Autor: Sebastian Weidner

Kalifornien: Halbnackte Bikini-Schönheiten, ein ehemaliger Terminator als Gouverneur, die Los Angeles Lakers und Hollywood - all das und noch viel mehr verbinden wir mit dem Sonnenstaat der USA. Ende des virtuellen 21. Jahrhunderts ist im 3D-Echtzeitstrategiespiel »The Show« davon allerdings nicht mehr viel übrig. Nach einem erbitterten Bürgerkrieg hat sich der Staat vom Rest der USA abgekoppelt.

Ungefähr so ähnlich wie damals die DDR von Westdeutschland, nur eben noch brutaler und rücksichtloser. Die Bevölkerung wird von einem totalitären Polizeistaat unter Führung des Diktators Lou Baxter aufs Schärfste kontrolliert. Politische Gegner werden gnadenlos verfolgt, die Gefängnisse sind zum bersten voll.

The Show - Trailer 2Ein weiteres Video

Der gute Baxter wäre aber kein Vorzeige-Diktator, wenn er die Systemkritiker nicht doch noch zum eigenen Vorteil missbrauchen könnte. Gesagt, getan: In Nullkommanix lässt der Fiesling eine künstliche Insel vor der Küste Kaliforniens errichten, auf der die Sträflinge im Rahmen einer Fernsehshow gegen Söldner kämpfen müssen - um ihr Leben, versteht sich. Die »The Show« genannte Live-Übertragung ist für Baxter das wichtigste Propagandainstrument. Schließlich will keiner als Söldner-Futter auf einer unechten Insel enden.

The Show - It’s showtime! Ein erster Blick auf das ungewöhnliche RTS der Emergency-Macher!

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Die Cutscenes sind vergleichsweise durchschnittlich, sorgen aber trotzdem für Motivation.
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Das wissen auch die restlichen Staaten der USA. Und so schleusen sie den Undercover-Agenten Frank Harris ein, der den Widerstand organisieren und »The Show« sowie schlussendlich Baxter das Licht ausknipsen soll. Hier kommt übrigens unser Vorzeige-Ösi Arnold Schwarzenegger wieder ins Gespräch. Er hat nämlich bereits vor knapp 20 Jahren im Actionfilm »Running Man« annähernd das Gleiche durchgemacht. Die primäre Inspirationsquelle der deutschen Entwickler von Sixteen Tons ist unübersehbar.

So vertraut und doch ganz anders
Zugegeben, die Story von »The Show« klingt im ersten Moment eher nach Ego- oder Taktik-Shooter. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie nicht auch in einem reinrassigen 3D-Echtzeitstrategiespiel funktioniert. Die Inszenierung durch gerenderte Zwischensequenzen und Scriptsequenzen innerhalb der Missionen verdient zwar keinen Spiele-Oscar, ist in Anbetracht der oft überaus trockenen Textbriefings anderer Titel aber vollkommen in Ordnung. Atmosphäre und Spannung kommt jedenfalls schon in der Betaversion reichlich auf.

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Star Trek? Star Wars? Weder noch: ein typischer "The Show"-Laborkomplex.
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Doch immer der Reihe nach. Bevor wir Details zu sehr ausschmücken, wollen wir euch erst einmal das grundlegende Spielprinzip darlegen. Das ist nämlich nicht unbedingt mit jedem anderen RTS vergleichbar. Im Normalfall startet ihr »The Show«-Missionen mit einigen vorgegebenen Soldaten und einem besonders mächtigen Heldencharakter. Dieser sollte möglichst zügig das meist in der Nähe stehende Hauptquartier besetzen. Dort bildet ihr flugs einige Bauroboter aus. Die emsigen Blech-Bienchen wiederum pflanzen Infanterie- und Mech-Lifte in die Landschaft. Jetzt nur noch ein oder zwei Generatoren zur Energiegewinnung und einige Abwehrtürme aufgestellt und schon floriert die Basis.

Doch halt! Irgendetwas fehlt doch noch, um dem fiesen Baxter ordentlich in den Hintern treten zu können. Ach richtig, eine Angriffsarmee muss her. Also schnell einige Laser-Infanteristen und Mechs geordert und los geht's. Bis hier offenbart der Titel kaum Unterschiede zu Konkurrenzprodukten. Sobald ihr eure kleine Befreiungsarmee aber erst einmal in Trab gesetzt habt, zeigt »The Show« seinen einzigartigen Charakter. Denn statt auf direktem Weg in die feindliche Basis zu marschieren, müsst ihr erst so genannte Außenposten erobern, die einen konstanten Credit-Zufluss garantieren und das zu Beginn jeder Partie äußerst niedrige Einheitenlimit erhöhen. Wie im echten Leben gilt auch hier: Ohne Moos nix los!

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Atmosphärisch, praktisch, gut! Die Landschaft strotzt nur so vor hübschen Details wie dieser riesigen Schildkröten-Statue.
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Wer große Heere ausbilden will - und das müsst ihr, um gegen die Söldner-Übermacht zu bestehen - sollte besser einen konstanten Geldzuwachs verbuchen. Doch aufgepasst: Ihr könnt nicht einfach quer über die Karte verteilte Außenposten einnehmen, wie es euch gerade passt. Das wäre zu einfach. Alle Außenposten müssen miteinander verbunden sein, damit sie Moneten abwerfen. Das sorgt für knackiges Taktieren. Könnt ihr dem Feind nämlich einen zentralen Knotenpunkt abluchsen, der gleich mehrere Sektoren miteinander verbindet, nagt er auf einen Schlag am Hungertuch. Ein optimaler Zeitpunkt, um seine Hauptbasis dem Erdboden gleich zu machen.

Wecken diese Schilderungen Erinnerungen in euch? Kein Wunder: Echtzeitstrategie-Fans der ersten Stunde kennen das vernetzte Ressourcen-Prinzip noch aus der altehrwürdigen »Z«-Reihe. Wie damals wogt auch in »The Show« die Schlacht ständig hin und her. Defensiv spielen und in der Basis ausruhen könnt ihr woanders. Hier gewinnt nur, wer offensiv agiert und möglichst schnell und geschickt vorprescht.

Spannend bis zuletzt?
Damit es nicht gar so langweilig wird, peppen die Entwickler die auf Dauer monotone Außenposten-Eroberung um primäre und sekundäre Missionsziele auf. So müsst ihr etwa direkt im ersten Einsatz in einen unterirdischen Laborkomplex eindringen und ein Verschlüsselungsmodul stibitzen. Die Technologie ermöglicht euch den abhörfreien Funkverkehr mit einem zu Beginn noch geheimen Freund und Helfer, der den Umsturz des Diktators unterstützen möchte.

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Zu Hilf! Wir werden angegriffen. Hoffentlich halten die Geschütztürme.
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Ob »The Show« diese straffe Storybindung und die abwechslungsreichen Aufgaben über die komplette Kampagne halten kann, muss die finale Fassung aber erst noch unter Beweis stellen. Ansonsten macht unsere Betaversion bereits einen recht fortgeschrittenen Eindruck. Wir hoffen nur, dass die Entwickler bis zum Goldstatus vor einigen Tagen noch eifrig an der Wegfindung und der KI gewerkelt haben. Derzeit verhaken sich Truppen auffallend oft in unwegsamem Gelände. Störend auch, dass Einheiten unter Beschuss stehenden Kollegen nicht zu Hilfe eilen, obwohl sie nur wenige virtuelle Meter vom Kampfgeschehen entfernt stehen.

Grafisch bewegt sich der Titel im oberen Mittelfeld. Detaillierte Landschaften, schicke Lasereffekte und geschmeidige Animationen stehen auf der Habenseite. Teils schwammige Texturen und einige stilistisch hässliche Gebäude schmälern den Gesamteindruck nur leicht. Dafür fallen die Systemanforderungen derzeit noch unverschämt hoch aus. Selbst auf Höllenrechnern verkommt das Spiel bei größeren Auseinandersetzungen zur Ruckelorgie. Wir als Gutmenschen schieben das auf den unfertigen Code und hoffen auf Besserung in der Vollversion. Die nehmen wir uns in Kürze zur Brust. »The Show« steht nämlich schon am 23. Februar in den Läden.