Von Tobias Wüst

Mit Graus denke ich an meine Schulzeit zurück. Jede zweite Woche war Samstagsunterricht angesagt. Und jede zweite Woche wurde ich mit einer Doppelstunde Latein gequält. Glücklicherweise hatte mein Lehrer ab und an ein Einsehen und las uns in der zweiten

Stunde aus dem Buch »Klassische Sagen« vor. Aus gelangweilten Schülern wurden plötzlich aufmerksame Zuhörer, die den Geschichten von Agamemnon, Hector, Odysseus und zahlreicher anderen antiken Helden lauschten. Jahre später bin ich nun selber Teil dieser mythischen Welt, »Titan Quest« macht's möglich.

Titan Quest - Editor Tutorial Part 314 weitere Videos

Titan Quest - Ring frei für den nächsten Diablo-Herausforderer: Titan Quest bläst zum Angriff.

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Liebend gerne würden wir in diesem Review auf Vergleiche mit »Diablo 2« verzichten. Allerdings ist das Meisterwerk von Blizzard Entertainment auch sechs Jahre nach Veröffentlichung noch immer das Maß aller Dinge.

In den letzten Jahren haben sich zahlreiche Action-Rollenspiele die Zähne am Genre-König ausgebissen. Ob sie nun »Dungeon Siege«, »Sacred« oder »Divine Divinity« hießen, alle scheiterten am Übervater. Nun schickt sich das Entwickler-Studio »Iron Lore« mit ihrem ersten Titel »Titan Quest« an, den Thron zu erobern. Nach all den Jahren wäre es eigentlich auch mal an der Zeit für eine Wachablösung.Von Satyren und Zentauren
Spätestens seit »World of Warcraft« werden unsere heimischen Rechner von unzähligen hässlichen Orks, hochnäsigen Elfen und stinkenden Zwergen dominiert. Da kommt das abwechslungsreiche Setting von »Titan Quest« gerade richtig.

Die Geschichte von »Titan Quest« ist schnell erzählt. Die Reise unseres Helden beginnt mit einem Hilferuf der olympischen Götter. Die haben ausgereuchnet uns auserwählt, um die Titanen, Urgötter der altgriechischen Mythologie, wieder in ihr Gefängnis zu verbannen. Die fiesen Typen haben nämlich nach ihrer Flucht aus der Hölle nichts besseres im Sinn, als die gute alte Erde zu zerstören.
Und wie das Leben so spielt, schlagen sich haufenweise unleidliche Monster und Kreaturen auf die Seite der Titanen. Genug Arbeit also für einen tapferen Recken, der auszog, um die Erde zu retten...

Die Reise führt den Spieler quer durch die gesamte Antike. Los gehts in Griechenland, wo unter anderem das Orakel von Delphi aufgesucht werden muss. Danach führt der Weg des Ruhmes über die Wüsten und Nilebenen Ägyptens, die hängenden Gärten von Babylon und die chinesische Mauer bis zurück nach Griechenland auf den Olymp, wo die finale Schlacht stattfindet. Aber alles schön der Reihe nach, denn zunächst werden kleine Brötchen gebacken.

Packshot zu Titan QuestTitan QuestErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Klassen-Kampf
Wer sich in »Diablo 2« nicht auf eine bestimmte Klasse festlegen konnte, freut sich in »Titan Quest« über deutlich mehr Spielraum. Der Einstieg ins Spiels gestaltet sich äußerst flott, bei der Charakter-Erstellung muss lediglich der Name und eine bevorzugte Farbe gewählt werden.Zusätzlich muss sich der Spieler festlegen, ob sein Avatar Männlein oder Weiblein sein soll. Alle weiteren Einstellungen sind perfekt in das eigentliche Gameplay integriert worden.

Bei den Attributen ist Übersichtlichkeit angesagt. Statt unüberschaubare Formulare anzubieten, beschränkt sich »Titan Quest« auf das Wesentliche. Beim jedem Stufenanstieg eures Helden könnt Ihr Punkte auf Stärke, Intelligenz oder Geschicklichkeit verteilen, um bessere Ausrüstungsgegenstände tragen zu können. Zudem dürfen auch Lebens- und Zauberenergie gesteigert werden.

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Das Klassen-System ist in »Titan Quest« zweigleisig aufgebaut. Bereits beim ersten Level Up darf sich der Spieler eine Spezialisierung aussuchen. Insgesamt stehen acht "Masteries" zur Auswahl, je vier aus dem Kampf- und Magie-Bereich.

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So könnt Ihr eure Punkte beispielsweise in den Verteidigungs- oder in den Gaunerei-Zweig investieren. Das Schöne an »Titan Quest« ist, dass auch Kombinationen aus Kampf und Magie erfolgreich sein können. Kombination? Ja, richtig gelesen, denn bereits beim Erreichen der achten Stufe kann sich euer Held einen zweiten Fertigkeiten-Zweig aussuchen und dort ebenfalls Punkte verteilen.

Durch diese Freiheit entstehen ungeahnte Variationsmöglichkeiten, ein dickes Lob an die Entwickler von »Iron Lore«.Draufhauen und Items sammeln
Wie man es von Hack 'n' Slay Titeln erwartet, wird das Gameplay vom "Monster kloppen" dominiert. Wenn unser Held gegen 30 Monster kämpft, bleibt der Realismus zwar eindeutig auf der Strecke. Dem Spaßfaktor tut dies aber keinerlei Abbruch. Von der ersten Minute an kommt das typische »Diablo 2« Flair auf. Die Jagd nach dem nächsten Stufenaufstieg und die Suche nach immer besseren Items entwickeln schnell Suchtpotenzial.

Anders als in »Diablo 2« werden die Level in »Titan Quest« nicht bei jedem Start neu generiert. Dies hat den enormen Vorteil, dass die Übergänge perfekt passen und man sich wirklich nach Griechenland bzw. an die anderen Schauplätze versetzt fühlt. Die Wiederspielbarkeit leider dadurch aber natürlich nicht unerheblich. Wer läuft schon gerne zum fünften Mal durch ein komplett gleiches Level?

Auf Zwischensequenzen wird übrigens komplett verzichtet. Nur zu Beginn gibt es ein relativ kurzes Intro und auch nach erfolgreichem Abschluss der Kampagne erwartet den Spieler nur ein vorgelesener Text. Dies spornt natürlich nicht gerade dazu an, »Titan Quest« auch noch in den beiden höheren Schwierigkeitsstufen zu absolvieren.

Durch tolle Zwischensequenzen in Ingame-Grafik, wie wir sie beispielsweise aus Spellforce 2 und dem mittlerweile betagten Warcraft 3 kennen, hätte die Story konsequent weitererzählt werden können. Hier wäre sicherlich mehr drin gewesen.

Man spricht Englisch
Völlig unverständlich: die fehlende deutsche Synchronisation. Da hätte Publisher »THQ« ruhig etwas mehr Zeit und Geld investieren dürfen.

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Stattdessen ertönt nun eine englische Sprachausgabe aus den Boxen, die von deutschen Bildschirmtexten begleitet wird. Dies ist sicherlich akzeptabel, bei einem Toptitel wie »Titan Quest« hätten wir allerdings etwas mehr erwartet. Schade!

Multiplayer-Modus 1/2
Auch beim Multiplayer-Modus reicht »Titan Quest« nicht an das große Vorbild heran. Zwar gibt es einen wirklich tollen Koop-Modus mit bis zu sechs Spielern - das sind übrigens zwei weniger als bei »Diablo 2« - der via LAN oder im Internet gespielt werden kann.

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Eine zusammenhängende Spiele-Plattform, wie das »Closed Battle.net« von Blizzard Entertainment fehlt aus Kostengründen allerdings völlig.

Da ist es fraglich, ob sich das Interesse an »Titan Quest« über mehrere Monate oder sogar Jahre halten wird. Auch ein PvP-System sucht man vergeblich, obwohl doch gerade der Kampf Mann gegen Mann zu den Lieblingsdisziplinen vieler Spieler gehört.

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Pimp your World
Positiv anzumerken ist der mitgelieferte und einfach zu bedienende Level-Editor, mit dem Spieler kinderleicht Maps und Quests erstellen können.

»Iron Lore« verspricht sich davon eine große Mapper-Community, die für unzählige neue Karten sorgen soll. Dieser Plan könnte durchaus aufgehen und somit ein Trost für alle Fans sein, die sich ein PvP-System gewünscht haben. Wie der Editor von den Spielern angenommen wird, kann man wohl erst in einigen Wochen oder sogar Monaten beurteilen. Wir werden uns daher in absehbarer Zeit nochmals in der Community umsehen und euch die besten »Titan Quest« Maps vorstellen.

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»Iron Lore« verspricht sich davon eine große Mapper-Community, die für unzählige neue Karten sorgen soll. Dieser Plan könnte durchaus aufgehen und somit ein Trost für alle Fans sein, die sich ein PvP-System gewünscht haben. Wie der Editor von den Spielern angenommen wird, kann man wohl erst in einigen Wochen oder sogar Monaten beurteilen. Wir werden uns daher in absehbarer Zeit nochmals in der Community umsehen und euch die besten »Titan Quest« Maps vorstellen.