In der Regel kommen Spiele zu Hollywood-Blockbustern parallel zu deren Kinostart in die Läden, und sicherlich war das auch bei Wheelman so geplant. Allerdings kommt es erstens anders und zweitens als man denkt, und auch ein Vin Diesel als Zugpferd garantiert noch keine wirtschaftliche Erfolgsstory.

Nun gelangt der mit vielen Vorschusslorbeeren angetretene Titel nach einigen Querelen, Verschiebungen und dem Wechsel des Publishers (Ubisoft statt Midway) in den Handel, obwohl vom Zelluloid-Werk kaum noch jemand spricht und eine Kinoversion derzeit in den Sternen steht. Ob das Spiel zum Film auch ohne Film etwas taugt, haben wir anhand der beiden Konsolenversionen von Wheelman für euch herausgefunden.

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Schockierende Optik

Es wäre wohl eine Untertreibung zu behaupten, es gäbe eine Schnittmenge zwischen Fans von Hollywood-Actionfilmen sowie Anhängern von Actionspielen. Ein Titel wie Wheelman ist daher höchstwahrscheinlich ein wahr gewordener Publisher-Traum, der beide Welten gewinnbringend miteinander verheiratet und die maskuline Zielgruppe damit perfekt bedient. Noch dazu mit einem Hauptdarsteller wie Vin Diesel, der die Rolle des coolen Actionhelden in den letzten Jahren geprägt hat wie kaum ein anderer.

The Wheelman - Turbo-Diesel oder Standgas?

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Explosionen und Stunt-Action sind durchaus sehenswert.
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So schlüpft ihr hier zwar in die Rolle eines gewissen Milo Burik, doch die prägnante Gestalt und Stimme eines Vin Diesel überstrahlen diese Pseudoidentität deutlich. Und so hat man eher das Gefühl, Diesels privates Videospielabenteuer zu erleben, quasi als Ersatz für den bisher schuldig gebliebenen Kinoauftritt.

Gerne würde ich jetzt schreiben: "Auf den ersten Blick rechtfertigt Vin Diesel die in ihn gesteckten Erwartungen vollkommen", und das trifft teilweise sogar zu. Allerdings nicht, was den ersten Eindruck betrifft. Denn hier schockiert Wheelman zunächst mit einer Optik, die über weite Strecken an Last-Gen-Konsolen erinnert statt an Xbox 360- oder PlayStation 3-Niveau. Wohin man auch blickt, treffen matschige Texturen (ganz schlimm: die Gesichter der Protagonisten), krasses Kantenflimmern und Aliasing (PS3), hässliche Pop-ups, schwache Fahrzeugmodelle sowie regelmäßiges Tearing auf die eigene Netzhaut und versetzen uns zurück in die Spielesteinzeit.

Packshot zu The WheelmanThe WheelmanErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Es ist zwar lobenswert, dass man als Hintergrund für die freie Sandbox-Spielwelt mit Barcelona ein unverbrauchtes Setting gewählt hat, doch eine altbackene Grafik, die oftmals an PS2-Niveau erinnert, sowie eine "ewig" andauernde Installation auf der PS3 bilden das Rückgrat eines echten Stimmungskillers.

Coole Renn-Features

Doch glücklicherweise versagt Wheelman nicht an allen Fronten, und so habt ihr als Undercover-Agent, der sich als Profifahrer verdingt und drei Gangs in der katalonischen Hauptstadt infiltrieren soll, durchaus euren Spaß. Das liegt in erster Linie an den rasant inszenierten Arcade-Straßenrennen, die als integraler Bestandteil des Spielablaufs und der Missionsgestaltung immer wieder für unterhaltsame Momente sorgen.

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Die Fahrzeuge verfügen über ein mehrstufiges Schadensmodell.
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Ganz wie im Vorbild GTA holt ihr euch eure Aufträge nach Belieben ab und folgt so entweder der Hauptstory oder beschäftigt euch mit den über 100 Nebenmissionen. Während die Fahrerei für einen Niko Belic noch Mittel zum Zweck war, steht die Arbeit am Lenkrad für Milo Burik deutlich im Mittelpunkt und rückt damit auch für euch in den spielerischen Fokus.

Ihr rast jedoch nicht stupide von A nach B oder müsst simple Zeitvorgaben einhalten. Vielmehr hängen euch meist die rivalisierenden Gangs an der Stoßstange bzw. der Karosserie und versuchen euch von der Erfüllung eurer Aufträge abzuhalten. Damit ihr euch eurer Blech-Haut erwehren könnt, greift ihr - neben der zielgerichteten Ballerei aus dem offenen Wagen-Fenster - auf eine Reihe waghalsiger Fahr-Features zurück. Mit aggressiver Fahrweise und Raserei füllt ihr beispielsweise die Fokus-Anzeige auf.

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Vin Diesel lieh seinem Charakter den Kopf.
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Ihr bugsiert euch also durch den spärlichen Verkehr der Millionenstadt (die sehr leblos und unbewohnt wirkt) und setzt mit dem rechten Analogstick immer wieder Ramm-Manöver ein, mit denen ihr den Widersachern gehörig einheizt - und sie euch. Auf diese Weise löst ihr seitliche oder frontale Karambolagen aus, wodurch sich die Vehikel dank eines gelungenen, mehrstufigen Schadensmodells langsam in ihre Bestandteile auflösen und schließlich in sehenswerten Explosionen detonieren.

Zyklon im Anmarsch

Sobald sich die Fokusanzeige durch solche Aktionen füllt, erhaltet ihr Zugriff auf weitere Spezialattacken wie den Präzisionsschuss oder den Cyclone: In voller Fahrt wird dabei ein Zeitlupenmodus aktiviert, der euch die Möglichkeit gibt, eure Gegner mit einem einzigen Schuss außer Gefecht zu setzen - beim Cyclone dreht sich euer Fahrzeug dafür sogar rückwärts gegen die Fahrtrichtung und erlaubt euch für wenige Sekunden freie Schussbahn auf eure Verfolger.

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Die Auswahl der Fahrzeuge wirkt sich auch auf den Spielablauf aus.
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Das ist cool inszeniert und erinnert in guten Momenten tatsächlich an beste Hollywood-Action. Hat euer fahrbarer Untersatz zu viel Schaden eingesteckt, greift ihr einfach auf ein weiteres Feature zurück, den Airjack. In voller Fahrt springt ihr auf ein vor euch fahrendes Vehikel und kapert es ohne Rücksicht auf die Besitzer.

Auch Vin Diesel rettet Wheelman nicht vor dem Mittelmaß.Fazit lesen

Die Auswahl des Fahrzeugs ist sogar von taktischer Relevanz: Schwere Lkws sind zwar träge und schwerfällig, stecken dafür aber einen vielfachen Schaden normaler Vehikel ein und eignen sich als ideale Rammböcke. Die Auswahl des Wagens ist somit unter Umständen nicht nur missionsentscheidend, sie bringt auch einiges an Spieltiefe mit.

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Die Optik des Spiels ist der aktuellen Konsolengeneration meist nicht angemessen.
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Allerdings ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt. Oftmals seht ihr euch etwa mit einer unendlich nachwachsenden Gegnerschar konfrontiert, die euch unablässig und höchst aggressiv bekämpft. Was anfangs noch Spaß macht, wird dadurch eher zur lästigen und nervigen Aufgabe. Hier hätte man sich häufig einen dynamischeren Spielablauf gewünscht. Weniger ist manchmal eben doch mehr.

Achtung, Fußgänger!

Für Abwechslung ist jedoch trotzdem gesorgt. Die fakultativen Nebenmissionen halten euch beispielsweise mit Straßenrennen, Zerstörungsaufgaben oder Botengängen bei Laune, erfüllen jedoch nebenbei auch einen sinnvollen Zweck und erweitern die Fokusanzeige, das Leistungsvermögen bzw. Angriffsstärke eurer Fahrzeuge oder dehnen die Dauer der Spezialfertigkeiten aus und erleichtern mitunter das Vorankommen in den Hauptmissionen.

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Mit coolen Fahrmanövern bringt man seine Widersacher in die Bredouille.
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Darüber hinaus dürfte eine Handvoll Einsätze sogar per pedes absolvieren, was häufig in Ballerorgien ausartet, die ihr in 3rd-Person-Ansicht und mit jeweils zwei verfügbaren Wummen bestreitet. Das kommt zwar solide daher, dafür wirken die Spielfiguren etwas hüftsteif und ungelenk. Obwohl ihr die Möglichkeit habt, einen Waffenshop aufzusuchen, ist das eigentlich gar nicht nötig: Die Widersacher lassen Waffen in Hülle und Fülle fallen, Polizisten und Zivilisten sind dagegen unsterblich bzw. können nicht attackiert werden.

Wer zu faul ist durch die halbe Stadt zu fahren, um eine Mission abzuholen (oder der lauen Musik der Radiosender überdrüssig ist) kann übrigens per Teleport-Funktion die Reise abkürzen. Glücklicherweise ist es für Vin-Diesel-Fans nicht notwendig, den Ton auch bei den Dialogen abzuschalten, dank Originalsynchronsprecher macht dieser nämlich eine sehr gute Figur (nur leider ist das Geschehen nicht lippensynchron angepasst!).

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Gelegentlich seid ihr auchzu Fuß unterwegs.
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Was man von den übrigen Charakteren in der deutschen Version nicht behaupten kann: Ohne Akzent gesprochen, kommen diese nicht annähernd so authentisch rüber, wie im englischen Original. Schade auch, dass man auf einen Koop-Modus oder Multiplayer-Modi verzichtet hat und damit weiteres Potenzial verschenkt.