Es ist sicherlich anstrengend, wenn das eigene Spiel immer mit einem größeren, bekannteren verglichen wird, aber das Schicksal haben sich Deck13 nun mal selbst erwählt. Das durchaus respektable Lords of the Fallen, dessen Lizenz sie nicht mehr haben, ging nun mal schon deutlich in die Richtung des Platzhirsches aus dem Hause From Software, und The Surge muss sich solche Vergleiche ebenfalls gefallen lassen. Doch zu recht?

Von allem, was wir bislang sehen konnten, lautet die Antwort „Jein“, denn das Sci-Fi-Fest besitzt trotz seiner vertrauten Grundstruktur genug Eigenständigkeit, um uns mit jeder Präsentation, jedem gezeigten Material etwas mehr ins Boot zu holen. Unsere letzte Vorschau war noch etwas verhaltener, doch damals war das Gesichtete eben auch kurz, rau und, sein wir ehrlich, nicht besonders hübsch. All das ändert sich mit jedem weiteren Schritt, und wenn man die letztendliche Qualität von zum Beispiel Lords heranzieht, sind wir jetzt optimistischer denn je, dass The Surge wirklich gut werden könnte.

Von der Geschichte wissen wir immer noch nicht sehr viel. Man spielt eine Art Weltraum-Ingenieur, dessen erster Arbeitstag darin kulminiert, dass er ohnmächtig wird und beim Erwachen umgeben ist von Zerstörung, Toten und seinen ehemaligen Kollegen, die nun mit ihren Werkzeugen eine Spur aggressiver umgehen, als das üblich ist. Klingt für uns zwar nach einem ganz normalen Montag im gamona-Büro, aber was wissen wir schon.

The Surge - Mehr als nur ein Souls-Klon

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The Surge macht große Fortschritte. Wir sind gespannt, wohin der Weg von Deck13 noch führt.
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Cool ist, und Deck13 wissen um diesen Umstand und zeigen ihn deshalb auch stolz vor, dass sich die Welt, die Umgebung und Aspekte wie die Gegner, Waffen und Upgrades organisch aus dem Szenario ergeben. Wer vor dem welterschütternden Ereignis zum Beispiel in einem metallenen Exo-Anzug zum Transport schwerer Lasten saß / stand, wie man ihn aus Aliens kennt, der benutzt nun eben auch genau den zum Kämpfen. Andere haben zum Schürfen gedachte „Klingen“ an ihren Armen, die natürlich mit tödlicher Effizienz eingesetzt werden. Und dem Szenario gemäß gibt es natürlich auch eine Unzahl von Drohnen, Robotern und Knallkopp-KIs, die uns die Hölle heißmachen wollen.

Bei den Gegnern schlummert eine Frage, die wir noch nicht beantworten können. Wenn ihr The Surge bislang verfolgt habt, dann wisst ihr vielleicht von dem cleveren System, mit dem man im Kampf Körperteile der Feinde anvisieren kann: Hat man den bösen Buben, wie es üblich ist, durch Druck des rechten Analogsticks anvisiert, kann man mit selbigem Stick nun seine vier einzelnen Gliedmaßen und den Kopf anvisieren. Das ganze Tänzchen macht man, weil Feinde in der Regel an bestimmten Stellen stärker und besser ausgerüstet und gepanzert sind als anderswo. So kann man sich also Kämpfe erleichtern. Aber: Greift man den Widersacher dort an, wo er am besten ausgerüstet ist, macht man sich zwar den Kampf schwerer, darf aber hinterher den beharkten Körperteil in einem Mortal-Kombat-mäßigen Manöver abzusäbeln und das saugeile Rüstzeug selbst einstreichen und hinterher anlegen.

Die Frage ist dabei: Leidet darunter nicht die Vielfalt der Gegner? Denn entweder, wir kämpfen den Großteil der Zeit gegen dieselben irrsinnigen Menschen oder vergleichbare humanoide Feinde, um dicken Loot abstauben zu können, oder das ganze System leidet unter der Vielfalt der Widersacher und wir können keine Ausrüstung einstreichen. In unserer Präsentation war der Kampf gegen mit Lasern bewaffnete Mini-Dröhnchen schon wieder deutlich simpler, ohne spezielles Anvisieren, ohne wirkliche Tiefe. Und da wir schon bei der Frage der Vielfalt sind: Gibt das Szenario überhaupt genug her, um langfristig sowohl bei Feinden als auch in der Welt für Abwechslung zu sorgen? Ist ja nun nicht gerade so, dass wir riesige Dämonen oder Bestien erwarten können – oder vielleicht doch, und das ganze Spiel hält einen Cosmic-Horror-Twist parat, der sich gewaschen hat.

Deck13 sind auf dem richtigen Weg, und mit jeder gezeigten Präsentation nimmt The Surge mehr und bessere Form an.Ausblick lesen

Positiv überraschend war das breite Spektrum an gezeigten Waffen und Kampfstilen. Gerade Souls-Fans werden zu schätzen wissen, dass sie sowohl flinke und agile Möglichkeiten haben (es wurde auch bestätigt, dass es ein Backstab-System gibt) als auch langsamere, wuchtige Optionen, zum Beispiel mit einem zweihändig geführten Elektrokolben, dessen weite und eher gemächliche Schwünge an einen wuchtigen Hellebarden-Stil erinnern und insgesamt richtig reinhauen. Auffällig waren die in der Gegend verteilten roten Fässer, die natürlich sofort Gamer-Alarmglocken schlagen lassen. Auf Nachfrage, ob es (vielleicht als Ersatz für das in Lords verwendete Magie-System) Fernkampf geben wird, bestätigten Deck13: Ja, wird es, aber man experimentiere momentan noch intern damit, es sei noch nicht vorzeigbar.

The Surge - Mehr als nur ein Souls-Klon

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Wer Lords of the Fallen gespielt hat, wird hier einige Déjà-vus erleben.
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The Surge wird ein bislang nicht ganz geklärtes Maß an Crafting beinhalten, denn Blaupausen und Materialien fliegen unserem Helden in regelmäßigen Abständen zu und wollen dann verwandelt sein. Es ist ein Novum für diese… nun, eine Reihe ist es ja nicht, aber zumindest steht The Surge direkt in der Tradition von Lords. Selbst der Multiplikator für Geld bzw. gesammelte Schrotteile, der sich immer weiter nach oben schraubt, je länger man nicht speichert oder eine der Aufwertungsstationen für unseren Recken aufsucht. Da ist Crafting, wenn es denn wirklich welches ist, ein mutiger Schritt. Fast hofft man (und wir vermuten), dass es grundlegend bleibt und The Surge nicht irgendwann wie Minecraft aussieht.

Natürlich endete die Demo, das gehört zum guten Ton, mit einem Mini-Boss, der mal wieder viel zu leicht wirkte, aber das lässt sich hoffentlich auf künstliche gamescom-Nervenschonung schieben. Dennoch gab es hier gut gestaltete Elemente zu beobachten. So konnte man nicht ohne weiteres überhaupt Schaden anrichten, sondern musste das relativ blöde Vieh von einem Riesenmecha erst einmal zu Fall bringen. Eine der Möglichkeiten dazu war, eine von ihm abgeschossene Raketensalve zu provozieren, und dann unter den Mech zu sprinten, damit ihm die eigenen Geschosse aufs Dach trommeln. Dann legte man durch gezielte Angriffe die Schwachstellen frei und schon kurze Zeit später war der Robo-Masochist ein Fall für den Schrotthändler. Kein spektakuläres Highlight, doch The Surge nimmt allmählich Form an. Verbunden mit einer seit der letzten Präsentation noch mal deutlich polierteren Optik und einer ruinierten Umgebung, die in Sachen Persönlichkeit viel hermachte, kann man sagen: Wenn Deck13 auf Kurs bleiben und das Gezeigte fortsetzen, liefern sie irgendwann ein richtig schönes Spiel ab.