Vorweg die gute Nachricht: Wer bisher glaubte, Entwickler Terminal Reality wolle seine Variante der Geschichte um The Walking Dead in ein bleiträchtiges Blutbad verwandeln, irrt. Jedenfalls in dem Sinne, dass "Survival Instinct" den bisherigen Eindrücken zufolge kein hirnloses Ballerspiel wird. Blut wird es natürlich schon geben, die untoten Menschenfresser lassen sich schließlich nicht mit feingeistigen Diskussionen davon abhalten, euch zu fressen.

"Euch", das ist in diesem Fall ein gewisser Darryl Dixon, der mit seinem arroganten Bruder an der Seite durch das apokalyptische Georgia in Amerika zieht, um das vermeintlich Sicherheit versprechende Atlanta zu erreichen. Sie führen eine kleine Gruppe Überlebender an und versuchen, unter allen Umständen am Leben zu bleiben - koste es, was es wolle.

Alle Mittel sind recht - "was auch immer ihr tun müsst, um zu überleben - tut es", sagen die Entwickler um Glenn Gamble und "Survival Instinct" gibt euch dazu durchaus geeignete Werkzeuge an die Hand. Man muss jedoch selbst entscheiden, wie man den Weg beschreitet. Auch wenn sich unter den beschränkt verfügbaren Ressourcen einige Schusswaffen befinden, raten die Spieldesigner grundsätzlich von ihrer Nutzung ab. Der Grund: Jede Schießeinlage erzeugt Krach, und das lockt wiederum die fleischfressenden Monster an - in Scharen!

The Walking Dead: Survival Instinct - Wie jetzt, das ist gar kein Shooter?

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Es ist sicherer herumzuschleichen, als auf offenem Gelände von den Zombies erwischt zu werden.
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Schieß nur in höchster Not

"Selbst wir schaffen es kaum, gegen mehr als sechs oder allerhöchstens sieben dieser Kreaturen zu überleben", sagt Gamble. Die Zombies sind sich trotz ihrer Hohlköpfigkeit ihrer Umgebung absolut bewusst und nehmen lebende Menschen ungemein schnell wahr. Nicht nur Bewegungen erregen ihre Aufmerksamkeit, auch Gerüche und Geräusche können zur tödlichen Falle werden. Wer um die Untoten herumschleicht, hat also weitaus bessere Karten als diejenigen, die eine offene Konfrontation suchen. Nicht zuletzt, weil sie dann recht gefahrlos Schleich-Exekutionen ausführen, die keine weiteren Unwesen aufschrecken.

Spieler befinden sich bei der Bekämpfung von wankenden Gefahrenherden aber auch in der Zwickmühle - während Schusswaffen eine trügerische Sicherheit bieten, killen wir die Unholde mit Nahkampfwaffen deutlich weniger auffällig. Dafür müssen wir aber auch nah genug an sie heran. Gutes Timing ist also auf jeden Fall notwendig.

Es ist aber auch möglich, direkte Auseinandersetzungen zu vermeiden, etwa indem Objekte wie Flaschen aufgesammelt werden, um sie später so zu werfen, dass der entstehende Lärm Zombies auf eine falsche Fährte lockt. Und damit den Weg für Darryl - der wegen seiner Jägerqualitäten die perfekte Besetzung für die Überlebendengeschichte sein soll - und seine Begleiter freimacht.

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Optisch wird das Spiel kein Kracher, so viel kann man jetzt schon sagen.
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Wer glaubt, dass er auf diese Weise locker-flockig durch die Katastrophe schlendern könnte, wird über die eine oder andere Überraschung stolpern. "Never trust a dead body", warnt Gamble und meint damit die überall herumliegenden Leichen. Jede könnte sich plötzlich als Monster auf euch stürzen - dieses System der Ungewissheit bezieht auch erneute Spielsitzungen desselben Levels ein, denn der Zufallsgenerator verteilt die "richtigen" Zombies so zufällig in den Gebieten wie Waffen und andere Ausrüstungsgegenstände und Versorgungsgüter.

Das Spiel scheint eine viel versprechende Richtung einzuschlagen - ein paar (wichtige) Fragen bleiben aber noch offen.Ausblick lesen

Wer nicht aufpasst und wirklich jede Ecke genau untersucht, hat die blutgierige Brut schneller am Hals, als ihm lieb sein kann - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Mehrfach wurde Darryl während unserer Präsentation angesprungen und konnte sich der lebenden Leichen nur mit Mühe erwehren.

"Ich bin sein Bruder, also raus hier!"

Dabei kommt es auch zu der einen oder anderen höchst unappetitlichen Tötungssequenz. Laut Terminal Reality haben sich die Entwickler in Sachen Geräuschkulisse sehr viel Mühe gegeben. So sprechen nicht nur die Original-Schauspieler ihre Serienfiguren - Soundeffekte wie Knochenbrüche und Schlageinwirkungen kommen aufgrund einer umfangreichen "Spielzeugkiste" der Tüftler sehr plastisch rüber. Mit Baseballschlägern, so die Erfahrung, lasse sich aber kein besonders guter Salat fabrizieren...

Ähnlich viel Mühe will man sich in Sachen Schießerei gegeben haben: Selbstversuche wurden mittels ''GoPro''-Actionkamera aufgenommen und eins zu eins ins Spiel übertragen. Wie gut sich das wirklich anfühlt, konnten wir leider noch nicht überprüfen.

Während diese Elemente immerhin bereits recht überzeugend demonstriert wurden, hielt sich Terminal Reality merklich mit zwei der vermuteten Säulen zurück: Zum einen war vom "Überlebenden"-System bisher kaum etwas zu sehen: Es wird möglich sein, eine Vielzahl unterschiedlicher Charaktere für die eigene Gruppe zu rekrutieren - vom ängstlichen Weichei bis zum gefährlichen Draufgänger sollen diverse Varianten vertreten sein.

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Mist, den Seb hat's auch erwischt.
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Einige werden nur zeitweise eure Wege kreuzen, andere lange dabei sein - ganz abhängig von den persönlichen Entscheidungen. Es kann auch passieren, dass sie von Aufträgen nicht zurückkehren, weil sie nicht gut genug ausgerüstet waren. Manche Figuren sind - abhängig von ihren Fertigkeiten - nützlicher als andere und alle wird man ohnehin nicht retten können, so Gamble. Das Management der Gruppe soll in Ansätzen dem System von Assassin‘s Creed: Brotherhood ähneln.

Oder sie bleiben zurück, weil wir plötzlich das Fahrzeug wechseln, mit dem wir uns Hub-ähnlich durch das Spiel bewegen. Jedes Transportmittel besitzt individuelle Parameter, wovon wiederum die Anzahl der verfügbaren Sitzplätze, Spritverbrauch oder Stauraum abhängen. Außerdem: Für Merle muss es immer einen Platz geben, denn der befördert überzählige Fahrgäste nach dem Motto "Ich bin sein Bruder, also raus hier!" einfach an die frische Luft.

Alles hängt voneinander ab - wer mehr Überlebende dabei hat, findet vielleicht eine höhere Anzahl wichtiger Gegenstände, verbraucht aber im Gegenzug auch mehr Ressourcen. Die Reise wird jedoch keine lineare Angelegenheit sein - zwischendurch wird es immer wieder Möglichkeiten geben, sich für unterschiedliche Richtungen oder Stopps zu entscheiden - die erneut Chancen und Risiken bergen: Lohnt sich der Halt an einem verlassenen Farmhaus oder fahre ich lieber weiter? Verbraucht man viel Sprit für einen Umweg oder steigt man aus und geht ein Risiko ein, indem man das Hindernis beseitigt?