Endlich ein PS3-Freizeitvergnügen für Senioren wie mich: Ein bisserl auf dem Sofa dösen, zwischendurch die Fernbedienung zücken und junge Menschen über den Rasen scheuchen.

»Tiger Woods PGA Tour 07« ist zwar nur Par mit seinen Vorgängern, aber wenigstens nimmt es Altersheimaufenthalt (oder wegen Magen- und Darmgrippe verordnete Bettruhe) den Schrecken. Zumindest ein Spiel dieser virtuellen Form autogenen Trainings sollte jeder für den Notfall zu Hause haben.

Tiger Woods PGA Tour 07 - Golfplätze TrailerEin weiteres Video

Die seit 1998 existierende »Tiger Woods«-Serie ist in der Next-Generation angekommen. Zu bemerken ist davon wenig. Optisch bieten Golfplätze zwar naturgemäß wenig Sehenswertes, aber »Tiger Woods PGA Tour 07« unterbietet selbst die niedrigen Erwartungen. Es gilt »Rechts sind Bäume, links sind Bäume, und dazwischen Zwischenräume. In der Mitte fließt ein Bach! Ach!«. Will sagen, es herrscht die Einfallslosigkeit.

Tiger Woods PGA Tour 07 - Wenig Neues bietet die beste, weil einzige Golf-Simulation für die PS3.

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Rechts sind Bäume, links sind Bäume, und dazwischen Zwischenräume.
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Niemand möchte gewaltige Alientransporter oder dramatische Drachenangriffe auf dem Fairway. Aber wenn ich ohnehin nur Gras, Bäume und Zuschauer zu sehen bekomme, sollen die wenigstens überzeugen. Die 3D-Modelle stechen zudem heraus wie 2D-Bitmaps in antiken Billigshootern. Ihr Schattenwurf ist eine Katastrophe. Die groben, schwarzen Blöcke mit Treppeneffekt justiert das Programm erst auf den letzten Metern der Annäherung nach.

Mal ehrlich, beim Nachbau von lizenzierten Originalkursen brauchen die Entwickler lediglich die Hindernisse an die richtige Stelle zu klatschen - Zeit für deren Qualität hätte die Grafikabteilung also in rauen Mengen haben müssen.

Geld her, sonst keine Bewegung!
Vermutlich wurde diese vollständig auf die Bewegungsläufe der Spielercharaktere verwendet. Die sind nämlich erstklassig animiert (wenn auch wiederum nur mittelmäßig texturiert). Insbesondere Mr. Woods Gestik und Mimik wirken naturgetreu. Selbst seine teils realen, teils fiktiven Kollegen schneiden in der Beziehung prima ab. Um einen ähnlich attraktiven Eindruck zu hinterlassen, darf der Spieler für den eigenen, frei gestaltbaren Charakter mit im Laufe des Spiels gewonnen Geldes zusätzliche Animationen erwerben.

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Die Spieler sind hervorragend animiert.
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Soviel zu den Äußerlichkeiten. Die erwähnten Golfspieler unterscheiden sich ferner durch ihre Werte (von Schlagkraft bis zur Schnittfähigkeit) sowie ihrer Ausrüstung. Während erstere im Rahmen von gründlichen und vielförmigen Trainingseinheiten verbessert werden können, lässt sich letztere käuflich erwerben. Das Equipment steigert neben der Fotogenität die Attribute des Golfers. Wer hat noch nicht vom »Magischen Marketinggag der Schlagkraft +3« gehört? Die Kohle für namhafte Markenbasecap, -sportuhr oder -leinenhose spart ihr über Siegprämien zusammen, welche am Ende erfolgreicher Turniere stehen.

Hier bietet sich zum einen die bekannte »Tiger Challenge« an, in welcher ihr fiktiven, aber äußerst unterhaltsamen Typen gegenüber steht, bis ihr euch am Ende mit Tiger Woods messen dürft. Zum anderen erwarten euch im Rahmen der »PGA Tour Saison« in 16 Events fünfzehn echte Topspieler auf realen Kursen.

Platzlisten für Detailversessne
Da ich mich auf den Golfplätzen des RL in etwa so heimisch fühle wie ein Buckelwal beim Fallschirmspringen, kann ich euch zum Realismusgrad der zwölf Originalkurse wenig sagen. Enthalten sind jedenfalls Pebble Beach, TPC (Sawgrass), Pinehurst No. 2, Riviera CC, Turnberry-Ailsa, Carnoustie, Bandon Dunes, St. Andrews, Spyglass, Firestone CC, Glen Abbey, Canada und Princeville. Die Lizenzspieler nennen sich Tiger Woods, Reteif Goosen, John Daly, Vijay Singh, Chris DiMarco, Jim Furyk, Rich Beem, Adam Scott, Mike Weir, Justin Leonard, Luke Donald, Ian Poulter, Annika Sorenstam und Michael Campbell.

Falls ich eben unbemerkt südamerikanische Regieassistenten oder schwedische Pornodarstellerinnen aufgezählt haben sollte, sei mir das bitte verziehen. Aufgrund besagter Ignoranz gegenüber nicht-virtuellem Golf bevorzuge ich ohnehin die Widersacher der Tiger Challenge. Ob niedlich, sexy oder derangiert, hier schöpft EA Gottes-Zoo voll aus.

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Angriff der Klonkrieger...
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Außer Training und Turnieren bietet »Tiger Woods PGA Tour 07« zahlreiche Minispiele, traditionelle, arcade sowie online Modi. Erwähnt seien lediglich die seit 2006 hinzugekommenen Varianten Greensome, Bloodsome, Battle Golf und One Ball. Bei ersteren handelt es sich um interessante Teammatches, während bei letzteren einzeln gegeneinander angetreten wird. Battle Golf zeichnet sich dadurch aus, dass der Verlierer jeder Runde einen Schläger herausrücken muss. Bei One Ball spielen die Teilnehmer mit einem Ball, der unter Beachtung einer minimalen Schlagweite möglichst ungünstig Richtung Loch zu bugsieren ist. Wer einlocht, gewinnt.

Von Sticks und Sixaxis
Die Steuerung bei all diesen Aktivitäten funktioniert denkbar simpel. Während das Digitalkreuz die generelle Richtung vorgibt, drescht flüssiges Zurückziehen gefolgt von Vorandrücken des linken Analogsticks den Ball (hoffentlich) gen Green. Die Schlagauswahl zwischen Full, Punch, Pitch, Chip, Flop und Putt sowie des jeweiligen Golfknüppels bestimmen Reichweite, Flugbahn und das Nachrollen. Weiter muss der Wind und die Abschlagsposition (etwa Rough oder Sandbunker) berücksichtigt werden. Nimmt man nun noch Schnitt und Spin dazu - wahlweise auszuführen über Sticks oder Sixaxis - bietet »Tiger Woods PGA Tour 07« ausreichend Raum für Lernerfolge.

Nicht alle Schläge verhalten sich allerdings regelgetreu. Immer mal wieder berücksichtigt man zwar alle Faktoren und ist sich 100%ig sicher, den Schlag korrekt ausgeführt zu haben. Trotzdem trudelt der Ball unkontrolliert durch die Botanik.

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Trotz Sonnenuntergang keine Zeit für ne ruhige Kugel...
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Die laut Herstellerangaben »besten Golfkommentatoren, David Feherty und Gary McCord,« entsprechen dieser Willkür. Man muss sie sich als Äquivalente zu Delling und Netzer vorstellen. Ihre Bemerkungen über die Qualität der Schläge sind modular aufgebaut und passen selten zur Situation. Gerade bei abgefahrenen Glückstreffern krepiert ihre Wortgewalt jämmerlich. Abschlag vom Tee, der Ball trifft einen Stein, prallt ab, kommt neben dem Wasserhindernis auf, die physikalischen Gesetze drücken beide Augen zu, so dass er mit einem weiteren Sprung das feuchte Nass samt dahinter liegenden Sandbunker überquert und direkt neben dem Green zu liegen kommt. »Neben«, nicht »auf«. Das Meckern dieser Golfsport-Statler-und-Waldorfs ist damit wortwörtlich vorprogrammiert. Das Publikum seufzt enttäuscht. Dennoch lasse ich mir das extatische Durch-Den-Raum-Hüpfen und Krakeelen nicht nehmen, da die Runde bei dem Dusel selbstverständlich an mich geht.

Zu guter Letzt sei erwähnt: 2007 ruckelt auf der PS 3 nichts mehr (sei es auch wegen der erwähnt eintönigen, flachen Texturen und den geklonten Zuschauer-»Massen«). Keine »Selbstverständlichkeit«, wie sich Besitzer des Vorgängers auf der Xbox 360 schmerzhaft erinnern dürften.