Autor: Nedzad Hurabasic

Ich muss zugeben, The Witcher ist vor der diesjährigen Games Convention völlig an mir vorbeigegangen. Falls euch das auch so geht, solltet ihr unbedingt weiterlesen. Andernfalls natürlich auch.

Das Action-Rollenspiel ist mittlerweile sicher schon mehr als ein Geheimtipp. Ausdruck dieser Behauptung ist die Tatsache, dass Atari sich kürzlich die Publishingrechte für das Spiel der polnischen Entwickler sicherte.

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Aber auch abseits dieses Deals können die Mannen von CD Projekt mit großen Namen punkten. Die Hintergrundstory des Spiels basiert auf den erfolgreichen Fantasy-Romanen ihres Landsmanns Andrzej Sapkowski. Der tolle Renderfilm, von dem wir nur einen Bruchteil der in der Endfassung zehn Minuten langen Version sehen durften, wird von Tomasz Bagsinski produziert.

Der war mit dem Kurzfilm "Katedra" 2003 für den Oscar nominiert. Beide Kreativlinge entführen uns gemeinsam in eine Welt, in der das Düstere, Bedrohliche dominiert. Monster treiben ihr Unwesen und nur ein Held kann gegen sie bestehen: Geralt, die Hauptfigur des Spiels. Das Mitglied eines Kämpfergeheim-bundes besitzt durch ein misslungenes Experiment auch magische Kräfte und setzt sie kompromisslos gegen die Unholde ein.

The Witcher - Konkurrenz für Gothic 3: Polnische Entwickler werkeln an hitverdächtigem RPG.

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Doch auch ein unglaublich mächtiger Geselle wie Geralt muss manchmal seine Grenzen erkennen. So erleben wir zu Beginn des Spiels, wie der tapfere Recke bewusstlos im Schlamm liegt und von seinen Gefolgsleuten gerettet werden muss. Viel Zeit sich zu erholen bleibt ihm jedoch nicht, mysteriöse Angreifer attackieren seine Zuflucht. So beginnt ein Abenteuer, das zwar nur einen Helden kennt, aber drei verschiedene Enden.

Packshot zu The WitcherThe WitcherErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Das wird dadurch möglich, dass das Spiel alle Handlungen auch unter einem moralischen Gesichtspunkt wertet und die Entscheidungen des Spielers Einfluss auf den Fortgang der Story haben.

Ein Stilmittel zur Ermittlung der Spielergesinnung sind z.B. Multiple-Choice-Dialoge oder auch Quests mit verschiedenen Lösungsmöglichkeiten. Durch die völlig non-lineare Spielführung können wir darüber hinaus jederzeit frei entscheiden was wir tun wollen - und was nicht. Die mysteriöse Hintergrund-geschichte soll von ca. 50 Cutszenen erzählt werden, die mit der Ingame-Engine fabriziert werden. Auch diese Mini-Filmchen werden von einem professionellen Regisseur angefertigt - entsprechend cineastisch geht es dabei zu. Die Engine beruht übrigens auf Aurora von Bioware, die jedoch deutlich aufgebohrt und mit aktuellen DirectX 9-Effekten versehen wurde.

Zusätzlich werden die Physikeffekte vom Karmasystem übernommen. Insgesamt bietet sich schon beim heutigen Stand ein durchaus sehr sehenswertes Bild, vom fertigen Spiel ist sicher noch etwas mehr Grafikpracht zu erwarten. Doch das ist nur die eine Seite des Spiels. Die andere besteht natürlich aus etlichen Kämpfen gegen verschiedene Monster wie Zombies und Werwölfe, aber auch andere dunkle Mächte sind am Werk und müssen bis aufs Blut (oder was davon übrig ist) bekämpft werden. Das Gameplay gestaltet sich dabei vielschichtig und bietet eine Mischung aus Nahkampf und Magie.

Zwar beherrscht unser Held vor allem die scharfe Klinge seines Langschwerts vorzüglich. Doch im Verlauf des Spiels verbessern sich seine magischen Fähigkeiten zusehends. So ist er beispielsweise in der Lage, einen magischen Schutzschild zu errichten, der ihn gegen Fernangriffe schützt. Die Kämpfe sind taktisch geprägt und erlauben auch, Feinde zu verschonen, wenn sie sich ergeben. Anschließend können diese befragt werden, um weitere Informationen zu erhalten. Auch die Feind-KI machte schon einen guten Eindruck. So versucht sie das Gelände für sich zu nutzen - Bogenschützen wählen daher erhöhtes Terrain zu ihrem Vorteil.

Interessant war zu beobachten, dass für die Kämpfe die typische WASD-Steuerung unnötig ist. Obwohl alles in "Realtime" abläuft - also nicht etwa rundenbasiert, wird nur die Maus benötigt. Bewegen, Zuschlagen, Zaubern, Ausweichen - alles aus einem Guss! Die Aktionen des Spielers bauen dabei aufeinander auf. Gelingt es ihm, eine Abfolge von Schlägen (Kombos) zu landen, sind diese in ihrer Wirkung zerstörerisch. Abgeschlagene Köpfe und sprudelndes Blut veranschaulichen dann das Kampf-Resultat in speziellen Finishing-Moves.

Wer nicht alleine durch die Gegend ziehen möchte, kann das Abenteuer auch mit einem Freund erleben. Laut Entwickler wird es einen kooperativen Modus geben, in dem zumindest weite Teile des Spiels gemeinsam angegangen werden können.Ausblick
Mir gefällt das düstere Ambiente von The Witcher vorzüglich und ich kann es kaum erwarten, endlich selbst Hand anlegen zu dürfen. Das Spiel hat jede Menge Potenzial, bietet ein recht unverbrauchtes Szenario, eine non-lineare Story und ein Realtime-Kampfsystem.

Dazu einen Top-Autor, der für die Geschichte zuständig ist. Rollenspieler, was willst du mehr? Bis Anfang 2007 müssen wir uns noch gedulden. Dann wissen wir, ob CD Projekt uns den RPG-Hit auftischt, den wir uns alle wünschen. Und vielleicht sogar zum großen Gothic 3-Konkurrenten aufsteigt.