The Regiment (PC Review)
von Sebastian Weidner

Was Rambo den Amerikanern, ist Jon McAlesse für die Engländer: Eine alt gewordene Rampensau, wie sie im Buche steht. Mit dem Unterschied, dass McAlesse wirklich existiert und kein Einzelkämpfer ist, sondern pensioniertes Mitglied der Spezialeinheit SAS.

Das englische Pendant zum SEK kommt immer dann zum Einsatz, wenn die Lage zu heikel für die normale Polizei ist. Geiselnahmen, Bombenattentate. Eben das ganze Arsenal von Horrorszenarien. Warum wir euch das alles erzählen?

The Regiment - Trailer

Ganz einfach: Jonny-Boy begleitet euch in Konamis neuestem Taktik-Shooter als "Berater" und gibt mehr oder minder hilfreiche Tipps für die Aufträge, die ihr zu erfüllen habt.

Kampf gegen die Zeit

Fans von Rainbow Six und anderen Titeln, die Wert auf akribische Planung vor dem Einsatz legen, werden mit The Regiment nicht glücklich. Statt auf dem Reisbrett Wegpunkte zu bestimmen, vorab Waffen auszuwählen und Teams einzuteilen, erhaltet ihr nur eine kleine und wenig aussagekräftige Beschreibung der Lage. Nach dem kurzen Ladevorgang geht es auch schon los. Jetzt heißt es schnell mit eurem Vier-Mann-Team vorrücken und den Level von Terroristen säubern. Wobei schnell schon fast untertrieben ist. In so manchem Einsatz müsst ihr dermaßen zügig durch die Mission eilen, dass der Taktikanspruch darunter leidet. Stets sollen strenge Zeitlimits eingehalten werden. Da passiert es des Öfteren, dass ihr alle Ziele erfüllt habt, aber schlicht zu langsam wart, um den nächsten Level freizuschalten.

The Regiment - Schnörkellose Action im Taktik-Gewand: Als Rambo Verschnitt gegen den Terror!

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Das ist mitunter frustrierend, da ihr erst nach Missionsende erfahrt, ob es gereicht hat. Vier Szenarien mit jeweils drei nacheinander zu spielenden alternativen Vorgehensweisen haben die Entwickler von Kuju Entertainment implementiert.

Historisch am interessantesten ist die Geiselbefreiung der iranischen Botschaft in London (so vorgefallen im April 1980). Während ihr in der Variante A mit eurem Team aus dem Park anrückt und Geiseln im Erdgeschoss und Keller befreien müsst, sollt ihr in Version B vom Dach aus vorstoßen und die oberen Stockwerke befrieden.

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Nettes Atmosphäre-Plus: Als wir vom Park aus Richtung Botschaft wetzen, machen wir eine Explosion aus und erblicken auf dem Balkon des Gebäudes eine weitere Einsatzgruppe. Deren Kommando können wir nach dem erfolgreichen Abschluss der Mission ebenfalls übernehmen und nehmen die Szene sodann aus vertauschtem Blickwinkel wahr. Vom Balkon aus sehen wir nun also unsere Kollegen im Park, die wir zuvor noch selbst gesteuert haben. Die restlichen drei Aufträge sind rein fiktiver Natur, wirken aber dennoch erschreckend real. Irische Fanatiker haben einen Bauernhof zu einer Bombenfabrik umgerüstet. Ihr sollt dem Treiben ein Ende setzen und wichtige Dokumente sicherstellen. Das ist euch zu ländlich?Wie wäre es mit einer Geiselbefreiung in der Londoner U-Bahnstation Trafalgar Square? Ebenfalls Geiseln genommen haben bitterböse Extremisten im englischen Parlament. Genau die richtigen Jobs also für harte Jungs wie euch! Wie so oft im Genre sind die Einsätze leider auch in The Regiment völlig zusammenhangslos. Eine Rahmenhandlung existiert nicht. Verschenktes Potential!

Folgsame Arbeitssklaven
Wie bereits erwähnt, übernehmt ihr stets das Kommando eines jeweils vierköpfigen Teams. Zwischen den Charakteren springen dürft ihr allerdings nicht. Stirbt euer alter Ego, ist die Mission verloren. Eure Mitstreiter bleiben im wahrsten Sinne des Wortes farblos. Die schwarz gekleideten Jungs sehen alle gleich aus, haben keine Namen und erst recht kein Profil. Dafür horchen sie aufs Wort. Befindet ihr euch vor einer geschlossenen Tür, ruft ihr per Leertaste ein Kreismenü auf und befehlt den Burschen, diese zu öffnen.Dabei habt ihr die Wahl: Entweder ihr lasst sie traditionell den Raum stürmen oder vorweg noch eine Granate hinein werfen. So oder so: Zu 80% könnt ihr euch getrost zurücklehnen und eure "Handlanger" die Arbeit verrichten lassen. Selbst zur Tat schreiten müsst ihr eigentlich nur bei komplexeren Angelegenheiten wie einer Bombenentschärfung. Just bei diesem Kurs scheinen die Jungs alle geschlafen zu haben. Generell verhalten sich eure Mitstreiter recht intelligent. Nur äußerst selten kommt es zu Aussetzern. Dann blockieren sie sich gegenseitig oder bleiben in Türen stecken. Den Feinden müssen wir deutlich weniger Intelligenz attestieren. Zwar gehen eure Kontrahenten in Deckung.

Viel mehr beherrschen sie aber auch nicht. Wie angewurzelt stehen sie oft vor euch und lassen sich über den Haufen schießen. Daran ändern auch zwei Schwierigkeitsgrade nichts. Experten wählen den Simulationsmodus und müssen sich darauf einstellen, schon durch einen unglücklichen Volltreffer den Löffel abzugeben.

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Und glaubt uns: Das passiert öfter als euch lieb ist, da die Terroristen plötzlich Zielwasser intus haben und sogar auf weite Entfernungen noch übertrieben exakt treffen. Außerdem erfahrt ihr weder, wie es um die Gesundheit eurer Kollegen bestellt ist, noch wie viele Kugeln sich in eurer Waffe befinden. Anfänger und wenig frustresistente Shooter-Fans greifen deshalb besser auf den Arcade-Modus zu und stürmen so etwas leichtgängiger durch die Missionen.

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Koop-Spaß nach Maß
So passabel sich die KI-Mitstreiter auch schlagen: Es geht doch nichts über die Zusammenarbeit echter Menschen, die gemeinsam virtuelle Terroristen-Rudel ausschalten. So bietet The Regiment als kleines Sahnestück einen kooperativen Mehrspielermodus, in dem ihr im LAN oder Internet alle 12 Missionen der Einzelspielerlevels zu viert angehen könnt. Wer auf größere Gefechte steht oder sich lieber gegenseitig um die Ecke bringt, sollte "Sabre Squad" für bis zu 30 Zocker gleichzeitig ausprobieren. Einige wenige Spieler übernehmen darin die Rolle der mit allerlei Granatentypen und diversen Schusswaffen bestens ausgerüsteten SAS.

Alle anderen verkörpern Terroristen, die zwar über schlechtere Ausrüstung verfügen, aber zahlenmäßig überlegen sind. Technisch gesehen ist das auf einer älteren Version der Unreal-Technologie basierende The Regiment gehobenes Mittelmaß. Detaillierten Umgebungen und einer fähigen Physik-Engine stehen teils schwammige Texturen und zuckelig animierte Charaktere gegenüber.