Vor einigen Tagen testete ich das Indie-Spiel Super Time Force und vergab großartige 89 Prozent. Gerade erst erschien mit Transistor der inoffizielle Nachfolger des Kritiker-Lieblings Bastion. Für derart einzigartige Spielerfahrungen gehen heute zwischen 15 und 20 Euro drauf. Der erste Titanfall-DLC „Expedition“ muss also einiges zu bieten haben, um den Kaufpreis von 10 Euro rechtfertigen zu können.

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So viel vorweg: Hat er nicht. Gerade einmal drei Maps sind im ersten Paket enthalten. Natürlich bietet sich ob der Vergangenheit des Entwicklers Respawn Entertainment der Vergleich mit Call of Duty: Ghosts gerade zu an: Dort gibt es für 15 Euro neben vier neuen Karten immerhin auch noch eine neue Mission für den Alien-Extincion-Modus sowie eine neue Waffe.

Auch bei Titanfall hätte es Möglichkeiten gegeben, das erste DLC-Paket zu etwas Spannenderem zu machen: am Offensichtlichsten wäre die simple Integration des Kampagnen-Modus' gewesen: Mit ein paar Voice-Overs und geschichtlichen Hintergründen gäbe es so für Freunde der Titanfall-Lore (ja, die gibt es tatsächlich) zumindest einen kleinen Bonus.

Titanfall: Expedition - Expedition-DLC oder: Wie man Spielern möglichst viel Geld aus der Tasche leiert

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Im Sumpf ist die Hölle los: Nur zwei der drei neuen Karten können wirklich überzeugen.
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Hätte, könnte, sollte. Die traurige Wahrheit ist, dass es neben den drei Karten keinerlei Boni gibt. Für zehn Euro dürfte man also zumindest erwarten, dass die neuen Maps allesamt neue Spielerfahrungen zu bieten haben.

Tatsächlich ist das auch bei zwei der Karten der Fall. Allen voran überzeugt „Swampland“ dank einer wirklich neuen Struktur: In dem namensgebenden Sumpf gibt es fast keine der für Titanfall typischen Wände, an denen die Piloten entlang rennen können, um so mehr und mehr Geschwindigkeit aufzunehmen. Stattdessen ist die ganze Karte von Bäumen überzogen. Es bedarf einiger Übung, um vernünftige Wallruns an den Baumstämmen hinzukriegen – als ich den Dreh jedoch erst einmal raus hatte, flog ich nur so von einem Ende der Map zum anderen. Den Piloten bleibt auch gar nichts anderes übrig, sind sie doch am Boden ohne große Deckung kaum mehr als Kanonenfutter für die Titanen.

„Swampland“ ist aufgrund seiner Offenheit zudem eine der wenigen Maps, auf denen ein Scharfschützengewehr sinnvoll erscheint. Zwar bieten einige Ruinen auch Freunden der Schrotflinte ein paar Gelegenheiten um Kills abzustauben, dies gelingt aber fast ausschließlich in den Capture-The-Flag- und Hardpoint-Modi, in denen Spieler aufgrund der Missionsziele unmittelbar in die zusammengefallenen Gebäude gezwungen werden. Wer seine Zeit am liebsten mit Attrition verbringt, wird das Innere dieser Ruinen wohl nur selten zu Gesicht bekommen und stattdessen in den Weiten des Sumpfes seinen Spaß haben.

Packshot zu TitanfallTitanfallErschienen für PC, Xbox One und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Das zweite Hightlight des Pakets ist „Wargames“. Hier gibt es tatsächlich einen Anflug von Aufwand, der über die routinierte Erstellung von Karten hinausgeht. Beim Start des Matches werden die Piloten nicht etwa, wie sonst üblich, aus einem Flugzeug auf das Schlachtfeld geschmissen. Stattdessen werden sie zu Trainingszwecken in eine Simulation teleportiert. Getötete Piloten sterben deswegen nicht einfach, sondern verschwinden in einer blauen Pixel-Explosion. Auch die Umgebung kann grafisch überzeugen: Im ganzen Level sind durchsichtige Holo-Wände verteilt, die die Reise von A nach B sehr erleichtern, aufgrund ihrer Transparenz jedoch auch ein enormes Risiko darstellen, da man sofort für gegnerische Piloten und Titanen sichtbar wird.

Diese an Mirror's Edge erinnernden, farbenfrohen Hologramm-Elemente werden auf dem Boden durch verschiedene Bestandteile aus den bereits bekannten Maps „Angel City“, „Rise“ und „Airbase Sieraa“ ergänzt. Diese sind jeweils so unterschiedlich, dass aus deren Kombination eine völlig neue Spielerfahrung entsteht: von Nahkämpfen mit der Schrotflinte bis zu Campern mit einem Scharfschützengewehr ist hier alles erlaubt und bietet Chancen auf Erfolg. Als großer Freund von Titanfalls Parkour-Mechaniken haben es mir vor allen Dingen die vielen, langen Wände und Holo-Plattformen angetan, mit denen sich die Map innerhalb von Sekunden durchqueren lässt. „Wargames“ hat das Potential zu meiner Lieblings-Map.

Titanfall: Expedition - Expedition-DLC oder: Wie man Spielern möglichst viel Geld aus der Tasche leiert

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Ob euch das bisschen Inhalt wirklich zehn Tacken wert ist, müsst ihr schon selbst wissen. Wir empfehlen: Kauft euch lieber ein großes Eis. Oder zwei.
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Ganz anders sieht es leider bei „Runoff“ aus. Auf den ersten Blick könnte man die Karte auch mit „Demeter“ oder „Corporate“ verwechseln, überwiegen bei beiden Maps doch rostbraune Farben und charakterlose Industriekomplexe. Im Gegensatz zu seinen beiden Kollegen verfügt „Runoff“ nur über wenige einzigartige Charakteristika. Am auffälligsten ist da noch ein großer Kanal, der die Mitte der Karte durchzieht und für Piloten zu einer einzigen Todesfalle wird, sobald ein paar Titans in dem Level unterwegs sind.

Zwei spaßige Karten und eine Enttäuschung für den Preis eines Indie-Spiels. Das muss besser werden!Fazit lesen

Für die gibt es ein ungewöhnlich offenes, vom Rest der Karte nahezu abgekapseltes Areal, in dem sie ohne irgendwelche Hindernisse oder Verstecke durchaus spektakuläre Schlachten schlagen können. „Runoff“ ist keine schlechte Karte, fällt im Vergleich zu „Wargames“ und „Swampland“ jedoch so stark ab, dass ich jedes Mal enttäuscht war, wenn mich das Matchmaking in dieses Level schickte.

Tatsächlich bereitet auch das Finden von anderen Spielern durchaus Probleme: Die drei neuen Karten sind nämlich in zwei eigene Playlists aufgeteilt. Heißt: Wer den DLC spielen will, der hat immer nur Swampland, Wargames und Runoff zur Auswahl. Es ist bisher nicht möglich, die Karten in einer gemeinsamen Rotation mit den 15 Maps des Hauptspiels zu spielen. Auch Freunde der missionsbasierten Modi werden nur wenig Spaß an Expidition haben: Diese wurden alle gemeinsam in die „Expedition Variety“-Playlist gepackt. Abgesehen von privaten Matches gibt es also keine Möglichkeit, etwa nur Capture The Flag zu spielen. Es ist dem Zufall überlassen, welcher Spiel-Modus in dieser Playlist als nächstes ausgewählt wird.