Zeit ist Geld, sagt man so schön. Dass dieses Sprichwort auch umgekehrt funktioniert, zeigt der Egoshooter „TimeShift“. Investiert ihr Geld, dürft ihr mit der Zeit herum spielen. Was der Titel vollmundig als Innovation anpreist, ist die Verquickung der besten Elemente aus „Max Payne“ und „Prince of Persia“.

Vom Stoppen der Zeit über das Anhalten bis zur Umkehr dürft ihr herum pfuschen, wie es euch beliebt. Ob das Spiel damit einen Platz an der Sonnenseite des Leben, nämlich eurem PC, verdient, haben wir für euch geprüft. Mit viel Zeiteinsatz, versteht sich.

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Das Spiel mit der Zeit ist wie das Spiel mit dem Feuer. Falsch eingesetzt kann es verheerende Folgen nach sich ziehen. Beweis gefällig? Dr. Aidan Krone, seines Zeichens genial-verrückter Wissenschaftler, kreiert nach jahrzehntelanger Forschung den ersten Zeitreise-Anzug. Als kleiner Möchtegern-Napoleon fällt ihm natürlich nichts Besseres damit ein, als ihn für die Erschaffung einer alternativen Realität zu nutzen. In dieser übernimmt er die Gewaltherrschaft einer gigantischen Metropole. Parallelen zum Nationalsozialismus und Faschismus mit inbegriffen.

TimeShift - Mit ausreichend Zeit zum Shooter-Erfolg? Dieser Sci-Fi-Kracher gibt Alles!

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Das ist er, der fiese TimeShift-Obermotz in seinem gigantischen Robot-Walker.
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Doch noch ist nicht alles verloren. Glücklicherweise existiert ein zweiter Suit. Und wie es das Heldentum nun mal erfordert, schnappt ihr, ein namensloser Professor, euch das Teil und reist dem übergeschnappten Krone hinterher. Was folgt, sind Auseinandersetzungen in bester Shooter-Manier. In und um die Zukunftsstadt Alpha District ballert ihr den Häschern des Despoten die Rüben ein, um schlussendlich auch ihm den Garaus zu machen. Leider ruft „TimeShift“ nur einen Bruchteil des schier grenzenlosen Zeitreisepotenzials ab. Schließlich seid ihr nur in einer einzigen, futuristisch anmutenden Epoche unterwegs. Sprünge in andere Zeitalter sieht das Spiel nicht vor.

Immer das gleiche mit den Shootern!

Kennt ihr einen Shooter, kennt ihr sie alle – trotz Zeitmanipulation trifft diese gewagte Aussage zum Großteil auch auf „TimeShift“ zu. Im Kern seines Codes ist das Programm ein typischer Vertreter der Sorte „Durch lineare Levels marschieren und am laufenden Band Feinde durchsieben“. Zumindest die Abwechslung wird groß geschrieben.

Packshot zu TimeShiftTimeShiftErschienen für PC, Xbox 360 und PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Während auf offiziellen Bildern stets nur dunkle Hinterhöfe zu sehen waren, schickt euch das Spiel in eine ganze Reihe von Umgebungen: Verwinkelte Fabrikhallen, ausgedehnte Eislandschaften, verwüstete Innenstädte, Hangars – allzu lange haltet ihr euch bei der Jagd auf Krone nirgends auf.

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Kurz die Zeit verlangsamt und schon sind coole Schnappschüsse im (Ab-)Flug ein Leichtes.
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Sehr schön vor allem, dass die Engine spielend sowohl mit engen Innenarealen als auch weitläufigen Außengebieten klar kommt. Und zwar mit bester Performance selbst auf Mittelklasse-Rechnern. Auflockernd hinzu kommen Passagen, in denen ihr hinter den Geschützturm fliegender Hightech-Zeppeline gesetzt werdet. Innovativ ist das damit verbundene „Moorhuhn“-Feeling sicher nicht. Zur Abwechslung der ansonsten monotonen Levelschlauch-Ballereien trägt es aber sehr wohl bei.

Zeit ist relativ

Dass „TimeShift“ schlussendlich nicht im Genre-Einheitsbrei untergeht, verdankt es den stimmig eingebundenen Zeitmanipulationselementen. Wie in „Stranglehold“, „Max Payne“ und ungefähr 3247 weiteren Shootern dürft ihr die Zeit verlangsamen, um Gegnern stets einen Schritt voraus zu sein. Schon klar, das ist mittlerweile kaum prickelnder als die alljährlichen Neuauflagen von EAs Sportspielen. Doch gemach, es wird noch spannender.

Der Zeit sei Dank! TimeShift minus die coole Zeitmanipulation wäre nur Genre-Mittelmaß.Fazit lesen

Ihr dürft die Zeit nämlich nicht nur langsamer ablaufen lassen, sondern auch gleich ganz anhalten. Das frisst natürlich mehr Energie als die Verlangsamung und kann folglich kürzer angewendet werden. Zum Ausschalten extrem schneller Feinde und zur Lösung bestimmter Rätsel - dazu mehr im nächsten Absatz - ist es allerdings äußerst ratsam. Netter Einfall der Programmierer: Steht die Zeit still, dürft ihr Widersachern die Knarre aus der Hand klauen.

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Auch an Geschütztürmen ist euer Ballerfinger hin und wieder gefragt. Waidmanns Heil!
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Sobald das Geschehen dann wieder normal weiter läuft, stehen die Burschen erst wie angewurzelt auf der Stelle, um kurz darauf in Panik zu verfallen und wegzulaufen. Weil’s so schön ist, stellen euch die Entwickler ergänzend eine dritte Möglichkeit zur Zeitbeeinflussung zur Verfügung. Und zwar dürft ihr wie der Prinz aus Persien das Geschehen rückgängig machen. Etwa, wenn ihr gerade ordentlich auf die Mütze bekommen habt. Ein Pappenstil ist „TimeShift“ trotzdem nicht. Die schiere Masse an Kontrahenten setzt selbst Shooter-Spezialisten zu.

Da sind wir den Jungs fast schon dankbar, dass sie nicht über den IQ eines Nobelpreisträgers verfügen. Flankentaktiken und sonstige Gruppenmanöver standen anscheinend nicht in den Trainingsplänen. Immerhin stürmen sie mutig voran und nehmen bei Beschuss Deckung. Keine KI-Glanzleistung also, aber auch kein peinlicher Komplettausfall.

Zeitkritische Rätselkost

Shooter haben des Öfteren Probleme damit, die spielerische Abwechslung hoch zu halten. „TimeShift“ stellt sich diesem Manko mit geschickt eingebundenen Rätseln auf Basis der Zeitkomponente. So müsst ihr den Moment beispielsweise anhalten, um über eine Wippe auf ein Plateau zu gelangen. Ohne Zeitstopp knallt das Kinderspielplatz-Utensil forsch auf den Boden und ihr steht im Matsch statt auf dem anvisierten Vorsprung. Gerne genutzt wird der Zeitstopp auch, um durch Elektroblitze oder Flammenmeere laufen zu können. Im unbeweglichen Zustand sind diese nämlich völlig ungefährlich.

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Solch schick inszenierte Zwischensequenzen sind leider Mangelware. Meist sind trockene Textbriefings an der Tagesordnung.
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Ein Beispiel auch für den Einsatz der Rückspulfunktion: In einer Fabrikhalle werden leere Kisten von einem höher gelegenen Raum per Greifarm auf ein Laufband gestellt und dort in Einzelteile zerlegt. Zum Weiterkommen müsst ihr unbedingt zum Herkunftsort der Boxen gelangen, eine Leiter oder ein Aufzug existieren nicht. Was also tun? Ganz einfach: Sobald auf dem Laufband eine Kiste auseinander genommen wird, stellt ihr euch hinein und spult die Zeit zurück. Nun fügt sich der Transportbehälter wie von Geisterhand zusammen und nimmt den Weg zurück zu seinem Ursprung. Dort angekommen, aktiviert ihr wieder den Echtzeitmodus, tretet aus der Box heraus und setzt euren Weg fort.

Keine Angst, schwieriger wird es nicht, „TimeShift“ ist kein Shooter von „Portal“-Kaliber. Das Ballern steht eindeutig im Vordergrund. Dennoch fügen sich die kleineren Rätsel harmonisch ins Gesamtbild ein. Grund zur Kritik gibt allenfalls der mangelnde Variantenreichtum der Kopfnüsse. Immer wieder die Zeit anzuhalten, um Feuerquellen zu überwinden, wird auf Dauer monoton.

Groschenroman im Zeitreise-Szenario

Zweifelsohne hat „TimeShift“ mit dem Szenario und der Zeitmanipulation als elementaren Faktor enormes Potenzial. Umso ärgerlicher, dass der Titel dieses nur unzureichend ausnutzt. Die Spielmechanik als solche funktioniert wunderbar. Zeit anhalten, stoppen und zurückspulen geht flüssig von der Hand. Vor allem, weil eine Automatik auf Wunsch die jeweils optimale Funktion auswählt.

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Ein wild herumballernder Walker: ein Nichts im Vergleich mit euren Fähigkeiten!
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Auch die technische Seite weiß zu überzeugen. Detaillierte Charaktermodelle, hübsche Spezialeffekte und geschmeidige Animationen sorgen für freudig erregte Gesichtszüge beim Spieler. Das große Problem des Spiels liegt an anderer Stelle, und zwar beim Storytelling. Bei dieser besonders schwierigen Disziplin des Gamedesigns mussten die Entwickler augenscheinlich vor der zu Grunde liegenden Herausforderung kapitulieren.

Erinnert „TimeShift“ zu Beginn dramaturgisch noch stark den Klassenprimus „Half-Life 2“, fällt die Präsentation der Story bald komplett weg. Die Motive eurer Hatz nach Dr. Krone bleiben fast völlig verborgen. Missionsziele präsentieren sich zum Großteil in drögen Textbotschaften. Ausgefeilte Dialoge und überraschende Wendungen sind Mangelware. Hier ist den Programmierern trotz des um ein Jahr verschobenen Veröffentlichungstermins scheinbar die Zeit ausgegangen.