Man kann wahrlich nicht behaupten, dass es in den letzten Jahren einen Mangel an Zombiespielen gegeben hätte. Woher die plötzliche Faszination der Hersteller und ein fast schon hysterisches Interesse von Spielern für die Untoten kommt, wäre sicher eine wissenschaftliche Betrachtung wert.

Interessant ist, dass es gerade zur Comic- und TV-Serie "The Walking Dead", in der einer Gruppe Überlebender quer durch die USA flüchtet, bereits die zweite Adaption gibt.

Spiel Nummer eins wird von Telltale als episodenhaftes Horror-Adventure produziert und erhält überwiegend positives Feedback. Gleich nachdem Activision angekündigt hatte, einen eher actionorientierten Ableger veröffentlichen zu wollen, regte sich verbaler Widerstand im Netz: "Das wird doch eh nur ein hirnloses Ballerspiel", so die verbreitete Meinung.

Kein hirnloses Dauergeballer

Hirnlos werden aber wohl nur die Zombies in diesem "First-Person-Action"-Titel sein - so jedenfalls die ersten Eindrücke. Entwickler Terminal Reality legt großen Wert darauf, dass die eigene Version des digitalen Überlebenstrainings keineswegs aus Dauerballerei bestehen wird.

Terminal Reality orientiert sich stark an der TV-Serie - von daher ist Dauergeballer glücklicherweise ausgeschlossen.Ausblick lesen

Vielmehr halte man sich in allen Bereichen eng an die Machart der TV-Show. Das betrifft einerseits offensichtliche Dinge wie Soundeffekte und Musik oder auch die Farbgebung, womit der Geist der Serie so gut wie möglich erhalten werden soll. Außerdem befinde sich das Team nach eigenen Aussagen im regen Austausch mit Foren - also der Fanbase.

The Walking Dead: Survival Instinct

- Zwei Brüder gegen den Rest der Welt
alle Bilderstrecken
In Terminal Realitys Spiel dreht sich alles um die Dixon-Brüder.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 13/121/16

Andererseits soll der Stil der TV-Folgen auch eindeutig im Spielverlauf wiedererkennbar sein, wo eben alles andere als stupides Dauerfeuer angesagt ist. "The Walking Dead stellt die Menschen und ihr Verhalten in den Vordergrund", heißt es - und so will man auch die Spielumsetzung vielseitig gestalten. Um das zu erreichen, arbeitet Terminal Reality sehr eng mit den Produzenten der TV-Serie zusammen und erhält sogar Einblick in die "Show-Bibel", in der alle wichtigen Elemente und Handlungsabläufe enthalten sind.

Packshot zu The Walking Dead: Survival InstinctThe Walking Dead: Survival InstinctErschienen für PC, PS3, Xbox 360 und Wii U kaufen: Jetzt kaufen:

Und trotzdem wird diese Version von "The Walking Dead" eine andere Geschichte erzählen, als wir sie aus dem Fernsehen kennen. Spieler schlüpfen in die Rolle des mysteriösen Armbrust-Haudegens Daryl Dixon, der gemeinsam mit seinem überheblichen Bruder Merle versucht, das angeblich sichere Atlanta zu erreichen. Aber: Das Überleben nach der Apokalypse ist kein geradliniges Geschäft und der kleine Glimmer Hoffnung muss stetig am Leben gehalten werden.

The Walking Dead: Survival Instinct

- Zwei Brüder gegen den Rest der Welt
alle Bilderstrecken
Wahl der Qual: Möglicherweise findet man hier Proviant - im Dunkeln könnten sich aber auch Zombies verstecken ...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden3 Bilder

Das bedeutet, dass wir es mit einer "Art von offener Welt" zu tun haben, die uns zumindest immer wieder die Wahl lässt, welchen Weg wir einschlagen wollen. Es sind keine linearen Wege, die wir beschreiten. Es ist nicht so, dass ein Weg garantiert ins Verderben führt, während der andere das Überleben garantiert. Vielmehr gelangt Daryl in Situationen, in denen Entscheidungen sich gravierend auf den weiteren Weg und den Spielablauf auswirken.

Die Wahl der Qual

Ein Beispiel: Gelangen die beiden Protagonisten auf ihrer Reise etwa an eine Straßensperre, haben sie die Möglichkeit, diese beiseite zu räumen. Doch das wäre ein riskanter Weg, denn die herumlungernden Zombies könnten so aufgeschreckt werden und sie attackieren. Entscheiden sie jedoch, drumherum zu fahren und so der imminenten Gefahr auszuweichen, geht ihnen auf dem längeren Weg vielleicht das Benzin oder die Nahrung aus.

Dann ist da die Wahl zwischen verschiedenen fahrbaren Untersätzen: Welches Fahrzeug soll man sich unter den Nagel reißen? Nehmen wir das große, behäbige (und Sprit fressende), haben dafür aber Platz für Ressourcen und Passagiere, oder steigen wir in das kleine, wendige Gefährt mit wenig Raum, das uns zu vielen riskanten Pausen zwingt?

Überlebende, die uns begleiten, können wir beispielsweise in die Welt schicken, um nach wertvollen Gegenständen zu suchen. Jeder hat spezielle Fertigkeiten, wovon wiederum das Risikolevel für die jeweiligen Missionen abhängig ist. Wenn es zu haarig wird, besteht die Gefahr, dass sie nicht zurückkehren - weil sie von wandernden Leichen gefressen wurden. Egal, wofür man sich entscheidet - alles kann helfen, aber ein einfacher Weg zur Rettung mittels Schusswaffen existiert nicht. Im Gegenteil - ihr Einsatz soll häufig sogar eine "schlechte Idee" sein, wie die Entwickler sagen. Nicht nur, weil es wenig Munition geben soll, sondern auch, weil die Zombies zwar tot sind (...), aber auf ihre Weise nicht dumm.

The Walking Dead: Survival Instinct

- Zwei Brüder gegen den Rest der Welt
alle Bilderstrecken
Wer sich für eine kleine Karre entscheidet, kommt damit weiter, kann aber auch weniger Menschen und Ressourcen transportieren.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 13/121/16

Terminal Reality erklärt, dass man ihr Verhalten dem ihrer Pendants der TV-Serie entnommen hat. Sie sind zwar generell eher langsam, aber methodisch und sich ihrer Umwelt bewusst. Das heißt: Sie reagieren auf Lärm und riechen die Lebenden sogar – Frischfleisch! Die große Gefahr geht aber eher nicht von den sichtbaren Untoten aus, sondern von denjenigen, die man zunächst gar nicht wahrnimmt.

Die irgendwo im Dunkeln oder hinter einer Ecke lauern und das Überraschungsmoment auf ihrer Seite haben. Auf geskriptete Ereignisse will das Entwicklerteam jedoch verzichten, Attacken geschehen unvermittelt und zufällig. Fatal sind auch Begegnungen mit größeren Gruppen der Wiedergänger: Vier bis fünf der blutgierigen Jungs sind laut Entwickler absolut tödlich.

Bei der Gestaltung der "Walkers" gehe man von einem Grundmodell aus, es soll jedoch trotzdem eine hohe Variabilität beim Aussehen und Auftreten der Zombies geben. Einige Untote schlurfen, andere laufen oder krabbeln lediglich - etwa nachdem ihnen vom Spieler die Beine weggeschossen wurden. Für euch gibt es aber nur einen Ausweg: Rettung oder Tod. Eine Infizierung ist ausgeschlossen. Wer gebissen wird, bekommt den Game-over-Schirm zu sehen.