Dass Adventures immer noch ein Nischendasein fristen, mag man hinsichtlich der Flut an Titeln in den letzten Monaten kaum glauben. So überraschten Ceville oder The Book of Unwritten Tales nicht nur durch ihren Humor, sondern auch eine ordentliche Portion Charme und anspruchsvolle Rätsel.

Andere Entwickler wiederum scheinen den momentanen Hype dazu zu nutzen, um schnelles Geld zu machen. Langweilige, unlustige und vor allen Dingen kurze Titel sind das Resultat dieser Strategie. Bestes aller schlechtesten Beispiele: The Westerner 2.

Verloren im Wilden Westen? Unsere Westerner 2 Komplettlösung hilft.

Happy Fillmore?

Auf ihren Pferden reiten der Revolverheld Fillmore und die hübsche Rhiannon der Abendsonne entgegen. Die dreckigen Bösewichte sind allesamt besiegt und weilen nun unter der staubigen Erde, die Gerechtigkeit hat gesiegt. Welch Happy-End!
Doch die heroische Stimmung erfährt einen jähen Abbruch. Das Wildwest-Pärchen entdeckt bei seinem Ritt einen verletzten Mann im Sand und eilt zu Hilfe. Quasi auf dem Sterbebett gibt der Unbekannte Rhiannon das Versteck eines Goldschatzes preis, der sich auf einem nahegelegenen Friedhof befindet. Doch wie es im El Dorado des Wilden Westens seit „The Good, the Bad and the Ugly“ eben zugeht, sind auch andere hinter dem Schatz her.

The Westerner 2 - Diese Adventure-Gurke ist nicht mal eine Handvoll Dollar wert

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Benutze Schaufel auf Grab. Kommt irgendwie vertraut vor, oder?
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So werden die zwei Helden prompt von Banditen überfallen, Fillmores hübsche Begleiterin wird verschleppt und der Protagonist selbst mit einem gezielten Schuss in den Rücken ausgeschaltet.

Zum Glück kann Fillmore auf die Hilfe eines alten Ex-Banditen bauen. Dieser peppt ihn in seiner Hütte wieder auf. Verständlich, dass Fillmore auf Rache sinnt und den Halunken das Handwerk legen will.

Was nicht passt, wird passend gemacht…

Schon hier ist klar, The Westerner 2 nimmt sich weitaus ernster als sein direkter Vorgänger. Schräge Witze und der „Toy Story“-ähnliche Comiclook wurden komplett aus dem Spiel gestrichen. Einzig einige Charaktere ringen euch ab und an ein Lächeln ab. Das liegt jedoch nicht an ihren humorvollen Aussagen, sondern an ihrer aufgesetzten und künstlichen Art.

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Ex-Bandit Baker ist uns eine große Hilfe.
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Da wäre beispielsweise der Halunke Stevens, der mit ermüdenden Wortpassagen im Gepäck den Oberbösewicht mimen soll. Das Resultat ist ein blasser Antagonist, der weder provozieren noch einschüchtern kann. Der faule, rheumatische Ex-Bandit Baker, der Fillmore in seiner Hütte pflegt, passt ebenfalls nicht ins Bild eines ernsthaften Wildwest-Abenteuers.

Besonders aber die Protagonisten hätten besser herausgearbeitet werden können. Das dies nicht der Fall ist liegt zum Großteil daran, dass die Entwickler gehörig an Textpassagen gespart haben. So wird bei der Interaktion mit Objekten meist ein und derselbe Standardspruch abgespielt. Man sehnt sich verzweifelt nach einer Portion Abwechslung, wie sie „Edna bricht aus“ noch so bravourös zelebrierte. Stattdessen erfährt man, dass es „absurd“ ist, einen Schrank öffnen zu wollen…

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Einen Schrank öffnen zu wollen – das ist schon absurd…
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Noch deutlicher wird dies bei den Gesprächen mit verschiedenen Personen. Man entlockt den Charakteren keine hilfreichen Informationen, sondern stellt unsinnige Fragen und führt Smalltalk. Interessant wäre es gewesen, mehr über den Schatz, die Stevens-Bande oder die Beziehung zwischen Rihannon und Fillmore zu erfahren. Aber Pustekuchen…

Für eine Handvoll Anspruch mehr

Doch die farblosen Charaktere sind nicht das größte Manko des Titels. Es sind die Rätsel, die The Westerner 2 spielerisch ins Mittelmaß abrutschen lassen. So sind die Knobeleinlagen zu einfach gestrickt, als dass sie fordern könnten. Es fehlt an allen Ecken und Enden an Anspruch, was vor allen Dingen an den wenigen Hotspots pro Gebiet liegt.

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In den Räumlichkeiten gibt es nur wenige Hotspots.
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Um im zweiten Kapitel beispielsweise eine Schlange zu bändigen, stehen Rihannon zwei Gegenstände zur Auswahl. Da Objekte im Inventar nicht untereinander kombiniert werden können, hat man das Reptil schnell gezähmt. Ähnlich verhält es sich auch im späteren Verlauf.

Hier muss nun Fillmore Banditen eine Falle stellen, indem Baumstämme auf einer Rampe abgelegt werden. Man gibt ihm zudem den Tipp, die umstehenden Telegraphenmasten zu fällen; einzig nach einer Axt muss selbst Ausschau gehalten werden. Doch auch das Hackebeil ist – trotz fehlender Hotspot-Taste – schnell gefunden, die Falle vollendet und das Kapitel in weniger als zehn Minuten beendet.

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Die Flucht aus der Hütte kommt nicht in Frage. Wir sind auf der Suche nach einem Medaillon.
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Auffällig, dass die einzelnen Rätsel in sich zwar logisch sind, aber die Zusammenhänge einfach nicht passen mögen. Eine Schlange mit einem Stiefel zu fangen, ist noch nachvollziehbar. Auch, dass der gefüllte Stiefel zur Abschreckung einem Banditen vor die Füße geworfen wird. Warum dieser Überraschungsmoment aber dazu genutzt wird eine Schublade zu öffnen und ein unwichtiges Medaillon an sich zu nehmen, statt die Flucht anzutreten, ist schlichtweg schwachsinnig.

Durch solche zusammenhangslosen Rätsel entsteht der Eindruck, die Entwickler wollten die Spielzeit künstlich verlängern – mit wenig Erfolg: Ein durchschnittlicher Spieler wird nämlich lediglich fünf Stunden mit The Westerner 2 verbringen, bis der Abspann über den Bildschirm flimmert. Bei einem Kaufpreis von knapp vierzig Euro eine Frechheit.

Unterm Strich erfährt der Spieler so kaum etwas über die Charaktere. Die Story nimmt in keiner Weise an Fahrt auf, und die Atmosphäre bleibt komplett auf der Strecke.

Kaum Glanzpunkte in Sachen Technik

Neben spielerischen Defiziten weist The Westerner 2 auch in Sachen Technik erhebliche Mängel auf. Bugs, Grafikschnitzer, Wegfindungsprobleme und Sprachaussetzer einmal außen vorgelassen, lässt sich urteilen, dass weder Sound, noch Grafik zeitgemäß sind.

So sind die Charaktere eckig gehalten und zeigen weder passende Mimik noch Gestik. Sie wirken steif und ausdrucklos und können durch ihre hölzernen Bewegungen nicht überzeugen.

The Westerner 2 - Diese Adventure-Gurke ist nicht mal eine Handvoll Dollar wert

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Einzig die Zwischensequenzen können halbwegs überzeugen.
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Die Räumlichkeiten sind ebenso trostlos gestaltet wie die Charaktere. Es mag zwar in der Wüste kaum Leben geben, aber zumindest ein herumlaufendes Tier oder Wolkenbewegungen hätte man in die starren und leblosen Umgebungen integrieren können. Einzig die Zwischensequenzen können überzeugen. Wenn auch nicht cineastisch, bringen sie etwas Abwechslung ins sonst müde Gameplay.

So ähnlich lässt sich auch der Sound charakterisieren. Die Synchronsprecher können nur vereinzelt Emotionen rüberbringen, die Soundeffekte beim Einsammeln von verschiedenen Gegenständen wurden einfach kopiert, und auf musikalische Untermalung wurde in manchen Kapiteln gänzlich verzichtet. Unterm Strich also eine katastrophale Präsentation.

Adventure-Fans sollten einen Bogen um The Westerner 2 machen. Dieser Titel ist eine spielerische FrechheitFazit lesen

Diese wird lediglich durch die desaströse Steuerung getoppt. Besonders in Action-Einlagen, in denen ihr in Manier eines 3rd-Person-Shooters Gegner erledigt, fällt dies auf. Schwammig steuert ihr die Helden über die Landfläche und unpräzise feuert ihr auf eure Gegenüber.