Daedalic goes Telltale: Ken Follet’s historischer Roman Die Säulen der Erde findet mithilfe vom deutschen Entwickler seinen Weg ins Reich der episodischen Adventures. Er wird euch nicht nur beibringen zu lügen und zu stehlen, sondern euch auch die Geschicke des mittelalterlichen Englands lenken lassen. Im Test zu The Pillars of the Earth erfahrt ihr, wie blutig Geschichte sein kann.

The Pillars of Earth - TeaserEin weiteres Video

Lügen ist eine Sünde, denkt der Mönch verzweifelt und mit jedem Klick wiederholen sich seine Gedanken: Lügen ist ein Sünde, lügen ist eine Sünde. Im neuen Daedalic-Adventure dürft ihr nicht nur etliche schwerwiegende Entscheidungen treffen, sondern könnt auch stets die Gedanken eurer Charaktere sehen. Telltale mit einem Tupfer Heavy Rain – und obwohl die ersten Episoden recht kurz sind, fallen sie dafür ausgesprochen intensiv und mitreißend aus.

Die Säulen der Erde - Daedalic goes Telltale

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The Pillars of the Earth: Was er sieht, ist die Geburtsstunde eines Monumentes
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Stein auf Stein, Knochen auf Knochen

Die Säulen der Erde erzählt im Roman wie im Spiel von der Geburtsstunde einer gigantischen Kirche, nach dem Vorbild der Marienkathedrale, die heute noch über Salisbury in England emporragt. Eine interaktive Geschichtsstunde? Sicherlich, doch die Säulen der Erde sind in Blut getränkt; der Mörtel klebt vom Schweiße der vielen Arbeiter und die Statue der Jungfrau Maria im Kirchenschiff weint Tränen über die Toten.

Drei Familien, ein Mönch und etliche weitere Charaktere begleiten den Bau der Kathedrale und ihre Schicksale werden in Daedalics The Pillars Of The Earth bald miteinander verknüpft – ob sie wollen oder nicht.

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Werden Jack und seine Mutter den Builder helfen?
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Von Mönchen, Hexen und Adeligen

England, im 12. Jahrhundert: Die Familie Builder hat alles verloren. Ohne Essen oder gar einem Dach über dem Kopf irren sie durch das verlassene, dicke Wäldchen vor der fiktiven Stadt Kingsbridge. Es ist Winter, der eisige Wind weht in ihre klammen, zerrissenen Hemden. Der Familienvater Tom Builder ist Steinmetz und träumt davon, sein Leben etwas Großem zu widmen, das in die Geschichte eingehen wird. Doch wird er so seine Familie ernähren können?

Kingsbridge: Das Kloster im Dorf ist verarmt, das Oberhaupt ist unter seltsamen Umständen verstorben und Intrigen schlängeln sich von Mönchsohr zu Mönchsohr. Ihr schlüpft in die Kutte des Gottesmanns Philip, dem ein Brief zugespielt wird, der von größter politischer Brisanz ist. Wem kann er die Informationen anvertrauen? Welches Reich soll fallen und welches wachsen?

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Welches Schicksal erwartet die hübsche Aliena?
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Das Adelshaus: Die junge Aliena gehört dem Adel Kingsbridge an, doch der Krieg fegt über das Land und lässt ihr kaum mehr als einen Sack voll Wolle, mit dem sie handeln kann. Wird ihr Name künftig vergessen werden oder kann sie ihre Familie zu neuer Größe verhelfen?

Schon in der TV-Serie Game Of Thrones durften wir lernen, dass Veränderungen nur dem Schein nach mit Schwertern erzwungen werden. Die wahren Kriege jedoch finden im Verborgenen statt. Intrigen, die gesponnen werden und Schlangenzungen, die sie von Person zu Person tragen. Das Spiel ist gefährlich. Die Mönche vom fiktiven Kingsbridge müssen das ebenso lernen, wie ein kleiner, rothaariger Junge und seine Mutter, die als Hexe verschrien wird. Ein falsches Wort, eine gütige Geste zu viel und jemand wird hängen – vielleicht sogar ihr selbst.

Eine liebevolle Umsetzung von Ken Follets “Die Säulen der Erde” - mit einem sehr Telltale-igen Beigeschmack.Fazit lesen

Telltale lässt grüßen

Wie auch in der beliebten Adventure-Version von Game Of Thrones werden inDie Säulen der Erde mehrere Schicksale nach und nach miteinander verknüpft. Springt von einem Blickwinkel zum nächsten, trefft die Entscheidungen der Mönche, der Adeligen und schaut durch die staunenden Augen des rothaarigen Jacks, als er das erste Mal Kingsbridge besucht. Oft gilt es, unter Zeitdruck zwischen mehreren Antwort- oder Aktionsmöglichkeiten auszuwählen, die gerne über mehr als nur ein Schicksal entscheiden. Am Ende jeder Episode erhaltet ihr einen Überblick über alles, das ihr nun verantworten müsst. Ein Prinzip, das ebenfalls von Telltale perfektioniert wurde.

Schließlich basiert Die Säulen der Erde auf einer festgeschriebenen Geschichte, ihr werdet mit euren Entscheidungen also nicht die Welt aus den Angeln heben. Die Beziehungen zwischen den Charakteren könnt ihr jedoch beeinflussen, ebenso auch die Verhältnisse zu den NPCs.

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Prior Philip hat Angst vor dem, was er gleich tun wird
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Per Mausklick könnt ihr euch die Gedanken der Figuren anzeigen lassen. Die abgehackten Wortfetzen bilden eine Reihe von Assoziationen, die euch schnell nachempfinden lassen, was in euren Charakteren vorgeht: “Lügen ist eine Sünde”, denkt Philip vor dem Kloster, kurz bevor ihr euch entscheiden könnt, ob er seinen Bruder an den Bischof verrät oder nicht. “Was, wenn ich versage?

Ken Follets Roman fügt sich reibungslos in das Adventure-Format: Ihr steuert eure Figur wie üblich mit dem Mauspfeil, sammelt Gegenstände in eurem Inventar und könnt Briefe sowie eigene Notizen immer wieder nachlesen. Und das solltet ihr auch: Wissen ist die Essenz aller politischen Intrigen, in die ihr verwickelt werdet.

Nicht originell, aber gut

Die Säulen der Erde bedient sich bei einigen Genre-Giganten, setzt deren Gameplay-Strategien jedoch bemerkenswert angenehm um. Schnell ergreift euch das Gefühl, wirklich über das Schicksal vom Arm und Reich entscheiden zu können; schnell wachsen euch Jack, seine Mutter und die anderen Charaktere ans Herz.

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Die Säulen der Erde umgeben die Builders wie ein schützendes Haus
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Unterstrichen wird das Ganze von einer malerischen und liebevoll gestalteten Umgebung: Die Säulen der Kathedrale schießen empor, als der Steinmetz Tom Builder seiner frierenden Familie im Wald erzählt, was er bauen könnte, würde ihm nur die Möglichkeit dazu gegeben werden. Das sanfte Licht der Morgendämmerung strömt durch die länglichen Fenster und wärmt Frau und Kinder, wenn auch nur in der Vorstellung. Könnte so ihre Zukunft aussehen?