Bosskampf. Aufs Maul bekommen. Neustart. Hinlaufen, Gegnern ausweichen, Schrott einsammeln, Bosskampf. Aufs Maul bekommen. Neustart. Hinlaufen, Gegnern ausweichen, trotzdem HP verlieren, Schrott einsammeln, Bosskampf. Aufs Maul bekommen. Konsole ausgeschaltet.

The Surge - Die ersten 48 Minuten Gameplay7 weitere Videos

So oder so ähnlich verliefen meine ersten Anläufe mit The Surge. Nach vier Stunden hatte ich den allerersten Boss immer noch nicht gelegt, obwohl ich mich mehr als ein Dutzend Mal an ihm versucht hatte. Obwohl ich sämtliche möglichen Rüstungsteile, Waffenupgrades und Level-Ups erfarmt hatte. Obwohl ich die Bewegungen des Gegners einstudiert hatte. Es klappte einfach nicht. Dann der Durchbruch: Mithilfe von einer Sliding Attacke à la Vanquish wurde alles ganz einfach, der Boss ward sofort gelegt. The Surge ist nämlich nicht schwer, wie beispielsweise Castlevania oder das Vorbild Dark Souls, wo man verschiedenste Angriffsvarianten des Gegners austaktieren muss, es ist an manchen Stellen schlicht plump. In den seltensten Fällen ist es möglich, Gegner auf mehr als eine Art in die Knie zu zwingen.

The Surge - Viele gute Ideen, die allerdings nur mäßig funktionieren

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 9/121/12
Hunderte Tode müsst ihr sterben: Diese Anzeige werdet ihr immer wieder zu Gesicht bekommen
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Was ebenfalls von Anfang an frustriert: Die Hitboxen der Gegner und die dadurch resultierende Bestimmung wann ihr oder der Gegner Schaden austeilt - oder eben nicht. Mal wirkt es so, als würde ein Gegner nach einer Attacken-Kombination herumtaumeln und ist angreifbar, manchmal rappelt er sich auf und fügt euch damit sofort Schaden zu. Nicht mit einem Angriff, sondern einer normalen Körperbewegung. Schlimm wird es besonders bei Bosskämpfen: Abgesehen davon, dass es etwas skurril erscheint, wenn ein 50-Tonner sich bewegt wie eine Tänzerin des Russischen Staatsballetts, wirken die Hitboxen unkonstant, unlogisch, frustrierend.

Frustrierend ist auch, dass normale Gegner trotz deutlich verbesserter Rüstung, Waffen und höherem Level weiterhin gefährlich bleiben, gefühlt mit euch mitwachsen. Kleine Spoilerwarnung: In späteren Leveln trefft ihr erneut auf vorher besiegte Bossgegner, diesmal allerdings sind sie Teil der normalen Levelstruktur. Da man zu diesem Zeitpunkt über weitaus stärkere Waffen, Rüstungen und Fähigkeiten verfügt, sollten sie doch eigentlich deutlich leichter zu bezwingen sein? Nein, die sind immer noch so hart wie in der Sonne getrocknetes Schwarzbrot. Weiterhin werdet ihr nach zwei bis drei Schlägen niedergestreckt, ein Gefühl des Wachstums kommt selbst nach 12 Spielstunden selten auf. Vielleicht soll der Spieler sich auch gar nicht übermächtig fühlen, dadurch wirkt das Upgraden eurer Ausrüstung allerdings trivial und das Gegrinde der Standard-Gegner wird zur nervigen Tortur. Auch deshalb, weil man ihnen selten ausweichen beziehungsweise vor ihnen weglaufen kann.

The Surge - Viele gute Ideen, die allerdings nur mäßig funktionieren

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden3 Bilder
Coole Idee: Das Rüstungs-System in The Surge.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das war viel negatives auf einmal, doch The Surge hat auch positive Seiten. Angefangen mit dem Kampfsystem selbst, das spielt sich nämlich deutlich flotter als bei den Souls-Ablegern und bietet ein wenig Strategie. Während ihr auf eure Kontrahenten eindrescht, könnt ihr bestimmte Körperteile anvisieren. Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits besitzen manche Gegner ungeschützte Körperteile, kloppt ihr auf diese ein, teilt ihr natürlich deutlich mehr Schaden aus. Andererseits könnt ihr mithilfe von schnieken Slow-Motion-Killing Blows diese Körperteile sauber abtrennen, wodurch sich die Chance erhöht, dass ihr bestimmte Materialien aufsammeln könnt, die für Upgrades eurer Rüstung genutzt werden. So könnt ihr zum Beispiel den Kopf abtrennen und das gewonnene Loot für das Craften eines Helms verwenden.

The Surge - Viele gute Ideen, die allerdings nur mäßig funktionieren

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 9/121/12
Auf den Kopf, Körper oder doch lieber den Arm? Welches Körperteil ihr attackiert, liegt an euch!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zudem habt ihr eine höhere Chance auf Loot, wenn ihr gepanzerte Rüstungsteile in Einzelteile zerlegt, es liegt also an euch, ob ihr den Gegner auf die leichte Tour vermöbelt oder lieber Loot sammelt. Schade nur, dass dieses Loot und die daraus resultierenden Upgrades, nicht die Veränderung bringt, die ich mir gewünscht hätte. Gerade im Vergleich zu der Monster-Hunter-Reihe, wo ihr den Schritt zu einer stärkeren Rüstung sofort spürt, ist das ziemlich enttäuschend.

Ebenfalls eine angenehme Verbesserung gegenüber den Souls-Spielen ist der Umstand, dass ihr eure “Seelen” (in diesem Fall Schrott) bei einem Speicherpunkt in Konto-artiger Manier sichern und euch für später aufheben könnt. Nervig hingegen ist es, wenn ihr ins Gras beißt: In The Surge habt ihr nur eine relativ kleine Zeitspanne von wenigen Minuten um eure verlorenen Punkte wieder einzusammeln. Das bringt zusätzlichen Druck und funktioniert meistens nicht in Kombination mit vielen Leveln, da das Vorbeirennen an Gegnern fast niemals eine gute Idee ist. Auch hier scheint es so, als sei The Surge mit der Brechstange auf “extra schwer” getrimmt, was die sonst cleveren Ideen leider etwas in den Schatten stellt.

Auch das Setting sagt zu. Anstatt sich weiterhin innerhalb mittelalterlicher Mythologie aufzuhalten, entschloss sich Deck13 diesmal auf eine Cyberpunk-Welt zu setzen. Zwar kann man die Hauptstory getrost ignorieren, dafür gibt es aber ein paar interessante Nebenquests die euch schneller einfangen als die Hauptgeschichte. Außerdem punktet The Surge in Sachen Aufmachung, allein das Intro und die darauffolgende, kurze Spielsequenz, die die Zeit überbrückt, bis das eigentliche Spiel losgeht, wird uns in Erinnerung bleiben. Da ist es auch nicht schlimm, dass besagtes Intro sich stark an Half-Life 2 orientiert hat, im Gegenteil. Besser gut kopiert als schlecht selbst gemacht, das ist die Devise von The Surge. Das klappt, größtenteils, ganz gut. Soundtechnisch erwartet euch eine akzeptable deutsche Synchro, wenn Blech mit Metall kollidiert kann es schon mal richtig scheppern. Hier gibt’s also wenig zu meckern, auch wenn die Country-Musik-Dudelei, die euch nach eurem Tod an einem Speicherpunkt erwartet, irgendwann zur Foltermelodie wird.