"Kontrapunkte dieses Titels sind technische Macken. Propunkte pure Liebe der Entwickler zu ihrem Spiel und ihrer Welt." - Heiner Gumprecht

Die große Welt mag in einzelne Abschnitte unterteilt sein, die sich nur per Schnellreise gegenseitig besuchen lassen, doch atmen diese pures Leben. Die Lichtsetzung, der Wetterwechsel, die vielen kleinen Details und vor allem die grandiose Charaktertiefe, welche die einzelnen Figuren offenbaren, machen den Abstecher in Geralts Welt zu einem vollkommen anderen Erlebnis als bei anderen Rollenspielen. Im äußerst positiven Sinne.

The Witcher 3: Wild Hunt - Plötze-DLC (April, April)28 weitere Videos

Diese Welt ist dreckig und ehrlich zugleich. Packend, komplex und von bitterer Schönheit. Doch es gibt auch Abzüge, die dem Spielspaß der Nagel im Bein sind. Clippingfehler, Doppelgänger-Gesichter, doppelt, dreifach und vierfach verwendete Synchronsprecher. Wenig sollte man sich aus der Nähe ansehen, da es sonst seine pixelige Hässlichkeit offenbart. Und der Tagesablauf der NPCs wirkt alles andere als real, echt oder wie immer ihr es nennen wollt. Sie wirken wie Gefangene, ohnmächtig eigener Entscheidungen und Möglichkeiten (Badumm!), immer in der gleichen Routine gefangen. Spielende Kinder auf den Straßen, um zwei Uhr Nachts, im strömenden Regen? Verzeiht, aber das haben wir schon besser gesehen.

Außerdem neigen vor allem die Hexer-Aufträge zu Eintönigkeit. Spuren lesen und diesen folgen mag ja einigermaßen aufregend sein und vor allem mit den vielen verschiedenen Monstertypen gewisse Abwechslung versprechen, doch auf Dauer sind die Questschreiberlinge etwas überfordert gewesen. Die Möglichkeit, verschiedene Entscheidungen zu treffen - die sich stark auf die Welt und Folgequests auswirken - haben zu teils langweiligen Verläufen geführt.

Doch diese Kontrapunkte stehen in keinem Verhältnis zu den positiven Aspekten dieses Titels. Ein komplexes Kampfsystem. Viele Rüstungen, Schwerter, Öle, Tränke, Bomben und und und. Es gibt unfassbar viel zu entdecken und tun. Es wirkt alles so stimmig. So echt. Eine Fantasywelt so nah an der unseren. Dreckig und traurig real. Das Wetter- und das Tag-/Nachtsystem laufen flüssig und offenbaren viele kleine Details, an die andere Entwickler nicht einmal denken. Die Fahnen und Bäume, die der Wind peitscht. Der Rauch über Feuerschalen, wenn es regnet. Der Dreck in den Gossen. So viel. So schön. So hässlich.

Ihr müsst es bestenfalls selbst erlebt haben. Worte beschreiben es nicht annähernd so, wie dieser Titel es verdient hätte. „The Witcher 3: Wild Hunt“ macht vieles besser und einiges schlechter als seine direkte Konkurrenz. Unterm Strich kann man aber den Fazitsatz stehen lassen: "Kontrapunkte dieser Welt sind technische Macken. Propunkte pure Liebe der Entwickler zu ihrem Spiel und ihrer Welt.".

Für Einsteiger wird es dieses Mal jedoch deutlich schwerer als noch in Teil 2. Ihr werdet mit Namen und Orten und geschichtlichen Hintergründen bombardiert, fast schon erschlagen. Vorkenntnisse sind zwar nicht nötig, aber sehr hilfreich.

Ihr wollte eine zweite Meinung? Lest den Test zu The Witcher 3: Wild Hunt auf GIGA.

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Pro

  • Gut 100 Stunden Spielspaß
  • Umgebungs- und Wetterbedingte Gespräche
  • Verboten viele Quests und Nebenaufgaben
  • Tolle Mimik
  • Komplexes Kampfsystem und tolle Kampfanimationen
  • Viele bewegliche Einzelteile/Gegenstände
  • Viele, viele Miniaufgaben und Begegnungen
  • Weitgehend gute bis sehr gute Synchronsprecher
  • Viele Rüstungen, Tränke, Schwerter, Schemata, Öle, usw.
  • Viele Monstertypen; neue wie alte
  • Wunderschönes Wettersystem und Tag-/Nachtwechsel
  • Figuren haben Tiefgang und echte Persönlichkeit
  • Grafisch absolut rundes Gesamtpaket mit Wow-Effekt
  • Viele Entscheidungsmöglichkeiten, die die Welt und die Quests verändern
  • Wunderschöne Welt mit viel Liebe zum Detail
  • Sehr komplexe und äußerst gut geschriebene Geschichte

Contra

  • Teils unübersichtliches, hakeliges Menü (auf Konsole)
  • In der Nahansicht sieht vieles sehr pixelig aus
  • Einige böse technische Schnitzer
  • Das "Bla Bla" der NPCs wiederholt sich deutlich zu oft und zu schnell
  • Wenige Antwortmöglichkeiten
  • Unterm Strich wenige Synchronsprecher
  • Schreckliche Haare (auf Konsole)
  • Strunzdoofe Plötze (euer Pferd)
  • Schlechte Wegmarkierungen beim Reisen
  • Leidige Logiklöcher
  • Viele Clippingfehler

Grafik

Das Gesamtpaket stimmt. Es sieht einfach atemberaubend aus. Von den Figuren, ihrer Kleidung bis hin zu jedem Detail in der Welt, die es grafisch so wunderschön abrundet. Bei näherer Ansicht offenbaren viele Gegenstände in der Welt leider ihre Hässlichkeit (Wichtige Objekte, wie Schwerter, Rüstungen, usw. ausgenommen. Die sehen verdammt gut aus). Haare sehen fast nie schön aus und viele Clippingfehler kratzen am Gesamtpaket. Das Große, das Ganze, hat dafür den Wow-Effekt..

Sound

Epische Musikuntermalung und viele gute Stücke, die sich gekonnt in die Welt einfügen. Nur die Kampfmelodie wiederholt sich deutlich zu oft und kann bei vielen Stunden am Stück schon mal an den Nerven nagen.

Gameplay

Komplex und schwierig. Das Kampfsystem entspricht quasi dem aus Teil 2, jedoch mit mehr Tiefe und Möglichkeiten. Man kann Geralt so leveln, wie es dem eigenen Kampfstil entspricht, was diesen Titel für ein breiteres Publikum zugänglich macht. Rollenspiel-Anfänger werden jedoch große Probleme bekommen, da der Witcher noch immer zu den schwereren RPGs gehört.