Krieg ist niemals fair. Diese bittere Wahrheit musste ich lernen, als sich Marko, ehemaliger Profi-Sportler und Familienmensch, über ein flehendes Seniorenpaar beugte. „Bitte, nimm uns nichts weg!“, flüstert der Großvater mit erstickter Stimme, von der Frau kommt nur ein leises Wimmern. Marko muss entscheiden. Ich muss entscheiden. Soll meine wartende Gruppe Überlebender mit hungrigem Magen, aber gutem Gewissen schlafen gehen? Soll Marko das Paar ausrauben und so zwar sein Gewissen belasten, aber auch seinem Freund Bruno die dringend benötigte Medizin mitbringen?

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Schließlich nehme ich nur ein paar Vorräte mit und lasse dem Paar einige Medikamente und etwas Brot zurück. Nicht viel, aber genug, um mein Spielergewissen zu beruhigen – Marko hingegen sieht das anders. Geplagt von Depressionen muss sich die Gruppe nun ganz besonders viel um ihn kümmern – dabei wird eigentlich jede helfende Hand für Ausbesserungsarbeiten in der häuslichen Ruine benötigt.

Spiel ohne Spielspaß

Völlig unkonventionell geht This War Of Mine mit einer Kriegssituation um, die wir in anderen Spielen bereits mehrfach kennengelernt haben: Doch statt dieses Mal blind Befehlen folgend durch Schützengräben, Massenschlachten oder futuristische Kampfgebiete zu rennen, kümmern wir uns nun um Einzelschicksale. Keiner der Überlebenden eurer Gruppe möchte Menschen töten oder bedrohen, die meisten werden es früher oder später allerdings tun müssen. In unserem Interview mit den Entwicklern erfahrt ihr mehr über die Hintergründe von This War Of Mine.

So ungewöhnlich diese beklemmende Gefühlswelt ist, so konventionell gestaltet sich das Genre, in das This War Of Mine spielerisch eingebettet ist: Auf seinen Kern heruntergebrochen steckt in dem Antikriegsspiel eine handfeste Wirtschaftssimulation. Ihr müsst Lebensmittel gut einteilen, eine für euch optimale Größe an Überlebenden erreichen und halten, sowie nach und nach fortgeschrittenere Objekte anfertigen, die euch Zugang zu neuen Rohstoffen verschaffen. Dieser so nüchtern klingende Teil des Spiels ist motivierend und wird durch Zufallsereignisse, wie Raubüberfälle in der Nacht, nicht langweilig.

This War of Mine - Ein wahres Anti-Kriegsspiel

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Die Schicksale der Individuen gehen dank der lebensnahen Inszenierung tief unter die Haut.
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Stattdessen seid ihr immer versucht, die "Produktionswege" zu perfektionieren und alle Mitglieder eurer Gruppe optimal einzusetzen und in den richtigen Momenten zu schonen - die Realität des Krieges, die mit Depressionen, Stimmungsschwankungen und Krankheiten um sich wirft und unberechenbar bleibt, macht euch allerdings oft genug einen Strich durch diese Rechnung, die nur in langweiliger Routine enden würde.

Apropos Nacht: Hier wandelt sich das Spiel regelmäßig zum wahren Überlebenskampf. Während ihr tagsüber mit dem Verarzten eurer Verwundeten und dem Ausbau eurer Unterkunft beschäftigt seid, müsst ihr nachts aktiv werden. Wen schickt ihr auf die Suche nach Vorräten? Wer soll daheim die Schlafenden bewachen und schützen? Wer bekommt welche Waffe?

Packshot zu This War of MineThis War of MineErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Erst, wenn ihr all diese Fragen beantwortet habt, dürft ihr euer Zielobjekt, das ihr aufgrund einer besonders vielversprechend klingenden Kurzbeschreibung ausgewählt habt, aufsuchen. Dann heißt es: Leise sein. Je nach aufgesuchtem Ort sind die anwesenden Bewohner nicht an Handel interessiert und reagieren direkt feindselig. In anderen Fällen trefft ihr auf Hilfsbedürftige, die sich euch anschließen wollen und versuchen, sich mit ihren besonderen Fähigkeiten einzuschmeicheln. Natürlich könnt ihr jede helfende Hand gebrauchen – allerdings ist ein weiterer Magen, der gefüllt werden muss, eine echte Belastungsprobe für eure Gruppe.

This War of Mine - Ein wahres Anti-Kriegsspiel

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Der Sidescroller vermischt die soliden Spielelemente einer Wirtschaftssimulation mit nächtlichen Schleicheinlagen.
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Laut Entwicklern ist ein Spiel nach 25 bis 40 Spieltagen beendet, da spätestens dann der Krieg beendet und eure Gruppe in Sicherheit ist. Ich allerdings war noch weit nach dem 50. Tag mit dem knallharten Überlebenskampf beschäftigt und wurde von immer größer werdenden Banditenhorden allmählich aufgerieben, obwohl ich mein Zuhause mittlerweile mit schweren Holzverkleidungen möglichst einbruchssicher gemacht habe. Krieg ist nicht fair, This War Of Mine auch nicht – aber motivierend ist es trotzdem.

Man erlebt unheimlich viele kleine Geschichten im harten Alltag der Kriegsopfer, die so manches AAA-Studio nicht hätten besser inszenieren können – und durch den Zufallsfaktor bietet dieses bisher einzigartige Antikriegsspiel einen sehr hohen Wiederspielwert.