Falsche Versprechungen, Bugs und ein Hype, der sich nicht mehr kontrollieren ließ - mit dem Release von Age of Conan verlor Funcom auf einen Schlag das Vertrauen unzähliger Fans. Drei Jahre nach dem Debakel wagt das norwegische Studio mit The Secret World einen erneuten Vorstoß ins Genre. Der erfolgt allerdings vergleichsweise vorsichtig. In Oslo hat man, so scheint es, aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.

Man mag es kaum glauben - The Secret World soll tatsächlich schon im kommenden Frühling erscheinen. Dabei wissen wir bislang so wenig über diesen Titel. Ein paar Filmchen hier, ein paar kleine Info-Bröckchen da - was ist denn bloß mit Funcom los? Vor drei Jahren überschlug man sich geradezu, als man die PR-Maschinerie zu Age of Conan ankurbelte. Man setzte alle Hebel in Bewegung, um den Titel möglichst oft und möglichst überall in Szene zu setzen und schier Unglaubliches zu versprechen.

Was stimmt nicht mit The Secret World?

Was ist an The Secret World anders, dass sich die Norweger diesmal so arg zurückhalten? Ist etwas mit dem Spiel nicht in Ordnung - stimmt die technische Qualität nicht oder macht es keinen Spaß? Die Community spekuliert seit Monaten darüber, was bei Funcom vorgeht, warum keine Infos aus dem Studio nach draußen dringen, warum nicht einmal die Presse einen Einblick in The Secret World bekommen darf.

The Secret World - Cthulhu mit rosa Tanga

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Nach der großen Katastrophe haben die Templer die Macht an sich gerissen - zumindest in London.
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Vielleicht liegt es ja auch am Titel selbst. Immerhin, so viel wissen wir schon seit einer Weile, befasst sich das Spiel mit Geheimbünden, die ihren Ursprung zum Teil in der realen Welt haben. Wagt sich Funcom etwa an ein heißes Thema? Oder passt die ganze Geheimniskrämerei der Entwickler inhaltlich einfach besser zum Spiel als ein Hype-Feuerwerk?

Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck

Wahrscheinlich spielen all diese Dinge eine eher untergeordnete Rolle. Viel wahrscheinlicher ist, dass Funcom aus den Problemen vor drei Jahren gelernt hat. Age of Conan ist mittlerweile ein richtig gutes Spiel, doch es wurde zum Opfer des selbst entfachten Hype. Die Verantwortung für die damaligen Fehler, der verfrühte Release und das übereifrige Marketing übernahm damals Game Director Gaude Godager.

Nach dessen Ausscheiden aus dem Unternehmen setzte man alles daran, Age of Conan auf Vordermann zur bringen. Spätestens seit der Erweiterung Rise of the Godslayer ist Funcom in dieser Hinsicht auch rehabilitiert. Man hat bewiesen, dass man echte Qualität zimmern kann, dass man im Genre in der obersten Liga spielt. Und dennoch - die enttäuschte Community ist nachtragend und der verdiente große Erfolg bleibt Age of Conan bis heute verwehrt.

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Dank der starken, hauseigenen Engine gelingt es Funcom, selbst reale Schauplätze originalgetreu ins Spiel zu übernehmen.
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Und so ist The Secret World nicht nur in Bezug auf die Spielwelt ein Neuanfang für Funcom. Es ist vielmehr die Reifeprüfung, mit der das Entwickler-Studio der Community ein für allemal beweisen kann, dass man die Zeit der Jugendsünden hinter sich gelassen hat. The Secret World ist für Funcom also weit mehr als nur das nächste Spiel - und gerade deswegen wird es höchste Zeit, dass wir uns diesen Titel endlich mal mit eigenen Augen ansehen.

Ein starker Partner?

Die erste Möglichkeit dazu hatten wir bereits in der zweiten Novemberwoche, in der uns Funcom direkt ans Rheinufer nach Köln bestellte, wo bekanntlich Electronic Arts sein deutsches Hauptquartier errichtet hat. EA wird das Publishing von The Secret World übernehmen. Und wem diese Nachricht den Angstschweiß auf die Stirn treibt, dem sei vorab versichert, dass sich Funcom nicht ins Spiel hineinpfuschen lässt und - das wurde uns ebenso garantiert - auch keine Origin-Pflicht bestehen wird.

Als würden Stephen King und H. P. Lovecraft gemeinsam ein MMOG entwickeln...Ausblick lesen

Allerdings nahm man uns Journalisten in die Pflicht - über alles, was wir an diesem Tag im EA-HQ zu sehen bekommen würden, bis zum heutigen Tag den Mantel des Schweigens zu legen. Doch nun, da unser Schweigegelübde unwirksam geworden ist, berichten wir aus erster Hand von unseren Erlebnissen in einer Welt, die ihren Namen wohl zu Recht trägt.

Das Sagen haben in The Secret World nämlich drei geheime Organisationen, namentlich die Templer, Illuminati und Dragon. Alle drei arbeiten aus dem Untergrund heraus, was aber nicht heißen soll, dass sie deswegen weniger Macht hätten. Insbesondere seitdem die große Katastrophe über die bekannte Welt hereingebrochen ist, haben die drei Gruppierungen den aktiven Kampf gegeneinander und gleichzeitig gegen alles aufgenommen, was die Weltordnung bedroht.

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Ein Löffel Lovecraft, eine Prise Stephen King, verrührt gemäß einem alten Rezept aus Akte X.
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Die Säulen der Welt

Was genau da die Welt bedroht, lässt sich noch nicht genau sagen und wird wahrscheinlich Teil der unzähligen Rätsel sein, die es in The Secret World zu lösen gilt. Für uns scheint es jedoch, als hätten sich alle Geschichten von H. P. Lovecraft, Stephen King und diversen anderen Schriftstellern des Horror-Genres auf einen Schlag in der Welt manifestiert.

Funcoms neue Welt, so verrät uns Lead Designer Martin Bruusgaard gleich zu Beginn, ist auf vier Säulen aufgebaut. Eine davon ist der geheime Krieg zwischen Templern, Illuminati und Dragon. Was für ein Problem die drei Mächte da miteinander haben, ist anfangs nicht ganz klar, doch wo immer sie aufeinander treffen, fließt Blut.

Aller guten Dinge sind drei!

Ganz grob lässt sich sagen, dass die Illuminati durchaus als die Bad Guys von The Secret World durchgehen würden, die Dragon die Kunst des Chaos pflegen und damit in der Mitte der Gesinnungsleiter rangieren, während sich die Templer auf die Fahnen geschrieben haben, die Welt von allem Bösen zu reinigen - mit zuweilen nicht immer ganz sauberen Methoden.

The Secret World - Cthulhu mit rosa Tanga

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Cthulhu im rosa Tanga oder einen Werwolf im Anzug - die Kleidung erfüllt rein ästhetische Zwecke.
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Alle drei Fraktionen haben dabei jedoch das gleiche Ziel vor Augen: Sie wollen die Menschheit vor dem herannahenden Unheil bewahren. Und so erbittert der Konflikt untereinander auch scheint - man hat einen gemeinsamen Feind und wenn es der Sache dienlich ist, legt man den Fehdehandschuh zeitweise auch mal zur Seite. Dass Funcom dabei auf drei Fraktionen setzt, ist natürlich kein Zufall. Auch hier hat Funcom aus Fehlern - diesmal aus denen anderer Studios - gelernt.

Eine bizarre Fusion

Die zweite Säule des Spiels ist das Progression-System. Statt den Werdegang mit Level und Klassen zu beschränken, dürfen die Spieler auf 500 Skills zugreifen, die man an gewissen Punkten im Spiel, bisweilen sogar während einer Mission, austauschen kann. Dadurch soll das Spiel strategischer werden, und ein gutes Gespür für die Erfordernisse einer Auseinandersetzung bringt letzlich mehr als das endlose Grinden nach Ausrüstung in anderen Spielen.

Die dritte Säule ist das moderne Setting. The Secret World spielt nicht in einer abstrakten Fantasy-Welt. Es spielt in einer Welt, die unserer eigenen in vielen Details gleicht, die allerdings durch die seltsamen Ereignisse auf äußerst bizarre Art und Weise verändert wurde - wie in einer Fusion von Endzeit- und Horror-Szenarien.

Als vierte Säule bezeichnen die Entwickler die tiefgreifende Story. Der Spieler versteht dabei am Anfang die Welt nicht mehr. Das wird mit dem Beitritt in einer der Geheimorganisationen kaum besser. Mit jedem Rätsel, dass man zu lösen glaubt, tun sich neue vor einem auf. Man fühlt sich also stärker mit der Geschichte und seinem Charakter verbunden als bei den meisten anderen MMOGs.

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Die erste Raidinstanz - ein eher unwirtlicher Ort und möglicherweise Ausgangspunkt allen Unheils.
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Mit eigenen Augen

Während unseres Besuches in Köln durften wir uns als angehendes Mitglied der Templer durch Teile Londons schlagen. In der Großstadt offenbarten sich sofort die Stärken der Engine, die wir zwar schon aus Age of Conan kennen, die allerdings noch einmal gehörig aufgepeppt wurde und in Sachen Grafik ohne Zweifel zu den besten im Genre gehört.

Da die hauseigene Engine in den letzten Jahren stetig von Funcom optimiert wurde und die technischen Anforderungen seit AoC nicht weiter gestiegen sind, dürfte das Spiel mittlerweile auch auf jedem halbwegs zeitgemäßen System ohne Probleme laufen. Immerhin ein Problem aus alten Tagen hat sich also zwischenzeitlich von selbst gelöst.

Dass Funcom optisch zaubert, war schon während unserer Streifzuges durch London zu sehen, bei dem die Norweger tatsächlich das Flair der bekannten Großstadt aufgefangen und ins Spiel portiert haben. Die Architektur ist überzeugend und die Größenverhältnisse stimmen. In den Häusern könnten tatsächlich Menschen wohnen und in die Autos möchte man – fast wie bei GTA IV – am liebsten einsteigen.

The Secret World - Cthulhu mit rosa Tanga

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Fraktionseigene Uniformen helfen dabei, die Übersicht im PvP zu wahren.
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Mehr Zombies als Einwohner

Einige ebenso spannend wie verwirrende Szenen später landen wir dann in Kingsmouth, einem kleinen, verschlafenen Fischernest, das frappierend an so manchen Horror-Roman erinnert und dessen Straßen wohl nicht umsonst nach King und Lovecraft benannt wurden. Denn während sich die wenigen Überlebenden in der alten Polizeistation verschanzt haben, gehört der Rest des offensichtlich gottverlassenen Örtchens den lebenden Toten.

Vor denen haben wir natürlich keine Angst und unternehmen einen kleinen Ausflug durch die Straßen, um uns durch ein paar Aufträge das Vertrauen der Überlebenden zu verdienen. Das funktioniert wie bei den meisten MMOGs via Quest-NPCs, die Aufgaben vergeben und nach Abschluss Belohnungen bereithalten.

Eine Sache der Kombination

Auch was die Kampfmechanik betrifft, beschreitet Funcom absolut keine neuen Wege. Zwar kann man sich sein Skill-Set nach Belieben umbauen - ausgeführt werden die sieben aktiven Fähigkeiten aber exakt so, wie man das von einem MMOG gewohnt ist - natürlich sollte man sie entsprechend sinnvoll mit den sieben passiven Skills kombinieren.

Etwas anders als gewohnt läuft das allerdings mit der Ausrüstung. Da Waffen und Kleidung nichts an der Stärke oder Abwehr eines Charakters verändern, findet man als Beute verschiedene Booster, die sich je nach Vorliebe und Ausrichtung des Spielers einsetzen lassen. Und da man die Skills ohnehin regelmäßig umstellt, sollte man auch diese Booster entsprechend anpassen.

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Zimmer frei! Was auch immer über die Welt hereingebrochen ist - es wohnt auf diesem Motel.
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“Fight Cthulhu in a G-String”

Und weil das jedes herkömmliche Inventar schnell füllen würde, darf man in seinem Säckel unbegrenzt neue Taschen öffnen, in denen sich all das Loot bequem verstauen lässt. Diese Tatsache spricht natürlich besonders die Sammler und Kleidungs-Fetischisten an, die sich besonders mit ihrem virtuellen Alter Ego identifizieren und den Gegebenheiten entsprechend ankleiden möchten.

“Cthulhu eines Tages zu bekämpfen, mit nichts weiter am Leib als einem rosa Tanga, war von Anfang an das Ziel unserer Entwicklungen”, erklärte die Entwickler mehrfach an diesem Tag und an den Gesichtern der anwesenden Journalisten ließ sich erkennen, dass an dieser Stelle niemand so recht wusste, ob das nun tatsächlich ernst gemeint sein sollte.

Nachdem wir uns dann für einige Stunden durch Kingsmouth geschlagen hatten, versammelten wir uns im Teamspeak und bauten einige schlagkräftige Partys. Ziel war der erste Raid in der Umgebung von Kingsmouth. Und für den mussten wir - leider schon typisch für MMOGs aus dem Hause Funcom - in eine Instanz überwechseln.

Begegnungen für Fortgeschrittene

Ausgestattet mit einigen feinen Ausrüstungs-Boostern und angeführt von Lead Content Designer Joel Bylos sollte uns eigentlich wenig Gefahr drohen. Immerhin hatte der gute Mann die Instanz zu verantworten und er würde wohl wissen, wo er uns da hinführt. Dachten wir zumindest - doch in der Praxis hatte er wohl unterschätzt, wie schlecht die Vertreter der Fachpresse doch spielten.

Und so segneten wir Noobs unzählige Male das Zeitige, bevor wir dem Endboss der Instanz gegenüberstanden. Der schien direkt aus Lovecrafts Fundus entsprungen zu sein und war einfach eine Spur zu stark für unser zusammengewürfeltes und unkoordiniertes Grüppchen. Gut so, denn allzu einfache MMOGs gibt es am Markt zur Genüge.

Der Feind meines Feindes

Nach dieser ernüchternden Begegnung mit der KI des Spiels beschlossen wir, uns noch mal ordentlich gegenseitig eins auf die Mütze zu geben. In der kleineren Variante der instanzierten PvP-Begegnungen kämpften wir mit drei Teams zu je zehn Spielern für die jeweilige Fraktion. Die sogenannten Battlefields, in denen man Flaggenpunkte zu erobern hat, dauern ungefähr 20 Minuten und ensprechen von ihrer grundsätzlichen Mechanik den typischen PvP-Instanzen, wie man sie aus anderen MMOGs kennt.

Klingt langweilig, ist aber durchaus recht kurzweilig, eben weil es drei Fraktionen gibt. Es kann also durchaus passieren, dass nicht das stärkste Team den Sieg davonträgt, sondern jenes, das auf den richtigen Augenblick wartet, bevor es ins Kampfgeschehen eingreift oder sich einfach im richtigen Moment zum Flaggenpunkt durchschleicht.

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Zwei nicht ganz unerhebliche Details
Einen Innovationspreis gewinnt das Battlefield dabei trotzdem nicht. Umso bedauerlicher, dass wir die Warzones noch nicht testen durften, in denen dann über 100 Spieler für ihre Fraktion um die Vormachtstellung kämpfen. Wer dort gewisse strategische Punkte einnimmt und hält, bekommt unter anderem Boni in Form von Buffs, die sich dann auf den gesamten Server auswirken sollen.

Ebenfalls noch nicht zugänglich war für uns das Crafting-System. Nach eigenen Aussagen halten die Entwickler da etwas ganz Besonderes bereit. Was das im Detail bedeutet und welche Gegenstände man sich - abgesehen von dem immer wieder erwähnten rosa Tanga - im Spiel selber basteln kann, wollten die Jungs uns allerdings noch nicht verraten.