Die Pendulo Studios, die klugen Köpfe hinter der Runaway-Trilogie, machen sich für die nächste große Sache bereit - zumindest behauptet das ihr neuer Titel. Nach der abgeschlossenen Geschichte um Brian Basco schieben die Spanier „The Next Big Thing“ auf die Point-and-Click-Schiene. Der Name ist aber eher scherzhaft gemeint. Muss er wohl. Vor allem, weil das klassische Adventure das Genre kaum in seinen Grundfesten erschüttern wird.

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Mit Genre-typischen Point-and-Click-Rätseln wird der Weg konservativ gepflastert, um die gewitzte Geschichte zu erzählen. Doch die ist nicht einmal das Besondere, denn wer „Runaway“ kennt, weiß, dass Pendulo in dieser Hinsicht routiniert zu Werke geht. Nein, was „TNBT“ ausmacht, sind das Setting, der Stil und - ganz Firmentradition - die schrägen Charaktere.

The Next Big Thing - Das Heilmittel für Krebs? Frieden auf Erden? Oder vielleicht einfach nur ein gutes Adventure?

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Der Märchenonkel erzählt die Geschichte
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Das Hollywood der 50er-Jahre ist Schauplatz des Spiels, doch wer alt genug ist, dürfte sich ein wenig anders an die Zeit erinnern. Fragen wir doch unsere Eltern: Liefen ihrerzeit überall Monster herum, die sich intelligente Roboter zum Übernehmen der einfachen Arbeiten gebaut haben? Hat ein gewisser Herr FitzRandolph den Horrorfilm erfunden, da er sich und seine Ungeheuerfreunde in die Gesellschaft integrieren wollte?

Was sich hasst, das neckt sich

Wie man merkt, nimmt sich TNBT nicht zu ernst, was sich auch in den Hauptcharakteren niederschlägt: Die Journalisten Liz Allaire und Dan Murray sind ein ungleiches Paar und können sich auf den Tod nicht ausstehen. Liz beklagt sich über Dans machohaftes Getue und seine Nach-mir-die-Sintflut-Haltung. Der wiederum kann mit der zierlichen, Selbstgespräche führenden „Irren“ nichts anfangen und wäre sowieso gerade lieber im Stadion. Dan ist Sportfanatiker und hat für ein Käseblatt das entsprechende Ressort übernommen, doch da er seinen Chef mal wieder zur Weißglut getrieben hat, muss er mit Liz eine Reportage über eine Preisverleihung schreiben.

Zu Beginn des Spiels befinden sich die beiden gerade auf dem Parkplatz von FitzRandolphs Villa, als sie sehen, wie jemand ins Büro des Gastgebers einbricht. Dan will eigentlich schnell nach Hause und hat kein Interesse an der Geschichte, doch Liz wittert eine große Story. Sie beginnt zu ermitteln, und wir machen erste Bekanntschaft mit dem Rätseldesign des Spiels.

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Ob dieser Zeitgenosse mit Marvin aus "Per Anhalter durch die Galaxis" verwandt ist?
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Während es einige Charaktere gibt, die man in mitunter amüsante Gespräche verwickelt (bestes Beispiel: ein depressiver Gärtnerroboter), hält sich die Anzahl der benutzbaren Objekte in Grenzen. Die Aufgaben sind mit ein wenig Hirnschmalz recht schnell gelöst, obwohl man zum Teil nur durch Versuch und Irrtum weiterkommt. Die Hotspots lassen sich nach Belieben einblenden, wodurch lästiges Absuchen der Bildschirme entfällt.

Sympathisches Abenteuerspiel mit charmanten Charakteren und originellem Setting. Wer klassische Adventures liebt, sollte diesen Titel im Auge behalten.Ausblick lesen

Der nächste Schritt ist nicht immer offensichtlich, doch wer mit allen Personen redet, bekommt den einen oder anderen Hinweis. So ist es beispielsweise zunächst unklar, wofür man die lumpige Jacke benötigt, die man unerwartet von jemandem geschenkt bekommt, bis man die Taschen derselben durchsucht. Insgesamt sind die Rätsel jedoch in sich logisch und nachvollziehbar.

Auf die harte Tour

Haben wir im ersten Kapitel die Leute noch als Liz durch unsere seltsame Art verwirrt, übernehmen wir im zweiten die Kontrolle über Dan. Abfällige Kommentare und schlechte Laune sind nun vorherrschend, doch meine Stimmung bessert sich zusehends. Verantwortlich sind Professor Fly, eine hochintelligente Fliege, und sein Gehilfe, der Poet der Schmerzen. Dieser ist ein dichtender Koloss, dessen Muse neuartige Schmerzen sind.

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Unter der furchterregenden Fassade verbirgt sich eine zarte Dichterseele
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So verbrennt er sich bei unserem ersten Treffen mit einer Lupe nachdenklich die Hand und gibt auf Anfrage eines seiner Gedichte zum Besten. Im weiteren Verlauf muss Dan ihn „inspirieren“, doch wer denkt, mit dem Baseballschläger würde man Ergebnisse erzielen, irrt. Derart abgedroschene Praktiken kennt der Poet zu Genüge - etwas Neues muss her.

Wir wollen nicht zu viel verraten, doch der masochistisch veranlagte Riese ist für den einen oder anderen Lacher gut. Apropos: Der Humor von „The Next Big Thing“ ist sehr treffsicher und angenehm unaufdringlich. Es lohnt sich, mit jedem der schrulligen Figuren einen Plausch zu halten, zumal die beiden Hauptcharaktere immer wieder den einen oder anderen flotten Spruch vom Stapel lassen. Überhaupt versprüht „TNBT“ mit seinen detailverliebt gezeichneten Hintergründen eimerweise Charme: In den Kulissen lässt sich immer etwas entdecken – Gemälde, Kürbisse oder ein schlafender Mariachi sind nur einige Beispiele. Wer den „Runaway“-Zeichenstil mochte, wird hier glücklich werden.

Weniger ist mehr

Maßgeblich zur Atmosphäre trägt der Sound bei: Die deutsche Version ist durchweg gut besetzt und die Sprecher geben sich merklich Mühe. Die Übersetzung ist zum Teil noch verbesserungswürdig (Liz bezeichnet ihren Partner als „Blödian“), grobe Schnitzer konnten aber vermieden werden. Die musikalische Untermalung ist sparsam und kommt an den richtigen Stellen zum Einsatz: Gedämpfte Musik und Konversationsfetzen dringen aus dem Nebenzimmer, als Liz bei einer Party auftaucht, doch als sie sich mit dem traurigen Roboter unterhält, tönt eine melancholische Klaviermelodie aus den Boxen.

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So sahen Hunde in den 50er-Jahren aus - zumindest in Hollywood
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Die Animationen sind hübsch anzusehen und sagen einiges über die jeweilige Figur aus. Einziges Manko: Zum Teil laufen sie quälend langsam ab und lassen sich auch nicht vorspulen (beispielsweise bei mehrmaligem Ansprechen einer Person). Zumindest kann man die Hauptcharaktere per Doppelklick durch die Hintergründe „teleportieren“, um Zeit zu sparen, wodurch gelegentliches Hin-und-her-Gerenne nicht allzu nervig ist.