Irgendwer vergaß mir offenbar zu stecken, dass die Woche der Retro-Revivals geschlagen hat. Gestern erst kam unsere Rezension zum gefühlten Banjo-Kazooie-Sequel Yokaa-Laylee, dessen Einleitungstext auch an dieser Stelle stehen könnte, so von wegen Crowdfunding, Retro-Genre und so weiter. Thimbleweed Park aus der Feder des Gurus alter Point-and-Click-Adventures mit Namen Ron Gilbert, tut aber nicht nur so, als ob er alten Traditionen nacheifere. Abseits einiger Kleinigkeiten tischt er absolut stiltreue Ware auf.

Thimbleweed Park - Announcement Trailer - gamescom 2015

Ein einziger kurzer Blick auf den Grafikstil und die Bedienelemente von Thimbleweed Park ist bereits aufschlussreich genug, um erhofftes Spielgefühl, humoristischen Ansatz und Art der Handlung abschätzen zu können. Point and-Click-Abenteuer des einst gefeierten Studios Lucasfilm Games hinterließen in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren einen derart stilsicheren Eindruck, dass ihr Fehlen in den Jahren darauf eine gigantische Lücke hinterließ.

Kann man gut mit Disco-Musik aus den 70ern vergleichen oder mit den Hey-Days eines Michael Jackson. Man muss die Musik nicht zwingend mögen, aber niemand kann ihren epochalen Einfluss und ihren Wiedererkennungswert abstreiten. Thimbleweed Park erinnert so stark an frühere Hits der Marke Maniac Mansion, The Secret of Monkey Island, Indiana Jones 4, Zak McKracken und Day of the Tentacle (Maniac Mansion 2), dass jede Anspielung, jeder Kameo-Auftritt und jeder grafische Hinweis darauf beinahe über das Ziel hinaus schießt.

Thimbleweed Park - Ein Achtzigerjahre-Adventurino

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Man findet kaum ein Bild ohne Anspielung auf Maniac Masnion oder andere frühere Lucasfilm-Adventures
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Eine Hommage an alte Adventures

Von diesen Hinweisen auf frühere Hits der Lucas'schen Spielfabrik gibt es in Thimbleweed Park jede Menge. Zu viele, um sie alle aufzuzählen. Völlig egal, wie subtil oder offensichtlich sie platziert wurden, sie nicht zu bemerken, scheint geradezu unmöglich.

Ich will nicht zu viel über die Handlung des Spiels verraten, daher bleibt mir nur der kurze Hinweis, das dies absolut bewusst eingefädelt wurde und auch im Laufe des Spielgeschehens Sinn ergibt. Das ist allerdings nicht gleich ersichtlich, denn die Rahmenhandlung dreht sich zu Beginn um einen Mord nahe eines verschlafenen Nestes inmitten der USA, dem zwei Bundesagenten nachgehen.

Packshot zu Thimbleweed ParkThimbleweed ParkErschienen für Android, iOS (iPad / iPhone / iPod), PC und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Ihr als Spieler geht den Hinweisen dieses Verbrechens in klassischer Manier der alten „Scumm-Engine“ nach. Sprich: ihr steuert keinen der Protagonisten durch direkte Eingaben, sondern Anhand von Befehlen, deren Verben am unteren Bildschirmrand stehen. Typische Handlungsaufforderungen lauten somit „Öffne Kühlschrank“ oder „Benutze Wasserglas mit Mikrowelle“. Lediglich der Befehl, an eine bestimmte Stelle zu laufen, unterliegt dem Standard-Linksklick der Maus. Ansonsten funktioniert alles wie anno 1987. Links unten stehen die Verben, rechts unten das Inventar, also Gegenstände, die unsere Hauptfigur während des Abenteuers auflesen konnte. Die Zusammenstellung geschieht per Mausklick.

Ein Hauptdarsteller? Verzeiht, derer sind fünf vorhanden. Zwei Bundesagenten und drei verdächtige Stadtbewohner, die mal mehr und mal weniger schrullig daherkommen und anhand ihrer Persönlichkeit das Wesen des Thimbleweed-Dörfchens offenbaren. Die beiden Bundesagenten Rey und Reyes erinnern nicht zufällig an Scully und Mulder aus Akte X, auch wenn das einem leichten Stilbruch gleichkommt, weil Akte X erst Mitte der 90er bekannt wurde - also lange nach dem Jahr 1987, in dem die Handlung des Spiels ansetzt. Kann man aber verzeihen, denn der Ursprung vieler anderer Andeutungen und Stilmittel ist ebenfalls in diesem Rahmen zu finden. Etwa Charaktere und Scherze, die auf die Mystery-Serie Twin-Peaks anspielen, oder Fragen eines Pop-Quiz im Radio, die 1987 noch nicht hätten beantwortet werden können.

Thimbleweed Park - Ein Achtzigerjahre-Adventurino

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Ein guter Ermittler lässt sich auch vor ekligen Schauplätzen nicht abschrecken.
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