Obwohl (oder gerade weil?) ihr nie der große finanzielle Verkaufserfolg beschieden war, ist die Thief-Serie heute Kult. Quasi über Nacht (haha!) brachte der erste Teil das Schleichen in die bis dato eher actionorientierten Ego-Titel. Ohne Thief hätte es Spiele wie Splinter Cell oder Assassin’s Creed vermutlich nie gegebenen.

Nach dem Aus von Entwickler Looking Glass kündigte Eidos Montreal vor einiger Zeit überraschend den vierten Teil der Serie offiziell an. Fans hoffen nun, dass die Zeit mittlerweile reif ist für derlei anspruchsvolles Gameplay. Mit unseren britischen Kollegen von IncGamers haben wir General Manager Stéphane D’Astous vors Mikrofon gezerrt.

This interview is also available in English at incgamers.com.

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gamona: Lange Zeit war es nur ein Gerücht, doch seit Kurzem ist es offiziell angekündigt. Wie fühlst du dich?

Stéphane D’Astous: Du kannst mir glauben: Es ist eine Erleichterung! Wir haben fünf oder sechs Monate am Konzept gearbeitet, das vor ein paar Wochen in einem finalen Treffen in Montreal von der Chefetage abgesegnet wurde. Danach konnten wir es endlich offiziell ankündigen.

Wir wollten vorab bereits ein wenig das Interesse schüren, daher haben wir ein paar Hinweise und Andeutungen gestreut, indem wir sagten, dass wir an zutiefst klassischen Spieleserien arbeiten. Die ersten beiden davon sind nun bekannt.

gamona: Wie weit seid ihr schon im Entwicklungsprozess?

Thief - Die Rückkehr der Kultserie: erste Infos

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Tödliche Schatten: Da es aus Thief 4 noch keine Screenshots gibt, müsst ihr mit Teil 3 Vorlieb nehmen.
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Stéphane D’Astous: In der Welt der Spieleentwicklung gibt es hauptsächlich drei Phasen: Konzept, Vorproduktion, Produktion. Wir haben nun unsere Ziele in der Konzeptphase erreicht und die Story soweit fertig. Offensichtlich kommt der schwere Teil erst noch, daher wird das Team nun aufgestockt. Trotz all der schlechten Nachrichten aus der Finanzwelt, geht es mit dem Spielebusiness weiter aufwärts – besonders hier in Montreal! (Anm. d. Red. Ubisoft Montreal ist das weltgrößte Entwicklerstudio und der größte Arbeitgeber in der Millionenmetropole Montreal.)

Daher werden wir wohl schätzungsweise 40 Leute in den nächsten sechs Monaten einstellen: Grafiker, Programmierer, Designer usw. Damit wird die Phase Vorproduktion eingeläutet – es ist also noch zu früh, um nach einem Veröffentlichungstermin zu fragen.

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gamona: Aber kannst du schon mal die Plattformen verraten, auf denen Thief 4 erscheinen wird?

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Die Thief-Serie genießt bis heute Kultstatus.
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Stéphane D’Astous: Nein. Die Welt der Hardware dreht sich so schnell, es kann so Vieles passieren, bis das Spiel in ein paar Jahren erscheint. Und wir müssen für alles offen sein, was noch kommt. Das Einzige, was wir bis dato präsentieren können, ist das Logo, auf das wir sehr stolz sind, weil es respektvoll mit dem Erbe dieser legendären Serie umgeht. Aber sobald es neues Material gibt, werden wir es natürlich sofort veröffentlichen.

Die Community ist sehr wichtig

gamona: Habt ihr auch Mitarbeiter aus dem alten Looking-Glass-Team mit an Bord, das an der Original-Trilogie von Thief gearbeitet hat?

Stéphane D’Astous: Das nicht, aber wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Seit wir vor ein paar Jahren mit Deus Ex 3 begonnen haben, stehen wir in ständigem Kontakt mit einigen Leuten aus dem Looking-Glass-Team. Die meisten davon leben in Texas und haben dort ihr eigenes Leben und eigene Projekte. Für Eidos Montreal haben wir unser eigenes Team aufgebaut, das zu großen Teilen bereits an anderen richtig großen Titeln gearbeitet hat, beispielsweise der Rainbow-Six-Serie, Prince of Persia, Splinter Cell und vielen mehr.

gamona: Ich habe gehört, dass ihr genau die Foren beobachtet, um herauszufinden, was die Fans von Thief 4 erwarten. Macht ihr eher ein Spiel, das jeder erwartet, oder beharrt ihr auf neuen, euren eigenen Ideen?

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Eidos Montreal arbeitet auch an Deus Ex 3.
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Stéphane D’Astous: Wieder einmal haben wir viel aus der Deus-Ex-Entwicklung gelernt. Die Communities dieser beiden Spiele haben klare Vorstellungen und verteidigen ihre Ansichten vehement – und sie sind sehr aktiv! (lacht) Wir hören jedenfalls sehr genau hin. Daher wollte ich auch in der frühesten Phase der Entwicklung sofort ein Forum online bringen, weil ich den Leuten eine Plattform geben möchte, wo sie ihre Wünsche und Erwartungen anbringen können und uns verraten, was sie in einem neuen Thief mögen oder nicht mögen würden.

Wir haben zwar schon mit den Arbeiten begonnen, aber es ist sehr wichtig für die Entwickler, nah an der Community zu sein. Wir hören auf die Fans, und wir wollen die Serie auf ein neues Level bringen. Die Herausforderung ist riesig!

gamona: Machst du dir Sorgen, es nicht allen recht machen zu können?

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"Ein Klassiker bleibt ein Klassiker."
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Stéphane D’Astous: Das kannst du nie. Hardcore-Fans wie in diesem Falle sind immer sehr protektionistisch und lautstark. Wir verstehen das, und ermutigen sie sogar, ihre Meinung kundzutun. Daher strengen wir uns auch besonders an, das Spiel auf ein neues Level zu bringen. Es ist echt eine Herausforderung, die alten Fans zu begeistern, aber wir wollen die Serie auch neuen Fans zugänglich machen – das ist die eigentliche Herausforderung. Wir werden nicht 100% aller Fans zufrieden stellen können, aber wir tun unser Möglichstes, einen Kompromiss zwischen allen Stühlen zu finden.

gamona: Das letzte Thief-Spiel liegt bereits ziemlich genau fünf Jahre zurück. Wie wollt ihr neue Spieler heutzutage für die Serie begeistern?

Stéphane D’Astous: Ein Spieleklassiker bleibt immer ein Klassiker. Das ist ähnlich wie mit Filmen: Ein 20 Jahre alter Film, wenn er gut ist, ist auch heute noch gut. „2001: Odyssee im Weltraum“ zum Beispiel oder Blade Runner wurden vor Jahrzehnten gemacht, aber sie sind immer noch herausragend. Das ist der Kernpunkt: Die Essenz und die Seele der beiden Serien Thief und Deus Ex sind heute noch so stark wie eh und je. Nun müssen wir sie an den Stand der Technik anpassen und vor allem an die Weiterentwicklungen im Spieldesign: Starke Charaktere sind heutzutage wichtig, ebenso die Story. Aber im Grunde bleibt ein gutes Spiel ein gutes Spiel.

Garrett und Gameplay

gamona: Das Gameplay ist mindestens ebenso wichtig. Wie sieht es damit aus?

Stéphane D’Astous: Leider darf ich darüber noch nicht viel sagen. Vielleicht beim nächsten Mal…

gamona: Dann vielleicht über die Hintergründe? Sind wir wieder in derselben Stadt?

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Ob Garrett wieder mit dabei ist?
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Stéphane D’Astous: Setting, Charaktere, Story, Features – alles, was konkret mit dem Spiel zu tun hat, darf ich noch nicht verraten. Was ich sagen kann, ist, dass die Leute angenehm überrascht und beeindruckt sein werden. Innovationen und Originalität sind sehr wichtig, und ich glaube, sie tun der Serie gut. Es wird einen frischen Look und neue Ansätze geben. Wir respektieren natürlich das Erbe und den Geist der alten Spiele, aber die Neuerungen werden definitiv interessant sein.

gamona: Die wichtigste Frage für viele Fans: Wird Garrett wieder mit dabei sein?

Stéphane D’Astous: Guter Versuch! (lacht) Nochmal: Setting, Charaktere, Story, Features – auf all die schönen Fragen muss ich dir leider die kalte Schulter zeigen. Befehl von ganz oben! (lacht)

gamona: Wenn du uns nichts Konkretes verraten kannst, dann sag uns doch, welche Spiele dich zu den erwähnten Neuerungen inspiriert haben.

Stéphane D’Astous: Wenn ich zuletzt mal Zeit hatte, dann habe ich viel Assassin’s Creed, Splinter Cell und solche Sachen gespielt, um zu verstehen, welches Geheimnis diese Spiele so gut macht.

gamona: Und welches ist dieses Geheimnis?

Stéphane D’Astous: Ich glaube, das Wichtigste ist, dass sie originell sind. Originalität schlägt immer ein. Wir werden den Grundpfeilern dieser Spiele jedenfalls sehr viel Aufmerksamkeit widmen: Storytelling, Charaktere, Setting usw. Das alles macht echte Qualität aus.

gamona: Stéphane, vielen Dank für das Gespräch.