten attackiert, ist man in der Regel hin, auch wenn Piloten mehr einstecken können als Grunts. Dazu kommt, dass die automatisch bis zu drei Ziele erfassende Smartgun der Assassinen ein wenig zu mächtig ist.

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Trotz ihrer mächtigen Erscheinung sind die titelgebenden Titanen bislang noch recht schnell von den metallischen Beinen zu holen.
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Automatik-Modus für Titanen

Titanen besitzen übrigens einen Modus, in dem sie nach der Inbetriebnahme selbstständig ein Areal bewachen und dabei für den Spieler punkten können, während dieser beispielsweise am Snipern ist. Clevere Spieler verwenden dazu den Titanen als Katapult, um sehr hohe Gebäude schnell zu erklimmen. Piloten dagegen können sich vor den wachsamen Augen der Titanen verbergen, indem sie eine für wenige Sekunden aktive Tarnung einschalten.

Das Design der bisher gespielten Maps wie „Fracture“ und „Angel City“ ist insgesamt gelungen. Angetrieben von der Source Engine entsteht ein homogenes, natürliches Bild, das auf dem PC aber einen sichtbar besseren Gesamteindruck hinterlässt als auf der Xbox One. Was aber sicherlich keine große Überraschung darstellt.

Der Geländeaufbau spiegelt gut die Vertikalität des Gameplays wider – es gibt also viele hohe Gebäude, die Spielern erlauben, sich gegenseitig zu beharken und die Titanen unter Beschuss zu nehmen. Insgesamt fallen die Karten aber überraschend klein aus. Sie sind im Vergleich zwar größer als CoD-Standard, aber kleiner als Battlefield. Das Ziel der Designer war dabei, jedem Soldaten in maximal fünf Sekunden Schutz vor anrückenden Titanen zu geben. Das ist auch ein Grund, weshalb Respawn auf eine zerstörbare Umgebung wie in Battlefield verzichtet: Die Piloten sollen eine Chance haben, mit den Titanen mitzuhalten.

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Die Kartengröße liegt im Durchschnitt irgendwo zwischen Call of Duty und Battlefield.
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Bekanntlich wird Titanfall keine Singleplayer-Kampagne mitbringen, trotzdem will Respawn aber eine Geschichte rund um einen Konflikt zwischen Siedlern im All und der Allmacht von Wirtschaftsunternehmen erzählen. Wie genau das ins Spielgeschehen eingebunden wird, habe ich noch nicht im Detail gesehen. Es wird wohl so in der Art ablaufen, wie wir es von Left 4 Dead kennen.

Als eines der ersten Spiele soll Titanfall auf Microsofts Cloud-Computing-Features der Xbox One zurückgreifen – und damit eine bessere Chancengleichheit in den Partien herstellen. Ob das in der Praxis wirklich funktioniert, wird erst ein Test unter realen Bedingungen zeigen müssen.