The Outfit (Xbox 360 Review)
von Oliver Dombrowski

Frankreich - Ihr befindet euch irgendwann in den 40er Jahren mitten im zweiten Weltkrieg. Als Anführer einer Spezialeinheit ist es eure Aufgabe, die deutschen Besatzer aus dem Land zu vertreiben und zurückzuschlagen.

The Outfit - Intro Movie

Klingt wie eine x-beliebige Einleitung zu einem x-beliebigen WWII-Shooter? Richtig. Die Verwurstung des Szenarios scheint mittlerweile zur serienmäßigen Ausstattung der meisten Entwicklerstudios zu gehören - allzu oft bewegt sich die Umsetzung allerdings eher auf Seifenkisten- statt auf Oberklasse-Niveau. Bleibt die Frage, wo sich The Outfit einreihen kann…

Zweifelhaftes Szenario, zweifelhafte Helden
Wahrscheinlich genauso ausgelutscht wie das Ziel, mit Hilfe der Alliierten in First- beziehungsweise Third-Person-Perspektive den zweiten Weltkrieg zu entscheiden: Die Kriegshelden, die den Fein im Alleingang aufmischen. Leider bietet The Outfit genau das.

Ihr schlüpft in die Rolle eines von drei Helden und führt eine kleine Gruppe Soldaten an. Das Ziel: Die Nazis im Alleingang platt zu machen. Gar nicht so einfach, stellen sich euch doch Dutzende psychopathischer Generäle in den Weg stellen, um ihr Vaterland zu beschützen.

The Outfit - Fliegende Jeeps und drei harte Kampfsäue! Noch ein WW2-Shooter?

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Eure Spezialeinheit nennt sich The Outfit - daher auch der Name des Spiels. Mit Mode hat das alles jedoch wenig zu tun, der Name ist eher ein Synonym für eine verdeckt agierende Einheit. Zwischensequenzen treiben die Story voran und heroisieren gleichzeitig eure drei mutigen Kriegsveteranen. Die Hintergründe sind jedoch frei erfunden.

Packshot zu The OutfitThe OutfitErschienen für Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Vor dem Start der Kampagne müsst ihr euch für einen der großen Helden entscheiden. Da wäre zum einen die Peinlichkeit in Person, Deuce Williams. Das Klischee eines Krieg-Stereotypen bedienend trägt diese harte Sau eine Sonnenbrille, ´ne Bazooka und, wie süß, einen kleinen Revolver (den er wahrscheinlich jede Nacht mit ins Bett nimmt).

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Des weiteren stehen JD Tyler und Tommy Mac zu Verfügung. Da die Jungs sich alle in ihren Fähigkeiten stark unterscheiden und ergänzen, ist JD beispielsweise eher der vorsichtige Typ, der mit seiner Shotgun und seinem Sniper-Gewehr über das Spielfeld kriecht. Tommy Mac hingegen scheint ein Kindheits-Trauma mit einem Grill nicht richtig verarbeitet zu haben. Er zieht mit einem Flammenwerfer und einer kleinen Uzi umher.

Viel Platz und nichts zu tun
Freunde des taktischen und vor allem strategischen Vorgehens sollten besser diesen Absatz überspringen - er wird ihnen niczht schmecken.

Zwar sind die Aufträge in den Zwölf Einzelspieler-Missionen eher strategischer Art, doch die Ausführung erweist sich als pures Hau-Drauf-Gemetzel. Gestartet wird in der Normandie, zur Abwechslung allerdings nicht am Omaha Beach. Fernab jeglicher Verteidigungslinien werdet ihr abgeworfen, mit dem durchaus strategischen Ziel alles zu eliminieren, was nicht eure Uniform trägt. Doch keine Panik! Sub-Aufträge wie "Befreie den Strand" oder "Fang die Fallschirmjäger ab" werden erst während der Mission erteilt und peppen sowohl Atmosphäre als auch die taktische Komponente etwas auf.

Ein Blick auf die Übersichtskarte verrät: "Verdammt ist das Groß hier!!". Genau, die Level in The Outfit sind so riesig geworden, dass das Spiel ohne einen Jeep oder Panzer schon mal in eine "Nordic-Walking-Sportsimulation" ausarten kann. Habt ihr dann mal alle Standpunkte der deutschen Fraktion abgeklappert, halb Frankreich gesehen und alle Nebenaufträge erledigt, geht's mit dem nächsten Hauptziel weiter.Wenn ihr zur Abwechslung mal nicht alle Nazis abknallen sollt, kann es auch vorkommen, dass ihr einen Panzer in eure Gewalt bringen oder eine Gruppe von Soldaten beschützen müsst.

Hilfe! Es regnet Panzer!!
Bei all den deutschen Soldaten, die gerade Urlaub in Frankreich machen, braucht ihr natürlich den passenden Fuhrpark, um den bösen Jungs so richtig Feuer unterm Arsch zu machen. Ganz wie in einer Schießbude erhaltet ihr Punkte für Gegner, die ihr gerade mit Blei vollgepumpt habt. Da nur Punkte sammeln zu langweilig wäre, hält das Outfit für euch eine kleine Überraschung bereit. Öffnet ihr ein unscheinbares Menü, seht ihr zuerst nur ein paar leere. Schießt ihr weiterhin fleißig deutsche Köpfe von den Schultern und sammelt dadurch mehr Punkte, erweitert sich das Menü. Nach und nach stehen euch dann immer mehr hübsche Gefährte zur Verfügung. Unter anderem findet sich darunter ein Panzer, von dem Tommy Mac schon immer geträumt hat: Ein fetter Flammenwerfer schmückt das Gefährt!

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Neben Fahrzeugen lassen sich über das Nachschub-Menü auch stationäre MGs und Flak-Geschütze anfordern. Habt ihr im virtuellen Drive-In-Schalter euren Wunsch abgegeben, fliegt prompt ein Bomber über euren Kopf hinweg und schmeißt euch eure Bestellung vor die Füße. Wie Praktisch! …Nur sollte man dabei ein wenig aufpassen wo man steht, denn ein Jeep auf dem Kopf kann unangenehm werden.

Viele Tote und wenig Hirn
Im Optimalfall seid ihr nie allein unterwegs. Sollte alles glatt laufen, sind immer fünf oder sechs Soldaten bei euch, die euch den Rücken frei halten.

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Die Jungs werdet ihr auch gut gebrauchen können, denn im Alleingang könnte es schwierig für euch werden. Sind mal alle Kollegen abgenippelt, könnt ihr euch trotzdem aus dem Nachschub-Flugzeug neue Freunde runterwerfen lassen - Ideal für Pokerabende, ganz nebenbei.

Also wo ist dann der Haken? Ganz einfach, in Sachen Intelligenz kann die KI ungefähr mit einem Keks mithalten. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die Games Convention 2005. Als dort das Spiel vorgestellt wurde, zockten zwei Mitglieder vom Team und versagten schlichtweg gegen die künstlich intelligenten Deutschen.

Schlau wie die Jungs eben sind, änderten sie ihre Übersoldaten in sabbernde Zombies, damit sich auch niemand beschwert, das Spiel wäre zu schwer. Warum die Entwickler sich nach der eindrucksvollen KI-Präsentation jetzt auf "Masse statt Klasse" verlegt haben, wird wohl auf ewig ihr Geheimnis bleiben.

Spielerisch schlecht, atmosphärisch gut
The Outfit besticht nicht gerade durch seine grafische Brillanz. Leider sind die ohnehin schon viel zu groß geratenen Level zu monoton gestaltet: hier mal ein Baum, dort mal ein Busch. Dazu kommen verwaschene Texturen und Hütten, die wahrscheinlich Baracken darstellen sollen. Um die Models und deren Animationen ist es nicht viel besser bestellt. Staksige Bewegungen regen ein ums andere Mal zum Schmunzeln an - sofern man solche Schnitzer mit Humor nehmen kann.

Entschädigt werdet ihr von einer ausgereiften Physik, die allerdings manchmal Probleme mit der Kollisionsabfrage hat.Trotzdem ist es schön anzusehen, dass man so ziemlich alles auf der Karte interaktiv klein hacken kann. Soll heißen, Bäume splittern unter der Last eines Panzers, Fahrzeuge explodieren auf attraktive und sinnvolle Art und Flugzeuge fallen spektakulär in Flammen vom Himmel.

Trotz vieler Schwächen im Detail schafft es The Outfit so, sein eigenes Flair und damit eine tolle Atmosphäre zu erschaffen. Dazu trägt auch die gute Synchronisation bei. Während ihr auf amerikanischer Seite standesgemäß englische Befehle bellt, werden deutsche Soldaten eben nur für deutsche Spieler verständlich sein. Wer die deutsche Sprache nicht mit der Muttermilch aufgesaugt hat kann dennoch beruhigt sein. Wer möchte, greift einfach auf die sehr gut übersetzten Untertitel zurück.

MEHR-Spieler-Modus?
Wen die stinkende KI auf Dauer nervt, darf sich in der Online-Welt von The Outfit vergnügen.

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Diese bietet einen Zweispieler-Splitscreen-Modus, System-Link-Feature für bis zu acht tapfere Mitspieler und natürlich das XBox-Live-Feature mit ebenfalls maximal acht Mitstreitern. Dort könnt ihr nicht nur kooperativ zusammenarbeiten, sondern eure Aggressionen auch in Deathmatches auslassen oder dem sogenannten Spezial-Modus ("Zerstörung") beiwohnen. Der Name ist übrigens Programm: Wer auf der Karte am Meisten in Schutt und Asche legt, gewinnt. Voraussetzung für den Online-Spaß ist allerdings, dass ihr Mitspieler findet. Leider platzen die Server zumindest im Moment noch nicht aus allen Nähten.