The Whispered World – Test

PC

Genial! Die neue Adventure-Referenz

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von Matthias Grimm, 13. August 2009 15:48 Uhr

Molliger Grundton

Bei den Hamburgern von Daedalic ticken die Uhren ein wenig anders: Der technische Fortschritt wird hier mit Skepsis beäugt, Charme und Herz wiegen mehr als jedes Megahertz- Schwergewicht, und Animationen werden liebvoll handgemalt statt vom Renderstudio berechnet. Der Aufwand macht sich bezahlt: Die 2D-Charaktere von The Whispered World tragen in jedem Pinselstrich mehr Seele in sich als Ceville, Simon & Co. in Tausenden von Polygonen.

Screenshot zu: Genial! Die neue Adventure-ReferenzTraumhaft: Die atmosphärischen 2D-Hintergrundbilder setzen Maßstäbe.

Die gemalten Hintergründe gehören mit zum schönsten und stilvollsten, was 2D-Spielegrafik je hervorgebracht hat. Die längst vergessen geglaubte Technik des Parallax-Scrolling, bei der mehrere Ebenen gegeneinander verschoben werden, sorgt sogar für eine Tiefenwirkung, ähnlich wie bei Zeichentrickfilmen – was die Entwickler sogar zu einem (leider grausam schweren) Rätsel inspirierte.

Vom ersten Moment an durchweht die Flüsterwelt ein angenehmer Retrohauch: Als Kopierschutz dienen drei der Spielepackung beigelegte Würfel, von denen bestimmte Symbole abgelesen werden müssen. Begeistert die Idee beim ersten Mal noch als gewitzte Hommage an Klassiker wie Monkey Island, geht sie nach einer Weile jedoch auf die Nerven, da ihr die Prozedur bei jedem Starten erneut über euch ergehen lassen müsst.

Screenshot zu: Genial! Die neue Adventure-ReferenzZerfall allgegenwärtig: Der Grundton der Flüsterwelt ist ein Moll-Akkord.

Erstmal in der Whispered World angekommen, zieht sie unweigerlich in ihren Bann: Die verwelkten Blätter des Herbstwaldes brechen die Stimmung ins melancholische Ende des Farbspektrums, die verträumte Musik breitet ihren wehmütigen Klangteppich darüber aus und Sadwicks sarkastische Kommentare tragen die ganze Last des Weltschmerzes in sich – wenngleich ihre andauernd traurige Attitüde mit der Zeit zum jammernd-leiernden Mantra verkommt.

Trotz seines Grundtones in Moll erschallen in The Whispered World aber die Obertöne aus den tieferen Zwerchfellregionen. Im Gegensatz zu manch anderem Genrekollegen der letzten Zeit, der Luxus-Lach-Urlaub à la Monkey Island verspricht, aber nur Pauschaltourismus in Taka-Tuka-Land bietet, zünden die Gags der Daedalics wie Sadwicks Zirkustrick mit der Kanonenkugel, sind geistreich und witzig – gewitzt im wahrsten Sinne.