„Du bist tot!“ Gut, das ist in einem Action-Adventure nichts Ungewöhnliches und üblicherweise nur vorübergehender Zustand – bis der letzte Spielstand geladen ist. Allerdings fiel dieser Satz gleich zu Beginn der Präsentation von „The Void“, das uns Publisher Atari bei einem Besuch in den gamona-Büros vorstellte.

Damit nicht genug: Das neue Werk aus der russischen Spieleschmiede Ice-Pick Lodge macht Vieles neu und überrascht mit einer interessanten und skurrilen Andersartigkeit.

„The Void“ empfängt uns mit einem Intro samt vorgelesenem Gedicht. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Kurze Zeit später finden wir uns in einer schwarzen, trostlosen und fremden Landschaft wieder. Hier scheint keine Sonne, hier gibt es keinen Himmel. Nur einen schimmernden Punkt in naher Ferne. Wir hören eine Stimme und lassen uns von ihr in eine Welt saugen, die keine mehr ist, nie eine war oder eine sein wollte. Wir wissen nur eins: Wir sind tot.

The Void - Das Spiel mit der Farbe

Die Welt, die wir leicht irritiert erkunden und uns alle paar Schritte und Sätze ein großes Fragezeichen über unsere Köpfe zaubert, nennt sich „Void“ (=engl. Leere). Der Fauna und Flora nach zu Urteilen trifft das zu, in Teilen jedenfalls. Überall „wachsen“ fluoreszierende „Farbpartikel“, die wie strahlende Blumen die karge und lebensfeindlich scheinende Landschaft durchstechen. Aus diesen „Farbblumen“ gewinnen wir Farbe, das tragende Element in „The Void“. Sie erhält uns am Leben, mit ihr können wir mit der Umgebung interagieren, uns gegen Feinde zur Wehr setzen und Charaktere ansprechen.

The Void - Surreal, faszinierend, erotisch

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 69/741/74
Die Fürstinnen der "Leere" sind nur mit einem farbigen Schimmer bekleidet.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Charaktere? Ja, die Welt wird von Fürstinnen bewohnt und von Wächtern durchstreift. Was genau sie repräsentieren, welche Ziele sie verfolgen und welche Wünsche sie hegen, das werden wir im Laufe des Spieles in Erfahrung bringen können. The Void gibt uns keine Deutung vor, behält sein Geheimnis für sich, lädt den Spieler ein, dem Geschehen eine Bedeutung abzuringen.

„Wir sind uns darüber im Klaren, dass der Spieler mit einem großen Fragezeichen das Spiel beginnt. Aber das ist so gewollt und trägt viel zur Atmosphäre bei. Der Spieler soll die Welt, in der er sich befindet, kennen und verstehen lernen.“ Nach den unaufdringlichen Tutorials und den ersten leichten Storyandeutungen, hat uns das Spiel bereits mit seinen unterschwelligen Fragen und seinen geheimnisvollen Andeutungen in den Bann gezogen.

The Void - Surreal, faszinierend, erotisch

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 69/741/74
Abgefahren: Das Design von The Void ist einzigartig.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Was hat es mit dieser Welt auf sich? Nach welcher Logik funktioniert sie, und welche Rolle spielen wir selbst innerhalb des mysteriösen Symbolkosmos? Die Antworten wird der Spieler erst im Laufe der Handlung nach und nach herausfinden. Sie machen einen großen Teil der Faszination von The Void aus.

Schöne Frauen - in Farbe und bunt

Grafisch macht „The Void“ schon einiges her. Vor allem stilistisch hebt sich der Titel vom Fantasy-Einerlei der Spielelandschaft ab. Die vorherrschenden Farbtöne sind, der Thematik geschuldet, braun und schwarz. Die Welt der „Leere“ erinnert mit ihren surreal schiefen Bauten, den grotesk entstellten Bewohnern und der offensiven Erotik der Fürstinnen an eine Mischung aus den skurrilen Fantasien eines M.C. Escher, dem psychologischen Horror eines Silent Hill und den Schreckensvisionen eines H.R. Giger.

The Void - Surreal, faszinierend, erotisch

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 69/741/74
Sphärisch: Die Fürstinnen der Leere verlangen nach neuer Farbe.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Allerdings wird die triste und dunkle Optik immer wieder durch Farbakzente, wie von uns zum Blühen gebrachte Bäume, durchstoßen. Glühende Adern, pulsierenden Blutgefäßen gleich, durchziehen dann die formals leblos verknöcherten Rinden. Vielleicht besteht sogar die Möglichkeit, die gesamte schwarze und seelenlose Welt in ein buntes Farbmeer zu verwandeln?

Für „Farbtupfen“ der besonderen Art sorgen auch die vier Fürstinnen der „Leere“, die größtenteils nackt und nur mit einem magischen Schimmer bekleidet dem Spieler Aufträge erteilen. Sie fungieren in der trostlosen Einsamkeit gewissermaßen als die guten Seelen – oder doch die bösen? Denn die Seiten werden in The Void nicht klar verteilt; der Spieler selbst ist angehalten, der Welt und ihrer Bewohner einen Sinn abzutrotzen.

The Void - Surreal, faszinierend, erotisch

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 69/741/74
Grotesk: die Wächter der Void.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Allem weiblichen Charme zum trotz, sehen wir uns hin und wieder dazu gezwungen, gegen Feinde vorzugehen, die zusätzlich zu den Wächtern und Fürstinnen die Welt bewohnen. Doch anders als gewohnt entledigen wir uns derer nicht mit Waffengewalt, sondern wie bereits erwähnt mit Farbe.

Hierfür spendieren wir ihnen jedoch keinen neuen Anstrich, sondern malen (ähnlich den Zaubersprüchen in Black & White) Glyphen in die Luft, die je nach Farbe und Form zum Beispiel eine Schutzhülle um uns herum erzeugen können. Natürlich treffen wir in Void auf keine Elitesoldaten, Zombies oder ähnlich altbekannte Feinde. Auch hier bleibt sich das Spielkonzept treu und schickt uns groteske und skurrile Kreationen auf den Hals, die nur eins wollen: unsere Farbe.

The Void - Surreal, faszinierend, erotisch

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 69/741/74
Mini-Map: Die Welt der Void ist in einzelne Kammern unterteilt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

„The Void“ besteht aus keiner großen Spielwelt, sondern aus vielen kleinen Levels, oder viel mehr Kammern, in denen wir Farbe anbauen, ernten und damit die Fürstinnen beschenken könne, um zur nächsten vorgelassen zu werden. So hangeln wir uns durch die einzelnen Kammern und Reiche, erschließen immer mehr von der Story und tauchen tiefer in die Welt ein, bis sie uns irgendwann nicht mehr loslässt.