The Matrix: Path of Neo (Xbox Review)
von Patrick Streppel

Bereits im Frühjahr 2003 hieß es "Enter the Matrix!", doch die groß angekündigte Koproduktion aus Film und Spiel entpuppte sich im Test als unterdurchschnittlicher Actiontitel, der lediglich mit stimmigem Film-Flair punkten konnte - dank geschicktem Marketing wurde Ataris Prestige-Projekt aber dennoch ein kommerzieller Erfolg.

Nach mehr als zwei Jahren erscheint nun mit Path of Neo die inoffizielle Fortsetzung, die in vielen belangen zwar anders, aber nicht unbedingt besser ist.

Zugeben, auch der Schreiber dieser Zeilen hat sich einlullen lassen vom großen Gerede David Perry's, mit Enter the Matrix sei die perfekte Synergie aus Film und Spiel erschaffen worden. In der medialen Hypewelle der neuen Matrix-Filme, die optisch alles da gewesene zu übertreffen schienen, dampfte auch Shiny's Großprojekt mit voller Fahrt voraus.

Als erste, richtige Koproduktion zwischen Hollywood und der Spieleindustrie gepriesen, sollten der kreative Geist der Wachowsky-Brüder und die digitalen Künste der Earthworm Jim-Macher nach zahlreichen Negativ-Beispielen endlich für das ultimative "Spiel zum Film" sorgen.Die Erweiterung der epischen Kino-Handlung und exklusiv für das Spiel produzierte Zwischensequenzen waren die Aushängeschilder des mehr als 40 Mio. Dolllar teuren Projekts. Die Idee: Wer die Matrix-Saga wirklich begreifen wollte, der musste neben den Filmen sowie der Animationsreihe Animatrix auch das Spiel besitzen, das sich folglich weltweit mehr als vier Mio. Mal verkaufte.

The Matrix: Path of Neo - Fette Action oder Neos Weg in die Sackgasse?

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Packshot zu The Matrix: Path of NeoThe Matrix: Path of NeoErschienen für PC, PS2 und XBox kaufen: Jetzt kaufen:

Enter the Hype!
Doch so überraschend wie die neuen Matrix Filme enttäuschte auch Enter the Matrix als Spiel: Die Grafik war unterdurchschnittlich, die Steuerung hakelig, selbst die Konsolenfassungen voller Bugs. Wer hätte es bei Shiny Entertainment nicht ahnen können? Mit dem Engels-Shooter Messiah hatte das damals noch zu Interplay gehörende Studio doch ein ebenso ambitioniertes, aber technisch völlig desaströses Actionspiel abgeliefert.
Enter the Matrix konnte lediglich in einem Punkt überzeugen: Die während der Hauptdreharbeiten entstandenen Zwischensequenzen waren wirklich schick und die Storyline des Spiels, in der nicht Neo, Trinity oder Morpheus, sondern die Nebencharaktere Niobe und Ghost plötzlich die Hauptrolle übernahmen, fügte sich perfekt in die Handlung des zweiten Films ein. Immerhin etwas.

Denn so lediert wie der Ruf des Kult-Streifens Matrix nun schon war, für Computerspieler kam es noch eine Spur schlimmer: Anfang 2005 stellten Monolith und Sega das Online-Spiel Matrix Online ins Netz, das trotz vieler guter Vorsätze wie ein Relikt aus alten Zeiten wirkte. Wiederum unter Einbeziehung der Wachowsky-Brüder sollte das MMO die Geschichte nach der Kino-Trilogie erzählen, doch die Art wie dies geschah enttäuschte so sehr wie die langweilige Spielmechanik oder die leblosen Städte. Wieder war es der Schreiber dieser Zeilen, der hoffnungsvoll sümmierte: "Wir möchten nicht ausschließen, dass Matrix Online mit der Zeit besser wird - nur einen Hit wie World of Warcraft sehen wir beim

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besten Willen nicht." Richtig, denn Matrix Online steht heute bei Sony Online auf dem Abstellgleis.

Alle guten Dinge sind drei
Die Ankündigung eines neuen Matrix-Spiels aus dem Hause Shiny entlockte den meisten Journalisten folglich nicht mehr als ein müdes Lächeln. Mochte ja sein, dass David Perry und sein Team aus Fehlern gelernt hatten, doch die Enttäuschungen nach den großen Ankündigungen der Vergangenheit saßen einfach zu tief. So kommt es denn auch, dass Path of Neo trotz einer ordentlichen E3-Demo nun mehr oder weniger Hype-frei erscheint!Selbst Science Fiction Fans haben inzwischen mit der Matrix abgeschlossen, die wilden Diskussionen um die Auflösung der Kino-Trilogie sollten auch durch das neue Ende des Spiels nicht so recht wieder aufflammen. Es scheint so, als ist die Matrix in Vergessenheit geraten.

Doch es geht nichts über eine Überraschung: Path of Neo ist nicht einfach alter Wein in neuen Schläuchen, es ist ein grundauf neues Spiel, das nur noch rudimentär an Enter the Matrix erinnert. Das Gameplay wurde komplett überarbeitet, ein völlig neues Kampfsystem eingebaut, neue Level erschaffen und dabei die bekannte Storyline auf den Kopf gestellt. Wie der Name schon andeutet, folgen wir Neo durch alle drei Filme und erleben eine erweiterte Handlung ausschließlich aus seiner Sicht. Das bedeutet keine Verfolgungsjagd auf dem Highway und kein Großangriff auf Zion - bye bye Niobe und Ghost, hallo gottgleiche Macht!

Be the One!
Baute Enter the Matrix auf eine ausgewogene Mischung aus Nahkampf und Waffen-Einsatz, werden Spieler als Neo vor allem mit Hieben und Tritten austeilen: In einer frei drehbaren 3rd-Person Perspektive prügeln wir uns durch zahlreiche Polizisten, Sicherheitskräfte und Agenten. In der Regel sind die Gegner stark in der Überzahl und kreisen uns ein, doch mit verschiedenen Special Moves verschaffen wir uns immer wieder Luft. Neben Tasten für Springen und Benutzen sind eigentlich nur zwei Aktionstasten wichtig, um die verschiedenen Kombos auszulösen: Mit einer Handbewegung "stunnen" wir kurzzeitig unsere Gegner, dann lassen wir sie mit einem Tritt durch die Luft segeln.

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Mit der entsprechenden Kombination (z.B. 5x treten) können wir stärkere Attacken ausführen oder mehrere Attacken aneinander reihen (z.B. erst mehrere "stunnen", dann einmal "treten"), um bis zu drei Gegner gleichzeitig anzugreifen. Vor allem aber sind die Aktionen Kontext-sensitiv: Laufen wir beispielsweise die Wand hoch und drücken dann "treten", lösen wir automatisch einen schicken Special Move aus, der oftmals gleich in Zeitlupe zelebriert wird. Mehr denn je ist aber auch die Fokus genannte Bullet Time von Bedeutung, denn nur in Zeitlupe kann Neo seine vollen Kräfte entfalten: Er schlägt präziser und kräftiger, löst in Kombination mit dem Fokus neue Special Moves aus, läuft an Wänden entlang oder weicht geschickt gegnerischem Feuer aus.Niobe und Ghost erblassen im Vergleich zu Meister Neo, denn "The One" hat Tricks auf Lager, die es so noch in keinem Computerspiel gab: Auf Knopfdruck sehen wir die Matrix als Zeichencode, um Gegner und geheime Stellen besser zu erkennen, bewegen Objekte mit magischer Hand oder schleudern Kugeln zu ihrem Ursprung zurück. Diese "Upgrades" rüsten wir zwischen den Missionen für erworbene Punkte nach, sie sind aber nicht zwingend notwendig: Für hektische Kämpfe bietet Neo ein schlagkräftiges Waffenarsenal mit Pistole, Maschinengewehr, Granatwerfer und Sprengladungen - dank Auto-Aiming drücken wir einfach den rechten Analog-Stick und verpassen so z.B. einem gerade in die Luft beförderten Feind die letzte Kugel.

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Insgesamt sind die Kämpfe durchaus gelungen und deutlich besser als bei Enter the Matrix - es macht einfach Spaß, Agenten in der Luft abzufangen und in den Boden zu rammen, die Wände entlang zu laufen oder mit Kugeln das halbe Level zu demolieren.Best of Matrix?
Das Leveldesign ist durchaus abwechselungsreich, nimmt das Spiel doch bewusst die besten Szenen aus der Filmtrilogie auf: Neben der bekannten Lobby-Szene, dem Kampf beim Merowinger, gegen Hundert Smiths im Park oder dem großen Finale dürfen wir zu Anfang aus dem Bürogebäude fliehen oder später Morpheus mit dem Hubschrauber retten. Während diese reine Ballersequenz noch ganz witzig ist, gehen andere Szenen jedoch schnell auf den Geist: Die Schleichpassage beispielsweise, in der Neo von Kubus zu Kubus und schließlich aus dem Fenster flüchtet, war im Film zwar spannend, im Spiel aber zäh und unausgegoren.

Das ist sicherlich ein Problem dieses "Director's Cut", denn um die Spielzeit zu verlängern, haben die Entwickler so manche coole Filmszene übertrieben erweitert und dadurch die Spannung genommen. Dass Neo beispielsweise am Fensterbrett weitergeht und durch das halbe Gebäude zu Trinity fliehen kann, hat auf die Story keinerlei Auswirkungen.

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Übung macht ja bekanntlich den Meister, doch bei Path of Neo haben wir erstmals erfahren, wie frustrierend Neos Kung Fu Training war. Statt wie im Film mal eben schnell den Download zu erhalten und dann zu Morpheus ins Dojo zu hüpfen, müssen wir uns durch scheinbar endlose Trainingslevel kämpfen, in denen wir eigentlich nichts weiter lernen, als dass Kombinationen aus Schlagen und Treten Special Moves auslösen. Nicht falsch verstehen, ein Tutorial ist sicher sinnvoll, in diesem Fall merkt sich der geneigte Spieler aber ohnehin nicht alle Kombos… Shiny wollte mit den teils bizarren Abschnitten (z.B. ein in Schwarz-Weiß präsentiertes Ninja-Level, das von Bugs geplagt wird) scheinbar für Auflockerung sorgen, herausgekommen sind aber die spielerisch unausgegorenen Passagen, die insgesamt das erste Drittel des Spiels ausmachen.Tausche Partikel gegen…
Wenn es in Path of Neo zur Sache geht, dann richtig. Teilweise wird das Chaos in den Kämpfen unübersichtlich und die Kamera bleibt in Wänden kleben - doch das Spektakel auf dem Bildschirm sieht dafür mehr als atemberaubend aus. Zahllose Partikeleffekte werden eingesetzt um die Umgebung Stück für Stück zu zerbröseln - in der Lobby-Szene sehen wir jedes bisschen Putz und jede Kugel.

Rauch liegt in der Luft, Marmorplatten spiegeln und Gegner werden vom Kugeleinschlag durchzuckt - im Gegensatz zum Vorgänger verwendet Path of Neo eine neue Grafik- sowie endlich eine Physikengine. Doch vor allem auf den Konsolen hat das seinen Preis: Die Framerate auf PS2 und Xbox sackt teilweise beträchtlich ein und bewirkt Zeitlupe obwohl man nicht den Fokus ausgelöst hat - peinlicherweise auch in den Zwischensequenzen. Dort fallen zudem die undetaillierten Charaktermodelle auf, deren Gesichter unsauber aufgeklebt wirken und nicht selten verzerren. Auch das Leveldesign ist wenig inspiriert mit häufig wiederholenden, undetaillierten Texturen.

…Atmosphäre
Wo Path of Neo jedoch am meisten krankt, hätte wohl kaum jemand erwartet: Im Gegensatz zu Enter the Matrix, das mit einer eigenen, spannenden Geschichte und exklusiven Filmsequenzen aufwarten konnte, folgt Shiny dieses Mal strikt der Filmhandlung. Als "Director's Cut" angekündigt, sind die Original-Filmsequenzen zwischen den Leveln jedoch lediglich Ausschnitte mit den Schlüsselsequenzen der Kinotrilogie sowie der Animatrix.

Dabei wird weniger eine zusammenhängende Story erzählt, als uns vielmehr nur mitgeteilt, wo in der Saga wir gerade kämpfen.Ganze Abschnitte im Film werden zu kurzen Sequenzen gestaucht, die durch Zeitsprünge zudem noch in einer solchen Art und Weise zusammen geschnitten sind, dass sie nur einen Sinn ergeben, wenn man den Film bereits kennt. Enttäuschend ist auch die weitere, cineastische Ausstattung: So ist Lawrence Fishbourne auch in der englischen Version der einzige Darsteller, der in seiner Rolle als Morpheus neue Dialoge aufnimmt - andere Charaktere wie Neo, Trinity und Agent Smith werden von anderen Schauspielern gesprochen.

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Obwohl diese die Stimmen zum Teil recht gut imitieren, fällt der Unterschied doch spürbar auf - vor allem, da die Filmsequenzen weiterhin die Originalstimmen besitzen. Ähnlich geht es übrigens der Musik, denn Atari hat sich abseits der Cutszenes nicht die Original-Stücke gesichert. Somit dudelt die Musik zuweilen recht uninspiriert daher.Ganze Abschnitte im Film werden zu kurzen Sequenzen gestaucht, die durch Zeitsprünge zudem noch in einer solchen Art und Weise zusammen geschnitten sind, dass sie nur einen Sinn ergeben, wenn man den Film bereits kennt. Enttäuschend ist auch die weitere, cineastische Ausstattung: So ist Lawrence Fishbourne auch in der englischen Version der einzige Darsteller, der in seiner Rolle als Morpheus neue Dialoge aufnimmt - andere Charaktere wie Neo, Trinity und Agent Smith werden von anderen Schauspielern gesprochen.

Obwohl diese die Stimmen zum Teil recht gut imitieren, fällt der Unterschied doch spürbar auf - vor allem, da die Filmsequenzen weiterhin die Originalstimmen besitzen. Ähnlich geht es übrigens der Musik, denn Atari hat sich abseits der Cutszenes nicht die Original-Stücke gesichert. Somit dudelt die Musik zuweilen recht uninspiriert daher.Ganze Abschnitte im Film werden zu kurzen Sequenzen gestaucht, die durch Zeitsprünge zudem noch in einer solchen Art und Weise zusammen geschnitten sind, dass sie nur einen Sinn ergeben, wenn man den Film bereits kennt. Enttäuschend ist auch die weitere, cineastische Ausstattung: So ist Lawrence Fishbourne auch in der englischen Version der einzige Darsteller, der in seiner Rolle als Morpheus neue Dialoge aufnimmt - andere Charaktere wie Neo, Trinity und Agent Smith werden von anderen Schauspielern gesprochen.

Obwohl diese die Stimmen zum Teil recht gut imitieren, fällt der Unterschied doch spürbar auf - vor allem, da die Filmsequenzen weiterhin die Originalstimmen besitzen. Ähnlich geht es übrigens der Musik, denn Atari hat sich abseits der Cutszenes nicht die Original-Stücke gesichert. Somit dudelt die Musik zuweilen recht uninspiriert daher.