Wie schnell die großen Publisher ein vielversprechendes Projekt noch während der Entwicklungsphase zum Tode verurteilen können, haben wir bereits in den vergangenen Wochen lernen müssen. Da wäre es auch ein Wunder, wenn es die kleinen Kickstarter-Projekte allesamt über die Ziellinie schaffen würden.

Was haben CCPs World of Darkness, Blizzards Titan und BioWares Shadow Realms gemeinsam? Richtig - allesamt haben sie große Hoffnungen in uns geweckt, wurden jedoch vorzeitig beerdigt, ohne überhaupt jemals spielbar gewesen zu sein. Für die Fans ist das jedes Mal ärgerlich und enttäuschend, doch die Branche kommt recht schnell über den Verlust hinweg. Nicht so allerdings, wenn das Projekt aus der Indie-Ecke stammt und via Crowdfunding finanziert wurde.

Sorglos in die Vergangenheit
Wie aktuell bei The Stomping Land geschehen. Das Dino-Survival-Game hatte, nachdem es auf Kickstarter vorgestellt worden war, einen Nerv in den Gamer-Communitys getroffen. Statt der erhofften 20.000 Dollar kassierte Initiator Alex Fundora 114.060 Dollar. Von finanziellen Probleme, da waren sich die Fans sicher, wäre das Projekt fortan befreit.

Doch die Hoffnung wurde auf eine harte Probe gestellt. Statt Offenheit herrschte eine Informationsflaute. Immer seltener kommunizierte Alex Fundora offen über sein Projekt, zog sich zeitweise komplett zurück. Die Fans begannen zu zweifeln. Als The Stomping Land dann allerdings als Early Access auf Steam aufschlug, keimte die alte Hoffnung neu auf und die Community wuchs erneut. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer.

Abgezockt wurden nicht nur die Fans
Das Projekt scheint nämlich längst verwaist. Die Kommunikation findet nach wie vor ausschließlich zwischen den Fans statt. Updates gibt es nicht. Wohin die Einnahmen fließen, die noch immer täglich über Steam eingespielt werden, kann auch niemand sagen. Auf jeden Fall fließen sie nicht in Richtung derer, die neben Alex Fundora an dem Titel gearbeitet haben.

So meldete sich aktuell Vlad Konstantino zu Wort, der im Auftrag Fundoras tätig war. In einem Forenbeitrag erklärte er, dass er in den letzten Wochen mehrfach versucht habe, Fundora zu erreichen, jedoch ohne Erfolg. Einen Grund dafür kenne er nicht. Zudem sei seine letzte Rechnung für ein Modell noch nicht von dem Projektleiter bezahlt worden. Die Dinos, so scheint es, sind nun endgültig gestorben.

A lex fund ora? Al ex fund or a...? Alex fu nd or a...

Das ist traurig für die Fans des Dino-Survival-Games. Für die Kickstarter-Szene allerdings ist es verheerend, denn selbst Dutzende erfolgreich verwirklichte Projekte werden den Schaden nicht wieder reparieren können, der durch den Vertrauensverlust der Öffentlichkeit entstanden ist. Hier investieren Menschen Geld in einen Traum. Platzt der bereits, bevor er überhaupt begonnen hat, wird man sich nicht so bald wieder von einem Projekt mitreißen lassen.

Für Alex Fundora mag die Rechnung aufgegangen sein, für die geprellten Fans und unbezahlte Mitentwickler hingegen nicht. Zahlen werden die Zeche letztlich vor allem all jene kleinen Studios, die es ehrlich meinen und deren Projekte eigentlich Unterstützung verdient hätte, die sie jedoch in Zukunft nicht bekommen werden. Dank Alex Fundora - sofern dessen Name nicht auch nur ein weiterer übler Scherz war.

H1Z1 - der richtige Preis, die richtige Kampagne

Einer der wenigen Nutznießer des Ärgers um den Dino-Überlebenskampf könnte möglicherweise H1Z1 werden. Immerhin ist Daybreaks Zombie-Survival-MMO derzeit das wahrscheinlich am weitesten gediehene Projekt dieses eher grob definierten Genres, mit erfreulich häufigen, teilweise substanziellen Updates. Doch auch H1Z1 ist noch in der Alpha-Phase und längst kein fertiges Spiel, wenngleich die Chance ungleich höher ist als bei anderen Titeln, dass mal eines daraus werden könnte.

Ebenso wie das Spiel an sich ist auch das Geschäftsmodell noch nicht final, wie ein aktueller Beitrag von Daybreak-CEO John Smedley auf Twitter erneut zeigt. Darin denkt er offen über einen ‘Season-Pass’ für die Battle-Royale-Server nach und möchte von der Community wissen, welcher Preis dafür wohl angemessen wäre. Auf den Battle-Royal-Servern kämpfen die Spieler auf einer zusehends kleiner werdenden Zone gegeneinander - bis nur einer übrig ist.

Dieser Spielmodus erfreut sich großer Beliebtheit, lässt er doch Raum für allerlei Events und Turniere. Und er soll wohl nicht der einzige bleiben, denn wie Smedley erklärt, sei H1Z1 nicht einfach nur ein Spiel, sondern eine Plattform für andere Spiele. Und so könnte es passieren, dass H1Z1 in seiner Grundform kostenlos angeboten wird - spezielle Kampagnen und Server dann jedoch nur gegen Gebühr erreichbar sind. Genug Stoff auf jeden Fall für ausgiebige Diskussionen.

Dota 2 - Happy Chinese New Year, Volvo!

Die gibt es aktuell auch um Dota 2 und Valves Geschäftspraktiken, die bislang als ausgesprochen kundenfreundlich galten. Im aktuellen ‘Year-Beast-Brawl-Event’ ist nämlich erstmals eine Komponente aufgetaucht, bei der man sich gewisse Vorteile gegen Geld kaufen kann. Ein gefundenes Fressen natürlich für Kritiker und Presse, die derzeit auf allen Kanälen über den neu eingeschlagenen Pfad Valves diskutieren.

Und wie so oft, wenn öffentlich diskutiert wird, schnappt manch lesefauler Spieler nur den einen oder anderen Brocken auf und streut den dann sofort in die nächste Diskussion ein. Welche Unruhe in der Community herrscht, kann man sich also vorstellen. Um es kurz zu machen: Die Vorteile, die man kaufen kann, beschränken sich auf das Event.

Und bei dem handelt es sich um einen Fun-Modus, der nur vorübergehend zur Auswahl steht und mit den regulären Dota-Matches nichts zu tun hat, außer der Tatsache, dass man dort vermehrt kosmetische Gegenstände gewinnen kann. Sorge um die Balance von Dota 2 und dessen E-Sport-Tauglichkeit muss man also nicht befürchten und das Spiel bleibt natürlich auch weiterhin kostenlos.

Revival - setzt auf die Star-Citizen-Strategie

Wie sensibel die Community in Bezug auf die Geschäftspraktiken der Publisher geworden ist, zeigt auch das Beispiel von Revival. Während wir nämlich noch nicht viel über das Open-World-Sandbox-MMO im Lovecraft-Stil wissen, wissen wir immerhin schon mal eines: Die ersten Spieler werden noch in diesem Monat ihre eigenen vier virtuellen Wände beziehen dürfen. Gegen Bezahlung, versteht sich.

Doch so verrückt es klingen mag, Entwicklern eines Spiels, das bislang kaum mehr ist als eine Sammlung Haftnotizen auf den Whiteboards einiger verrückter Entwickler, ein virtuelles Heim abzukaufen, das in ein paar Jahren vielleicht mal eine Bedeutung haben könnte - diese Geschäftspraktiken funktionieren.

Richard Garriott beweist das derzeit mit Shroud of the Avatar, wo sich Spieler schon kräftig mit Immobilien eindecken, bevor das Spiel überhaupt gestartet ist - ebenso wie Chris Roberts, der längst keine Skrupel mehr hat, “echten” Fans schon mal jedes einzelne Raumschiff, das später mal im Spiel zu fliegen sein wird, vorab zu verkaufen und das Wettrüsten der Spieler auch noch aktiv zu befeuern.

Elite: Deadly - ™

Dagegen sind die Anhänger von David Brabens Elite: Dangerous bislang recht günstig davongekommen und verdienen sich ihre Weltraumvehikel lieber im Spiel selbst. Und nicht nur die. Aktuell haben rund 5.000 Commander insgesamt über acht Millionen Tonnen Materialien ins Yembo-System transportiert, um über New Yembo einen neuen Sternenhafen bauen zu lassen.

Der Erfolg zeigt einmal mehr, dass ein Großteil der MMOG-Spieler gar kein Problem mit dem berüchtigten ‘Grind’ hat, sofern der in einen Kontext und in eine persistente Welt eingebettet ist und das eigene Tun einen Sinn hat. Gleichzeitig fragt man sich in der Community von Elite, welchen Sinn wohl der aktuell von einer für Braben aktiven Firma gesicherte Name Elite: Deadly haben könnte. Ein neues Spiel im alten Universum? Eine App? Die erste Erweiterung?

EVE Online - die Rückkehr der Jove?

Die nächste Erweiterung ist auf jeden Fall schon mal in EVE Online aufgeschlagen. Die trägt den Titel Tiamat und bringt einen neuen Tech-3-Zerstörer nach New Eden, neue Möglichkeiten rund um die galaktische Sicherheitsorganisation CONCORD sowie eine Reihe weiterer Veränderungen, Neuerungen und grafischer Verbesserungen.

Viel entscheidender als all das ist jedoch eine Nachricht des galaktischen Nachrichten-Netzwerks The Scope, in dem davon die Rede ist, dass eine Reihe von bislang versteckten Horchposten aufgetaucht ist, begleitet von wehrhaften Schiffen, die allem Anschein nach den Jove zugeordnet werden können.

Die Jove sind jene technologisch fortgeschrittene und sagenumwobene Rasse, die sich längst aus dem Tagesgeschehen von New Eden zurückgezogen hat und die nur gelegentlich von Entwicklern und GMs ins Spiel gebracht wurde. Ein Zeichen also für einen Ruck in der Geschichte von EVE Online? Oder gar der Anfang einer neuen, von CCP-Mitarbeitern geführten Story-Kampagne mit regelmäßigen Events? Spätestens auf dem Fanfest in vier Wochen werden wir wohl mehr darüber erfahren.

Lost Ark - first we take Korea, then we take Berlin!

Mehr erfahren werden wir vermutlich auch bald über Lost Ark. Wie Fernost-Games-Experte Steparu in Erfahrung bringen konnte, arbeitet man bei den Tripod Studios derzeit daran, das isometrische MMO für die südkroeanischen Beta-Tests vorzubereiten. Man denke allerdings bereits darüber nach, Lost Ark in den Westen zu bringen.

Welches Potential in der Isometrie liegt, die bedeutend hardwarefreundlicher ist als die gewöhnliche MMO-Ansicht, beweisen derzeit nicht nur die Macher von Lost Ark in diversen Videos, sondern auch die Jungs von NCSoft, die mit Lineage Eternal ebenfalls ein vielversprechendes Hack-&-Slash-MMO in der Entwicklung haben, das weltweit veröffentlicht werden soll.

Beides Spiele, auf die wir in Zukunft unbedingt ein Auge haben müssen - ebenso wie auf Crowfall, das schon im Vorfeld für einigen Wirbel gesorgt hat und dessen offizielle Ankündigung in drei Tagen ansteht - aller Erwartung nach mit einem Trailer, der hoffentlich Szenen aus dem Spiel enthält. Mehr darüber also am kommenden Samstag.