Ein Bildschirm in monochromen Grüntönen. Plattformen zum Herumspringen und eckige Blöcke, die in der Luft schweben. Ja, das kennen wohl die meisten von uns noch aus alten Tagen. Von Nintendos rüstigem Handheld-Rentner vergangener Zeiten: dem Gameboy. Und so beginnt auch Tiny & Big – mit einer Hommage an ein längst vergessenes Früher, als man nicht mehr brauchte als ein Steuerkreuz und zwei Tasten. Reicht doch völlig.

Aber: Das Spiel ist nicht veraltet, wie manch einer glauben könnte, und auch nicht reduziert auf den wehmütigen anfänglichen Eindruck. Es ist eine dreidimensionale Umgebung, in der wir uns befinden. Und da kommt noch was hinzu. Genau genommen sind es drei Sachen, die man so nicht so schnell woanders findet und die „Tiny & Big: Grandpa's Leftovers“ - so der komplette Titel – zu dem machen, woran man sich in ein paar Jahren vielleicht noch mal kurz erinnert, wenn es um gute Rätselspiele geht.

Zuerst wird uns ein Enterhaken vorgestellt, mit dem der Protagonist Umgebungsteile zu sich ziehen kann. Das praktische Gerät hilft dabei, Sachen aus dem Weg zu räumen oder sie zu uns zu befördern. Für sich genommen ist das Greifwerkzeug allerdings nicht so lustig. Deswegen spendiert uns Black Pants einen Laser. Ja, einen Laser.

Tiny And Big In: Grandpa's Leftovers - Jäger der verlorenen Unterhose

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Das Spiel startet mit einer kleinen, witzigen Gameboy-Hommage.
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Mit dem Gerät wird niemand verletzt oder getötet, sondern die Umgebung manipuliert. Zeichnet man eine Linie in die Luft, feuert Tiny seinen Laser entlang dieser Linie und spaltet die Umgebung wie Moses das Rote Meer. Damit lassen sich zum Beispiel störende Felsen in mundgerechte Stücke zerkleinern, bevor sie den Regeln der Physik folgend runterpurzeln.

Als Hilfe hat Tiny noch einen schmissigen Raketenwerfer im Gepäck, mit dem er Geschosse an seine Umgebung heften und durch das Detonieren der Raketen alles ins Schwanken bringen kann, wonach ihm ist. Hat Tiny diese drei Geräte zu beherrschen gelernt, wechselt die monochrome Umgebung des Gameboys zur eigentlichen Spielgrafik. Tutorial bestanden.

Packshot zu Tiny And Big In: Grandpa's LeftoversTiny And Big In: Grandpa's LeftoversErschienen für PC kaufen: ab 12,48€

Die drei Werkzeuge braucht Tiny auch, um an die Unterhose seines Opas zu kommen, die sein Erzfeind Big geklaut hat. Völlig logisch. Er sucht die Unterhose seines Opas. Es ist ja bekannt, dass manche Männer auf Unterhosen stehen, aber bei Tiny handelt es sich nicht um einen Fetisch, sondern es geht um mehr.

Tiny And Big In: Grandpa's Leftovers - Bilder zum Indie-Knobler

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Die Unterhose hat eine große Bedeutung, die herauszufinden ich gerne euch überlasse. Eines sollte jetzt aber jedem Leser klar sein: Hier ist keine Blockbuster-Geschichte zu finden. Sämtliche Szenen werden augenzwinkernd und mit der nötigen Prise Humor präsentiert. Sieht man auch sofort am eigenwilligen Comicstil des Abenteuers.

Witziger Indie-Knobler, dem ein wenig die inhaltliche Entwicklung fehlt.Fazit lesen

Der Wiedererkennungswert ist sehr hoch, wenn auch die Grafik im Allgemeinen mit fortlaufender Spieldauer ziemlich eintönig wirkt. Die musikalische Begleitung allerdings ist sehr gut gewählt. Die im Soundtrack spielenden Bands sind zwar nicht berühmt, aber unheimlich begabt und die Entwickler haben alle Tracks auf die ganz eigene Atmosphäre des Titels abgestimmt. Und niemand redet, die Texte sind allesamt in Schriftform gehalten. Passend zum Comiclook. Besonders köstlich übrigens beim überheblich daherplappernden Radio, das Tiny begleitet. Ein Radio, ja.

Tiny And Big In: Grandpa's Leftovers - Jäger der verlorenen Unterhose

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Und entwickelt sich dann zu einem pfiffigen Knobler, der leider etwas zu leicht geraten ist.
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Wie spielt sich Tiny & Big? Es handelt sich um ein Rätselspiel, vergleichbar mit Portal. Es gibt auch keine Feinde außer Big, der hier und da auftaucht. Mit euren drei Werkzeugen zur Umgebungsmanipulation ebnet ihr den Weg zu Big, um an die wichtige, die eine Unterhose zu kommen. Fordernd wird das Spiel leider nie. Schade, denn das Potenzial wäre auf jeden Fall da.

Ein weiteres Problem ist die irgendwann einsetzende Eintönigkeit. Trotz der kurzen Spieldauer von nur ein paar Stunden kommt manchmal das Gefühl auf, die Passage schon zu kennen. Braid hat das Problem damit gelöst, dass manche Werkzeuge für die Rätsel erst im Laufe des Spiel freigeschaltet werden. Das ist bei Tiny & Big nicht der Fall. Alles bleibt, wie man es erwartet - man wird zu selten vom Spielablauf überrascht.