Die vierte und vorletzte Episode “In Sheeps Clothing” bereitet den Weg für ein gigantisches Finale in Fabletown: Plotlöcher werden gefüllt, Charaktere zusammengeführt und die Konflikte heftiger, emotionaler. Was zunächst noch auf dem Papier gut klingt, beschert dem Wolf Among Us allerdings in der Realität die bisher schwächste Episode.

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Um euch den maximalen Spielspaß an Telltales interaktiver Märchenreihe zu ermöglichen, soll auf eine Zusammenfassung der Geschichte mit allzu vielen Details verzichtet werden. Stattdessen lassen sich die bisherigen Geschehnisse der vergangenen und aktuellen Folge spoilerfrei folgendermaßen zusammenfassen: Och nö.

„Och nö.“

Nach drei Episoden, die die Detektivarbeiten des Protagonisten und Sheriffs Bigby Schritt für Schritt bei der Aufklärung mysteriöser Mordfälle in Fabletown begleitet haben, bahnte sich beim Abspann der neuen Folge ein etwas enttäuschtes „Och nö“ seinen Weg aus meinem Mund.

The Wolf Among Us - Episode 4: Wolf in Sheep's Clothing - Gemächlicher Spaziergang auf der Zielgeraden

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Bigby auf der Suche nach der richtigen Balance.
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Während die zweite Staffel von The Walking Dead zusehends schwächer und unglaubwürdiger wurde, stürzte ich mit umso größerer Begeisterung auf den kleinen Bruder im benachbarten Spieleuniversum, der die Stärken der Abenteuer rund um Lee und Clementine mit spannenden Ermittlungen, einem tollen Look und interessanten Charakteren verband.

Folge für Folge wurden immer wieder neue Möglichkeiten gefunden, wiederkehrende Sequenzen wie Befragungen oder Gespräche interessant zu inszenieren und die richtige Balance zwischen Actionsequenzen und Recherche zu wahren. „In Sheeps Clothing“ wirkt hingegen wie ein großer gemischter Resteauflauf aus bereits bekannten Stilmitteln und einer unausgeglichenen Balance.

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Ein Aufeinandertreffen mit der neu vorgestellten Mary fehlte schmerzlich.
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Erneut ist Bigby wieder an verschiedenen Tatorten unterwegs, wird allerdings kaum vor weitreichende Entscheidungen gestellt, die mir in den letzten Episoden noch echtes Kopfzerbrechen bereiteten. Erneut kommt es zu einem wuchtigen Kampf mit einem Fable, der aber weder fordernd noch allzu spannend inszeniert ist. Stattdessen schlägt The Wolf Among Us einmal kräftig mit der Dialogkeule um sich und beschäftigt uns für satte 90 Minuten fast ausschließlich mit dem Führen von Gesprächen.

Nicht schlecht, aber enttäuschend.Fazit lesen

Notwendiges Übel

Das ist grundsätzlich nicht schlecht, da die Gesprächssequenzen den Kern der Telltale Spiele bilden. Allerdings fühlt sich Bigby mittlerweile ungeschickt an, wenn er aus dem Pool der nicht mehr ganz so vielseitigen Antwortmöglichkeiten auswählen muss und Gespräche gegen unseren Willen in bestimmte Bahnen lenkt. Gleichzeitig kam es mir so vor, dass ein engelsgleiches Verhalten mir in JEDER Situation die meisten Informationen bescheren konnte - ein schwerer Schlag für ein eigentlich so ambivalentes Spiel wie The Wolf Among Us. Doch damit nicht genug: Nach einigem Herumprobieren bemerkte ich, dass diese Idealantwort in einem Gespräch nahezu immer mit einer bestimmten Controllertaste fest verbunden ist.

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Eins von vielen Beispielen: In diesem Gespräch verhält sich Bigby merkwürdig ungeschickt und zwingt das Gespräch in eine bestimmte Richtung.
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Bei all der Enttäuschung, die sich nach der vierten Episode angestaut hat, muss allerdings auch einmal das größere Ganze betrachtet werden: Das Team von Telltale Games stand vor der Aufgabe, vor dem Finale offene Plotlöcher zu füllen, Charaktere aufeinandertreffen zu lassen und alles für das (hoffentlich) pompöse Finale vorzubereiten. Diese Aufgabe bewältigt „In Sheeps Clothing“ sehr gut, lässt allerdings auch die spielspaßgarantierende Balance der Gameplayelemente, die bisher gegeben war, deutlich vermissen. Es sieht ganz so aus, als würde die finale Episode die Qualität der gesamten Staffel bestimmen - hoffen wir, dass das gut geht.