Krieg wird sich niemals ändern – in Videospielen allerdings schon. Über die letzten Jahre haben sich ganz verschiedene Arten der Auseinandersetzung mit dem ältesten und blutigsten Kulturgut der Menschheit entwickelt. Manchmal stürmen wir Familienhäuser irgendwo im Nahen Osten, zielen in Zeitlupe auf russische Terroristen, die wir in ihrer U-Boot-Geheimbasis aufgestöbert haben oder steuern anonymisierte Soldatenheere auf antiken Schlachtfeldern ins Gefecht und laden Blood-Gore-DLCs herunter, um noch mehr Pixelblut spritzen sehen zu können. „This War of Mine“ geht einen ganz anderen Weg und macht diejenigen zu Protagonisten, die von anderen Spielen oftmals konsequent ausgeklammert werden.

Das unheimlich düster gezeichnete und visuell präsentierte Spiel beginnt ohne Eingewöhnungszeit oder Tutorial direkt dort, wo der Krieg zuletzt seine Spuren hinterlassen hat. Die Welt von Bruno, Pavel und Mina liegt in Trümmern und das Trio hat sich in eine große Hausruine gerettet, wo ihr Überlebenskampf nun von Tag zu Tag aufs Neue beginnen wird.

Bruno war vor der Katastrophe ein stadtbekannter Koch und wirkt nun mit seinem vollbärtigen, runden Gesicht und der etwas schief auf der Nase sitzenden Brille wie ein verlorener Maulwurf, der unsicher durch die Ruinen stolpert. Pavel, ein guter Freund von Bruno, ist das genaue Gegenteil: Footballspieler, sportlich und mit markanten Wangenknochen wartete auf den jungen Mann eigentlich eine strahlende Zukunft – doch ihn riss der Krieg aus seinem Leben, wie auch Bruno und Mina: Die junge Frau war einst Journalistin und leidet seit Tagen an einem schweren Husten.

This War of Mine - Die schreckliche Fratze des Krieges

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Die Stimmung des Spiels ist düster und melancholisch.
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Ihr zu helfen wird die erste Aufgabe der kleinen Gruppe sein, denn in den apokalyptisch wirkenden Häuserschluchten kann aus einer kleinen Erkältung ein lebensbedrohlicher Infekt werden. Wir planen, Pavel in der Nacht in die Nachbarschaft zu schicken und nach Vorräten zu suchen. Bis dahin packt allerdings die kleine, verschworene Gruppe gemeinsam an, durchsucht die Schränke und Schubladen der heimischen Ruine und kann nach einiger Zeit nur wenig Brauchbares vorweisen.

Aus dem gefundenen Material baut Bruno ein Bettgestell, auf dem zumindest einer Überlebenden nachts schlafen und sich deutlich besser erholen kann als der Rest der Gruppe, der auf dem Boden liegen muss. Damit sind die Materialvorräte allerdings auch schon erschöpft und wir warten auf die Nacht.

Während Mina im Bett schläft und Bruno übermüdet Wache hält, machen wir uns an Pavels Seite schleichend auf den Weg in die Nachbarschaft: Wir stoßen auf das Haus eines alten Ehepaares, die einige Vorräte vor dem Krieg retten konnten und nun in ihrem Wohnzimmer sitzend über das Abendessen sprechen. Es liegt nun an uns, ob wir die beiden wehrlosen Rentner bedrohen und ihnen das Essen stehlen oder ob wir mit leeren Händen zurückkehren.

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„This War of Mine“ stellt den Spieler regelmäßig vor derartige Dilemma und sorgt für ein dauerhaftes Unwohlsein in der Magengegend. Die Soundkulisse, die die verzweifelte Situation der Menschen hervorragend einfängt, wird nur dann von klassischer Musik durchbrochen, wenn es euch gelingt, ein Radio zu reparieren oder herzustellen. Diese Momente gehören zu den wenigen Momenten, wo über euer Gesicht und das der kleinen Gruppe ein flüchtiges Lächeln huscht.

Hinter dem bisher wirklich überzeugendem und mitreißendem Gewand aus moralischem Dilemma und die persönlich erzählten Einzelschicksale steckt eine gut durchdachte Wirtschaftssimulation, bei der die entscheidenden Faktoren die Überlebenden selbst sind. Die richtige Einteilung der spärlichen Ressourcen und das Errichten eines funktionierenden Wirtschaftskreislaufes stehen an erster Stelle der postapokalyptischen To-Do-Liste und hier wird sich entscheiden, wie langzeitmotivierend „This War of Mine“ wirklich sein wird.

Packshot zu This War of MineThis War of MineErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Wird es irgendwann möglich sein, die perfekt organisierte und selbstversorgende Hausgemeinschaft zu erschaffen, die Rückschläge gut wegstecken und neue Menschen problemlos aufnehmen und versorgen kann? Oder sorgen die Zufallsereignisse wie Überfälle und Unfälle dauerhaft für Abwechslung und den gewissen Faktor X? An diesen Fragen wird sich der Spielspaß von „This War of Mine“ messen lassen müssen.